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Interview mit Andreas Stiglmayr

Warum einen Dokumentarfilm über das Ökodorf Sieben Linden?

Meine Filmthemen sind auch meine realen Themen. Beim Rebellenfilm war es das Nicht-Mitschwimmen-Wollen, seinen eigenen Weg und seine Kraft finden. Daraus folgte schließlich die Sehnsucht nach einem anderen Lebensumfeld: keine Autos, nachts dunkel, keine blöden Nachbarn, möglichst nah an oder in der Natur, so ähnlich wie im Urlaub auf einer autofreien Insel. Gefunden hab ich das alles in »Sieben Linden«, und das Tollste war das Gefühl unter Gleichgesinnten zu sein und sprechen und machen zu können, was einen wirklich weiterbringt. Für mich ein gutes Beispiel, dass es auch anders geht.

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Wie lange haben Sie dort insgesamt gefilmt, und was waren für Sie die spannensten Momente?

Erstmal tastete ich mich fotografisch an die Sache ran. Gedreht wurde dann im Frühjahr und Herbst 2006, insgesamt zirka 6 Wochen. Die größte Herausforderung war, dass ich es nicht mit einer Person und seinem Umfeld zu tun hatte, sondern gleich mit einem ziemlich aufgeweckten und teilweise auch sehr misstrauischen Dorf. Was kann ich wen fragen, wie offen werden sie sein, was gibt es für Interessensgruppen? Im Großen und Ganzen hat es uns dann doch sehr überrascht, wie aufgeschlossen, ehrlich und entspannt man unserem Tun begegnete.

Welche Entwicklungen hat das Dorf während der Dreharbeiten durchgemacht?

Als ich zum ersten Mal das Dorf besuchte und meine ersten ausführlichen Gespräche mit Silke hatte, stellte ich überraschend fest, wie sehr das Thema Kinder ausgeklammert war. Es gab eine Handvoll Standartantworten und damit war das Thema abgehakt. Als ich ein Jahr später mit den Dreharbeiten begann, kam bei einem vierstündigen Interview mit Martin und Silke doch einiges Unterschwelliges zur Sprache. So gelang es mir, ein heikles Thema, das im Dorf eigentlich sehr akut war, auszugraben und auf den Tisch zu bringen. Entgegen meinen Erwartungen wurde das Thema nicht mehr ignoriert und tabuisiert.

Warum haben Sie einen so neutralen Beobachtungsstandpunkt gewählt?

Eigentlich tendiere ich zuerst immer dazu, sehr progressive Filme zu machen, anzuklagen und anzuprangern, weil ich verärgert bin und mich ohnmächtig fühle. Aber ich will die Probleme bei den Wurzeln packen und nicht einen Aufhänger, Feind und ein Opfer suchen. Der Film sollte für den interessierten Zuschauer eine Herausforderung darstellen. Letztendlich bin ich selbst überrascht, wie positiv der Film geworden ist. Er säht keine Aggressionen, sondern unterhält, regt an und stellt trotzdem das jetzige System und Dasein in Frage.

Welche Möglichkeiten, sich im Bereich Ökologie zu engagieren, sehen Sie außerhalb der dargestellten Lebensentwürfe?

Ganz einfach: das jetzige System nicht mehr unterstützen, niemandem schaden und sich sein eigenes Handeln klar machen. Dazu ist es notwendig, sich selbst und sein Umfeld neu zu entdecken. Am Besten den Fernseher und das Auto abschaffen, die Ernährung umstellen und schon wird der Kopf frei, es zeigen sich neue Wege und Perspektiven, Körper und Geist werden fit. Das braucht Zeit, Kraft und eine neue Sensibilität. Wem es aber gelingt, ausgeglichen, unabhängig und respektvoll mit sich und der Natur umzugehen, der wird auch einen guten Einfluss auf sein Umfeld ausüben und sich dort engagieren, wo es sinnvoll ist.

Über den Film

150km westlich von Berlin, bei der Gemeinde Poppau in der Altmark, entstand in den letzten 10 Jahren Deutschlands neuestes Dorf „Sieben Linden“. In jener Genossenschaft leben heute 43 Frauen, 35 Männer und 33 Kinder. Im Vordergrund stehen: ökologische, ganzheitliche Gemeinschaftskultur, Selbstverwaltung und -versorgung, Bildungs- undFriedensarbeit, regenerative Energie- und Wasserversorgung. Ein mit Wolken verhangener Morgen. Jörg und Ute radeln raus auf die Felder. Silke erwartet sie schon. Jörg wühlt mit der Mistgabel den Boden auf und prüft die Feuchtigkeit der Kartoffeln. Für Silke ist klar, daß es mit der Ernte heute nichts wird. Der Regen verleiht den Blumen, den Häusern eine beruhigenden Glanz. Kaum jemand ist unterwegs.

Silke radelt zurück zu ihrem Bauwagen. Sie erzählt uns, dass in Deutschland doch jeder frei wäre das zu tun was er von Herzen aus wolle und für sie das auch der Weg aus jeglichem Schlamassel sei. Die Sonne kämpft sich wieder durch. Martin schaut nach den Jungbäumen in der Baumschule. Die Irokesen hätten immer so gelebt, daß die nachfolgenden 7 Generationen auch gut leben konnten und stellt fest, dass die meisten immer glauben der Staat wird schon alles richten. Niemand hat geglaubt das wir hier unsere Träume verwirklichen, stellt Eva fest; Gemeinschaften sind nicht vorgesehen vom Staat, denn wenn jeder Einzelne einen Rasenmäher hat, dann kommt die Wirtschaft besser zu Rande, meint Martin Goldstein; einfach nicht mehr mitmachen, das ist für Jörg die Revolution und der Henning findet es total angenehm zu spüren, was um einen herum passiert.

Zum Film: Silke, Martin, Lebenswege, Club99

Es gibt viel zu tun, im Hof und im Laden ist reges Treiben, der Tag neigt sich, Feierabend, die Lichter gehen an. In der Kneipe auf dem Dorfplatz wird getanzt; ein neuer Tag beginnt. Martin duscht sich erstmal in seiner Freiluftdusche und macht im Garten ein paar Dehnübungen. Beim Zähneputzen in der Badekuppel trifft er Silke. Sie hat Martin auf einem Gemeinschaftsprojekttreffen kennen gelernt und sich gleich in ihn verliebt. Vom Führerscheingeld der Oma hat sie sich ihr immer noch funktionstüchtiges, tolles Trekkingrad gekauft, erzählt sie stolz. Denn wenn man schon was Neues kauft, dann sollte es schon was Gutes sein. Es ist ein herrlicher Tag. Silke radelt rüber zur Koppel und zeigt ihrer Mitarbeiterin wie man alle vier Pferde gleichzeitig von der Weide holt. Die Legebatterien des Nachbarn oder vielmehr die Gleichgültigkeit der Eltern über das Leid der Tiere, hat sie dazu gebracht alles zu hinterfragen, wo was herkommt, wie es hergestellt wurde. Auf dem Rückweg pflückt sie sich im Garten Blumen, richtet sie vor ihrem Wagen in eine Schale und räumt dann erst mal auf.

Sie liebt es so nah an und mit der Natur zu leben, bloß würde der Bauwagen so schnell auskühlen und im Winter seien morgens die Klamotten immer so kalt. Der Martin hat hingegen schon ein großes Zimmer in einem wunderschönen Haus, wo er fleißig Joga macht. Tolle Autos haben ihn früher schon auch begeistert, aber er merkte bald, dass das so nicht funktionieren kann, studierte Energietechnik und ist eher der, der sich einem Projekt anschließt und versucht sein Können mit einzubringen.

Er radelt rüber zum Haupthaus, schaut nach seiner Post, bespricht im Treppenhaus organisatorische Dinge und geht im Büro an den Rechner. Silke ist auch da, telefoniert und gibt dann ein Seminar. In der Kantine trifft sie viele Leute, zapft sich einen Tee und schmiert sich ein Brot. Sie bespricht und plant. Jörg trocknet ab, in der Küche wird gekocht.

Gleich nach dem Abitur hat sich Silke Vollzeit in den Aufbau des Ökodorfes gehängt. Da sie für viele zu extrem dachte, gründete sie eine der Nachbarschaften im Dorf, den Club99. Dort gibt es keinen Strom aus der Streckdose und nur regionale Lebensmittel. Vor dem Gemeinschaftshaus des Club99 trifft man sich, singt und bespricht. Die Deutschen leben 90% über ihre Verhältnisse, aber dieses Haus hier sei mit 90%weniger Rohstoffverbrauch gebaut worden und trotzdem ein modernes Niedrigenergiehaus. Ob Wissen von Universitäten oder von Stämmen aus Afrika, alles steht uns heute zur Verfügung und daher denkt Silke nicht, dass wir wieder leben müssten wie in einer mittelalterlichen Arbeitswelt um nachhaltig zu sein.

Auf dem Dorfplatz hat sich ein großer Kreis zusammengefunden. Man teilt sich auf in Gruppen und bespricht was zu tun ist. Neue Baumstämme werden mit dem LKW angeliefert. Silke und Ute arbeiten mit den Pferden auf dem Acker.

Zum Film: Werte…

…Sichtbares

Früher habe man auch mit den Pferden gearbeitet und viele Leute gebraucht, erzählt ein Bauer aus der Nachbargemeinde, der auf einem riesigen Kartoffelroder arbeitet. Er blickt rüber aufs Ökodorf und meint, dass es dort aussähe wie früher bei den Zigeunern. Auf der anderen Seite des Dorfes entsteht ein neues Haus; geschälte Balken werden herein getragen, Wände mit Lehm verputzt. Die Arbeitslosenzahlen liegen hier im Dorf unter denen des altmärker Durchschnittes und die Dorfgemeinschaft übernimmt viel, für was sonst der Statt zuständig ist, wie etwa die Wege oder die Pflanzenkläranlage, erklärt uns Eva. Auch kämen sie mit den Behörden ganz gut klar, da es wenige Arbeitslose im Dorf gäbe und sich auch Betriebe ansiedelten. Gemeinsam bekommt man doch sehr viel hin und es wurde sehr viele materialisiert, aber man käme auch immer wieder sehr schnell an die bürgerlichen Schablonen mit den Ellebogen; es sei jetzt an der Zeit mehr nach innen zu gehen, meint Henning. Auf der Baustelle ist Pause und es gibt Kuchen. Silke hat aufgeladen und fährt mit ihrem Pferdehänger hinüber zu den Ställen.

…Lebensstandart, Einkommen

Auf dem Nachbaracker steckt der riesige Kartoffelroder fest und die Bauern machen Pause. Ein Jahr wäre Probezeit und dann müsse man mit 20 anderen zusammen eine Nachbarschaft gründen und auch noch 10.000 Euro zahlen; aber wo sollen die Leute das her haben, fragt sich ein Bauer. 180 Euro muss jeder im Monat für das Essen bezahlen und 80 Euro für die Nebenkosten, erklärt Jörg, der gerne mehr selber anbauen würde, um die Kosten zu senken. Sancho kann Fahrräder reparieren und lässt dafür gerne seinen Küchendienst erledigen. Harry meint es wäre eigentlich genug da, wenn jeder das macht was er gut kann. Martin ergänzt, dass er schon noch Geld für Kleider und Kino brauche, bei einen Buchprojekt mitarbeitet und auch Chorseminare gibt; insgesamt hat er 600 Euro und das reicht ihm hier. Mechthild bedauert, dass alles immer teurer wird und man sich wegen der gemeinsamen Haushaltskasse nicht abkoppeln könne.

…Wirkung

Eine Kette wird gebildet um eine neue Lieferung in den Keller zu transportieren. Im Hof werden Zelte und Stände aufgebaut, Kuchen wird gebacken. Viele Besucher aus dem Umland kommen mit Rädern und Autos zum „Tag der Regionen“ ins Dorf. Ein Herr ist wirklich beeindruck was hier aus einfachen Mitteln alles gemacht wird und ein anderer kommt mit der ganzen Unordnung gar nicht zurecht. Mitten in der bunten Menge auf dem Dorfplatz spielt Mathias auf seiner Geige; man trinkt Kaffee, tauscht sich aus, Kinder spielen. Es ist hier zwar alles etwas blass, aber dafür sicherlich stressfreier, glaubt eine schicke Besucherin. Handwerklich zuzupacken würde ihr nichts ausmachen, denn wenn alle mitmachen, dann würde man sich sicherlich an dem selbst Erschaffenen erfreuen.

Zum Film: Taten…

…Projekte Martin und Silke

Am nächsten Tag macht sich Martin mit Ute an die Gartenarbeit hinterm Haus. Einst waren hier nur Kiefern und nun möchte er gerne einen Wildobstgarten mit Gemüse anlegen. Türen werden repariert, Fenster verglast und in der Küche wird wieder gekocht. Silke kommt mit dem Rad und in der Küche treffen sich alle zum Essen. Anschließend arbeitet Martin weiter an dem Mosaik am Hauseingang und meint, dass er sich früher um die Planung des ganze Dorfes gekümmert habe und er nun auch mal Sachen fertig machen möchte, was ihm Ruhe und Muße bringe. Dass viele im Dorf unmotiviert sind und für einige selbst 36 Stunden Arbeit pro Woche zu viel sind, liegt für Silke daran, dass sie nicht die richtigen Aufgaben für sich gefunden hätten. Zusammen mit zwei jungen Helfern belädt Silke den Pritschenwagen.

Solange sie immer das gemacht hat was sie gerade machen wollte war immer genug Geld da und erst jetzt mit der Selbständigkeit da müsse sie sehr ranklotzen, was ihr aber für eine gewisse Zeit im Leben ganz normal scheint. Irma bedauert das nicht überall und in Gruppen gearbeitet wird und wünscht Silke eine große Crew für die Pferdearbeit. Der Pferdedoktor kommt auf die Koppel. Für Silke ist es schön auch einmal mit jungen Pferden zu arbeiten, da man bei ihnen sehr die Prägungsphasen nutzen könnte. Ihre Pferde hätten bei ihr eine Stellung auf Lebenszeit, während die meisten Pferde nach vielen Besitzerwechseln irgendwann beim Schlachter enden.

Zusammen mit Jörg und den Pferden arbeitet Silke auf dem Feld. Es entstehe bei uns so schnell das Gefühl des Verzichtes und Pferde sind für sie der Schlüssel zu einem relativen Luxus. Der Tag im Dorf nimmt seinen Lauf. Kindergarten, Baustelle, Wald- und Küchenarbeit. Ein Gewitter zieht auf und bei Regen muss Silke das letzte Stückchen Acker bearbeiten.

Zum Film: Probleme…

…Kinder

Schnell kommt die Sonne wieder durch. Zwei als Prinzessinnen verkleidete Mädchen laufen über die Wiese hoch zu Silke und schauen ihr zu wie sie die Hufen der Pferde bearbeitet. Sie stellen viele Fragen, aber Silke will sich von den Kindern nicht nerven lassen und schickt sie weg. Auch in der Kantine toben die Kinder nach dem Essen immer herum. „Warum schickt sie keiner raus“?, fragt sich Mechthild, denn so werden die Erwachsenen nur unnötig belastet. Die vielen grenzüberschreitenden Kinder im Dorf sind für Silke ein Grund selbst keine Kinder haben zu wollen. Sie will im Alter zwischen 20 und 50 ihre Energie für etwas anderes nutzen. Zwischen den Reihenhäuser haben die Kinder sich eine Holzhütte gebaut. Noah erzählt uns, dass die Kinder selten irgendwo mitbauen dürfen, ihnen daher oft langweilig ist und sie sich deshalb im Wald ein eigenes Dorf bauen wollen. Mechthild weiß, dass die Kinder eigentlich von den vielen Fachleuten und Handwerker, die im Dorf vertreten sind sehr viel lernen könnten. Als Ita eine Veranstaltung zum Thema „Medien und Kinder“ für die Eltern im Dorf organisierte, musste sie bedauernd fesstellen, dass die Beteiligung der Eltern und somit die Absprache untereinander sehr schlecht sei. Silke bedauert, dass die Kinder und deren Erziehung zu sehr als Privatsache angesehen werden. Sie würde sich wünschen, dass sich vor allem ältere Menschen mehr um die Kinder kümmern würden und könnten.

…Tierhaltung

In der Club-Küche werden Pfannekuchen gebacken, abgespült und Marmelade eingekocht. Am Abend singt Matthias im Gemeinschaftsraum Schubertlieder und anschließend sitzt man im Club bei Kerzenlicht zusammen. Am darauf folgenden Tag testet Silke mit demPferd das erste Mal den neuen Göpel hinterm Haus. Irma kann nichts schlechtes daran finden, mit den Pferden zu arbeiten, wo hingegen Sandra es als Widerspruch sieht, vegan leben zu wollen und trotzdem Pferde als Arbeitstiere zu nutzen. Michael sitzt einsam vor seiner Gartenhütte und sortiert Knoblauch. Er sieht es als sein Recht an Tiere halten und dann auch schlachten zu dürfen. Harry hingegen scheint von einem Zaunkönig der an seinem Bauwagen brütet völlig befriedigt. Im Wald sind zwei kleine Jungs mit der älteren Irma unterwegs und sammeln Pilze. Silke bedauert, dass es so schwierig ist für Tiere eine Stimme zu erheben. Koscha beteuert, dass die Haltung von Nutztieren einher geht mit einer Respektlosigkeit gegenüber der Natur. Irgendwann werden wir auf die Haltung der Tiere zurückschauen, wie auf die Sklaverei des Menschen, so glaubt Silke. Sie sieht es als völlig unmöglich wegen diesem kurzen Gaumengenusses die Umwelt mit der Haltung von Milliarden von Nutztieren so zu belasten. Sie wünscht sich, dass das Dorf sich zu einer schlachtungsfreien Zone bekennt. Sollte sich das Dorf dagegen entscheiden will sie diesen Ort verlassen. Auch Didi hat aus Ärger das Projekt schon einmal verlassen und weiß nun zu schätzen wie wichtig es ist, dass man sich miteinander auseinandersetzt.

Zum Film: Faktoren…

…Kommunikation

Im Seminarraum vom Club99 findet ein Forum statt. Man sitzt im Kreis und jeweils einer geht in die Mitte um seinen Ärger heraus zulassen oder seine Sorgen zu teilen. Silke schimpft über die Unzuverlässigkeit anderer. Mechthild bedauert, dass im Forum wohl Sachen angesprochen werden, weiter aber keine Auseinadersetzung stattfindet. Auch Martin Goldstein stellt fest, dass die Leute ausschließlich über gewisse Themen diskutieren, jedoch die inneren Themen oft vernachlässigt werden. Im Garten ist Feierabend. Jörg und Ute räumen Kisten auf den Hänger. Vita radelt vorbei und hält an. Mehr Zeit für spontane Treffen wünscht sich Sandra, denn die geben ihr am meisten.

…Macht

Jörg schiebt den großen Schubkarren mit frischem Gemüse ins Dorf, Kinder spielen vor dem Haus, Silke entlädt den Hänger. Martin fände es gut, wenn man einen König wählen würde, der den einzelnen viele Entscheidungen abnehmen müsste, aber so auch gezwungen wäre sich in die Lage anderer zu versetzten. Für Mechthild gibt es im Dorf eine Machtebene, die nur schwer erkennbar ist. Martin stellt fest, dass er immer alles bestimmen möchte, dass jedoch wenn er einmal los lässt, andere die Dinge, wenn auch vielleicht anders, aber dennoch zufriedenstellend erledigen können. Auf der Koppel setzt sich Silke mit ihrer Helferin Vita zusammen und geht weitere Arbeitsschritte durch. Ein Dorf aufzubauen und gleichzeitig persönlich, sowie miteinander zu wachsen, sieht Mechthild als etwas sehr anstrengendes an. Viele gehen an ihre Belastungsgrenzen, wobei der Mensch sich wie Pferde und Hunde viel mehr ausruhend sollte, meint Martin. Mechthild braucht keinen Urlaub, denn sie hat es geschafft sich immer dann Ruhepausen zu nehmen, wenn sie sie braucht. Martin hingegen fühlt sich in einem enormen Zeitdruck, da er meint die Welt retten zu müssen. Hennig glaubt es ist wichtig zu warten bis die Zeit reif ist für etwas und auch zu lernen einmal nichts zu tun. In der Dämmerung kommen bei Feuer und Flötenmusik einige Bewohner in den Jurten zusammen. Mechthild zeigt uns ihren Bauwagen und erzählt, dass sie leider keine Nachbarschaft gefunden hat, die mit ihr kleine Häuser bauen möchte. Martin kennt das Problem, dass Leute die Probleme beim Namen nennen nicht besonders beliebt sind.

…Gemeinschaft

Strahlender Sonnenschein. Voller Elan schreitet Jörg auf den Acker. Er ist froh nicht dem wirtschaftlichen Druck ausgesetzt zu sein, denn wenn seine Karotten krumm sind werden sie trotzdem gegessen. Vor dem Gemeinschaftshaus des Clubs steht man im Kreis zusammen und bespricht was zu tun ist. Silke kommt und bittet um Hilfe. Für Jörg hat die Gartenarbeit etwas sehr meditatives wobei man gut abschalten kann. Silke und Martin pflügen die Kartoffeln aus dem Acker. Etwa zehn weitere Personen helfen die Kartoffeln zusammen zu sammeln; dabei gibt es viel zu erzählen. Sandra erzählt, dass sie schon ausprobiert hat öfters mal im Garten mitzuhelfen, was sie sehr angenehm empfand. Während auf dem Nachbaracker mit dem großen Kartoffelroder gearbeitet wird, arbeitet der Kartoffeltrupp gemütlich weiter. Didi und Henning bauen derweil ihre Jurten ab und legen die großen Planen zusammen. Als Zwillingspaar war es für sie sehr schwierig ihren Platz in der Gemeinschaft zu finden und so haben sie jetzt etwas abseits ihre eigene Nachbarschaft gegründet. Für Henning ist es wichtig sich nicht immer von irgendwelchen Ängsten leiten zu lassen, sondern mit dem zufrieden zu sein was gerade ist, sich darin geborgen zu fühlen.

Zum Film: Lösung…

Wenn wir Erfüllung in der Gemeinschaft suchen, dann würden sich die ökologischen und wirtschaftlichen Probleme von alleine lösen, so ist sich Martin sicher. Verantwortung für die Gestaltung unserer Lebensräume übernehmen, sich mit den Nachbarn vernetzten, über das reden was ansteht, sieht Koscha als einen wichtigen Einstieg. Wir müssen es erst wieder lernen zusammenzuleben, weiß Martin Goldstein; und weiter behauptet er, dass wir es wieder schätzen lernen müssen, wenn wir uns auf den Spaten stützen und miteinander reden statt arbeiten. Martin sitzt mit Silke hinterm Haus auf dem Sofa und fragt sich, was für ihn eigentlich Muße bedeutet.

Silke glaubt, dass er erst die Muße findet, wenn er Vater werden würde. Als Hausmann sei dann alles klarer, man müsse sich nicht so verzetteln, denkt Martin. Silke sei gar nicht so abgeneigt Mutter zu werden, denn immerhin hätte sie viele Ideen wie man was anders machen könnte. Und um mitreden zu können müsse man selbst Kinder haben, sonst würde man nicht akzeptiert werden. Wie bewegen wir uns von A nach B, wo liegt unser Geld, wo kaufen wir ein. Erst wenn wir auch konsequent das tun was wir uns wünschen, wird sich wirklich was verändern, stellt Dieter fest. Der Konsument hat die meiste Macht und jeder bestimmt selbst ob und wie er das System unterstützt. Ein Mädchen steigt bei Martin mit aufs Rad. Silke fährt die Kutsche raus aus dem Dorf. „Warum bist du eigentlich immer so groß, gib mir mal die Jacke zum drauf sitzen“! Martin weigert sich und die beiden raufen miteinander auf dem Gartensofa.

Zitate der Protagonisten…

…Träume

Wenn ich mich frage: „Was will ich wirklich?“ und „Was ist mein Traum?“ und diesen Traum total ernst nehme und mich durch nichts ablenken lasse, einfach genau da hingehe, wo die Sehnsucht hin will, das ist für mich der Weg, auf dem man sich aus jedem Schlamassel dieser Gesellschaft raus ziehen kann. Weil, wir haben es ja ungeheuer gut in Deutschland. Die Deutschen müssen sich einfach nur entscheiden. Die können einfach sagen: „Ok, ab morgen leb‘ ich anders“, und dann leben sie anders, wenn sie wollen. Wir leben nicht in einem Regime, wo das nicht möglich ist. (Silke Hagmaier, Mitgründerin)

…Sehnsucht

Es besteht bei vielen Menschen Sehnsucht nach sowas, weil sie einen Mangel spüren, aber nicht wissen was es für einer ist und dann stellen sie sich vor es müßte doch irgendwie andere Lebensformen geben, als Kleinfamilie, Singel und Paarleben; aber die Gesellschaft bietet solche Formen nicht an. Das hat sicherlich wirtschaftliche Gründe, denn wenn jeder einzelne Rasenmäher hat kommt die Wirtschaft besser zu Rande als wenn eine Gemeinschaft mit 200 einen Rasenmäher hat. (Martin Goldstein, Projektberater)

…Taten

Das ist ja die Taktik, daß immer mehr Leute in Gemeinschaften und Ökodörfern leben und keiner mehr diesen Scheiß da draußen mit macht. Das ist einfach so ein lautloser, friedlicher Umbruch, ohne große Barrikaden und Tote und so, das ist für mich eigentlich die Revolution, dass man die Alternative einfach macht. (Jörg Zimmermann , Dorfbewohner)

…Blick von außen

Ich bin überrascht, wie es hier aussieht. Man hat sich das alles viel primitiver vorgestellt, Plumpsklo und so. Es stört einen natürlich, dass hier so wenig Farben sind, und das Holz ist ziemlich blass. Aber wahrscheinlich lebt man hier ruhiger und stressfreier. Handarbeit würde mich jetzt nicht stören. Und wenn alle mitmachen und am gleichen Strang ziehen, macht das sicher auch Spaß. Dann freut man sich auch über das selbst Erschaffene. Besucherin Nachbarn Und früher, die einzelnen Bauern, da wurde auch mit Pferden gerodet. Und dann mussten die Frauen oder Männer aufsammeln. Dazu brauchte man viele Leute. Dies hier war ja auch alles Acker. Seit ‚97 ist das Ökodorf hier und dann haben sie das angepflanzt. Sieht schlecht aus. Ist alles Kraut und so. Wie früher Zigeuner gelebt haben, so leben die hier heute. Bauer aus der Nachbargemeinde Verantwortung Dadurch das Menschen wieder Verantwortung übernehmen für die Umgebung ihrer Kinder, plötzlich wieder sehen, dass diese Wälder, diese Wiesen eigentlich auch zu unserem Dorf gehören, erkennen sie, dass sie die Macht haben, mit ihren Mitbürgern danach zu schauen, was hier mit unserer Welt geschieht. Wenn wir uns in unseren Nachbarschaften wieder vernetzen, das hat schlicht und einfach ganz viel mit guter Kommunikation zu tun. Gemeinschaft fängt damit an, wie spreche ich mit den Menschen in meiner Straße, wie spreche ich mit den Menschen in dem Laden in dem ich morgens rein gehe, worüber spreche ich. (Koscha Joubert, Dorfbewohnerin)

…Potenziale

Die eigenen Potenziale entdecken, entwickeln und leben und darin Erfüllung finden. Diese ganzen Dinge die kann man in Gemeinschaft finden und schaffen, dazu muß man eigentlich gar nichts kaufen, das kann man sich gegenseitig geben und dann glaub ich ist Ökologie einfach, also ein Frieden für die Erde und für alle Wesen von selbst hergestellt, dann müssen wir dafür nichts mehr tun und Gewalt und Ausbeutung hören damit auf. (Martin Stengel, Dorfbewohner)

…Muße

Die meisten sind sehr fleißig hier, aber sie sind so fleißig, daß sie noch nicht mal drüber nachdenken können, warum brauch ich ein Wochenende, warum brauch ich Ferien, könnte ich das nicht in meinen Alltag integrieren? Wir haben hier die Chance, ich brauch keinen Urlaub, seit Jahren nicht, weil ich mir mein Leben so gestalte, dass wenn ich Ruhe brauche, ich mir die am Tag nehme. (Mechthild von Freyberg, Dorfbewohnerin)

…Zufriedenheit

Also bei mir gibt es auch diese materiellen Sorgen. Zur Zeit bin ich in dem Programm „Aktiv in die Rente“. Nächstes Jahr ist dann wieder Ende der Kletterstange. Da weiß ich dann auch nicht, wie es weiter geht. Aber, dass man einfach nicht immer diese Ängste so in Vordergrund stellt, sondern dass man das genießt, was jetzt ist und sagt: „ Danke, es ist richtig gut, und ich fühl mich hier richtig zu Hause und beschenkt.“

…Politik

Wie fahren wir von A nach B, mit welchen Verkehrsmitteln, welche Energien verbrauchen wir, wie gehen wir mit unseren Nachbarn um, wo liegt unser Geld eigentlich, immer noch auf irgendeiner Bank die damit Sauereien macht, oder auf einer alternativen Bank; wo kaufen wir ein, wen unterstützen wir damit; all diese Sachen, wenn die auf die Tagesordnung kommen, dann kommen wir einen großen Schritt weiter. Es gibt natürlich x politische Forderungen, aber richtig stark wird das Ganze erst, wenn die Leute auch bereit sind das umzusetzen und sich nicht klamm heimlich doch anders verhalten, als sie politisch fordern. Denn diese Schizophrenie macht die herrschende Politik stark; und wenn das dann anders wird, dann sind auch ganz andere politische Konstellationen möglich. Aber da sind noch ein paar Schritte davor zu gehen und die müssen wir gehen, die kommen nicht von oben. (Dieter Halbach, Dorfbewohner)

…Vorschriften

Wir übernehmen hier ganz viel was sonst der Staat bezahlt. Also wir haben unsere eigene Infrastruktur gebaut, wir haben unsere eigenen Wege, wir haben unsere eigene Wasserver- und Entsorgung. Es steht auch irgendwo in der Bauordnung, dass Häuser Wassertoiletten haben müssen, aber wir wollen was anderes und wir haben gute Gründe und wir wollen, dass ihr uns genehmigt, dass wir was anders machen und da haben wir festgestellt, dass Ämter gar nicht so schlimm sind wie man immer sagt und nur auf ihren Paragraphen bestehen, sondern dass es immer wieder Möglichkeiten gibt auch Ausnahme zu machen. (Eva Stürzel, Dorfbewohnerin)

Anmerkungen des Regisseur

Ein Ort, der einmal all das zu bieten hat, was mehr und mehr Menschen immer wichtiger wird: Natur, Bewegung, Gleichgesinnte, tolle Aufgaben, Abenteuer. Tausende Dinge will man gleichzeitig machen, sich unendlich vielen interessanten Problemen stellen, mit Leuten diskutieren und wichtige politische, kulturelle oder künstlerische Aktionen und Projekte voranbringen.

Alles scheint möglich; man könnte sich zerreißen. Aber wo bleibt dann die Muße, die Zeit für sich, für andere, für Familie? Ist es wirklich so schwer die eingeprägten Tugenden und Werte betreffend Fleiß, Leistung und Erfolg zu verändern? Aber dennoch, die Bewohner erkennen ihre Schwächen als Herausforderungen und sind so in der Lage sich und ihr Umfeld positiv zu verändern. Weltweit entstehen immer mehr solcher Initiativen; ob als neue Siedlungen, durch Veränderung bestehender Dörfer oder die Gründung alternativer Wohnprojekte in den Städten. Die Menschen können das selbst in die Hand nehmen, brauchen dazu nicht auf „die da oben“ warten und genau das ist für mich das Spannende.

Wie auch beim „Bayerischen Rebell“ hieß es bei den Redaktionen der Sendeanstalten wieder: „Nein, mit diesem Thema wollen wir uns nicht beschäftigen“. Logisch dachte ich, sonst wäre ja unsere Gesellschaft auch nicht so wie sie ist. Aber ich will mich trotzdem ausdrücken und dies auch zum Publikum rüberbringen und auch davon leben, so dass ich unabhängig bleiben kann und weiter Filme machen kann über Themen, mit denen die sich nicht beschäftigen wollen. Denn als überzeugter „Kaumleser“ und begeisterter „Spontanbesucher“ glaube ich nur wenn wir uns gegenseitig und zwar direkt zuhören und nicht andere aussuchen lassen was uns erzählt wird, dass sich erst dann wirklich etwas verändern kann, in uns und um uns herum.

Müssen wir eigentlich zuschauen wie immer mehr zugebaut und vermarktet wird. Geht es nur noch darum sich möglichst gut zu verkaufen? Was haben die Gemeinden und die Bürger eigentlich für Macht, was könnten wir selbst bestimmen? Und was wäre, wenn wir wollten, dass in unseren Dörfern und Städten keine Autos mehr fahren und es sowohl in den Wohngebieten, als auch darum herum viel Natur gibt und auch Gärtnereien und landwirtschaftliche Betriebe in denen Biogemüse angebaut wird und ich dort auch noch mitarbeiten kann; und meine Freundin und die Kinder können auch mit und es gäbe eine große Gemeinschaftsküche, eine Pflanzenkläranlage, Häuser die man gemeinsam baut, eine Fahrradwerkstatt, einen schönen Radweg zum Badesee und und und….

Die Frage ist, ob die zur derzeit Mächtigen so was anstreben könnten, die Autoindustrie z.B., oder ob ein System, was vom Rohstoffverbrauch, von der Produktion, dem Konsum lebt, leider nicht einfach so seine Werte und Ziele verändern kann? Fazit aus vielen Gesprächen mit Deutschlands Größen aus dem Bereich Nachhaltigkeit und Effizienz ist, dass man zwar unseren Rohstoff- und Energieverbrauch durch z.B. neue technische Errungenschaften erheblich senken könnte, aber soweit, dass wir dann mit dem auskommen würden, was uns auch zusteht, was unser fruchtbares Land für uns hergibt, soweit würde es bei weitem nicht reichen. Das geht nur ganz anders, denn unser größtes Problem ist, dass wir durch das jetzige System so voneinander isoliert wurden, damit wir so fleißige Konsumenten werden konnten, die sich mit allem möglichem befriedigen müssen. Ja und wenn wir es schaffen uns wieder um uns selbst und unsere Mitmenschen zu kümmern, was zusammen zu machen, dann werden wir ohne das ganze Konsumzeug viel glücklicher sein. Dafür ist das Siedlungsprojekt Sieben Linden in der Altmark der Beweis. Und so wünsche ich mir, daß Stadträte, Arbeitslose, Lehrer, Eltern, Kinder, Rentner und alle anderen auch, den Film anschauen und als Grundlage für einen Austausch über eine ganz neue Perspektive erkennen; denn wenn wir uns zusammen tun, was anders wollen, uns austauschen und einen Plan fassen, dann wird dies auch so geschehen.

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