Fakten und Hintergründe zum Film "Mein Kind vom Mars"

Kino.de Redaktion |

Mein Kind vom Mars Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Es war vor über zehn Jahren, als Produzent Ed Elbert („Anna and the King“/Anna und der König) den Produzenten David Kirschner und Corey Sienega David Gerrolds mit dem Hugo und dem Nebula Award ausgezeichnete Kurzgeschichte „The Martian Child“ zu lesen gab. Kirschner erinnert sich: „Corey war von der Story sofort begeistert. Sie rief mich an und schwärmte: ,Die musst du lesen, sie ist einfach perfekt.‘“

Tatsächlich waren die Produzenten gerade auf der Suche nach einer Story wie „The Martian Child“. Dazu Kirschner: „Stoffe über Kindheitsmotive liegen uns, aber auch Fantasy-Elemente schätzen wir besonders.“

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Vor allem Kirschner fühlte sich von der Story ganz persönlich angesprochen: „Ich war bei der Lektüre tief gerührt von der Vater-Sohn-Beziehung, denn ich habe meinen Vater sehr früh verloren – immer wieder begeistern mich Projekte, in denen es um die Bedeutung von Männern im Leben von Jungen geht. Diesmal stimmte wirklich alles: der Humor und vor allem die Gefühle.“

„Wir bemühten uns um die Filmrechte, bekamen sie zunächst nicht, dann glücklicherweise aber doch“, berichtet Corey Sienega. „Und schließlich haben wir den Film zustande gebracht – nur kurze zehn Jahre später! David Kirschner und ich sind sehr froh, dass diese langjährige Liebesarbeit endlich Früchte trägt.“

Kirschner gibt zu, dass auch er sich als Kind einsam gefühlt hat. Deshalb betont er, dass das Thema Entfremdung die meisten Menschen anspricht: „Der kleine Dennis passt nicht ins Raster gesellschaftlicher Normen. Wahrscheinlich machen wir alle in einem bestimmten Alter unsere ,Mars-Periode‘ durch. Wir fühlen uns als Außenseiter, wie Aliens. Manchen passiert das als Erwachsenen, manchen als Kids, und manchen macht das tagtäglich zu schaffen.“

John Cusack stand von Anfang an ganz oben auf der Wunschliste der Filmemacher für die Rolle des David Gordon – die Rolle wurde ihm quasi auf den Leib geschrieben, wie Kirschner berichtet: „Die Drehbuchautoren Seth Bass und Jonathan Tolins erzählten, dass sie schon beim Schreiben John Cusack als David stets vor Augen hatten. John Cusack ist ein echter Jedermann, er bringt die Qualitäten eines James Stewart mit – aber er ist nicht der Jedermann aus den Frank-Capra-Filmen, sondern ein Jedermann in unserer heutigen Zeit – neurotisch, manchmal paranoid, aber immer humorvoll und mit einem schlagfertigen Spruch auf den Lippen.“

„John bringt nicht nur seine erstaunliche Begabung als Schauspieler mit“, fährt Kirschner fort. „Für mich liegt seine Stärke auch darin, dass er sich bei seinem Publikum zu einer Art Markenzeichen entwickelt hat – denn er wählt seine Filme sehr klug aus. Für uns war es daher ein großer Tag, als er die Rolle annahm, denn wir wussten wirklich nicht, wie er darauf reagieren würde, dass er hier einen Vater spielen sollte. Das hat er bisher noch nie getan, also bildet der Film einen Meilenstein in seiner Karriere – er ist jetzt alt genug, um als Vater zu überzeugen.“

John Cusack ließ sich nicht nur von der Story an sich begeistern, sondern auch von den kreativen Möglichkeiten, die ihm die Rolle als Schauspieler bot.

„Die Story ist dramatisch, geheimnisvoll, aber sie beschränkt sich auf eine übersichtliche Umgebung, ist fast ein Kammerspiel, wenn man sie von den Figuren her analysiert“, sagt Cusack. „Ein Mann möchte einen Jungen adoptieren, und die beiden versuchen nun, sich gegenseitig zu ergründen. Als Schauspieler gefällt mir das, weil die Figuren im Mittelpunkt stehen. Das Moderne an der Geschichte ist der Umstand, dass der Kleine ein Außenseiter ist, er kommt mit seiner Umwelt nicht klar. Mir gefiel die Vorstellung, dass er sich für einen Außerirdischen wie David Bowie in ,The Man Who Fell to Earth‘ (Der Mann, der vom Himmel fiel) hält. Das funktioniert als Metapher für die Entfremdung, für sein Unvermögen, sich anzupassen und seinen Platz in der Gemeinschaft zu finden. In gewisser Weise glauben David und Dennis, dass sie einander helfen können, vor allem aber brauchen sie einander. Das ist sehr schön, es birgt dramatisches Potenzial – einfach eine sehr gute Geschichte.“

Cusack selbst brachte Menno Meyjes als Regisseur ins Gespräch – die beiden hatten bereits an Meyjes’ Regiedebüt „Max“ zusammengearbeitet.

Die Produzenten kannten Meyjes auch als berühmten Drehbuchautor – David Kirschner hatte Meyjes bereits vor 20 Jahren kennengelernt: „Als mich Steven Spielberg Menno 1984 vorstellte, reichte ihm sein Haar bis zum Gürtel. Er hatte gerade das Skript zu ,The Color Purple‘ (Die Farbe Lila) abgeschlossen, und ich begann zu der Zeit mit ,An American Tail‘ (Feivel der Mauswanderer). Wir ahnten beide nicht, dass wir uns 20 Jahre später wieder sehen würden und er diesen Film inszenieren sollte.“

Auch Meyjes fühlte sich von den ungewöhnlichen Qualitäten der Story angesprochen, die sich besonders den Vaterpflichten widmet: „Diese intensive Liebesgeschichte zwischen Kind und Mann ist auch ein Gedicht auf das, was Elternschaft bedeutet, auf die Schwierigkeiten und heldenhaften Anstrengungen, die damit verbunden sind und die sich nur mit Selbstlosigkeit bewältigen lassen.“

Auf der Suche nach einem geeigneten Kinderdarsteller schaute sich Besetzungschefin Mary Gail Artz in ganz Nordamerika um. Von Toronto bis New York, von Philadelphia bis San Francisco und Seattle sammelte man buchstäblich Tausende von Probevideos.

„Das war ein unglaubliches Unternehmen“, erinnert sich Produzentin Corey Sienega. „Wahrscheinlich war dies die schlimmste Phase der gesamten Produktion: Jahrelang hatten wir von diesem Film geträumt. Wir entwickelten das Skript, hatten das große Glück, dass John Cusack mitmachte, wir bekamen grünes Licht, und dann merkten wir plötzlich, dass der gesamte Film von der Besetzung dieses außergewöhnlichen Jungen als Partner von John Cusack abhängt, denn er tritt in praktisch jeder Szene auf.“

Als Bobby Coleman hereinkam, merkten sie sofort, dass ihre Suche erfolgeich beendet war. „Bobby wirkt so anders, so ungewöhnlich und so ausgeglichen“, erinnert sich Sienega. „Unisono reagierten wir: ,Wow, der spielt gar nicht, er ist wirklich schon eine komplette Persönlichkeit.‘“

„Er hat Persönlichkeit, wirkt sehr lebhaft“, bestätigt David Kirschner. „Er gehört eindeutig nicht zu den Kids, die man in Hollywood im Dutzend bekommt. Ich vermeide zwar den Ausdruck ,alte Seele‘ – den finde ich nämlich eher peinlich. Trotzdem: Auf Bobby passt er. Er erfasst die Rolle intuitiv – einfach unglaublich. Als er sich mit Menno Meyjes unterhielt, wirkte das wie ein Gespräch zwischen Erwachsenen. Als ob er außer seinen bisherigen zehn Jahren schon weitere 30 Jahre gelebt hätte.“

Meyjes zweifelte keinen Augenblick, dass der junge Darsteller die Rolle bewältigen würde. „In dem Moment, als er zur Tür hereinkam, war mir klar, dass er das Marskind ist“, erinnert er sich. „Was Bobby auszeichnet: Er ist auf Zuneigung nicht angewiesen. Ich stellte mir die Figur des Marskindes Dennis so vor, dass es manchmal sehr schwer ist, ihn zu lieben. Genau das drückte Bobby auf äußerst charmante und geheimnisvolle Weise aus. Er trug keine Schuhe. Er trug Jeans mit Löchern und hatte eine Plastiktasche dabei, weil Dennis alles mögliche Zeugs sammelt und es in Plastiktüten stopft. Als ich ihn sah, dachte ich sofort: ,Der ist mein Junge.‘“

Sobald John Cusack zugesagt hatte, wirkte er wie ein Katalysator auf seine Kollegen, die als weitere Darsteller zum Team stießen. Zu ihnen zählt Amanda Peet, mit der er bereits den erfolgreichen Mystery-Thriller „Identity“ (Identität) gedreht hat.

„Bei ,Identität‘ habe ich zugesagt, weil ich schon als Teenager total in John verknallt war, seit ich ihn in ,Say Anything‘ (Teen Lover) gesehen hatte“, erinnert sich Peet. „Ich brauchte eine Weile, bis ich mich normal mit ihm unterhalten konnte und den Menschen hinter der Rolle entdeckte, denn ich war von seinen Filmen vollkommen besessen.“

John Cusack in Verbindung mit dieser Story erwies sich für die junge Schauspielerin einfach als unwiderstehlich: „Mir gefällt das erlösende Moment des Films, denn auch David/John Cusack empfindet sich am Anfang als Außenseiter – und dann nimmt er das Kind unter seine Fittiche. Das fand ich einfach wunderbar.“

Peet zieht Vergleiche zwischen dem Filmthema Entfremdung und jugendlicher Rebellion: „Das Gefühl, ausgegrenzt zu sein, setzen Jugendliche manchmal konkret um, indem sie bestimmte Vorlieben entwickeln – für Punk-Klamotten, für eine bestimmte Clique. Oder sie finden eine andere Möglichkeit, um ihre Entfremdung offiziell zu demonstrieren.“

John Cusack hat bereits acht frühere Filme mit seiner Schwester Joan gedreht und dachte natürlich auch jetzt wieder an sie, als es um die Rolle von Davids Schwester in „Mein Kind vom Mars“ ging. Für Cusack lag es auf der Hand, Joan zu besetzen: „Das war eine schlaue Idee von mir, denn sie braucht nur auf der Leinwand zu erscheinen, und sofort trifft sie den Nagel auf den Kopf. Sie ist eine tolle Schauspielerin und Komikerin – wenn ich sie also dazu bringe, in einem meiner Filme mitzuwirken, habe ich wirklich großes Glück. Und diesmal passte ihr die Rolle wie angegossen.“

Cusack stammt aus einer Showbusiness-Familie – Vater, Bruder und drei Schwestern sind ebenfalls Schauspieler. Von seiner Schwester Joan schwärmt er in den höchsten Tönen: „Wahrscheinlich hat sie das reinste Talent in unserer Familie. Sie kann sehr ernst sein und dann im Handumdrehen derart auf total flippig umschalten, wie das sonst niemandem gelingt. Sie geht ihre Rolle auf ungewöhnliche Weise an. Offenbar muss sie einfach nur irgendwelche Schotten öffnen – und dann gelingt ihr einfach alles. Meine Einstellung zu ihr: Wenn ich mit ihr eine Szene spiele, ducke ich mich einfach und versuche zu vermeiden, dass sie mich total plattwalzt. Und mit etwas Glück kann ich mich dann an ihre Rockschöße hängen.“

Seine Schwester bestätigt ihrerseits, dass sie sehr gern mit John arbeitet, weil sie seine Filmauswahl bewundert: „Die Filmbranche ist ein hartes Geschäft, es ist sehr schwierig, ein Projekt überhaupt auf die Beine zu stellen – erst recht, wenn es um komplexere Themen geht. John schraubt seinen Anspruch sehr hoch, er möchte nur an den denkbar besten Projekten mitwirken. Und er setzt sich mit aller Energie dafür ein, außergewöhnliche Filme auf die Leinwand zu bringen.“

Typisch direkt und lakonisch beschreibt Joan Cusack den Kern der Geschichte: „Das Leben ist reichlich verrückt und kann manchmal schon sehr seltsam sein – wen würde es da wundern, wenn wir uns manchmal wie Marsmenschen vorkommen? Doch im Grunde stehen die Beziehungen im Vordergrund: Wie geht man Probleme an? Wie bewältigt man Schwierigkeiten? Wie geht man mit seinen Schutzbefohlenen um? Wie akzeptiert man sie als eigenständige Persönlichkeiten?“

John Cusack beschreibt den Enthusiasmus, mit dem seine Kollegen für den Film unterschrieben: „Als die anderen Schauspieler Mennos Film ,Max‘ sahen, merkten sie, dass sie es mit einem begabten Regisseur zu tun haben. Manche Kollegen kannte ich bereits, und attraktiv war das Projekt wahrscheinlich wegen der Kombination dieser Faktoren. So bekamen wir für den Film ein Ensemble großartiger, sehr engagierter Schauspieler zusammen – viele begabte Leute fühlten sich angesprochen. Eine echt tolle Besetzung.“

Gut befreundet mit beiden Cusacks ist auch Oliver Platt, der mit John „The Ice Harvest“ (The Ice Harvest) und mit Joan „Working Girl“ (Die Waffen der Frauen) gedreht hat.

„Oliver Platt hat drei Kinder und begeisterte sich für den Vaterschaftsaspekt im Film – er wollte unbedingt dabei sein. Außerdem wollten wir gern wieder zusammenarbeiten“, erinnert sich John Cusack.

Sophie Okonedo wurde mit „Hotel Rwanda“ (Hotel Ruanda) für den Oscar nominiert. Diesmal spielt sie die Waisenhausdirektorin, und sie gibt sofort zu, dass auch für sie John Cusack in der Hauptrolle den Ausschlag gab: „Ich war schon vorher ein Fan von John. Letztlich habe ich auch deshalb zugesagt, weil ich mit ihm arbeiten wollte.“

Richard Schiff (TV-Serie „The West Wing“) hat ebenfalls bereits mit Cusack vor der Kamera gestanden. Weil er weiß, wie der Schauspieler seine Rollen auswählt und welche Begabung er mitbringt, fiel es ihm nicht schwer, sich für dieses Projekt zu entscheiden: „Mit John habe ich vor etlichen Jahren ,City Hall‘ (City Hall) gedreht, was damals viel Spaß gebracht hat. Ich hatte schon immer größte Hochachtung vor seinem Talent: Durch ihn wird der Stoff mit Leben erfüllt. Er sagt klar seine Meinung, ist ein aufrechter Kerl. Einem solchen Typen begegnet man nicht alle Tage.“

Aber Schiff hatte auch einen eher persönlichen Grund, in „Mein Kind vom Mars“ mitzuwirken: „Mir gefällt die Geschichte so gut, weil mein Sohn Gus so alt wie Dennis und selbst ein ganz besonderes, außergewöhnliches Kind ist. Auf jeden Fall habe ich mich als Kind sehr ähnlich gefühlt. Der gesamte Film fungiert als große Metapher für die Außenseitergefühle, die die meisten von uns in Kindertagen empfunden haben. Dennis reagiert extrem, aber wir alle können seine Emotionen sehr gut nachvollziehen. Wir kamen uns vor wie Marsmenschen – zumindest die, die nicht ständig im Mittelpunkt standen.“

Weil die Geschichte derart von den Figuren dominiert wird und Bobby Coleman darin seine erste Hauptrolle übernahm, entschieden sich die Filmemacher zu dem ungewöhnlichen Schritt, die meisten Szenen in der chronologischen Abfolge des Drehbuchs zu filmen – das kann man am besten als „Theatermethode“ definieren.

„Menno schlug vor, am Anfang zu beginnen und jeden Tag eine Live-Atmosphäre wie auf der Theaterbühne zu schaffen“, sagt Produzentin Corey Sienega.

Das war ein ganz entscheidendes Hilfsmittel, mit dem John Cusack Davids Beziehung zu Bobby/Dennis in ganz natürlichen Schritten entwickeln konnte. Laut Story dauert es geraume Zeit, bis der entfremdete Dennis Vertrauen zu seinem Ziehvater fasst. Um diese Entwicklung möglichst auch in der Realität nachzuvollziehen, blieb Cusack in den ersten Wochen auch während der Drehpausen auf Distanz zu Coleman.

„Ich wollte die Beziehung praktisch vor der Kamera mit ihm zusammen entwickeln“, erklärt Cusack. „Außerdem wollte ich ihm Gelegenheit geben, eine Beziehung zu Menno und zu seiner Rolle aufzubauen. Im Wesentlichen dreht sich der Film darum, wie Dennis und David unter einem Dach zusammenzuleben und zu kommunizieren versuchen. Also lag mir daran, mich nicht allzu schnell mit ihm anzufreunden. Das sollte sich ganz natürlich entwickeln.“

Bobby Coleman bewies bemerkenswerte Einsichten für einen so kleinen Jungen, als er dieses Verfahren sofort begriff und zu würdigen wusste: „Weil John gleich zu Anfang sagte, er wolle zunächst nicht so viel mit mir spielen, waren wir im Umgang miteinander irgendwie nervös. Aber mit der Zeit wurde er immer verspielter. Und das hat sehr geholfen.“

Instinktiv begriff Bobby seine Rolle – dass er zum Schauspieler geboren ist, merkten die Filmemacher und das Team sofort. Schon in der ersten Drehwoche, in der die Szenen vor dem Waisenhaus entstanden, wo David Dennis in dessen Pappkarton besucht, begann Bobby Anmerkungen für Regisseur Meyjes zu notieren. Cusack, die Filmemacher und die Mitarbeiter amüsierten sich köstlich, als Bobby vor der Wiederholung der Szene sagte: „Menno, halt dich nächstes Mal mit dem ,Cut‘ etwas zurück, weil John und ich noch weitermachen wollen.“ Bobbys Eltern schauten zu und waren sprachlos über die Vermessenheit ihres Sohnes, aber schnell wurde deutlich, dass Bobby einen ausgeprägten Schauspielerinstinkt hat.

Im weiteren Verlauf der Dreharbeiten erwies sich ein ums andere Mal, dass der Nachwuchsstar seine Begabung als Darsteller in die Wiege gelegt bekam. „Ich habe noch nie einen so natürlich begabten Schauspieler erlebt wie Bobby“, sagt Meyjes. „Er kam als Schauspieler auf die Welt. Beim täglichen Anschauen der Muster haben wir uns schlapp gelacht, weil er direkt vor der Einstellung Faxen machte wie der Tasmanische Teufel aus den Comics. Und wenn ich dann ,Action!‘ rief, verkroch er sich sofort in sich selbst und wurde zu Dennis. Das war einfach fantastisch!“

Auch John Cusack äußert sich enthusiastisch über seinen jungen Partner: „Er ist erstaunlich instinktsicher, bildet sich eine ganz eigene Meinung, und achtet tatsächlich intensiv auf sein Spiel – viel mehr als ich. Ich höre gern zu und lasse mich dann zu Reaktionen inspirieren, und erst später versuche ich festzulegen, was ich machen will. Doch Bobby hatte von vornherein ganz spezifische Vorstellungen: Dennis macht dies, aber jenes würde er nie tun. Bobby ist ein wirklicher toller Typ, der von Geburt an spielen konnte – solch eine Subtilität kann man niemandem beibringen.“

Cusack beschreibt, wie Bobby die psychologische Verfassung seiner Figur instinktiv erfasste und beschloss, jede Anbiederung zu vermeiden, mit der er sich die Sympathie der Zuschauer hätte erschleichen können: „Er hätte leicht in die Falle stolpern können, die Rolle sentimental zu übertreiben. Aber Bobby interessiert sich gar nicht für den Applaus der anderen. Vielmehr konzentrierte er sich darauf, Dennis auf den Grund zu gehen. Bobby ist sicher eine sehr verletzliche Persönlichkeit, aber er hat durchaus auch etwas von Jimmy Cagney an sich. Er ist sehr aufmerksam und so stark, dass er uns einfach mitreißt. Als Schauspieler kann er vollkommen ruhig vor der Kamera stehen und gar nichts tun – er lässt die Kamera quasi zu sich kommen. Ganz raffiniert. Er ist also wirklich begabt und wird von seinen Eltern wunderbar gefördert.“

In den Drehpausen mauserte sich Bobby in seiner fröhlichen und ansprechenden Art schnell zum Liebling des gesamten Teams. In dieser Hinsicht gleicht er den meisten anderen Kindern. Stolz wies er darauf hin, dass er direkt vor Drehstart seinen ersten Milchzahn verloren hatte. Und mit unbändiger Neugier registrierte er seine Umgebung. Gleichzeitig demonstrierte sich immer wieder seine außergewöhnliche Intelligenz.

Produzentin Corey Sienega beschreibt, dass die Arbeit mit dem jungen Darsteller wie ein Echo der Filmstory wirkte: „Wohl jeder im Team hatte das Gefühl, an der Erziehung des kleinen Marsjungen Dennis mitzuwirken. Er war mit wunderbarem Enthusiasmus bei der Sache und stellte uns Millionen von Fragen. Gleichzeitig sprach er manchmal wie ein regelrechter Philosoph und verblüffte uns damit immer wieder. Ein gutes Beispiel ist sein Kommentar zu Joan Cusack und ihre Filmrolle als Johns Schwester. Zu John sagte er: ,Wenn deine Schwester nächste Woche kommt und du sagst: ,Hey, Schwesterherz‘, denkt sie dann, du sagst das als ihr echter Bruder, oder denkt sie, dass du deine Rolle spielst?‘ Er macht sich wirklich tiefgründige Gedanken.“

Joan Cusack ist selbst Mutter zweier kleiner Söhne und staunte über die natürliche Begabung des jungen Coleman: „Bobby ist ein toller Junge. Ich finde Kinder mit ihrer Weltsicht allgemein ganz großartig und fabelhaft. Es gelingt Bobby, seine Rolle zu entwickeln, in sie hineinzuschlüpfen, was Kindern wunderbar hinbekommen. Vor allem kann er das bestens und mit großem Selbstbewusstsein artikulieren.“

Obwohl John Cusack auf der Leinwand bisher keine Vaterrolle gespielt hat, bringt er Erfahrungen als Onkel mit und kann sehr gut mit Kindern umgehen, wie seine Schwester Joan bestätigt: „Auch wenn Johns Persönlichkeit nicht leicht zu entschlüsseln ist, so bildet seine Vergötterung der Kids doch einen entscheidenden Hinweis. Er mag sie sehr und amüsiert sich prächtig mit ihnen. So habe ich ihn mein ganzes Leben lang erlebt, und auch mit meinen eigenen Kindern geht er so um – einfach toll!“

John Cusack beschreibt David als einen exzentrischen Einzelgänger, der den kleinen Dennis unbedingt adoptieren möchte, weil er in dem Jungen sich selbst als Kind wiedererkennt: „Offenbar entdeckt er in dem Kleinen Aspekte seiner eigenen Kindheitserfahrungen – diese frühe Flucht in eine Fantasiewelt ist dabei eine Überlebenstechnik. Wie viele Menschen projiziert er wahrscheinlich manches auf den Jungen – er glaubt, dass er Dennis retten muss, um sich selbst zu retten. Dennis ist eines von den Kindern, die sicher nur schwer Adoptiveltern finden, weil sie besondere Zuwendung brauchen und existenzielle Probleme aufarbeiten müssen. David beschließt also, ihm so viel Liebe zu geben, dass Dennis auf seine Mars-Fantasie verzichten und sich wieder ins Menschengeschlecht einreihen kann. Doch Dennis denkt gar nicht daran, seine Fantasien aufzugeben.“

David steht also vor einem persönlichen Problem, das man aber als zentrales Dilemma aller Eltern beschreiben kann.

„Einerseits muss David dem Kleinen Sozialtugenden beibringen, damit er sich ins Leben integrieren kann“, sagt Cusack. „Aber andererseits darf er Dennis’ Persönlichkeit auch nicht verbiegen. Das ist letztlich die schwere Aufgabe, vor der die meisten Eltern stehen. Ich habe das in der Beziehung zu meinen Eltern erlebt und beobachte es jetzt auch in den Beziehungen meiner Schwester zu ihren Kindern und bei Freunden, die Eltern sind. Das ist eine Art Kunstform: Wie weit muss man gehen, um die Kids in Einklang mit der Welt zu bringen? Wie weit muss man ihnen die Freiheit geben, ihre Persönlichkeit zu entwickeln? Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Leute, die behaupten, dass die Antwort leicht sei, haben bestimmt keine eigenen Kinder. Diese Gratwanderung muss also auch David bewältigen.“

Während sich David dem Risiko und den schwierigen Aufgaben seiner plötzlichen Vaterschaft stellt, wird er uneingeschränkt von Harlee, der Freundin seiner verstorbenen Frau, unterstützt. Amanda Peet beschreibt die Situation aus der Sicht der von ihr gespielten Figur und ihrer Rolle in Davids Leben: „Als Harlee spreche ich das aus, was Davids verstorbene Frau sagen würde. Sie bestärkt ihn, verstärkt ihn positiv. Wenn wir jemanden verloren haben, wäre es schön, wenn wir immer auch jemanden fänden, der als Sprecher des Verstorbenen auftritt, weil man als Hinterbliebener leicht Schuldgefühle bekommt und wahrscheinlich glaubt, dass man das nicht ertragen kann. Man ist überzeugt, dass man nie mehr glücklich werden kann. Wahrscheinlich fürchtet man, dass man bei einer neuerlichen Berührung genauso alles kaputt macht, wie es bisher kaputtgegangen ist. Doch Harlee macht David klar, dass sich alles zum Guten wendet, dass er sein Herz erneut öffnen und Freude empfinden kann. Das gefällt mir an ihr. Sie ist eine gute Seele.“

Wie reagiert Harlee auf den merkwürdigen Jungen, den ihr Freund adoptieren will? Dazu Amanda Peet: „Harlee hält es für ganz normal, dass Dennis seine Macken hat – gegen individuelle Eigenarten ist nichts einzuwenden. Als Optimistin gönnt sie ihm seinen Karton, und sie lässt ihn auch kopfüber von der Stange hängen, wenn er das will. Denn das schadet doch niemandem!“

Im Gegensatz zu Harlees Ansatz hält die von Joan Cusack gespielte Liz überhaupt nichts von Davids Plan, den eigenartigen Jungen zu adoptieren.

„Als liebevolle Schwester macht Liz sich Sorgen – das kann ich sehr gut nachvollziehen“, erklärt Cusack. „Denn sie findet, dass er zunächst eine Familie gründen und ein normales Leben führen sollte, bevor er ein Kind adoptiert. Er hat gerade eine Tragödie hinter sich – vielleicht ist er noch nicht bereit für den Jungen. Wenn man einen Sinn im Leben sucht, sind Kinder bestens dafür geeignet, aber man muss sich vorbehaltlos für sie engagieren und Opfer bringen. Meiner Meinung nach bereichern Kinder das Leben außerordentlich – in diesem Sinne ist es also kein Opfer. Doch in jedem Fall muss man sein Ego zurückstellen. Und Liz macht sich eben Sorgen, ob David dazu schon bereit ist.“

Bobby Coleman interpretiert auf ganz persönliche Weise, was Dennis’ Aufgabe auf diesem Planeten ist und welche Probleme das mit sich bringt.

„Dennis’ Auftrag besteht darin herauszufinden, was die Menschen auf der Erde machen“, sagt Bobby. „Er findet das Leben auf der Erde reichlich kompliziert. Für ihn birgt das Leben große Probleme, und von den Erdlingen im Waisenhaus wird er immer nur herumgeschubst. Die Kinder um ihn herum behandeln ihn sehr gemein, aber er hält sie gar nicht für gemein, weil er davon ausgeht, dass sich alle Menschen so verhalten. Und irgendwie stimmt das ja sogar, denn alle sind manchmal gemein.“

„Er haust in einem Karton, weil er Angst vor der Sonne hat“, fährt Coleman fort. „Diese Angst ist schon komisch. Und er schmiert sich dick mit der Sonnencreme ein, die David ihm schenkt. Außerdem hat er Probleme mit der Schwerkraft. Ständig trägt er den Gürtel mit Gewichten, damit er nicht davonfliegt. Aber da liegt er völlig falsch, weil die Erde eine viel stärkere Schwerkraft hat als der Mars. Doch so steht es nun mal in der Geschichte.“

Sophie Okonedo übernimmt die Rolle der Waisenhausdirektorin, die David mit dem kleinen Marsjungen bekannt macht. Auch sie war beeindruckt vom schauspielerischen Scharfsinn des kleinen Bobby Coleman.

„Bobby ist absolut fantastisch“, schwärmt Okonedo. „Was sehr außergewöhnlich ist, denn oft tun sich Kinderdarsteller schwer mit Regieanweisungen. Doch Bobby ist phänomenal. Am ersten Drehtag sagte ich zu John: ,Warum geben wir nicht gleich auf und gehen nach Hause, denn wie könnten wir es jemals mit diesem kleinen Schauspielgenie aufnehmen?‘“

Auch das Improvisationstalent des Schauspieldebütanten verblüffte Okonedo: „Wenn wir improvisierten, stellte er sich sofort auf uns ein – und das ist sehr schwierig. Tatsächlich haben wir jede Wiederholung anders gedreht. Er musste also immer genau überlegen, was er sagte. Er brachte sich total ein und stellte sich dem Test. Ein unglaublich kluger Kopf!“

Produzent David Kirschner schreibt John Cusack den entscheidenden Beitrag zur Entwicklung von Bobby Colemans schauspielerischem Talent zu: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Arbeit mit John für Bobby Wunder gewirkt hat“, sagt Kirschner. „Bobby hörte John zu, sog alles auf und konnte daraufhin Dennis’ Gefühle deutlich besser ausdrücken. Oft starrte ich auf den Monitor, und mir lief es dabei kalt den Rücken herunter.“

Im Lauf der Dreharbeiten entwickelte sich eine enge Vertrautheit aller Hauptdarsteller. Weil sich viele von ihnen bereits über John Cusack kannten, erlebten alle Beteiligten sehr angenehme Dreharbeiten.

Dazu Amanda Peet, die sich auf den neuen Film mit John Cusack freute: „Ich arbeite liebend gern mit ihm zusammen – ein wirklich fähiger Kollege, ein echter Schauspieler für Schauspieler, sehr zuvorkommend und freigebig. Und er ist sehr verspielt, reagiert ganz spontan, was sehr lustig ist. Er ist überhaupt nicht pingelig – so macht die Arbeit immer Spaß.“

Auch „Marskind“ Bobby Coleman äußert sich begeistert über seinen berühmten Filmpartner. Über seine Lernerfahrung sagt er: „Es war toll, John kennenzulernen, denn es bringt echt Spaß, mit ihm zu arbeiten. Mir gefällt, wie er die Szenen gestaltete. Zum Beispiel machte ich manchmal einen kleinen Fehler und sagte ein falsches Wort oder so, und er stellte sich sofort darauf ein, um mich besser aussehen zu lassen. Und deswegen sah ich tatsächlich besser aus. Er hielt die Szene zusammen – das war echt cool.“

Regisseur Menno Meyjes beschreibt, wie sich das Verhältnis zwischen John Cusack und Bobby Coleman am Set entwickelte und zu ganz unerwarteten Resultaten führte: „Für mich war es eine Offenbarung mitzuerleben, wie Johns Zuneigung und Respekt vor Bobby als Schauspieler wuchs. Dann begann er mit Bobby sogar zu improvisieren, dass ich echt staunte. Gemeinsam erfanden sie vor der Kamera neue Varianten, die uns begeisterten.“

Tief bewegt erlebte auch Produzentin Corey Sienega mit, wie Cusack und Coleman den Zauber der Story gemeinsam zum Leben erweckten: „John und Bobby bei der Arbeit zu beobachten war faszinierend. John ist als Schauspieler immer der Wahrheit auf der Spur. Wir haben noch nie mit jemandem gearbeitet, der sich so sehr dieser Wahrheitssuche verschreibt. Und was ich an Bobby so unfassbar finde: Er kann gar nicht anders als absolut wahrhaftig aufzutreten. John hat das in ihm erkannt und respektiert. Sie entwickelten gegenseitiges Vertrauen auf Augenhöhe und experimentierten in ihren Szenen. Offenbar fühlte sich Bobby vollkommen wohl dabei, die Szenen auszuloten und sich mit John die Bälle zuzuspielen. Er ließ sich nicht ins Bockshorn jagen und niemals einschüchtern. Bobby und John waren am Set absolut gleichberechtigt – es war eine Wonne, das mitzuerleben.“

Cusack gibt ein verblüffendes Beispiel für Bobbys überraschendes Selbstvertrauen in seine eigenen Schauspielfähigkeiten: „In einer Szene sollte Bobby laut Skript in der Küche auf mich zugehen, während ich das Frühstück vorbereite. Bei der Probe verlassen also alle den Set, ich streiche auf der Arbeitsfläche das Sandwich und warte darauf, dass Bobby erscheint. Er kommt herein, schaut mich aber nicht einmal an, sondern setzt sich am anderen Ende des Raums einfach hin. Da lachen wir los und meinen: ,Na ja, das können wir ja wohl gleich so drehen!‘ Doch dann fragen wir: ,Bobby, glaubst du nicht, dass Dennis morgens zu David rübergehen und irgendwie hallo sagen würde?‘ Darauf sagt er: ,Nein, das würde Dennis wohl nicht machen.‘ Er hatte ganz präzise Vorstellungen davon, was Dennis tun und lassen würde. Einfach toll.“

Und der Kontrast zwischen Bobby und seiner Rolle äußerte sich laut Cusack durchaus dramatisch: „Bobby ist ein total lockerer, angenehmer Typ. Aber wenn er sich in Dennis verwandelte, verkroch er sich völlig in sein Inneres und wurde unglaublich still. Manchmal musste man sich wirklich noch einmal klarmachen, wie jung er noch ist.“

Ein wesentlicher Einfluss beim kreativen Prozess am Set war natürlich das inszenatorische Konzept von Regisseur Menno Meyjes. John Cusack würdigt Meyjes’ Fähigkeit, Bobby Coleman die Entwicklung seiner Filmfigur zu überlassen und auf die Instinkte des kleinen Darstellers zu vertrauen: „Menno hat als Regisseur, Künstler und Mensch die nötige Reife erlangt, um zu erkennen, wie wichtig der Instinkt ist. Konventionelles Filmemachen interessiert ihn nicht. Er wünscht sich, dass alles von den Schauspielern ausgeht. Er hat genau auf Bobbys Instinkt gehört. In gewisser Weise halten wir uns einfach nur abseits und lassen Bobby erzählen, was Dennis tut und lässt. Am klügsten verhalten wir uns, indem wir ihn wie einen Erwachsenen behandeln, als echten Partner.“

„Was mir an Menno so besonders gefällt: Er hat eine erstaunliche Beobachtungsgabe, mit der er das Leben, die Interaktionen, die Beziehungen analysiert“ fügt Produzent David Kirschner hinzu. „So gestaltete er in diesem Film ungemein bewegende, wunderschöne Momente, von denen zuvor niemand auch nur geträumt hatte. Er eröffnet der Story eine neue, tiefgründige, intelligente und humorvolle Dimension.“

Vielleicht ist Dennis nur ein verstörter Waisenjunge, der behauptet, vom Mars zu stammen. Andererseits scheint er unheimliche Fähigkeiten zu besitzen. Die Zweideutigkeit dieser kindlichen Figur interpretierten die Filmemacher jeweils auf eigene Art, was manchmal beim Dreh zu interessanten Diskussionen führte.

John Cusack präsentiert seine persönliche Version des Geheimnisses im Zentrum der Story. Er beschreibt zunächst, wie sich dieser Aspekt in Bezug auf David und Dennis entwickelt. Er bezieht sich auf die angebliche Fähigkeit des Jungen, Farben „schmecken“ zu können und mit seinen „Marswünschen“ unter anderem den Signalwechsel der Verkehrsampeln oder das Ergebnis eines Baseball-Spiels zu beeinflussen: „Je mehr Zeit David mit Dennis verbringt, desto mehr begreift er, wie engagiert der Kleine seine Mission verfolgt, die menschliche Existenz auf Erden zu dokumentieren. Dennis behauptet, vom Mars zu stammen, vollzieht viele Rituale, von denen keines logisch erscheint, aber das System besteht aus jeder Menge von ihm ausgearbeiteter Details. Später im Film tut er merkwürdige Dinge oder beweist ungewöhnliche Einsichten in Vorgänge, die sich auf der Grenze zwischen Taschenspielertricks und außerirdischen Fähigkeiten bewegen. Das alles ist derart seltsam, dass sich David langsam selbst für verrückt hält. Der Film deutet an, dass der Kleine aus einer anderen Galaxis stammen könnte – oder auch nicht. Aber keiner der Erwachsenen im Film nimmt das richtig ernst, keiner geht darauf ein. Sie betrachten das vielmehr als Metapher für die Entfremdung. Dennoch bleibt eine Restmenge jener Vermutung, dass er tatsächlich die Wahrheit sagt.“

Ganz ähnlich sieht auch Produzent David Kirschner die ungeklärte Herkunft des Jungen: „Dennis zeigt sehr minutiös ausgearbeitete Emotionen. Als wir den Kleinen kennenlernen, hat John Cusack/David ihm eine Flasche Sonnencreme mitgebracht, später bekommt er eine Sonnenbrille. Dennis trägt einen Gürtel mit Gewichten, und seine Schuhe haben punkartige, dicke Sohlen, was irgendwie komisch wirkt, weil wir den Grund dafür nicht kapieren. Aber im Lauf der Geschichte tut uns der Junge immer mehr Leid. Denn es ist doch sehr traurig, dass er überzeugt ist, ohne den Ballast-Gürtel davonzufliegen, und dass die Sonne durch seine Haut dringt, wenn er sich nicht wie ein Kabuki-Darsteller mit Sonnencreme einschmiert. Trotzdem fragt man sich im Verlauf des Films immer öfter, ob er vielleicht wirklich aus einer anderen Welt stammt.“

Regisseur Menno Meyjes scheint dieses Rätsel eher gutzuheißen: „Dennis lässt sich nicht vollständig erklären. Und obwohl wir den Film deutlich realistischer gestalten, als man anhand des Drehbuchs erwarten konnte, bleiben einige seiner Fähigkeiten ungeklärt. Aber das spielt keine große Rolle, weil er die Welt aus der Sicht eines Marsmenschen betrachtet – und am Ende könnte sich das als absolut legitim erweisen.“

Ähnlich beurteilt das auch Produzentin Corey Sienega, und sie betont, dass es in der letzten Szene des Films nicht um die Klärung der vom Kind behaupteten Alien-Herkunft geht, sondern um Liebe und Anerkennung: „Am Ende merkt David, dass Dennis sein Sohn ist – egal ob er nun vom Mars stammt oder nicht. Die große Frage, die sich durch den Film zieht, ist damit bedeutungslos geworden. Vielmehr geht es darum, dass er den Jungen in seiner Eigenart akzeptiert. Er vertraut ihm und sagt: ,Ich liebe dich, wer du auch bist.‘“

Gegen Ende der Dreharbeiten kam hoher Besuch an den Set und löste bei Darstellern und Team Begeisterung aus: Der berühmte Science-Fiction-Autor David Gerrold, Autor der preisgekrönten Kurzgeschichte, die die Vorlage zu „Mein Kind vom Mars“ bildet, erschien mit seinem Adoptivsohn Sean, stellte sich den Darstellern vor und schaute bei den Aufnahmen zu.

Für Gerrold und Sean war es sehr bewegend, die Kinofassung jener Geschichte zu erleben, die Motive ihrer eigenen Beziehung verarbeitet. Nachdem Gerrold sich mit John Cusack über die Unterschiede zwischen den tatsächlichen Ereignissen und der Filmversion unterhalten hatte, rief er: „Also, die Einzelheiten interessieren mich gar nicht – ihr habt Herz und Seele der Story genau getroffen. Denn das Entscheidende ist die Beziehung der beiden.“

Sehr gerührt war Gerrold, als er zuschaute, wie David das Museum betritt und den winzigen Dennis vor der gigantischen Marslandschaft wahrnimmt.

„Das trieb mir buchstäblich die Tränen in die Augen, weil ich ihre Beziehung spürte, die Liebe, die der Mann für seinen adoptierten Sohn empfindet. Ein mitreißender Moment“, sagt Gerrold.

Weil die Story vor allem die Figuren in den Mittelpunkt stellt, dienten die Sets im Wesentlichen dazu, die Entwicklung der Beziehung zwischen David und Dennis zu unterstreichen.

Das Team drehte vorwiegend in Vancouver im kanadischen British Columbia, wo man Gebäude auftreiben musste, die das Wesen der Filmhelden komplementieren.

Der etwas introvertierte Science-Fiction-Autor David wohnt in einem Haus, das von rechten Winkeln, Ecken und Kanten beherrscht wird – ein sehr moderner Kasten inmitten wuchernder Vegetation. Dieses Konzept ergab sich aus Dennis’ Verhalten, der Schutz sucht, indem er sich in einem Pappkarton verkriecht. Als Dennis bei David einzieht, sind die Wände seines Zimmer daher exakt in der braunen Farbe der Pappe gestrichen.

Dabei muss man allerdings darauf hinweisen, dass dieses gestalterische Konzept sehr subtil angewandt wird, wie Produktionsdesigner Hugo Luczyc-Wyhowski berichtet: „Entfremdung ist eine sehr merkwürdige Sache – selbst in ganz normalen Aspekten unseres Alltags findet man sie. Wichtig war uns, das Thema Entfremdung im Film nicht zu dick aufzutragen. Wir beschreiben die Umgebung von entfremdeten Personen, ohne in Klischees zu verfallen. Im Film stehen die Leistungen der beiden Hauptpersonen eindeutig im Mittelpunkt, jede Design-Überlegung ordnet sich dieser Beziehung völlig unter. In diesem Film springen uns Design-Ideen auf keinen Fall demonstrativ ins Gesicht.“

Dass in Vancouver gedreht wurde, war auch für die Beschreibung des nicht gelösten Geheimnisses im Zentrum der Story durchaus wichtig, wie Luczyc-Wyhowski erklärt: „Für uns war sehr günstig, dass wir nicht in Los Angeles drehten, denn der Grad der Polarisation in Vancouver unterstützt unseren Ansatz. Beim Dreh in L.A. wären Licht und Atmosphäre völlig anders gewesen. In Vancouver herrscht eine diffusere, eher mehrdeutige Atmosphäre, die ich besonders schätze, weil sie einen wichtigen Aspekt des Films unterstreicht.“

Natürlich war einer der beeindruckendsten Sets des Films die Marslandschaft im Observatorium, das David mit Dennis besucht. Sie ist vor gigantischen Transparenten mit Fotos vom Mars installiert. Vor dieser Kulisse der Felsenwüste auf dem Roten Planeten steht der kleine Dennis ganz verloren und lernt die Realität seiner eingebildeten „Heimat“ kennen.

Bei der Gestaltung des Sets wurde das Filmteam von der Nasa unterstützt – sie stellte die Filmbilder zur Verfügung, die im Museum auf mehreren großen Monitoren zu sehen sind, aber auch das echte Modell des berühmten Space Rover. Außerdem fertigten die Ausstatter riesige Poster nach echten Fotos von der Planetenoberfläche an.

Als das Ende der Dreharbeiten nahte, äußerten die Schauspieler und Filmemacher ihre Hoffnungen, die sie für den Film und die Zuschauerreaktionen hegten.

„Ich hoffe, dass die Zuschauer sich gut unterhalten, dass sie in der Überzeugung nach Hause gehen: Väter und Mütter sind echte Alltagshelden“, sagt John Cusack. „Dieser Tanz der Eltern mit ihren Söhnen und Töchtern ist im Grunde das Drama des Lebens. Vielleicht können wir zeigen, wie schwer und hip es ist, Vater und Mutter zu sein. Das wäre schön.“

Bobby Coleman entwickelte ganz eigene scharfsinnige Erkenntnisse zum möglichen Effekt des Films: „Hoffentlich merken die Zuschauer, dass Dennis und David als Kinder ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Und hoffentlich erkennen sie, dass die beiden sich immer näher kommen. Manchmal streiten sie sich und entfernen sich wieder, aber letztlich kommen sie zusammen und sind glücklich. Hoffentlich versteht das jeder.“

Sein Regisseur pflichtet ihm voll und ganz bei: „Ich hoffe, dass die Leute in gute Stimmung versetzt werden“, sagt Menno Meyjes. „Bestimmt fühlen sich die Zuschauer am Schluss besser als am Anfang.“

Produzentin Corey Sienega äußert die Hoffnung, dass der Film als Würdigung der Elternschaft verstanden wird: „Wir möchten den Film als Liebesbrief an all jene Eltern verstanden wissen, die sich anstrengen, alles richtig zu machen. Die Zuschauer sollen stolz darauf sein, dass sie gute Arbeit leisten und ihr Bestes geben. Der Film ist ein Tribut an die Familie.“

Es scheint nur angemessen, dass sich David Gerrold abschließende Gedanken über die ernüchternde Realität der Story macht, die Teil seines Lebens ist, aber auch das Schicksal vieler amerikanischer Kinder spiegelt: „Die Zahlen sind beängstigend: Eine halbe Million Kinder lebt in Pflegeheimen. Und 100.000 – das ist eine mittelgroße Stadt – von ihnen werden nie Adoptiveltern finden. Denn es gibt kaum geeignete Paare, die sich der Herausforderung stellen, ein besonders betreuungsbedürftiges Kind aufzunehmen. Ein Kind, das misshandelt wurde, das emotional gestört und hyperaktiv, vielleicht auch HIV-positiv ist. Doch auch diese Kinder brauchen Liebe, sehnen sich verzweifelt nach Zuwendung. Daher wünsche ich mir, dass der Film diesen Kids ermöglicht, die Waisenheime zu verlassen und Eltern zu finden, die sie nachts zudecken, in den Arm nehmen, ihnen eine Geschichte vorlesen und versichern, wie sehr sie sie lieb haben. Kein einziges Kind sollte ohne Vater und Mutter aufwachsen müssen.“

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