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Fakten und Hintergründe zum Film "Meer is nich"

Kino.de Redaktion |

Meer is nich Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit Regisseur Hagen Keller

„Ich wollte ein Stück dazu beitragen, das Ost-Klischee der fortwährenden Plattenbausiedlung zu brechen.“

Wenn man sich Ihre eigene, doch sehr vielfältige Biographie anschaut, kriegt man die Idee, dass Ihr Debüt MEER IS NICH ein echtes Leib- und Magenthema war. Ist das so?

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Bei den Recherchen zu MEER IS NICH habe ich Gespräche mit Jugendlichen geführt, deren Gedanken mich sehr verwundert haben. Für mich hat sich in diesen Momenten gezeigt, dass die Ansprüche der Eltern an ihre Kinder, die für meine Generation noch das größere Problem waren, heute viel geringer sind, als die Ansprüche, die junge Menschen aus der Gesellschaft heraus erfahren. Von den Jugendlichen werden heute oft Standpunkte zu einem Zeitpunkt abverlangt, die ich im Alter von 17 wahrscheinlich auch nicht hätte einnehmen können. Für mich war es deshalb wichtig, eine Geschichte zu erzählen, die Mut macht, eigene Entscheidungen zu treffen, die man bereit ist zu verteidigen, und Wege nur dann zu gehen, wenn man ein klares Ziel vor Augen hat. Ich musste auch erst das Alter von 25 Jahren erreichen, um zu wissen, dass ich Fotograf werden will, um dann mit fast 30 zu entscheiden, auch noch Regie zu studieren. Ich glaube, dass die Erwartungen an Jugendliche heute oft so hoch sind, dass die meisten schon bei der ersten Schwierigkeit aufgeben, ohne je richtig gekämpft zu haben, weil sie nicht über das nötige Selbstvertrauen und die Lebenserfahrung verfügen oder einfach glauben, sie seien nicht gut genug. Deswegen war es mir wichtig, den Jugendlichen mit Lenas Geschichte zu zeigen, dass der Weg oft das Ziel ist, und das Scheitern dazu gehört. Lena ist am Ende unseres Filmes keine erfolgreiche Drummerin im Sinne einer Hollywood-Geschichte, dafür hat sie aber etwas Wichtiges gefunden, nämlich ihren eigenen Weg und Selbstvertrauen.

Wie findet man eine derart überzeugende, authentische Hauptdarstellerin wie Elinor Lüdde?

Ich kenne Eli schon sehr lange und habe ihr Talent vor vielen Jahren als Fotograf erstmals erkennen dürfen. Sie gehört zu denjenigen Menschen, deren authentisches Wesen sich nicht durch die Anwesenheit einer Kamera verändert. Dass da eine Filmkamera auch keinen Unterschied macht, konnte ich in der Zusammenarbeit bei zwei meiner Kurzfilme erkennen und war davon überzeugt, dass sie den Anforderungen an die Rolle der Lena absolut gewachsen ist. Tief beeindruckt hat mich Elis Verantwortungsgefühl gegenüber dem Film und der Rolle. Sie hat einmal zu mir gesagt, dass es wahrscheinlich eine der größten Herausforderungen ihres Lebens und ihrer persönlichen Weiterentwicklung ist und sie die Rolle nur spielen wird, wenn sie damit etwas erzählen kann, was ihr auch wichtig ist.

Sie haben markante Nebenrollen mit bekannten DEFA-Schauspielern wie Günter Naumann und Annekathrin Bürger besetzt. Eine Verbeugung vor einer selten gewordenen Schauspiel-Qualität?

Ja, auf jeden Fall. Es gab in der DDR Schauspieler wie Erwin Geschonneck, Jutta Hoffmann, Armin Mueller-Stahl, Manfred Krug, Angelica Domröse und eben auch Günter Naumann und Annekathrin Bürger, die in ihren Rollen an Wahrhaftigkeit bzw. Glaubwürdigkeit meiner Meinung nach oft unübertroffen sind und zu Helden meiner Kindheit wurden. Der sogenannte Gegenwartsfilm hatte in der DDR eine sehr hohe Qualität, besonders wegen seines hohen Grads an Authentizität. Und genau das habe ich für die Figur des Apel bei Günter Naumann gesucht und gefunden. Generell würde ich mir mehr Wahrhaftiges im heutigen Kino wünschen. Und dass der Markt solche Filme vertragen kann, also wo Kleines plötzlich ganz groß werden kann und einen direkten Bezug zum Leben der Menschen hat, zeigt beispielsweise Sommer vorm Balkon.

War das Ihr ganz bewußter „Plan“, den Osten mal nicht Grau in Grau zu zeigen, wie es gegenwärtig so gern von zahlreichen Nachwuchsfilmern getan wird?

In MEER IS NICH darf sogar die Sonne scheinen… MEER IS NICH erzählt ja eine Geschichte mit einem universellen Thema, das auch Jugendliche über die ostdeutschen Bundesländer hinaus interessieren wird. Unser Plan war nicht, den Osten nicht grau zu zeigen, sondern unser Plan war, eine Geschichte eines ganz normalen Mädchens in einem ganz normalen Umfeld zu zeigen, jenseits von Alkohol und Drogen. Außerdem war es uns wichtig, dass der Film nicht an der visuell stereotypen Darstellung des Ostens scheitert. Deswegen gibt es in MEER IS NICH den Osten zu sehen, wie er eben auch ist, und da scheint im Sommer manchmal auch die Sonne. Wir konnten damit hoffentlich ein Stück dazu beitragen, dieses Klischee der fortwährenden Plattenbausiedlung zu brechen.

Die Kraft lauter Musik spielt eine entscheidende Rolle in Ihrem Film. Ein bewußtes Bild gegen das ausgediente Klischee, dass Mädchen brav, strebsam und gut sein sollen?

Ich bin der Meinung, dass wir über die Zeit schon hinweg sind, wo dieses Mädchenbild existiert hat. Ich bin auch der Meinung, dass Musik für Jugendliche generell eine herausragende Rolle spielt, um sich von der Welt, insbesondere der von Erwachsenen, abzugrenzen. Vielleicht nimmt Musik in dem Alter sogar so viel Raum ein, wie danach nie mehr. Für mich ist das also eher eine Alters- als eine Geschlechterfrage. Abgesehen davon gibt es auch schon eine ganze Menge anderer Filme, die gezeigt haben, dass dieses Rollenbild des Mädchens vom Immenhof nicht mehr in den Köpfen der Menschen existiert, wie z.B. Kroko oder Wie Feuer und Flamme. Die Musikwahl in MEER IS NICH unterstreicht das Lebensgefühl von Lena und ihren Freunden und ist Symbol ihrer Abgrenzung und Verweigerung. In der Kombination mit dem Instrument Schlagzeug ergibt die Kraft lauter Musik die sichtbare Form des sich Austoben. Sie lieben es Musik zu hören, sie zu machen oder danach zu tanzen, weil es ihnen die Möglichkeit gibt, angestaute Energien auszuleben. Und gerade Mädchen hören oft viel härtere Musik als man glaubt, auch wenn sie brav aussehen.

Erwachsenwerden ist ein universelles Thema. Sehen Sie dennoch mögliche Verständnisprobleme in der Rezeption bei MEER IS NICH zwischen Ost und West?

Ich bin froh bei der Beantwortung dieser Frage schon auf ein paar Meinungen von Zuschauern zurückgreifen zu können. Verständnisprobleme gab es da bisher gar keine, was glaube ich einfach daran liegt, dass wir keine speziell ostdeutsche Geschichte erzählen, zu deren Verständnis irgendwelches Vorwissen oder eine ostdeutsche Sozialisierung benötigt wird. Der Unterschied in der Rezeption bestand lediglich darin, dass die eine Seite den Teil des Landes, in dem sie leben, so dargestellt finden, wie er eben auch ist. Während die andere Seite sagt, so haben wir den Osten noch nicht oder selten dargestellt gesehen. Besonders überraschend war, dass insbesondere Zuschauer aus den alten Bundesländern zu uns kamen und sich dafür bedankten, dass wir ihr Bild vom Osten „korrigiert“ haben.

Werden Sie sich in Folgeprojekten weiterhin mit der „Baustelle“ Jugend beschäftigen, oder was reizt Sie darüber hinaus zu erzählen?

Geschichten aus dem Leben von Jugendlichen oder Kindern haben für mich immer einen besonderen Reiz, der darin begründet liegt, dass sie vom Leben noch nicht so stark geprägt sind und anders an die Probleme des Alltags herangehen können. Ihnen steht die Welt meist noch offen, und damit ist alles denkbar. Für mich ergibt sich damit ein größerer Spielraum beim Erzählen von glaubwürdigen Geschichten, die sich zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Traum und Realität bewegen. Und mehr Potential, weil viel mehr ungebändigte Energie freigesetzt werden kann, die natürlich zu Widersprüchen mit der Umwelt und anderen Menschen führt. Eine wunderbare Spielwiese für Regisseure und Autoren, auf der man mit reinen Farben arbeiten kann. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich nur mit Jugend beschäftigen will, aber in diesen Altersgruppen lassen sich gesellschaftliche und soziale Probleme aber auch Zustände und Gefühle wie Wahrheit, Lüge, Liebe, Trauer und Wut oft besser und glaubhafter darstellen. Auf der anderen Seite haben Figuren in „erwachsenen Dramen“, wie beispielsweise in Solo Sunny, auch oft sehr kindliche Eigenschaften: sie sind naiv und haben Träume und Wünsche.

(Gespräch: Michael Eckhardt)

Das Musikkonzept

Musik bzw. das „Musik machen“ spielt in MEER IS NICH eine zentrale Rolle. Musik gibt Menschen Kraft und Inspiration, sie hilft den Jüngeren, sich gesellschaftlich und moralisch einzuordnen, bedeutet für die Hörer aber auch Abenteuer, Wagnis und liefert Erlebnisse jenseits eines Alltagsgefühls. All diese Aspekte werden sich im Film selbst und auch im Soundtrack wiederfinden. Der Soundtrack wird auch Titel enthalten, die im Film nicht zu hören sind, aber die Atmosphäre und Gedanken fortführen.

Für die musikalische Gestaltung zu MEER IS NICH konnten mit den Labels Gutfeeling und Hausmusik hochkarätige Partner aus der deutschen Musikszene gewonnen werden, die sich in den vergangenen Jahren sowohl national als auch international ein Renommee erarbeitet haben. Das Münchner Label Hausmusik wurde von den Gebrüdern Acher gegründet und genießt sowohl in Deutschland als auch in der internationalen Szene einen guten Ruf. Sie erreichten mit der Band Notwist große Aufmerksamkeit.

Spätestens seit ihrem Album „Pilot“ (2001) ist ihnen internationale Anerkennung sicher, bewiesen sie doch eindrucksvoll, wie authentisch und relevant elektronisch geprägte Musik sein kann. Notwist sorgte schon für die einfühlsame Vertonung des Hans-Christian-Schmid-Films Lichter und erntete dafür umfangreiches Kritikerlob. Ebenfalls beim Label Hausmusik zu Hause ist die Band Lali Puna, die auch Stücke zum Soundtrack beitragen wird. 1998 von Valerie Trebeljahr gegründet, scharte sich schnell eine stetig wachsende Fangemeinde um die Band mit dem einzigartigen Klang und eindeutigen elektronischen und rockigen Einflüssen. Zudem personifiziert die Bandleaderin die weibliche Sicht auf die von Männern dominierte Welt der Independent Music. Das Label Gutfeeling Records aus München vertritt die Band G.Rag y los Hermanos Patchekos, die ebenfalls Songs zum Album beisteuern wird. Sie lieferte schon den Soundtrack zur Grimmepreis gekrönten Krimiserie „München 7“.

Ein wesentlicher Bestandteil des Soundtrack ist die Musik von Elinor Lüdde, Luise Kehm und Sandra Zänker. Sie spielen nicht nur die Hauptrollen im Film, sondern machen auch gemeinsam Musik – sleazy inc. operated heißt ihre Band. Sie stellen im Film die Band dar und tragen eigens dafür komponierte Songs bei. Federführend bei den Kompositionen ist Sandra Zänker.

Steffen Irlinger, Autor, DJ seit mehr als 15 Jahren und Kenner der deutschen Musikszene, hat MEER IS NICH als Musik-Supervisor begleitet. Steffen Irlinger war seit Mitte der 90er Jahre Gastgeber der Radioshow „Treibhaus“ auf 1Live, er produzierte die Hörspiele “Kick It“ (WDR, 2002) und “Supa Sistaz“, „Redux“ (WDR 2005), den er selbst als „Meta Movie“ über die Spoken-Word-Heldin Ursula Rucker und mit einem Stipendium der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen realisierte. Zudem ist er Mitglied des Avant-Pop Trios Donna Regina. Als Musik-Supervisor sorgte er schon für die authentische und hervorragende Musikauswahl bei Die fetten Jahre sind vorbei von Hans Weingartner.

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