Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben

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   2009
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Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben: TV-Biographie, die in Rückblenden die frühe Lebensgeschichte des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki schildert.

Eingebettet in ein fiktives, 1949 angesiedeltes Verhör, entfaltet sich

die erste Hälfte von Marcel Reich-Ranickis bewegender Biografie. Kurz

nach seinem Abitur von Berlin nach Warschau deportiert, lernt er 1940 im

Ghetto seine Frau Theofila kennen. Während die anderen

Familienmitglieder ins KZ gebracht werden, gelingt den beiden die

Flucht. Jahre der Not und des täglichen Kampfs ums Überleben folgen.

Nach Kriegsende fassen die beiden einen für viele nur schwer

nachvollziehbaren Entschluss: Sie wollen aus Polen zurück nach Deutschland.

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Marcel Reich-Ranicki, mittlerweile 88, lebt seit gut fünfzig Jahren in Deutschland; gemessen am heutigen Alter ist er also als vergleichsweise junger Mann aus Polen immigriert. Trotzdem hat man bei der Nennung seines Namens automatisch einen energischen älteren Herrn vor Augen. Dies sowie der Umstand, dass sich die Verfilmung seiner Autobiografie auf die erste Lebenshälfte beschränkt und im Sommer 1958 mit der Ankunft in Frankfurt endet, entpuppt sich als großes Glück; vor allem für Matthias Schweighöfer.

    Der 28 Jahre alte Schauspieler braucht daher gar nicht erst jenem Eindruck zu entsprechen, den der Literaturkritiker beispielsweise bei seinem zornigen Auftritt während der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises hinterließ. Dankenswerterweise durfte Schweighöfer darauf verzichten, Reich-Ranickis unverkennbaren schweren Akzent zu imitieren; das hätte die bedrückenden Szenen aus dem Warschauer Ghetto vermutlich zur Posse werden lassen.

    Schweighöfer, eigentlich blond und blauäugig, spielt den jungen Reich-Ranicki (brünett und braunäugig) ohnehin nicht als späteren Literaturpapst. Im Vordergrund stehen die Erlebnisse eines jungen Mannes, der ohne sein Dazutun zwischen die Mühlsteine der Weltgeschichte gerät. Umfassende literarische Kenntnisse, vor allem aber sein Talent als Erzähler retten ihn wiederholt aus lebensbedrohlichen Situationen. Den Krieg zum Beispiel überleben er und seine Frau (Katharina Schüttler) in der Obhut eines polnischen Ehepaars, für deren Gastfreundschaft sich Reich-Ranicki mit der packenden Zusammenfassung diverser Klassiker revanchiert.

    Allerdings leidet der Film spürbar unter dem Dilemma, dass sich die Begeisterung für Literatur nur schwer visualisieren lässt. Autor Michael Gutmann und Regisseur Dror Zahavi („Die Luftbrücke“) wollten es offenkundig vermeiden, Reich-Ranicki als weltfremden Bücherwurm zu inszenieren. Dies ist die eine Schwäche des Films: Natürlich vermittelt die Handlung, dass Literatur dem jungen Mann eine Menge bedeutet. Aber die Leidenschaft für die deutsche Kultur und vor allem die deutschen Schriftsteller war so gewaltig, dass Reich-Ranicki unbedingt nach (West-)Deutschland wollte; in das Land der Mörder seiner Familie.

    Über eine zweite Schwäche kann man streiten. Rahmenhandlung des Films ist ein Verhör: 1949 wird Reich-Ranicki vorgeworfen, er habe mit Feinden des Kommunismus‘ kollaboriert. Aus der Vernehmung wird allerdings eine Lebensgeschichte, von der Kindheit in Berlin bis zum Überleben im Warschauer Ghetto. Dieses Gespräch hat Gutmann erfunden, es hat nie stattgefunden. Es ist nicht nur Vorwand für die autobiografischen Erinnerungen, sondern soll verdeutlichen, welch brillanter Erzähler Reich-Ranicki war.

    Die Einwände verblassen allerdings angesichts der hohen Intensität, mit der Zahavi den Film inszeniert hat. Er wird daher auch jene Zuschauer fesseln, die nie eine von Reich-Ranickis Kritiken oder eines der besprochenen Bücher gelesen haben. Die Biografie imponiert dabei gar nicht mal so sehr durch die stimmige Besetzung (Joachim Król und Maja Maranow als Marcels Eltern, Sylvester Groth als Leiter des Verhörs), sondern vor allem durch die dichte Erzählweise; auch wenn es die Verkürzung zwangsläufig mit sich bringt, dass einige Szenen ruhig etwas länger hätten dauern dürfen. Auf der anderen Seite misst man die Ghettoszenen unwillkürlich an Roman Polanskis in dieser Hinsicht ganz ähnliches Drama „Der Pianist“, mit dem sich das Werk des israelischen Regisseurs zumindest auf dieser Ebene dann doch nicht messen kann. Zahavi und Gutmann machen dies durch Details wieder wett. Großartig ist zum Beispiel die Idee, die 19 Monate im Versteck in einer einzigen Einstellung zu komprimieren: Die vergehende Zeit wird durch einen Wassereimer illustriert, in dem sich die Jahreszeiten spiegeln. Ein großer, sehenswerter Fernsehfilm. tpg.

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