Malen oder lieben

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   2005
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Filmhandlung und Hintergrund

Malen oder lieben: Ein französisches Paar zieht aufs Land und entdeckt das Leben und die Freuden einer "ménage à quatre".

Eigentlich könnten William (Daniel Auteuil) und Madeleine (Sabine Azéma) einen gemütlichen Lebensabend auf dem Land in allem gebotenen Komfort genießen. Doch so richtig sind die immer noch aktiven Eheleute nicht auf die Rente vorbereitet. Da trifft es sich gut, als Madeleine beim Malen die Bekanntschaft des kauzigen Dorfbürgermeisters Adam (Sergi Lopez) und dessen deutlich jüngerer Frau Eva (Amira Casar) macht. Die Ehepaare freunden sich an, entdecken gemeinsame Interessen und den Sex zu viert.

Die therapeutische Kraft des Partnertausches, einmal mehr thematisiert von lebenslustigen Franzosen in adäquat idyllischer Umgebung.

William und Madeleine sind seit über 30 Jahren glücklich verheiratet, die Tochter geht ins Ausland und die beiden müssen ihren Alltag neu organisieren. Der spontane Kauf eines alten Bauernhauses im Voralpenland und dessen Umwandlung zu einem Schmuckstück hat ungeahnten Folgen für die Libido. Als sie sich mit dem blinden Bürgermeister des Dorfes und seiner hübschen jungen Frau anfreunden, kommt Schwung in die Beziehung und das Quartett sich sachte näher.

Nachdem ihre Tochter ins Ausland gezogen ist, verwirklichen William und Madeleine sich einen Traum: Sie kaufen ein Haus im Voralpenland, das zunächst nach allen Regeln der Kunst von ihnen renoviert und neu gestaltet wird. Die Landluft, vor allem aber die Bekanntschaft mit dem blinden Bürgermeister Adam und dessen deutlich jüngerer Frau Eva weckt neue Gefühle in den beiden. So entsteht zunächst eine ungebundene Freundschaft, aus der bald mehr wird, als William und Madeleine sich in 30 Ehejahren haben träumen lassen.

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Kritikerrezensionen

  • Wer sagt denn, dass seriöse Herrschaften auf neue sexuelle Erfahrungen verzichten müssen? Die ehrbaren Eheleute aus der Stadt, Madeleine und William, sind gebildet und haben gute Manieren. Und dann finden sie dieses alte Haus im Grünen, am Fuß der Alpen, und den Bürgermeister, der so nett und charmant ist, samt Frau. Der Blinde kann nicht nur Sprüche klopfen wie ein französischer Chansonnier, er heißt auch Adam, und seine Frau heißt Eva. Mit solchen poetischen Kurzschlüssen hantieren die beiden Filmemacher Arnaud und Jean-Marie Larrieu noch öfter, um den romantischen Fluss zu vertiefen: Irgendwie kommt es auch zum Partnertausch, bevor sich William oder Madeleine groß darüber aufregen können.

    Dabei soll das Ganze als natürliche Einheit wirken: die sinnlichen Erlebnisse in der ländlichen Einsamkeit, wo die Nacht wirklich schwarz ist, der Regen die Sicht auf die Berge verhüllt, das gute Essen, die angeregten Gespräche der beiden Paare, und dann, ja, die Fortsetzung der Lust auf neue Erfahrungen. Der Bürgermeister und seine junge Frau wirken unglaublich lieb und unschuldig, wie aus einem Gemälde von Gauguin entsprungen, über den sie im Film sprechen.

    Aber der Bruch mit der Konvention ist trotzdem abgrundtief, als Adam nach einem dieser Abendessen den Arm um Madeleine legt und fragt: „Gehen wir nach oben?“ Und William leicht dümmlich noch einen Anker in der Frage an Eva sucht: „Was werden sie machen?“ Dann lässt er sich von ihr rumkriegen. Die Larrieu-Brüder wollten ihren Film auch als Provokation verstanden wissen, dass Tabubrüche einmal nicht in Streit und Schuld münden müssen. Aber ob die Unbeholfenheit ihrer Handlungssprünge einen künstlerischen Wert hat, darüber könnte man nach diesem Film kultiviert streiten.

    Danach droht die neue Freundschaft zu zerbrechen, denn William und Madeleine fühlen sich von Adam und Eva ausgenutzt, den berechnenden Swingern. Doch die Swinger sind schon auf dem Weg in die Südsee: Sie halten es nicht mehr aus in Frankreich, ihr Haus musste nämlich auch noch gerade abbrennen. Wieso eigentlich dieser sinnliche Philosoph gleich in die Südsee übersiedeln muss, nur weil er sein Haus verloren und Sex mit der Nachbarin hatte? Wahrscheinlich um der Poesie willen, sie sollen ja nur Katalysatoren für Williams und Madeleines Entwicklung gewesen sein. Die freuen sich jedenfalls sehr auf die bevorstehende Hochzeit ihrer Tochter: Denn dort gibt es ein Wiedersehen mit Adam und Eva.

    Die hohen Berge vor dem Haus, die ungewohnten Naturgeräusche, das drohende Alter, das alles kann einem schon zusetzen. Und mit guten neuen Freunden auch sehr, sehr neugierig auf Abenteuer machen. Madeleine und William befinden sich bald in einem jugendlichen Rauschzustand, zwischen Lust und Angst hin- und hergerissen, ziemlich orientierungslos. Für eine lange Zeit bleibt die Leinwand einfach dunkel, und nur die Dialoge der Vier, die durch den Wald stolpern, sind zu hören. Auf so viel Mut zum Nichts schaut man im Kino auch nicht oft.

    Dabei ist der Film sehr romantisch und von ansteckender Sinnlichkeit. Nur dass die Charaktere nicht im Zentrum des Interesses stehen, sondern ihre Erlebnisse. So wirken die Sätze manchmal in den Mund gelegt. Dennoch schaffen es Daniel Auteuil als William und Sabine Azéma als Madeleine, die Schlüpfrigkeit durch sympathische Naivität und echte Gefühle zu erden. Und gerade das ist wieder so reizvoll, ungeschützt und ungewohnt. Ach ja, die Swinger-Erfahrungen: Schon Houellebecq hat sich gewundert, dass die Franzosen auf so etwas stehen. Als würde die bürgerliche Kultiviertheit diesen Kontrast provozieren. Vielleicht zieht eine neue Revolution aus Frankreich herauf. Ein Film für kontroverse Diskussionen, an dem eines unersetzlich ist: die Melodie der französischen Sprache in der Originalversion.

    Fazit: Ehepaar vor dem Ruhestand entdeckt neue sinnliche Freuden: Romantischer Film mit provokanten Elementen.
  • Was tun, wenn man im besten Alter nicht mehr viel zu tun hat? Ein französisches Paar zieht aufs Land und entdeckt das Leben und die Freuden einer „ménage à quatre“.

    Der diskrete Charme der Bourgeoisie, hier erlebt er seine Wiedergeburt mit spezifisch französischer Leichtigkeit und Unbeschwertheit. William und Madeleine sind seit über 30 Jahren glücklich verheiratet, die Tochter geht ins Ausland und die beiden stehen vor einem neuen Lebensabschnitt, müssen ihren Alltag neu organisieren. Während Monsieur sich mit Golf die Zeit vertreibt, frönt Madame ihrem Hobby und malt in der freien Natur. Der spontane Kauf eines alten Bauernhauses im Voralpenland und dessen Umwandlung zu einem Schmuckstück hat ungeahnten Folgen für die Libido. Als sie sich mit dem blinden Bürgermeister des Dorfes und seiner hübschen jungen Frau anfreunden, kommt Schwung in die Beziehung und das Quartett sich sachte näher. Nach der ersten Verwirrung gefällt den beiden die Lust mit fremden Partnern. Nicht routinierter Sex wie im Swinger-Club steht im Vordergrund, sondern ein romantisches Vergnügen, dass Mann und Frau gerne mit anderen teilen – am besten nach einem delikaten Mahl.

    Wie die vier nach und nach die Hemmungen und Kleider fallen lassen, das ist locker und augenzwinkernd inszeniert, dazu eine Portion knisternder Erotik, charmanter Konservation und feiner Ironie. Genuss ohne Reue und ohne Schuldgefühlen oder Schuldzuweisungen. Die Brüder Larrieu entwerfen eine kleine Utopie des Hedonismus in kultiviertem Ambiente und wenden sich gegen das nationale Grundmuster, nach dem hinter der bürgerlichen Fassade eigentlich immer das Böse und schreckliche Geheimnisse lauern – wie bei Altmeister Claude Chabrol. Bei ihnen hat die Lust keine Schattenseiten, sondern die Menschen sind wirklich nett zu- und miteinander. Es macht Spaß, Sabine Azema und Daniel Auteuil zuzugucken, wie sie ihre Prüderie überwinden oder Sergi Lopez als blinder Bürgermeister sie aus der Reserve lockt und souverän manipuliert. Nicht umsonst heißen er und seine Frau im Film ausgerechnet Adam und Eva. Gegen Ende verliert die beschwingte Komödie à la française etwas von ihrer filigranen Struktur und Sinnlichkeit, man weiss, dass nach dem überraschenden Verschwinden der Jüngeren, andere ihren Platz einnehmen werden. Eine Lehre kann jeder aus der Geschichte ziehen. Man muss sich nicht zwischen „Malen oder Lieben“ entscheiden. Es geht doch auch beides! mk.

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