Filmhandlung und Hintergrund

Provokatives Porträt einer Rabenmutter, von Sandra Hüller stark dargestellt.

Der soziale Härtefall Rita (Sandra Hüller) macht sich mit ihrem fünften Kind unter dem Arm auf nach Belgien, um ihren eigenen Vater zu suchen. Nach zwischenzeitlicher Inhaftierung holt sie den übrigen Nachwuchs bei ihrer verhassten Mutter Isabella (Susanne Lothar) ab. Denn Rita will mit Marc, einem in Deutschland stationierten US-Soldaten, ihr brachliegendes Familienleben wieder aufnehmen. Die Kinder leiden sehr unter der Situation und wenden sich von ihr ab.

Maria Speths Zweitling nach „In den Tag hinein“ weist wieder eine eigenwillige (Anti-)Heldin auf, die gängigen Werte- und Moralvorstellungen spottet. So skizziert Speth die Biographie einer Unbeugsamen, die in einer Verweigerungshaltung stecken geblieben ist.

Wegen Diebstahls gesucht, flieht Rita mit ihrem Baby nach Belgien und taucht dort bei ihrem leiblichen Vater auf, der alles andere als begeistert darüber ist. Nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe holt sie ihre vier anderen Kinder von ihrer Mutter zu sich und probiert ein normales Familienleben mit einem US-Soldaten. Das geht aber nur eine Weile gut.

Wegen Diebstahls gesucht, flieht Rita mit ihrem Baby nach Belgien und versucht, ihren leiblichen Vater zu finden, der über ihr Auftauchen alles andere als begeistert ist. Nach Verhaftung und Verbüßung einer Gefängnisstrafe holt sie ihre vier anderen Kinder von ihrer Mutter zu sich und versucht ein normales Familienleben mit einem farbigen gutmütigen US-Soldaten. Das geht nur eine Weile gut, dann stürzt sich die instabile Frau wieder in Discos und starke Männerarme.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Das Thema des Films ist schon schwer genug: eine verantwortungslose Mutter, bindungsunwillig, bindungsunfähig, was sowohl ihre fünf Kinder als auch deren verschiedene Väter betrifft, die alle schon lange verlassen wurden. Sie lässt die Kinder bei ihrer Mutter, die sie im Übrigen nicht ausstehen kann (die ihrerseits, das wird klar, früher genauso lieblos war), nur den Kleinsten, J.T., nimmt sie mit, wenn sie einfach so in Frankreich ihren Vater sucht, wenn sie im Gefängnis steckt. Und bei ihren Partys und Kneipenbesuchen muss J.T. im Wagen bleiben, die Scheiben sind schon ganz angeschlagen…

      Es ist schwer, sich in diesen Charakter einer unreifen, gleichwohl über 30jährigen Mutter einzufinden, die nicht umgehen kann mit der Verantwortung, die aber nicht loslassen will vom Nachwuchs – wie ein Kleinkind, das sich an einem Spielzeug festklammert. Doch der Film selbst macht alles noch viel schwieriger, Maria Speth entscheidet sich dafür, den schwierigen Inhalt sehr spröde zu verpacken. Die erste halbe Stunde über wirft sie den Zuschauer ständig in neue, unbekannte Situationen, lässt neue Charaktere auftauchen, die sie nicht erklärt, lässt ihn selbst herausfinden, in welchen Verhältnissen Rita, die Mutter, lebt, lässt die Zeit springen, ohne das kenntlich zu machen. Ohne Hilfestellung, ohne Hinweise, die die Situation oder die Charaktere vorstellen würden. Da redet jemand, von dem wir nicht wissen, wer er ist, zur Seite, zu jemandem, den wir außerhalb des Bildes nicht sehen: Wo befinden wir uns, wer ist das, wann spielt das?

      Erst zur Mitte des Films hin wird alles ruhiger, wenn sich Ritas Leben zu stabilisieren scheint, die Plötzlichkeit des Anfangs ist vorüber, sie lebt nun mit ihren Kindern beim neuen Freund, einem schwarzen GI, in einer kleinen Wohnung. Allerdings: War der Beginn bewusst sperrig gehalten, so waren die Sprünge der Szenen und der Figurenkonstellationen doch auch dynamisch; jetzt, für den Rest des Films, wird es zäh. Und das wiederum hilft dem Thema nicht, das durchaus realistisch den Charakter einer gestörten Mutterperson zeigt, die ihre Kinder nolens volens vernachlässigt. Doch im stilisierten Stillstand des Films, in der formalen Abblockung jeder Emotionalität oder Empathie: Wer will da das Authentische, das hinter dem Film steckt, noch glauben oder sich damit beschäftigen?

      Wer seinen Film mit zu vielen, zu willkürlichen Hindernissen zustellt, muss sich nicht wundern, wenn er auf wenig Interesse oder Beifall stößt. Was schade ist, weil hier das Porträt einer unfähigen Mutter, die Zustandsbeschreibung eines nicht alltäglichen, aber alltäglich in der Zeitung auftauchenden Falles von vielfacher Kindervernachlässigung, von der Untauglichkeit zur Mutterschaft, die sich von Generation zu Generation fortpflanzt, in allzu gewollte filmische Künstlichkeit verschenkt wird.

      Fazit: Das Porträt einer verantwortungslosen, bindungsunwilligen und -unfähigen Mutter, die ihre Kinder vernachlässigt – spröde inszeniert und recht zäh geraten.
    2. Madonnen: Provokatives Porträt einer Rabenmutter, von Sandra Hüller stark dargestellt.

      Provokativ macht Maria Speth eine Frau, die sich der Mutterliebe, Mutterrolle und gängigen Moralvorstellungen verweigert, zur „Madonna“.

      Das Thema „Mutter“ bewegt seit jeher die Gemüter. Maria Speth erzählt von Rita, die dem Idealbild so gar nicht entspricht. Wegen Diebstahls gesucht, flieht sie mit ihrem Baby nach Belgien und versucht, ihren leiblichen Vater zu finden, der über ihr Auftauchen alles andere als begeistert ist. Nach Verhaftung und Verbüßung einer Gefängnisstrafe holt sie ihre vier anderen Kinder von ihrer Mutter zu sich und probiert ein normales Familienleben mit einem farbigen gutmütigen US-Soldaten. Das geht nur eine Weile gut, dann stürzt sich die instabile Frau wieder in Discos und starke Männerarme.

      Der Film entwirft das Porträt einer unreifen Persönlichkeit, die sich um Verantwortung drückt, nie Mutterliebe erfahren hat und demnach auch nicht weitergeben kann. Maria Speth zeichnet keine Sympathieträgerin, sondern eine Figur, die Aversionen weckt. Wenn sie beim kurzen Aufenthalt im Hause ihres Vaters nicht nur ihrem Baby, sondern auch ihrem Halbbruder die Brust gibt oder ihre vier Kinder sich selbst überlässt, um sich mit Wildfremden zu betrinken, ihren Lebensgefährten mit ungerechten Vorwürfen attackiert und der Umwelt mit Aggression begegnet, möchte man das eigentlich nicht sehen. Ihr Selbstzerstörungstrieb, ihre Bindungsangst und emotionale Verhärtung bauen eine Distanz auf, die nur in wenigen Momenten aufzubrechen ist. Nur die Hartz-IV-Kinder erwecken Mitleid, sie sind auf Gedeih und Verderb den Launen der Mutter ausgeliefert, leiden unter ihrer Anwesenheit. Soziologisch mag es interessant sein, wie Verhaltensmuster weitergegeben werden, filmisch stellt dies eine Herausforderung für den geduldigen Betrachter dar. Die Regisseurin wertet nicht moralisch und will nicht emotionalisieren, sondern eher beobachtend auf das Geschehen blicken, was eine Annäherung an die Protagonistin zusätzlich erschwert. Der Plural im Titel wird damit erklärt, dass auch andere Personen in ihrer tatsächlichen oder zukünftigen Mutterrolle thematisiert werden. Dass die Geschichte halbwegs funktioniert, ist Sandra Hüller zu danken, die die schwierige Rolle der Rabenmutter konsequent und überzeugend durchzieht. mk.

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