Mademoiselle Chambon

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   2009
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Filmhandlung und Hintergrund

Mademoiselle Chambon: Berührendes Melodram um eine unmögliche Liebe, die statt auf große Gefühle und Worte auf kleine Gesten und Stille setzt.

Jean und Veronique Chambon haben nichts gemeinsam, kommen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Dennoch verlieben sie sich. Er ist Maurer, sie Lehrerin, er glücklicher Familienvater, sie unfreiwilliger Single. Er, der nicht an Kultur interessiert ist, entdeckt die Musik durch das Violinenspiel von Mademoiselle. Sie wissen, dass sie keine gemeinsame Zukunft haben, versuchen aber die kleinen Fluchten – für eine kurze Zeit. So unspektakulär, beiläufig, wie sie sich getroffen haben, gehen sie auch wieder auseinander.

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Kritikerrezensionen

  • Einen echten Liebesfilm gibt es, im Gegensatz zum Actionfilm oder zur Komödie, im Kino nicht oft zu sehen. „Mademoiselle Chambon“ von Regisseur Stéphane Brizé ist einer, und er ist so gelungen, dass er im Gedächtnis bleibt wie ein Schatz, den man dankbar hütet. Mit großer Einfachheit und Klarheit verfolgt er den Prozess einer Liebe, die eigentlich nicht sein soll, aber trotzdem über zwei erwachsene Menschen kommt, um sie magnetisch anzuziehen, in heftige Zweifel zu stürzen und zu einer Entscheidung zu zwingen. Wie eng Jubel und Schmerz zusammengehören, wird weitgehend nonverbal, also mit den ureigenen Mitteln des Films, deutlich im Dialog zweier Ausnahmeschauspieler.

    Wer nicht liebt, hat nicht gelebt, heißt es, und die beiden Liebenden hier machen einen Reifeprozess durch, sie leben so intensiv, dass sie die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit sinnlich durchmessen und daran altern. Mademoiselle Chambon, gespielt von Sandrine Kiberlain, ist eine sehr zarte, fast durchsichtige Person und als Vertretungslehrerin nirgends beheimatet. Im Gegensatz zum Vater ihres Schülers Jérémy, dem Maurer Jean, hat sie sich weder Haus noch Familie aufgebaut. Mit seiner männlichen Kraft und Bodenständigkeit weckt dieser Handwerker verschiedene Sehnsüchte in ihr.

    Vincent Lindon spielt Jean – im wirklichen Leben sind Lindon und Kiberlain ein Ehepaar, das sich getrennt hat. Ähnlich wie die Figuren, die sie im Film spielen, sind die Darsteller so diszipliniert, dass sie ihre Aufgaben trotz der persönlichen Gefühle meistern. Jean arbeitet hart und ist es nicht gewöhnt, dafür gelobt zu werden. Die Aufmerksamkeit der Lehrerin weckt in Jean ebenfalls Wünsche, die über sein bisheriges Leben hinausgehen: Zugang zur Musik bekommen, sich um sich selbst kümmern.

    Und dann sitzen die beiden ungleichen Menschen stumm und befangen auf Mademoiselle Chambons Sofa, lauschen einer CD und tasten sich zueinander vor, wägen innerlich, aber hellwach ab, welches Gefühl sein darf und wie viel davon der Andere verträgt. Der Regisseur, der einen Roman von Éric Holder als Vorlage verwendete, inszeniert solche Momente wie in Zeitlupe. Euphorie und Versagen ringen um eine gemeinsame Form, münden in Traurigkeit und Zärtlichkeit. Wenn Jean einmal im Auto heimfährt und sich der Kamera allenfalls von der Seite zeigt, ist diese lange Einstellung auf phänomenale Weise erfüllt von dem Zauber, den dieser Mann spürt.

    Lindon spielt wie Kiberlain, aber auf eigene Art, über die Augen und die Körperhaltung. In den ruhigen Szenen passiert äußerlich zwar wenig, aber dennoch genug, um sie im Fluss zu halten. Als Jean und Mademoiselle Chambon von einer Anhöhe auf den kleinen Ort schauen, weht der Wind, beim Picknick des Ehepaars mit seinem Sohn ruft plötzlich der Kuckuck. Oft werden die Personen nur wie dokumentarisch in ihrem Alltag gezeigt, auch Jeans Frau in der Druckerei, sein Vater beim Regeln der letzten Dinge im Beerdigungsinstitut. In dieser Realität voller Grenzen begleiten die Zuschauer das Liebespaar unmittelbar auf dem Weg zu neuer Wahrheit.

    Fazit: Ein kleines Juwel von einem Liebesfilm, klar und realitätsnah erzählt mit einem hervorragenden Schauspielerpaar.
  • Berührendes Melodram um eine unmögliche Liebe zwischen zwei Menschen, die im wirklichen Leben nichts verbindet.

    Tragische und unglückliche Liebesgeschichten sind die schönsten zum Mitweinen und Mitleiden. Zu beidem bietet Stéphane Brizé Gelegenheit. Er erzählt in „Mademoiselle Chambon“ von einem Mann und eine Frau aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, er Maurer, sie Lehrerin, er glücklicher Familienvater, sie unfreiwilliger Single. Die Liebe kommt zufällig und fast nebenbei, ungeplant und ungewollt, ist fast ohne Anfang, fast ohne Ende. Es passiert nicht viel, unmerkliche Regungen, viel Schweigen. Ohne große Worte ist dennoch viel gesagt, sprechen die Körper, die Blicke, die Gesten. In den Minuten, in denen die Stille wie eine Last auf dem Paar ruht, teilt sich Unbehagen mit, Scham und Scheu, Schmerz und Angst vor dem Unbekannten, vor der Konsequenz, dem bitteren Ende.

    Brizé zeigt die Protagonisten in ihrem Alltag, ohne auf Dramatik oder Beschleunigung zu setzen, lässt sich nur zu minimalen Andeutungen hinreißen, was die Seelenlage betrifft. So rührt die plötzliche Faszination des kulturell nicht sehr interessierten Mannes am Violinenspiel der Geliebten, das ihm eine neue und wunderbare Welt eröffnet, zu der er bislang keinen Zutritt hatte. Manchmal wirkt die Komplexität der Beziehung und die Arglosigkeit der Realität gegenüber sehr angestrengt, man sehnt sich nach einem heftigen emotionalen Ausbruch, exzessiver Wildheit und leidenschaftlichen Sex statt gedämpfter Stimmung wie unter einer Käseglocke. In manchen Szenen dagegen überzeugt die subtile und delikate Beobachtung persönlichen Hoffens und gemeinsamen Scheiterns. Vincent Lindon und Sandrine Kiberlain, eine Zeitlang im richtigen Leben ein Paar, tanzen den Gefühlstango in kleinen vorsichtigen und winzigen Schritten und berühren in ihrer Verletzbarkeit. Wohl wissend, dass es keine Zukunft gibt, versuchen sie die kleinen Fluchten. Wenn sich diese zwei Menschen ohne ein Wort verlassen, die Kamera im Auto sich nur auf ihren Rücken richtet, Tränen in die Augen treten, eine schmale junge Frau allein und vergeblich wartend auf dem Bahnsteig steht, ist das wie ein Stich ins Herz. Adieu l’amour. mk.

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