Lulu & Jimi

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   2008
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Filmhandlung und Hintergrund

Lulu & Jimi: Oskar Roehlers wilde und exzentrische Geschichte einer großen Rock'n'Roll-Liebe am Ausgang der Fünfzigerjahre.

Ende der 50er Jahre hat der Rock’n’Roll die Bundesrepublik erobert, Rebellion und Lebenslust ergreifen die Jugend. Lulu (Jennifer Decker) stammt aus einer bankrotten Fabrikantenfamilie und verliebt sich in den gutaussehenden, ebenso mittellosen Schwarzen Jimi (Ray Fearon). Skandal! Die Liebe zu dem Amerikaner kann und will Lulus Mutter (Katrin Saß) nicht tolerieren. Sie beauftragt skrupellose Männer, das Glück ihrer Tochter mit Gewalt zu zerstören.

Oskar Roehlers

Es ist Liebe auf den ersten Blick für die junge Lulu aus einer verarmten deutschen Fabrikantenfamilie und Jimi, den schwarzen amerikanischen Charmeur vom Autoscooter. Ende der Fünfzigerjahre aber ist diese Liebe ein Skandal und für Lulus Mutter ein Hindernis, ihre lukrativen Heiratspläne mit Lulu in die Tat umzusetzen. So beauftragt sie skrupellose Männer, das Glück ihrer Tochter mit Gewalt zu zerstören.

Es ist Liebe auf den ersten Blick für die junge Lulu aus einer verarmten deutschen Fabrikantenfamilie und Jimi, den schwarzen amerikanischen Charmeur vom Autoscooter. Ende der Fünfzigerjahre aber ist diese Liebe ein Skandal und für Lulus Mutter ein Hindernis, ihre lukrativen Heiratspläne mit Lulu in die Tat umzusetzen. So beauftragt sie skrupellose Männer, das Glück ihrer Tochter mit Gewalt zu zerstören. Die beiden Liebenden werden in ein Abenteuer verwickelt, das ihre Gefühle zueinander auf eine harte Probe stellt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Oskar Roehler macht sich über die 50er Jahre lustig in „Lulu & Jimi“. Die Geschichte über die Liebe einer deutschen Fabrikantentochter zu einem mittellosen Schwarzen beginnt noch ziemlich harmlos als Rock’n’Roll-Abenteuer in der Provinz. Lulus Mutter aber ist eine grell geschminkte Karikatur der gelangweilten Intrigantin und ihr rosafarbener Pudel verstärkt erste Zweifel am Realitätsanspruch des Films. Schritt für Schritt greift sich Roehlers Karikaturenzirkus immer neue Themen, vor allem der Film noir hat es ihm angetan. Das fragwürdigste Stilmittel in „Lulu & Jimi“ ist, wie die Dummerchen in diesem Monstrositätenkabinett vorgeführt werden.


    Die Geschichte von Lulu und Jimi spielt in einer deutschen Kleinstadt des Jahres 1959. Die 19-jährige Lulu und ihr Bruder leben in der Villa ihrer geldgierigen Mutter. Der Vater irrt im Schlafrock durch den Garten, der Chauffeur will mit der Mutter ins Bett. Lulu und der schwarze Kirmes-Arbeiter Jimi hören Rock’n’Roll im Cabrio und gehen tanzen. Aber die bessergestellte Jugend in dem Kaff ist nicht gewillt, Jimi in ihren Kreis aufzunehmen. Der junge Mann muss die Fäuste schwingen – und befördert Lulus Bruder in den Rollstuhl. Die Mutter lässt einen Psychiater kommen, der Lulu von ihrem Jimi kurieren soll, mit Spritzen und Hypnose.


    Die Flucht des Liebespaars, ganz nett gespielt von der Französin Jennifer Decker und dem Briten Ray Fearon, verzögert sich, denn Oskar Roehler hat noch so viel zu erzählen. Als Vorlage dient ihm die Handlung aus David Lynchs „Wild at Heart“. Vor den Hauseingängen stehen ziemlich große Gartenzwerge, dann geht es zum Film noir in ein amerikanisch aussehendes, menschenleeres Gewerbegebiet. Harry Hass – gespielt von Ulrich Thomsen – stellt sämtliche abgewrackte Detektive des Genres in den Schatten, war außerdem in Stalingrad und es wird geschossen.

    Katrin Sass als Lulus Mutter und Bastian Pastewka als Wunsch-Schwiegersohn spielen so, wie es von allen Darstellern verlangt wird: Sie irritieren. Das müssen selbst die in glänzende Stoffe gekleideten Lichtgestalten Lulu und Jimi: Den beiden fällt vor jeder Kulisse noch ein Liebesspruch ein, den sie über den Kopf des Partners hinweg deklamieren.

    Optisch wird neben Neonschimmer mit einer Vorliebe für Pink auch ein rosa Kofferradio in Herzform geboten, Sitzbezüge für das Auto im Zebramuster, das Auto ist ein amerikanisches Straßenkreuzer-Cabrio und gefahren wird es durch die Kinonacht der 50er Jahre: bewegt wie auf einer Drehscheibe vor einem projizierten Hintergrund mit Sternenhimmel. Das hätte einen nostalgischen Reiz, aber Roehler liegt nicht an Gefühlen, sondern an der Dekonstruktion.

    Fazit: Oskar Roehler karikiert die 50er Jahre als Fundgrube des schlechten Geschmacks.
  • Mit einer ästhetisch originellen Liebesgeschichte aus den Fünzigerjahren wagt Oskar Roehler den Spagat zwischen Melodram, Farce und Märchen.

    „Was ist mit deiner Mutter?“, fragt Jimi. „Sie ist tot. Hast Du Hunger?“, sagt Lulu. Intakte Schlüsselbeziehungen zur Familie sehen anders aus – Lovestorys im Allgemeinen auch. Genau darum geht es Roehler – um den spielerischen Regelbruch, das Pingpong zwischen vertrauten Gefühlen, die ein Leben prägen, und überzeichneten Figuren und Situationen, die emotionale Wirklichkeiten in einen cartoonhaften Kontext setzen. „Lulu und Jimi“ thematisiert die große Liebe, sexuelle Repression, Spießertum, Rassismus und die idealisierte Erlebnisqualität der Fifties – mit coolen Autos, Rock’n’Roll und Petticoatgehopse. Kleinstadtblume Lulu (Jennifer Decker, zuletzt die französische Ablenkung der amerikanischen „Flyboys“) hat eine schrille, manipulative Mutter und einen gutmütigen, aber gebrochenen Vater. Sie ist jung, impulsiv, naiv, aber unwillig, den reichen, langweiligen Erben zu heiraten, den ihre Mutter zur Sanierung von Finanzen und Status ausgesucht hat. Als Lulu Jimi (Ray Fearon) kennen lernt, den attraktiven schwarzen Ami-Charmeur vom Autoskooter, fühlen beide das „Fieber im Blut“. Tanzend leben sie dieses auf einer Party reicher Provinzschnösel aus, auf der Lulus Bruder den „Neger“ mit dem Messer attackiert. Der Angreifer landet gelähmt im Rollstuhl und Jimi in Haft. Als er freigelassen und Lulu schwanger wird, setzt ihre Mutter einen skrupellosen Arzt und ihren Lover darauf an, das ungeliebte Glück zu zerstören. Irgendwo zwischen den Gebrüder Grimm, Francois Ozon („Sitcom“) und David Lynch stemmt Autor-Regisseur Roehler einen Mix aus Kitsch-Melodram und Verschwörungskrimi. Lynchs Figurenexzentrik findet hier eine neue Heimat, in Hans-Michael Rehbergs Arzt, der wie in „Das zauberhafte Land“ seinem Opfer in der Kristallkugel folgt oder auch Ulrich Thomsens Killer, der Dennis Hoppers „Blue Velvet“-Psychopathen Konkurrenz macht. Leidenschaft in den Gefühlen glaubhaft zu vermitteln, bleibt eine Behauptung des Films, aber im Gestaltungswillen von Regisseur, Designer und Kameramann ist sie klar zu erkennen. Hier glühen die Haare der Liebenden rot im Gegenlicht, erscheinen riesige Herzen am Sternenhimmel, taucht Bambi am Seerosenteich auf, wirkt der erleuchtete, isoliert auf dem Land liegende Rummelplatz wie Camelot. Immer ist neben Roehlers Kernthema der disfunktionalen Familie und der extremen Stilisierung auch eine parodistische Ader prominent, immer ist „Lulu und Jimi“ in der Groteske ganz Kino, sehenswert filmisch. Keine Selbstverständlichkeit hierzulande. kob.

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