Lourdes

  1. Ø 0
   2010

Lourdes: Hervorragend kadrierte und in Teilen brüllend komische Tragikomödie über eine an den Rollstuhl gefesselte Frau, die eine Pilgerfahrt nach Lourdes unternimmt und dort mit Absurditäten, aber auch der Liebe konfrontiert wird.

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Filmhandlung und Hintergrund

Lourdes: Hervorragend kadrierte und in Teilen brüllend komische Tragikomödie über eine an den Rollstuhl gefesselte Frau, die eine Pilgerfahrt nach Lourdes unternimmt und dort mit Absurditäten, aber auch der Liebe konfrontiert wird.

Christine ist von Kindheitstagen an den Rollstuhl gefesselt. Sie lässt sich zu einer Pilgerreise nach Lourdes überreden, auch wenn sie dem Wunderglaube skeptisch gegenüber steht. Im Gegensatz zu einigen der anderen kranken Mitreisenden erwartet sie nichts von den diversen Anwendungen wie dem Baden oder dem Berührend der Felsen der Grotte. Doch sie findet Gefallen an einem der Begleiter ihrer Gruppe, einem Freiwilligen des Malteserordens, der sich rührend um sie kümmert. Dann geschieht tatsächlich ein Wunder.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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    Wo Krankheit, Einsamkeit, Neid und Hoffnung nah beieinander liegen, findet sich eine ideale Bühne für ein Glanzstück des aktuellen, europäischen Kinos. LOURDES gibt einen präzise inszenierten Einblick in den Wallfahrtstourismus des Pilgerzentrums. Geschickt wird das erdachte Schicksal um die gelähmte Christine und ihre Reisegruppe unter Leitung der Malteser Hilfsorganisation mit den Originalschauplätzen und Gegebenheiten verwoben. So pendelt dieses Gesellschaftsbild zwischen ironischer und sehr genauer Betrachtung vom Geschäft mit der Hoffung und dem leisen Glauben an ein wahres Wunder, das Christine scheinbar widerfährt. Grandiose Bildkompositionen und eine ausgefeilte Farbdramaturgie erzeugen eindrückliche visuelle Momente. Große Kunst ist auch das feine Schauspiel der Darsteller, sensationell besetzt bis in die Nebenrollen. Ein absolut sehenswerter Film, dessen Mut und Leistung hiermit nachdrücklich hervorgehoben sein!

    Jurybegründung:

    Zum einen wird in diesem Film mit einem fast dokumentarischen Blick ein Pilgeraufenthalt in Lourdes gezeigt. Man sieht wie die Pilger essen, schlafen, am touristischen Programm teilnehmen, von den Helfern des Malteserordens bevormundet werden und die Gottesdienste, Waschungen und anderen religiösen Rituale mitmachen, von denen sie sich das Wunder einer Heilung versprechen. Dass diese Heilung nicht nur geistig sein soll, erkennt man schon daran, dass die Meisten mit einem körperlichen Gebrechen zur Pilgerstätte ziehen und die vermeintlich von ihren Gebrechen Befreiten dann vor einer Kommission antreten sollen, damit ihre Heilung auch 'offiziell' wird. Alleine schon für diesen klugen, kritischen und durchaus auch ironischen Blick ist der Film sehenswert. Er zeigt, dass Lourdes ein Geschäft ist, wie die dort Beschäftigten damit umgehen und dass viele von ihnen mit der Zeit ein, wenn nicht zynisches, so doch recht abgeklärtes Verhältnis zu diesem religiösen Phänomen entwickelt haben.

    Aber der Film sieht Lourdes auch mit den Augen einer jungen Gelähmten, und nicht nur weil diese Christine von Sylvie Testud so authentisch und intensiv verkörpert wird, wird er dadurch zu einem bewegenden Drama. Auch wenn sie sich nach außen hin skeptisch gibt und erklärt, Rom habe kulturell viel mehr zu bieten, erkennt man doch ihre Hoffnung auf eine Heilung gegen alle Vernunft. Sie schließt Freundschaft mit ihrer Zimmernachbarin, flirtet ein wenig mit einem der uniformierten Helfer und macht damit sogar jene junge Schwester eifersüchtig, die sich um sie kümmern soll. Die bis zum Kopf vollständig gelähmte Frau scheint innerlich zu glühen, und um diesen Zustand deutlich zu machen, findet die Regisseurin Jessica Hausner Bilder, die mit einer großen Virtuosität komponiert sind, aber nie zum Selbstzweck werden. So etwa jene Einstellung, in der die Säulen eines Gotteshauses so übermächtig scheinen, dass nur Fragmente von Christine sichtbar werden - und dies direkt nach ihrer vermeintliche Heilung, also in einem Moment, von dem man erwartet, dass in ihm ihre neu geschenkte Freiheit gefeiert wird.

    Grandios ist auch die Schlusssequenz, bei der so vieles in einer Nahaufnahme deutlich wird, nachdem das ausgelassene Feiern der Gesunden wie ein höhnischer Tanz um das goldene Kalb inszeniert wurde. LOURDES ist ein auf allen Ebenen meisterhaft, ja wundersam erzähltes Werk - ein wenig kann auch die Filmkunst heilen.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Alles geht seinen gewohnten Gang, alle haben Routine: die Malteser, die schon oft Pilgerfahrten nach Lourdes organisiert haben, die kranken Pilger, die schon of auf Heilung hofften, die Priester und der ganze Betrieb in Lourdes. „Die Romfahrt war schöner“, sagt Christine, „das war kultureller.“ Und: „Wenn ich keine Pilgerreise mache, komm ich ja gar nicht mehr raus.“ Christine ist wegen Multipler Sklerose von Hals abwärts gelähmt, jetzt ist sie eben mit der Malteser-Pilgergruppe in Lourdes. Mal rauskommen. Was anderes sehen.

    Und mit Christine geschieht ein Wunder. Sie wird geheilt. Und das ist unerklärlich.

    Nun erzählt Jessice Hausner freilich keine Heilungs- oder gar Heiligenlegende; nein: sie geht ganz unaufgeregt vor, in langsamem, präzisem Rhythmus zeigt sie die Abläufe in Lourdes, die Grotte, die Bäder, die Gebete und die Massensegnung von 40.000 Gläubigen; dazu durchaus auch den touristischen Katholizismus-Mechanismus, der hier in Lourdes auf Hochtouren läuft; wo auch die Grenze zum Aberglauben mitunter überschritten wird.

    Und sie deutet Zwischenmenschliches an, mit Marie, der jungen Malteserschwester, die sich um Christine kümmern soll und sich doch lieber mit Gleichaltrigen amüsieren will; mit Cecile, der Reiseleiterin, die alle Abläufe im Griff hat; mit Christines Zimmergenossin, einer älteren Dame, die – vielleicht aus Mariengläubigkeit, vielleicht aus Einsamkeit – sich Christine und ihrem Leiden besonders annimmt.

    Wenn dann irgendwann plötzlich Christines Finger zucken, geschieht das ganz selbstverständlich; der Film macht kein großes Aufhebens darum, und ebensowenig die anderen Pilger. Verwunderung ja, auch Bewunderung und Beifall – aber keine Begeisterung, kein Heiligen-Hype. Auch von der Lourdes-Verwaltung nicht: Multiple Sklerose kennt Schübe und Regressionen, ob die Heilung anhält, ist ungewiss. Und dann wäre es eben kein Wunder.

    Und es gibt Neid und Missgunst in der Gruppe; doch auch das nur nebenbei, im Verborgenen. Alles eben bedächtig, besinnlich, auch in der Überzeugung, dass Gott eben manchmal Wunder vollbringt. Und oft auch nicht.

    Indem Jessica Hausner diesen Fall erzählt, ohne sich von ihm einnehmen zu lassen; indem sie alles offenhält: Wunder Gottes oder seltenes, erklärbares Phänomen –, indem sie einfach hineinblickt in die Seele einer Pilgergruppe, schafft sie es, ihren Film herauszuholen aus dem reinen, direkten Lourdes-Zusammenhang: Wie gehen wir damit um, wenn etwas Wunderbares geschieht? Wenn es mit uns passiert? Und wie, wenn es einem anderen zustößt? Wenn wir Zeuge einer Unwahrscheinlichkeit werden? Wie gerecht ist das Schicksal, das den einen schwer trifft, den anderen aber heilt? Wie gerecht ist Gottes Segen? Spielt Gott überhaupt mit?

    Fazit: Ruhiger Film über ein unglaubliches Wunder, und darüber, wie wir damit umgehen.
  • Vier Jahre nach „Hotel“ kehrt die Österreicherin Jessica Hausner auf den Regiestuhl zurück. Sie liefert in fantastisch präzise komponierten Bildern eine Tragikomödie, die mitunter schreiend komisch den absurden Alltag der Wallfahrtsstadt schildert. Dabei macht sie sich nie lustig über das Leid der Menschen, spielt aber mit deren überhöhten Erwartungen. Sie kann sich auch auf ihr Ensemble, angeführt von Sylvie Testud, verlassen.

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