Louise Hires a Contract Killer Poster

Fakten und Hintergründe zum Film "Louise Hires a Contract Killer"

Kino.de Redaktion  

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Die Regisseure über die Produktion

2003 haben wir für die Sendung Groland auf Canal + eine Mini-Serie namens “Don Quichotte de la révolution” geschrieben und gespielt, die einen alten Don Quichotte auf einem Motorrad und in Begleitung von Sancho Pança als Pizza-Kurier auf einem Moped als Protagonisten hat – beides Charaktere mit viel Schneid und lächerlich zugleich, unterwegs im Kampf gegen die multinationalen Konzerne.

Diese anarchistische, im Vornherein verlorene Schlacht führt sie in einer Episode dazu, den halbseidenen Patron zu verfolgen und zu bestrafen, der den armen Sancho entlassen hat. Die Suche nach einem wahren Verantwortlichen führt sie vom Pizzastand im Quartier La Défense in Paris nach Brüssel und schliesslich ins Steuerparadies Bermudas. In der Schlussszene befindet sich der ohnmächtige Don Quichotte an einem verlassenen Strand, vor ihm ein immenses Schild mit Namen von Firmen, das er mit einer Hacke zerschlägt, irgendwo zwischen Wut und Verzweiflung.

Damals hatten wir bereits das Potential für einen Film in dieser entschieden modernen Geschichte erahnt. Wir waren nicht die Einzigen: der Verlag Danger Public schlug uns spontan vor, daraus ein illustriertes Buch zu machen. Als wir anfingen, an jenem Projekt zu arbeiten, führte uns die Inspiration von einem simplen Remake zu einer anderen Geschichte, die das Drehbuch zu LOUISE-MICHEL werden sollte. Der neue Ausgangspunkt war eine Zeitungsmeldung aus der Region von Angoulême. Ein netter Patron hatte seinen Arbeitern neue Arbeitskleidung spendiert und am darauf folgenden Wochenende alle Maschinen nach Osteuropa transferieren lassen.

Für uns, für die ein Film nicht einfach “billig” und eitel sein konnte, hatten wir das Gerüst für einen neuen Film gefunden, der wie die beiden Vorgänger das Leben der kleinen Leute zeigt, die sich von der grossen Maschinerie nicht überrollen lassen.

Unser erster Film AALTRA, der von zwei Behinderten handelte, die nach Finnland reisen, um Schadenersatz zu fordern, war Libertad le béquillard, einem französischen Anarchisten des 19. Jahrhunderts gewidmet, der sich Gerechtigkeit verschaffte, indem er mit seinen Krücken um sich schlug. Unser Zweitling AVIDA, eine surrealistische Fabel, die unsere Gesellschaft vor dem Untergang widerspiegelt, wo „zu reich“ und „zu arm“ völlig ohne Bezug zueinander sind, war eine Hommage an Häuptling Seattle, dessen berühmter Diskurs die Grundlage für die ökologische und die pazifistische Bewegung war.

Für unseren dritten Film schien uns eine Persönlichkeit perfekt, welche die Symbolik dieser modernen Geschichte perfekt erfüllte: Louise-Michel (http://de.wikipedia.org/wiki/Louise_Michel). Sie wurde «Vierge Rouge» genannt und hat sich zeitlebens für die Schwächsten eingesetzt und nicht gezögert, Waffen in die Hand zu nehmen und ein Attentat gegen Napoleon III anzuzetteln, um, wie sie es selbst formulierte “tausende von Menschenleben zu retten.” Louise-Michel war eine Frau von einem Mut jenseits der Norm, welche bis zu ihrem Tod sich der Anarchie und ihrem Kampf gegen die Ungerechtigkeit verschrieben hatte. Es brauchte mindestens zwei Helden, um eine solche Energie und Entschlossenheit zu verkörpern. In dieser Optik schien es uns logisch, dass eine der Helden „Louise“ und der andere „Michel“ getauft wurde.

Für den Film musste man, in der Thematik wie im Bild, kraftvoll jenen weltweiten „sozialen Bruch“ ausdrücken. Da Benoît aus der Picardie kommt und die Region kennt wie seine Hosentasche, war der Ort der Tragödie schnell gefunden.

Unser erster Film AALTRA ist von unserer belgischen Seilschaft produziert worden (La Parti Production). Ein Dreh „mit der Brechstange“, Typ eine Kamera und alle in einem kleinen Lastwagen, auf der Fahrt nach Helsinki. Ein schönes Abenteuer als Ebenbild dieses Roadmovies. Die einzige Sorge war, dass sich für den Zweitling AVIDA sogar die Crew fürchtete!

Zu ihrer Entlastung muss man sagen, dass sie nicht die einzigen waren. Alle Pariser Produzenten machten nach der Lektüre des nur 40-seitigen Drehbuchs dieselbe Bemerkung: „Schreiben Sie mal, dann diskutieren wir.“ Doch der ganze Ehrgeiz dieses Films war eine reine Skizze, wenig Dialog. Und Mysterium war das Allerwichtigste. Für unser Empfinden muss ein Film eine soziale Realität reflektieren und vor allem jene Würde generieren, die dieser eigen ist.

Es ist überflüssig zu sagen, dass ein Drehbuch mit Storyboard die Antithese dieses Postulats ist. Nur Mathieu hat dies verstanden. Nur einen Tag nachdem er das Drehbuch bekommen hatte, schrieb er uns eine SMS: „Das ist wunderbar.

Ändert keine Zeile. Treffen wir uns in Cannes! Und das ist effektiv, was passiert ist, wie in einem Tagtraum, – wie in AVVIDA. Obschon der Stil von LOUISE-MICHEL ganz anders ist, wer wäre geeigneter gewesen, diesen verrückten, ausgefallenen, aber sehr engagierten Film zu produzieren! Noch einmal haben Benoît Jaubert und er ja gesagt. Ja zum Drehbuch, ja zu einer Carte Blanche während des Drehs, ja zu einem gemeinsamen Gedankenaustausch beim Schnitt und der Vollendung des Films. Immer sehr geistreich und intelligent, niemals eine Zensur, politischer oder wirtschaftlicher Art. Schliesslich haben sie ihre Firma – MNP – nach der russischen Bezeichnung für die Raumstation Mir benannt…

Zur Information hier die Absichtserklärung, die dem Drehbuch beigelegt wurde, als es an die französischen Produzenten versandt wurde:

«Wir wollen eine richtig schwarze und richtig lustige schwarze Komödie machen.

Wir wollen einen freien Film machen, mit einem puristischen Schnitt und einer ebensolchen Cadrage.

Wir wollen zwei radikale und sympathische Protagonisten.

Wir wollen einen „sozialen Western“ von heute machen, in welchem die Netten Böse sein können und die Bösen Halunken der neuen Art sind, welche bis heute noch selten auf der grossen Leinwand zu sehen waren.

Wir wollen von unseren ersten beiden Filmen den Rhythmus und die Originalität der Bilder, den omnipräsenten Ton in den langen Stillen, den seltenen aber angebrachten Dialog, das spontane Spiel beibehalten.

Wir wollen einen exzentrischen Soundtrack beifügen, einen verrückten Tonfall, aber glaubhaft von Anfang bis Ende bleiben, ein farbiges Bild für ein vielleicht weniger ästhetisches Universum als schwarzweiss, aber menschlicher.

Wir wollen unsere kleine und schlanke Equipe beibehalten, um in jedem Moment die Momente der raren Intensität nutzen zu können, welche die Realität einem manchmal schenkt.

Wir wollen einen Film, der in jenem Land verankert ist, das er beschreibt. Wir wollen einen direkten, rauen Ton ohne Eingeständnisse.

Wir wollen vor allem einen Film, der prägt. Umso schöner, wenn er gut ankommt!»

Ist uns das gelungen? Wie auch immer, wir haben probiert, diesem Manifest treu zu bleiben bei der Herstellung des Films.

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