„Logan - The Wolverine“ Kritik: Die Letzten ihrer Art

Author: Daniel JohnsonDaniel Johnson |

Logan - The Wolverine Poster

Zum neunten und letzten Mal schlüpft Hugh Jackman in die Rolle des grimmigen Mutanten Wolverine und verhilft ihr zu einem meisterhaften Schwanengesang – „Logan“ ist zum bis dato wahrscheinlich besten Superheldenfilm geraten.

Das Genre der Superheldenfilme erweist sich seit über einem Jahrzehnt als verlässliche Goldgrube für Hollywood. Damit diese nicht versiegt, sorgen die Studios für ständigen Nachschub an Helden aus dem schier unerschöpflichen Fundus von DC Comics und Marvel, um sie später in Teams – seien es die X-Men, die Avengers oder die Justice League – gegen immer mächtigere Superschurken antreten zu lassen. Mit großem Erfolg: Mit „The Avengers“, „Avengers – Age of Ultron“, „Black Panther“ und „Avengers: Infinity War“ befinden sich derzeit gleich vier Superheldenfilme unter den zehn kommerziell erfolgreichsten Filmen aller Zeiten. Auf der Kehrseite dieser Fortsetzungsmaschinerie stellt sich jedoch selbst bei geneigten Blockbuster-Fans bisweilen das Gefühl ein, keinen eigenständigen Film mehr zu sehen, sondern eher einen bombastischen Prolog für einen noch epochaleren Konflikt – im nächsten Film.

Umso dankbarer darf man 20th Century Fox und ihrem Autor/Regisseur James Mangold („Walk the Line“, „Wolverine: Weg des Kriegers“) für ihre Risikobereitschaft sein, mit „Logan“ einen so konsequenten Schlussstrich unter eine ihrer berühmtesten Marken zu setzen, und sich dabei weniger Sorgen denn je um eine Zeitachse zu machen, die sich mit dem mittlerweile ohnehin hoffnungslos verschachtelten Wolverine-Kanon vereinbaren ließe. Das Resultat ist ein über die Konventionen des Superheldenfilms hinausgehender Genremix aus Elementen von Roadmovie, Western, Familiendrama und Actionfilm.

Nur noch einmal den Helden spielen

Lose auf der Comicreihe „“ basierend, spielt der Film im Jahr 2029. Die X-Men gibt es lange nicht mehr und aus nicht näher erklärten Gründen wurde seit 25 Jahren kein Mutant mehr geboren. Die Zeit der Helden ist vorbei. Logan (Hugh Jackman) verdingt sich zwischen Mexiko und den USA pendelnd als Limousinenfahrer für partywillige Twens. Seine Fähigkeit zu heilen lässt immer stärker nach, während das Adamantium auf seinen Knochen ihn unaufhaltsam vergiftet. Zusammen mit dem sonnenempfindlichen Mutanten Caliban (Stephen Merchant) versteckt er seinen 90-jährigen Freund und Mentor Charles Xavier (Patrick Stewarts letzter Auftritt als Professor X), dessen degenerative Hirnerkrankung ihn zu einer großen Gefahr für jeden in seiner Nähe macht. Nimmt der einst mächtigste Telepath der Welt seine Medizin nicht, drohen ihm heftige Anfälle und seiner Umgebung der Tod.

Hoffnung leisten sich die drei Außenseiter nur noch in Form eines Tagtraums – dem Kauf der „Sunseeker“, einer Yacht, auf der sie ihre letzten Tage in Ruhe auf dem Meer verbringen können. Die Sehnsucht nach Ruhe rückt in noch weitere Ferne, als die junge Mutantin Laura (Dafne Keen) in ihr Leben tritt. Versehen mit sowohl Logans Fähigkeit zur Heilung als auch einem fast identischen Leidensweg in Militärlabors wird Laura von ihren Schöpfern gejagt und erhofft sich Zuflucht in Eden – einem verborgenen Refugium für Mutanten, von dem das Mädchen in X-Men-Comics gelesen hat. Widerwillig lässt sich Logan ein letztes Mal von Professor X überreden, seine Isolation zu überwinden und zu helfen.

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Zwischen „Children of Men“ und „Erbarmungslos“

Es ist vor allem das Zusammenspiel von Hugh Jackman und Patrick Stewart, das „Logan“ zu einer für das Genre untypischen Abgründigkeit verhilft. Die gebrochenen Helden, in einer sonderbaren Vater-Sohn-ähnlichen Freundschaft verbunden, streiten mal im Scherz, mal zutiefst verletzend, um sich schließlich immer wieder einzugestehen, dass sie ohne den Anderen weder können noch wollen. Rechtzeitig zum Ende ihrer Zeit als Wolverine und Professor X haben die beiden Darsteller den definitiven Ton für ihre Rollen getroffen.

„Logan“ ist kein verkopftes Kammerspiel – bei all der Nachdenklichkeit und drückender Melancholie versäumt es der Film nicht, mit ultrabrutalen Kampfsequenzen daran zu erinnern, was passiert, wenn man sich Wolverine zum Feind macht. Die Action ist dabei nicht von allzu hektischen Schnitten und großflächigen CGI geprägt, sondern gibt choreografischer Finesse und planvoller Kameraarbeit den Vorzug. Dadurch wird die Gewalt auf eine Weise intim, die der Genugtuung beim Betrachten von Logans verheerenden Klauenschlägen unangenehm entgegensteht – Logan ist nicht stolz darauf, der Beste zu sein in dem, was er tut.

Fazit: Man muss keine Superheldenfilme mögen, um sich von „Logan“ mitreißen zu lassen. Inmitten des apokalyptischen Fatalismus der Letzten ihrer Art schafft es James Mangold mit Hilfe großartiger Schauspieler und einer bedachten Distanz zum bunten Eskapismus der meisten anderen Filme des Genres, Hoffnung selbst dort zu finden, wo die Wunden der Helden nicht mehr heilen.

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