Fakten und Hintergründe zum Film "Liebesleben"

Kino.de Redaktion |

Liebesleben Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Maria Schrade über die Arbeit an Liebesleben

Als der Roman LIEBESLEBEN in Deutschland erschien, plante der Berlin Verlag für die Autorin Zeruya Shalev eine Lesereise und bot mir an, den deutschen Teil der Lesung zu übernehmen. Ich hatte von dem Buch noch nichts gehört und sagte ab. Am nächsten Tag lag es in meinem Briefkasten. Ich schlug es auf und war eigentlich entschlossen, es nach ein paar Seiten wieder zuzuklappen und erneut abzusagen. Stattdessen konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Ich versank in der Geschichte, als sei sie nur für mich geschrieben, in einer geheimen Sprache, die nur ich verstand… Das war ein großes Erlebnis und jetzt wollte ich Zeruya Shalev unbedingt kennen lernen.

Jara

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Was bewegt eine selbstbewusste, intelligente Frau wie Jara dazu, ihre Ehe, ihre Familie, ihren Beruf für einen Mann aufs Spiel zu setzen, der ihr kein Glück in Aussicht stellt, der sie schlecht behandelt, mit dem es keine Zukunft gibt? Ist es Masochismus? Oder eine merkwürdige Art von Märtyrertum? Sowohl für Männer wie Frauen, für alle, die von den Früchten der Emanzipation profitieren, ist LIEBESLEBEN immer wieder ein Schlag ins Gesicht. Aber Jara ist kein Opfer. Sie ist weder schwach noch blind vor Liebe. Sie benutzt Arie in dem selbem Maße wie sie sich von ihm benutzen lässt. Sie vollzieht eine Art Experiment an sich. Sie liefert sich ihm aus, fast jungfräulich, wie ein sauberes Löschblatt, das die Tinte aufsaugt, hungrig nach Erlebnis. Sie ahnt in Arie eine Art Raubtier, einen Mann, der sie fordern und verletzen wird, der das Leben anders betrachtet als sie es kennt, anders als diese höfliche Form von Indifferenz, die sich in ihrem Zusammenleben mit Joni, ihrem Ehemann vollzieht. Aries scheinbare Unabhängigkeit, seine Angstlosigkeit, seine Provokationen – das alles macht ihn so verführerisch, dass Jara sich ihm freiwillig unterwirft, auf der Suche nach dem zwingenden Umstand, sich entscheiden zu müssen, das Leben in seiner ganzen Kraft endlich zu spüren. Ich glaube, viele Frauen befinden sich immer wieder im Konflikt mit unveränderten Koordinaten der Liebe, in denen Rollenzuordnungen weiterhin bestehen. Es gibt archaische Sehnsüchte nach Unterwerfung und männlicher Dominanz, die wir uns kaum eingestehen, weil wir sie doch überwunden haben wollen und weil sie unserem Selbstbild von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung entgegenstehen.

Eine universelle Geschichte

Wer kennt nicht das Gefühl, plötzlich auf einer Art Weiche im Leben zu stehen und zu spüren: Wenn ich in diese Richtung gehe, wird sich alles ändern. Etwas Unvorhersehbares ist faszinierend. Und wer kennt nicht im Rückblick die Frage: Was wäre gewesen, wenn ich eine andere Entscheidung getroffen hätte? Wie wäre mein Leben verlaufen? Wo und wer wäre ich jetzt? Jara begibt sich in Gefahr, um etwas über sich selbst zu erfahren. Sie begibt sich nicht auf die Suche nach dem Glück, sondern nach der Wahrheit… und man hofft, dass sie auf etwas stoßen wird, was bleibt. Für sie und uns.

Der Beginn eines Projekts

Zeruya Shalev und ich unternahmen viele gemeinsame Lesereisen. Auch mit ihren folgenden Büchern. Am Ende der ersten schlug sie vor, LIEBESLEBEN mit mir als Darstellerin zu verfilmen. Ich war erstaunt, dass sie die Filmrechte nicht längst vergeben hatte, schließlich gab es mehrere Angebote aus verschiedenen Ländern. Und ich dachte auch, dass es der vernünftigere und wahrscheinlich auch erfolgversprechendere Weg wäre, zuerst eine Firma oder wenigstens einen Regisseur für so ein Unternehmen zu gewinnen als sich an eine Schauspielerin zu binden. Ich zwang mich zur Vernunft und sagte, sie sollte sich das besser noch mal überlegen. Aber Zeruya war unvernünftig und blieb es zu meiner Freude auch. Wir beschlossen, einen Regisseur zu suchen. Zeruya fuhr zurück nach Israel und ich fing an, ein Drehbuch zu entwerfen. Innerhalb einiger Wochen wurde der Roman ein Bestsellererfolg. Plötzlich war er in aller Munde. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Zeruya weitere Angebote kriegen würde und ich wollte nicht, dass dieses Versprechen zwischen uns, das nur auf gegenseitige Intuition gegründet war, einer Zerreißprobe standhalten müsste. Ich ging zu Stefan Arndt, zeigte ihm meine ersten 50 Seiten und sie gefielen ihm. Er bot mir an, den Film zu produzieren, mit X Filme den Stoff zu reservieren, bis ich das Drehbuch fertig haben würde. Sein Angebot hat mich gefreut, aber ich konnte mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht dazu entschließen. Ich wollte unabhängig bleiben. Ich wusste nicht, ob ich das Drehbuch fertig kriegen würde. Stefan Arndt bot mir seine Hilfe an, X Filme übernahm für mich die Vertragsverhandlungen und ich erwarb erst einmal alleine die Option. Es dauerte am Ende anderthalb Jahre, bis ich das erste Drehbuch fertig hatte. Damit ging ich dann zurück zu Stefan und X Filme startete das Projekt. Ich wünschte mir für die nächste Fassung einen Co-Autor und fand mit Laila Stieler eine wunderbare Partnerin.

Vom Roman zum Drehbuch

Der Roman ist eine Ich-Erzählung, man steckt in Jaras Kopf. Es wird einem schwindelig vom Strom ihrer Gedanken, Assoziationen, Beobachtungen. Einfache, alltägliche Situationen entlarvt sie als komplexes Gebilde voll von Widersprüchen, verschiedenen Wahrheiten. Es ist nicht ihr Handeln, sondern ihre innere Gedankenwelt, die uns eröffnet, wie klug sie ist, wie wach, wie sehr sie getrieben ist. Aber ein Film zeigt einen Menschen nun mal in der Regel nur von außen, egal, wie nah die Kamera ihm kommt. Alles, was mich so besonders an diesem Roman faszinierte, kann man eigentlich nicht filmen. Das wurde mir erst beim Schreiben richtig klar. Also haben Laila und ich versucht, das Innen nach außen zu kehren, Jara zu einer aktiveren Person zu machen. Die Atemlosigkeit in ihrem Kopf musste zu einer Atemlosigkeit der Handlung werden. Dafür haben wir uns Schritt für Schritt vom Roman entfernt. Wir haben frei dazuerfunden und natürlich wahnsinnig viel weggelassen. Was immer dieser Film geworden ist – er ist sicher keine reine Nacherzählung des Romans. Ich denke, eine Literaturverfilmung braucht ebenso wie jeder andere Film eine eigene, unabhängige Kraft. Film hat seine eigenen Gesetze.

Das Buch steht für sich.

Es gibt es ein paar Momente im Film, die lediglich Jaras Fantasie entspringen, in denen sich der Film aus der Realität entfernt. Das ist natürlich keine neue Form, die Seelenlage einer Figur zu beschreiben. Aber sie verdeutlichen die schicksalhafte und existenzielle Dimension, die die Begegnung mit Arie für Jara hat. Es sind archaische Bilder, die sich Jara aufdrängen, wenn sie beispielsweise sich selbst wie ein erlegtes Tier, eine Beute über Aries Schultern liegen sieht. Die Möglichkeit einer Erzählerstimme haben wir verworfen. Es wäre nach unserem Gefühl ein schwaches Abbild gewesen, der Versuch einer Annäherung an den Roman, ohne seine Kraft zu erreichen. Auch Zeruya habe ich gebeten, das Drehbuch zu lesen und wir hatten einige sehr schöne Gespräche. Aber letztendlich hat sie alle Entscheidungen vertrauensvoll uns überlassen.

Über die inhaltlichen Schwerpunkte

Ohne es zu wissen, tritt Jara das emotionale Erbe ihrer Mutter an, um sich dann davon zu befreien. Auf diesen Aspekt der Geschichte haben wir uns besonders konzentriert. Die erotische, obsessive Begegnung zwischen Jara und Arie ist in eine Familiengeschichte eingebettet, sie wird von ihr sogar ausgelöst und gleichzeitig verboten. Jara erlebt mit, wie Arie ihre Eltern aus der Fassung bringt. Vielleicht mehr als sie es je vermochte. Deswegen interessiert sie sich für ihn und läuft ihm am Anfang hinterher. Jaras Mutter hat vor vielen Jahren eine Entscheidung getroffen, die bis heute auf das Leben ihres Mannes, ihrer Tochter, des Mannes, den sie liebte und sogar auf das Leben von dessen Frau einwirkt. Ein ganzer Kreis von Menschen ist unsichtbar miteinander verstrickt. Und Jara hat bis jetzt nicht herausgefunden, was sie fesselt. Sie spürt, dass Arie ihr Aufschluß geben kann.

Regie

Ich habe großen Respekt vor Regisseuren. Ein Regisseur hat mal zu mir gesagt: ’Das ist der einsamste Beruf der Welt’. Sicherlich hatte ich eine Vorgeschichte, die in diese Richtung zielte. Ich habe zusammen mit Dani Levy fünf Filme von Anfang bis Ende begleitet, mitgeschrieben, für MESCHUGGE haben wir acht Jahre gebraucht. Ich wusste, was auf mich zukommen würde, deswegen hatte ich auch Angst. Erst als ich das erste Drehbuch fertig hatte, ist die Entscheidung gefallen, bei LIEBESLEBEN selbst Regie zu führen. Ich dachte, wenn überhaupt, dann hiermit, dann jetzt. Stefan hat das Drehbuch gelesen und sagte als erstes: “Warum machst du es nicht selbst?“ Es war ein großes Glück, dass ich weder ihn noch Zeruya überzeugen musste. Ich weiß auch nicht, ob ich das getan hätte. LIEBESLEBEN war ein kompliziertes, nicht leicht zu überschauendes Projekt, auch für eine Produktionsfirma. Es gab keinen Masterplan. Der Film ist die Summe von intuitiven Momenten. Ich finde das schön und auch irgendwie romantisch. Diese Momente blieben immer Kraftquellen für mich.

Netta Garti

Netta lernte ich – wie Rade – erst spät kennen. Ich hatte ihren Film TURN LEFT AT THE END OF THE WORLD gesehen und hielt sie für zu jung. Aber nachdem ich sie kennen gelernt hatte, war sie sofort die Favoritin. Sie gibt der Figur Unschuld und Tiefe. Für Nettas Jara ist alles, was sie erlebt, ein erstes Mal, eine Initiation. Der Altersunterschied zu Rade ist riesig, das treibt die Geschichte zuweilen an die Schmerzgrenze. Auch für Netta ging diese Arbeit an die Schmerzgrenze, nein, eigentlich weit darüber hinaus. Sie musste jeden Abend nach unseren Drehtagen noch auf die Bühne. Sie kam um Mitternacht ins Bett und wir fingen um fünf in der Früh wieder an zu arbeiten. Es ist eigentlich unvorstellbar, was sie geleistet hat. Ich bin ihr sehr dankbar.

Rade Sherbedgia

Rade Sherbedgia war von Anfang an auf den Listen diverser US-Casting-Agenten. Aber erst wenige Monate vor Drehbeginn habe ich seinen Film BEFORE THE RAIN gesehen. Ich war sehr beeindruckt. Ich bin nach Kroatien geflogen und habe einen Nachmittag mit ihm verbracht. Er hat mir sein Theater auf Briuni gezeigt, wir haben zusammen gegessen und über das Drehbuch gesprochen. Er war sehr entspannt und ich sehr nervös. Rade wirkte auf mich wie ein Abenteurer. Er ist wie Arie ein Exilant, er hat Ex-Jugoslawien im Krieg verlassen, er lebt in Amerika und verbringt jeden Sommer in seiner alten Heimat, spielt Theater, inszeniert… er schien noch immer so begeistert von seinem Beruf zu sein. Wir fuhren in Titos Safari an Zebras vorbei und sprachen über LIEBESLEBEN. Ich dachte, der findet sich überall zurecht. Auch in Israel.

Über die Zusammenarbeit mit Kameramann Benedict Neuenfels

LIEBESLEBEN war unsere erste Zusammenarbeit. Anfangs war ich davon überzeugt, ich müsste einen älteren Kameramann für das Projekt gewinnen, für meinen älteren Hauptdarsteller ein Kräftegleichgewicht herstellen. Aber Benedict hat so enthusiastisch auf das Drehbuch reagiert – alles, was er dazu zu sagen hatte, hat mich interessiert und manchmal hatte ich den Eindruck, er versteht es besser als ich. Seine Fantasie kreiste immer um die Psychologie der Figuren und gleichzeitig hat er diesem Film – in meinen Augen – eine große Sinnlichkeit verliehen. Wir waren gut vorbereitet, wir haben wochenlang an der Auflösung gesessen, mit dem Ausstatter Christian Goldbeck und der Kostümbildnerin Lucy Bates über Farben, Lichtstimmungen nachgedacht, wir haben kleine Figuren in den Modellen der Sets hin- und hergeschoben, die Außenmotive mehrmals besucht – aber alles bleibt ja blanke Theorie bis es losgeht. Und dann musst du blitzschnell über den Haufen werfen, was du dir so hübsch ausgedacht hast, zumindest bei einem Film wie LIEBESLEBEN, bei dem die Zeit knapp ist und 150 Szenen gedreht werden wollen.

Über die Arbeit mit Schauspielern

Ich hatte vor vielen Dingen Angst. Aber nicht vor den Schauspielern. Ich dachte, wenn du erst mal soweit bist, dass alles andere geklärt ist, Kamera und Licht stehen, wenn du da im Epizentrum angekommen bist und es nur noch um das Spielen und die Szene geht, dann kenne ich mich aus, darauf freue ich mich. Ich glaube auch, ich kann erkennen, wie es einem Schauspieler gerade geht, was schwierig ist, was leicht. Aber dennoch gab es Momente, in denen die Schauspieler unsicher wurden, ihr Vertrauen verloren. Dann hilft dir gar nicht mehr, dass du selbst einer bist. Dann kannst du nur kraft deiner Ideen überzeugen. Oder kraft deiner Person. Ich weiß nicht. Chef sein. Das fiel mir nicht leicht. Ich weiß ja, wie viel einem das abverlangt, nicht genau einschätzen zu können, worauf man sich einlässt. Ein Film, der thematisch so eine Gratwanderung ist, eine Regisseurin mit ihrem ersten Film, in einem fremden Land… Ich glaube, nichts ist am Set so fragil und wichtig wie der Kontakt zwischen Schauspielern und Regie. Wenn es mir gelang, das Misstrauen zu zerstreuen, kam ich mir vor wie ein Seekranker, der endlich wieder an Land geht.

Über die eigene Fantasie beim Lesen

Es gibt immer die große Sorge, dass man mit der Verfilmung von Büchern die Fantasie der Leser manipuliert. Ich denke, wenn jemand diesen Film mit der Angst ansieht, dass die Bilder des Films seine eigenen zerstören könnten, dann sollte er wegbleiben. Ehrlich gesagt sieht nur wenig im Film so aus, wie ich es mir als Leserin vorgestellt habe. Wenn man anfängt, darüber nachzudenken, gefällt einem die eigene Fantasie ja auch nicht immer unbedingt. Aber selbst nach der ganzen Zeit, die ich jetzt mit dem Film verbracht habe, kann ich immer noch den Schalter umlegen und bin wieder in meiner ersten, ganz persönlichen Vorstellungswelt des Romans.

Momente des Glücks

Mehrere Male standen wir vor Sonnenaufgang auf dem Mount Scopus, unter uns fing die Stadt an zu glitzern, man begreift dann auf einmal, warum Jerusalem ‚die goldenen Stadt’ heißt. Es fühlte sich jedes mal unwirklich an, dass ich überhaupt dort war, dass ich in dieser Stadt einen Film drehte. Dann wurden die LKWs ausgeladen, verschlafene Schauspieler torkelten in die Maske und nach und nach erschienen all die Dinge, die wir uns in Berlin ausgedacht hatten, die bis jetzt nur Worte auf Papier waren. Der Picknicktisch wurde gedeckt, die Girlanden aufgehängt, die Windmaschinen angestellt, und plötzlich war ich nicht mehr die staunende Touristin, plötzlich vergaß ich auch Jerusalem und alles, plötzlich stand ich in einer eigenen Welt.

Zeruya Shalev über die Verfilmung ihres Roman

Sie hatten eine ganze Reihe von Verfilmungsangeboten für LIEBESLEBEN. Warum haben Sie sich für Maria Schrader entschieden?

Das hat mit Vertrauen und Liebe zu tun, und mit ihrer Hingabe zu dem Buch. Maria war einfach die richtige Wahl für mich. Ich hatte Angebote aus Polen, Italien und einer Reihe anderer Länder, an die exakten Details erinnere ich mich gar nicht mehr. Auf unseren gemeinsamen Lesereisen sind Maria und ich enge Freunde geworden, und sie hat dann ein sehr authentisches und kraftvolles Drehbuch geschrieben.

Wie kam es dazu, dass Sie ihr den Vorschlag machten, die Regie zu führen?

Als wir zusammen reisten, war ich sehr beeindruckt von der Art, wie sie den deutschen Text las, und habe zu ihr gesagt, dass sie die Jara spielen könnte. Daraus hat es sich dann entwickelt. Ich vertraue ihr einfach.

Gab es ihrerseits irgendwelche Bedenken, weil sie eine Deutsche ist?

Wenn man jemanden persönlich kennt, ist das immer sehr viel stärker, als das abstrakte Konzept, deutsch, israelisch oder jüdisch zu sein. Diese emotionale Intimität und Nähe hat sehr viel Kraft. Zudem wusste ich, dass Maria Israel schon sehr verbunden war, lange bevor sie mich kennen gelernt hat. Sie kam als Vierzehnjährige das erste mal nach Israel und hat auch schon einige jüdische Charaktere gespielt. Ich habe gefühlt, dass sie eine sehr positive Einstellung gegenüber dem Judentum und Israel hat, das war mir sehr wichtig.

Haben Sie jemals in Erwägung gezogen, den Roman selbst zu adaptieren?

Nein, das sind für mich zwei ganz unterschiedliche Dinge. Als Schriftstellerin habe ich es fast ausschließlich mit der inneren Welt zu tun, mit Gefühlen und Gedanken – obwohl es natürlich auch Dialoge gibt. Wenn man ein Drehbuch schreibt, ist das eine ganz andere Dimension, man muss das Innere nach außen kehren. Ich mag es nicht, Dinge zu tun, die mir nicht vertraut sind, ich muss mich in allem was ich tue sehr sicher fühlen. Ich habe das Buch geschrieben, es ist abgeschlossen und das ist für mich das Ende. Ich habe getan, was ich tun konnte.

Sie waren bei den Dreharbeiten mehrmals vor Ort: Was haben Sie dabei empfunden, die Figuren Ihrer Fantasie plötzlich durch die wirkliche Welt laufen zu sehen?

Das war sehr seltsam. Wir haben uns einen Tag vor dem Beginn der Dreharbeiten in Tel Aviv getroffen, Maria stellte mich vor, und sagte, „das ist Arie, das ist die Mutter, das ist Jara…“ Ich brauchte Zeit, um mich an die Gesichter zu gewöhnen, denn natürlich hatte ich ganz andere vor Augen, als ich das Buch schrieb. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Das ist genau wie beim Skript: Ich versuche, nicht danach zu suchen, was ich damals in meinem Kopf hatte, sondern mich dem anzupassen, was nun daraus wird. Das Buch hat sein eigenes Leben, und ich weiß, dass auch der Film ein wunderbares Leben haben wird. Da bin ich ausgesprochen tolerant und sehe das als eine Art Koexistenz.

Für einen Europäer erscheint es fast unmöglich, dass man wie Sie eine Geschichte in Israel erzählt, die den Krieg überhaupt nicht thematisiert…

Ich denke schon, dass man im Hintergrund meiner Geschichten einen Teil der israelischen Wirklichkeit spürt, aber eben nicht im Zentrum, sondern nur am Rande, in Gesprächen über Sicherheit, darüber wie man die Kinder schützt oder auch in politischen Diskussionen. Jedoch erscheint es mir viel zu einfach und billig, die israelische Politik zu beschreiben. Politik ist so laut und oberflächlich, und immer an die Zeit gebunden, in der es passiert. In meinen Augen sollte Literatur nicht an eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort geknüpft sein. Wenn jemand etwas über die israelische Politik erfahren will, sollte er die Zeitung lesen.

Hat das vielleicht auch etwas mit einer Sehnsucht nach Normalität zu tun, die es nicht gibt?

Ja gewiss, und trotzdem existiert die Normalität in gewisser Hinsicht. Obwohl wir in sehr gefährlichen Zeiten leben, obwohl es Attentate gibt und dieses Klima der Angst, gibt es auch ein Familienleben, ein Liebesleben, Partnerschaft und Mutterschaft, all das ist immer noch sehr wichtig. Wenn man in Europa lebt und die Nachrichten anschaut, mag man vielleicht den Eindruck haben, dass es hier nur um Politik geht und ums Überleben, aber das ist natürlich nicht wahr.

Sie sind selber Opfer eines Terroranschlags geworden. Inwieweit hat sich das auf ihre Arbeit ausgewirkt?

Das hatte einen großen Einfluss, weil ich ein halbes Jahr lang nicht in der Lage war, zu schreiben. Als es mir dann wieder möglich war, habe ich versucht, so zu schreiben, als wäre nichts passiert und ich hoffe, dass es mir gelungen ist. Ich wollte dieses Erlebnis auf keinen Fall in meinem Roman thematisieren, und ich wollte nicht, dass es mich in meiner Arbeit beeinflusst.

Die kreative Arbeit kann aber auch eine Art sein, so eine traumatische Erfahrung zu verarbeiten…

Da haben Sie recht, aber ich will das Schreiben nicht als Therapie benutzen. Das Schreiben braucht sehr viel Energie und emotionale Kraft. Als ich krank und depressiv war, war das unmöglich. Erst als ich mich erholt hatte, konnte ich wieder schreiben.

Möchten Sie, dass auch die anderen beiden Bücher der Trilogie noch verfilmt werden?

Ich habe gerade ein paar Angebote bekommen, hatte aber noch keine Zeit sie genauer anzuschauen. Ich denke, das wird passieren, aber zunächst bin ich neugierig, was aus LIEBESLEBEN wird.

Stefan Arndt und Andro Steinborn über die Pro

Im Grunde erzählt LIEBESLEBEN eine sehr universelle Geschichte über Liebe und Familie. Warum war es Ihnen so wichtig in Israel zu drehen?

Stefan Arndt: Diese Form von Familienzusammenhalt gibt es in Deutschland kaum noch: Eine dreißigjährige Frau, die noch täglich bei ihren Eltern vorbeischaut, zu denen sie ein zwar gespanntes, aber auch sehr liebevolles Verhältnis hat. In den meisten Gesellschaften haben wir es nicht geschafft, diese Großfamilienzusammenhänge am Laufen zu halten, obwohl es ja sehr schön wäre, ein so enges Verhältnis zur Großelterngeneration zu haben, in einer weitläufigen Familienstruktur, in die auch der Schwiegersohn richtig eingebunden ist. In Israel haben wir all das eins zu eins so vorgefunden, was auch viel mit dem jüdischen Lebensgefühl zu tun hat. Ich finde es auch sehr spannend, auf diese Weise von normalen, echten Menschen in einem Land zu erzählen, das wir in der Regel vor allem aus den politischen Schlagzeilen kennen.

Wie stark spürt man vor Ort von der Virulenz dieser politischen Situation?

Andro Steinborn: Als es um die ersten Reisen nach Israel ging, haben wir unsere Flugtermine immer von den jeweiligen Zeitungsmeldungen abhängig gemacht, und immer wieder verschoben, wenn es Attentate gab. Bis wir an einen Punkt kamen, an dem wir wussten, dass wir einfach mal hinfahren und die Erfahrungen selbst machen müssen. Es war dann tatsächlich so, dass wir vor Ort sehr schnell in das israelische Gefühl von Normalität eingetaucht sind. Bedrohlich ist es schon, wenn man von Tel Aviv nach Jerusalem kommt, man spürt, dass da etwas brodelt, dass der Konflikt gärt. Wir hatten mit der Entwicklung des Drehbuchs ja noch in den Hochzeiten der zweiten Intifada begonnen.

Stefan Arndt: In der Tat hat sich auch bei uns sehr schnell eine gewisse Normalität eingestellt, so dass wir diese allgegenwärtigen Ängste schnell lächerlich fanden und als Verfolgungswahn abtaten. Es ging uns auf die Nerven, dass alle ununterbrochen davon reden, dass sie nicht mehr Bus fahren oder im Auto an der Ampel nicht neben einem Bus stehen bleiben, sondern dreißig Meter dahinter… Dann sind wir heimgeflogen und bekamen drei Tage später die Nachricht, dass eine Bombe direkt vor dem Haus der Eltern von Zeruya Shalev explodiert war und dabei ihr Knie zerschossen wurde. Ich hatte selten in meinem Leben ein so schlechtes Gewissen, wegen meiner Überheblichkeit. Da begreift man sehr plötzlich, wie real das dort alles ist. Je länger und häufiger man in dieses Land fährt, desto stärker spürt man, dass es für jedes dieser Angstgefühle, ganz offensichtlich Gründe gibt.

Wie reagieren Versicherungen auf solch ein Projekt?

Stefan Arndt: Eigentlich gar nicht, Terrorismus wird nicht versichert, wenn uns da eine Bombe ins Set gefallen wäre, wäre das das Ende von X Filme gewesen. Eigentlich wollten wir möglichst viel vor Ort in Jerusalem drehen, aber wir wurden dort immer wieder gedrängt, uns auf das Nötigste zu beschränken. Versicherungskonzerne haben eine große Aversion gegen diese Stadt, in der abgesehen von einem Drittel „normaler“ Menschen viele religiöse Fanatiker leben. Es ist also nur verständlich, dass alle lieber in einer Stadt wie Tel Aviv drehen wollen, die vollkommen friedlich und ruhig ist.

Inwieweit haben Sie sich mit israelischen Regisseuren verständigt, um Ratschläge einzuholen?

Andro Steinborn: Wir haben uns mit Regisseuren zusammengesetzt, um herauszufinden, wie es funktioniert, in Israel auf Englisch zu drehen. Uns war schnell klar, dass Hebräisch keine Alternative sein konnte – bei einer so nuancierten Geschichte wie LIEBESLEBEN würde eine fremde Sprache die Entscheidung, welche Szene das richtige Gefühl oder das meiste Timbre hat, ungemein erschweren.

Wie sind Sie beim Casting vorgegangen?

Stefan Arndt: Der Zustand der israelischen Filmwirtschaft ist sehr schwierig, es werden im Jahr nur rund zehn Filme gedreht, 90-Minüter überwiegend fürs Fernsehen. Gleichzeitig verlassen jährlich 100 ausgebildete Regisseure die israelischen Filmschulen, ein Missverhältnis, das auch durch das amerikanische Stiftungssystem zustande kommt, welches sehr viel Geld in die Ausbildung investiert. Entsprechend schwierig ist auch die Lage bei den Schauspielern. Sie sind in der Regel Theaterschauspieler mit festen Engagements, aus denen man sie nur schwer rauslösen kann. All das hat zur Entscheidung beigetragen, in Englisch zu drehen und Schauspieler verschiedener Nationalitäten zu casten.

Andro Steinborn: Wir haben das Casting nach New York und Los Angeles erweitert, wo die Anzahl israelischer Schauspieler, die Englisch sprechen, aber auch mit allen möglichen Akzenten der Welt zurecht kommen, dreimal so hoch ist wie in Israel. Wir haben sehr weitflächig gesucht und hatten auch Casting Agenten in Italien, Frankreich und England. Sukzessive haben wir eine große Anzahl von Frauen und Männer in den in Frage kommenden Altersgruppen weltweit gesehen – mit Ausnahme von Asien natürlich.

Stefan Arndt: Im Grunde ist es der pure Horror, im Casting drei Systeme zu verbinden, das israelische System, das sehr autoritär ist, die europäische A-Klasse, die auch in Englisch spielen kann und das amerikanische System, das einer Leibeigenschaft nahe kommt. Die musste Andro Steinborn in unendlichen nächtlichen Telefonkonferenzen kompatibel machen. Einen englischsprachigen Dreh in einem Drittland wie Israel mit gemischter Crew und Cast auf die Beine zu stellen, ist schon eine Meisterleistung, aber ebenso eine immense Kraftanstrengung. Netta Garti (Jara) ist israelisch, Rade Sherbedgia (Arie) ist Kroate, arbeitet aber hauptsächlich in L.A. und hat sich einen guten Ruf als Haupt- und Nebendarsteller in großen amerikanischen Produktionen erarbeitet, unter anderem in Kubricks EYES WIDE SHUT und John Woos MISSION IMPOSSIBLE. Tovah Feldshuh (Hannah) und Stephen Singer (Leon) sind New Yorker Schauspieler, Ishai Golan (Joni) ist Israeli.

Wie schwer gestaltete sich die Suche nach Produktionspartnern?

Andro Steinborn: Ich habe bereits einige Zeit vor den Dreharbeiten angefangen, alle dort arbeitenden Produzenten zu treffen. Das war relativ überschaubar, da es in Israel nur eine beschränkte Anzahl Produzenten gibt, die international erfahren sind, mit einem englischsprachigen Dreh klarkommen und solch eine Dimension kommunikationstechnisch bewältigen können. Eine Summe von 3,2 Millionen Euro ist eine Größenordnung, die in Israel nicht von jeder Produktionsfirma bewältigt werden kann; das durchschnittliche Budget beträgt dort um 500.000 Dollar. Und es war wichtig, das Gefühl zu haben, dass die Produktion unter Bedingungen durchgeführt wird, die es unseren nicht-israelischen Talents einschließlich der Regisseurin und uns selbst ermöglicht, sich sicher und gut aufgehoben zu fühlen. Marek Rozenbaum ist ein international erfahrener Produzent, der auch schon größere Produktionen als LIEBESLEBEN durchgeführt hat. Wenn man sich die israelischen Filme der letzten vier Jahre anschaut, die auf Festivals gelaufen sind und Preise bekommen haben, dann hat er da sehr oft seine Finger drin. Das sind großartige Filme wie LATE MARRIAGE, AVANIM oder GO, SEE, AND BECOME, die in Deutschland aber leider selten in die Kinos kommen. Er führt selbst Regie, spielt gelegentlich in seinen Filmen mit und ist ein einzigartiger Typ. Wir haben so gute Beziehungen aufgebaut, dass LIEBESLEBEN sicher nicht das letzte Projekt war, das wir gemeinsam gemacht haben.

Wie kam Maria Schrader mit der Rolle als Regisseurin zurecht?

Stefan Arndt: In meinen Augen großartig. Es war ein großer Vorteil, dass sie Schauspielerin ist und als solche mehr Dreharbeiten miterlebt hat, als die meisten Regisseure. Sie hat sehr viele verschiedene Arbeitsstile gesehen und hat darum einen besseren Ausgangspunkt. Und dann ist es natürlich nicht wirklich ihr erster Film, weil sie bei STILLE NACHT und MESCHUGGE bereits Co-Regisseurin von Dani Levy war.

Die Beziehung von Jara und Arie basiert in starkem Maße auf einer sehr harten und wilden Sexualität, was gerade für eine Erstlingsregisseurin sicher nicht leicht zu inszenieren war.

Stefan Arndt: Der Dreh dieser Szenen wurde wie überall auf der Welt sensibel gehandhabt, mit einem sehr reduzierten Team, da durften nur der Kameramann, die Regisseurin und die beiden Darsteller im Raum sein. Uns ging es ohnehin nie darum, exzessiven Sex zu zeigen. Entsprechend haben wir Schauspieler ausgewählt, die zwar attraktiv aussehen, aber keine Magazinschönheiten sind. Wir wollten, dass sie glaubhaft, normal und authentisch wirken.

Co-Produzent Marek Rozenbaum über die Dreharb

Was war das Besondere an den Dreharbeiten zu LIEBESLEBEN?

Nur sehr selten entscheidet sich eine deutsche Produktion wie X Filme, den Film fast vollständig in Israel zu drehen – nur wenige Szenen von LIEBESLEBEN entstanden ja nicht hier. Wir waren an Originalschauplätzen überall im ganzen Land, von der Wüste im Süden bis hinauf nach Akko im Norden. Für X Filme bedeuteten die Dreharbeiten in Israel natürlich eine größere Herausforderung als in Deutschland. Einmal wollten wir in einem orthodoxen Stadtteil in Jerusalem an einem Feiertag drehen, was sich allerdings als problematisch erwies: Das Rabbinat erteilt uns umgehend ein Verbot. Also mussten wir uns in einem anderen Stadtteil an einem Wochentag eine neue Location suchen, damit Maria die Szene drehen konnte, die sie vor Augen hatte.

Was war die größte Herausforderung während des Drehs?

Netta Garti, die Darstellerin von Jara, stand unter einer großen Anspannung, weil sie während der Dreharbeiten jeden Abend im Theater spielte – einige Male mussten wir eigens einen Fahrer bestellen, der sicherstellte, dass sie es pünktlich zur Vorstellung schaffte.

Wie würden Sie die Atmosphäre am Set beschreiben?

Die Zusammenarbeit im Team war außergewöhnlich: Regisseurin, Kameramann, die deutschen und israelischen Kollegen kamen sehr gut miteinander aus. Es machte wirklich Spaß, ihre Zusammenarbeit zu beobachten – und so ist es kein Wunder, dass sich das Resultat sehen lassen kann! Die Zusammenarbeit mit X Filme war hervorragend – und die Arbeit mit Maria war für mich als Co-Produzent außergewöhnlich interessant und sehr angenehm.

Netta Garti über ihre Rolle

Wer ist Jara für Sie?

Jara könnte jeder sein, eine Frau, ein Mann. Für mich ist sie eine verlorene Seele, ein sehr einsames menschliches Wesen, das darum kämpft, sein eigenes Leben zu führen. Ihr ganzes Leben lang hat sie Mauern um sich herum gebaut, um sich zu schützen. Jetzt will sie sich selbst befreien und wagt, zu leben. Sie reißt jede einzelne Mauer ein, denn sie ist auf einer Mission: Sich aus der Falle zu befreien, die ihr Leben bisher war.

Wie war Ihre Zusammenarbeit mit Maria Schrader?

Wir haben eine unglaubliche Reise miteinander unternommen und ich bin sehr stolz auf das Resultat. Die Zusammenarbeit mit Maria war sehr vielschichtig und bereichernd für mich. Ich habe davon profitiert, wie sie die Figur von Jara sieht. Schließlich hat sie das Drehbuch geschrieben. Jara bewegt sich in einer sehr subjektiven Welt, wir erleben die Geschichte mit ihren Augen. Als Schauspielerin hatte Maria einen instinktiven Zugang zu dieser Rolle und als Regisseurin wusste sie sehr genau, was sie wollte und wie sie es erreichen konnte. In gewisser Weise kombinierte ich ‚Marias Jara’ mit ‚Zeruya Shalevs Jara’ und meiner eigenen Jara.

Was war für Sie das prägendste Erlebnis während der Dreharbeiten?

In meinem ganzen Leben habe ich niemals zuvor so hart gearbeitet. Gleichzeitig hat mich noch nie eine Arbeit derart erfüllt. Denn während wir tagsüber drehten, stand ich jeden Abend als Ophelia in Shakespeares „Hamlet“ auf der Bühne des Cameri Theaters in Tel Aviv. Jeden Abend! Ich verließ morgens um 3.30 Uhr Tel Aviv Richtung Jerusalem, denn Drehbeginn war um 5.00 oder 5.30 Uhr. Und abends fuhr ich wieder zurück, um bis Mitternacht in „Hamlet“ zuspielen. Das ging die ganzen zweieinhalb Monate der Dreharbeiten so. Als wir in Akko drehten, bin ich zusammengebrochen und musste einen Tag ins Krankenhaus. Aber: Hier bin ich. Ich habe es überlebt!

Rade Sherbedgia über seine Rolle

Wie würden Sie die Rolle von Arie beschreiben?

Arie gehört zu den interessantesten Figuren, die ich in meiner Laufbahn gespielt habe. Er ist intelligent, stark, kraftvoll – aber auch verletzlich. Das Leben kann ihm nichts Neues und Aufregendes mehr bieten, er scheint alles schon einmal erlebt zu haben und fühlt kein Feuer mehr in sich. Er ist leer und fertig. Auf eine gewisse Art und Weise verliebt er sich in Jara, aber eigentlich kann er keine Liebe mehr empfinden. Ich habe mir während der Dreharbeiten wirklich sehr viele Gedanken über seinen Charakter gemacht. Außerdem gibt es einige Geheimnisse, die ich für mich behalten möchte. Arie ist ein Teil von mir geworden – und ein Teil von Hesses „Steppenwolf“.

Hatten Sie vorher bereits in Israel gedreht? Wie waren Ihre Erfahrungen?

Es war das erste Mal, dass ich Israel gedreht habe. Es ist ein sehr schönes Land mit ausgesprochen netten Menschen, die gerne mit ihren arabischen Nachbarn in Frieden leben würden. Ich hätte auch gerne Palästina besucht, aber aus Sicherheitsgründen hat man mir das nicht erlaubt. Die israelischen Kollegen im Team waren fantastisch. Sie haben mich von ihrer Mentalität und ihrem Sinn für Humor her an jugoslawische Filmcrews in den 80er-Jahren erinnert. Besonders hat mir die Zusammenarbeit mit der großartigen jungen Schauspielerin Netta Garti gefallen: Sie spielt überwältigend und sie ist eine wirklich schöne Frau. Ich bin mir sicher, dass sie nach LIEBESLEBEN ein großer Star wird.

Wie war die Zusammenarbeit mit Regisseurin Maria Schrader?

Maria Schrader ist eine großartige Schauspielerin. LIEBESLEBEN ist ihre erste Regiearbeit. Es war eine ganz besondere Erfahrung, mit ihr zu arbeiten. Manchmal war es eine echte Herausforderung, ihrer unglaublichen Vorstellungskraft zu folgen und den Ideen, die sie zu jeder Rolle hatte - schließlich ist sie selber Schauspielerin. Ich glaube, wir haben gemeinsam einen guten Film gemacht.

Was hat Sie an diesem Projekt gereizt?

Schon nach der Lektüre des Drehbuchs hat mich der Stoff begeistert. Dann las ich den grandiosen Roman von Zeruya Shalev und verliebte mich mit Haut, Haar und Herz in die Geschichte und meine Rolle.

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