Filmhandlung und Hintergrund

Krimidrama aus dem Halbweltmilieu manipulierter Boxkämpfe und Zuhälterei.

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Kritikerrezensionen

  • Liebe und Verrat: Krimidrama aus dem Halbweltmilieu manipulierter Boxkämpfe und Zuhälterei.

    Boxerfilme enden immer tragisch. Die „Rocky“-Reihe ist allenfalls die Ausnahme, die die Regel bestätigt; ansonsten ist Boxern in Fernsehen und Kino nicht viel Glück beschieden, da können sie ihr sprichwörtliches Herz noch so sehr in beide Hände nehmen. Benno (Wotan Wilke Möhring) geht es nicht anders, auch wenn er das große Los gezogen zu haben scheint: Alle Gegner haut er aus dem Ring; jetzt lockt der große Titelkampf. Und dann ist da ja noch Marie. Es war Liebe auf den ersten Hieb: Sie schrie auf, Benno ließ sich ablenken, und schon lag er da. Doch weil Mark Schlichter seinen Film „Liebe und Verrat“ als große Rückblende erzählt, weiß man von Anfang an, dass das Glück nicht von Dauer war. Als man sie das erste Mal sieht, steht Marie (Alexandra Maria Lara) mit einer knallroten Corvette auf einem Bahnübergang, während sich pfeifend ein Zug nähert.

    Schlichters Film ist ein komplex erzähltes Drama, für das ein Etikett viel zu wenig ist. Thriller, Romanze, Melodram, Krimi: Hier ist alles drin. Kunstvoll verschachtelt das Drehbuch des zweifachen Grimme-Preisträgers Sascha Arango (gemeinsam mit Klaus Hüttmann) die Geschichte als Rückblendenkonstruktion. Der Bahnübergang bildet nur die Klammer. Die eigentliche Erzählebene sind die Verhöre mit Kommissar Rehberg (Richy Müller), denn Benno ist zwei Stunden nach seinem erfolgreichen Titelkampf ermordet worden. Nach und nach trägt Marie ihre bruchstückhaften Erinnerungen zusammen: wie sie Benno kennen und lieben lernte und wie sich Bennos Manager Heinz Grosny (Heinz Hoenig) zwischen sie gedrängt hat; wie Marie herausfand, dass der „große Grosny“ Bennos Kämpfe „schob“, um beim finalen Titelkampf so richtig absahnen zu können; wie er Marie mit ihrer Vergangenheit als Prostituierte erpresst hat; und wie sich Marie zu einer Verzweiflungstat entschloss, um endgültig mit Grosny abrechnen zu können. Deshalb ist Marie auch die eigentlich tragische Figur des Films: Sie kann nichts dafür und ist trotzdem schuld.

    Neben der reizvollen Erzählweise besticht Schlichters Film vor allem durch eine traumhafte Besetzung, selbst wenn Heinz Hoenig als „großer Grosny“ gelegentlich zu sehr auf seine bewährte Mischung aus heiserem Schreien und polterndem Flüstern vertraut; und die fragile Alexandra Maria Lara muss immer dann, wenn die Vergangenheit sie übermannt, rehäugig und trauerumflorten Blicks in der Ferne schweifen. Doch Richy Müller ist hier ungleich präsenter als zuletzt in Dieter Wedels „Affäre Semmeling“, und Wotan Wilke Möhring ist genau der richtige für die Darstellung des naiven Helden. Auch die Nebenrollen sind mit Axel Prahl (als Rehbergs Kollege) und Dietmar Mues (als Grosnys korruptem Anwalt) ausgezeichnet besetzt. In Schlichter („Ex“, „Der Ausbruch“), ohnehin ein Experte für intensive Zwischenmenschlichkeiten, haben die hervorragenden Darsteller zudem einen Regisseur, der sie ausgezeichnet zu führen weiß. „Liebe und Verrat“ ist ohne Frage mehr als bloß ein „Fernsehfilm der Woche“. tpg.

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