Liebe auf den zweiten Blick Poster

Fakten und Hintergründe zum Film "Liebe auf den zweiten Blick"

Kino.de Redaktion  

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Über die Produktion

Das Spielfilmdebüt des Autors und Regisseurs Joel Hopkins Jump Tomorrow (2001) begeisterte Kritiker auf beiden Seiten des Atlantiks und brachte ihm 2002 einen BAFTA in der Kategorie „Most Promising Newcomer“ ein. Außerdem erregte er damit die Aufmerksamkeit von Schauspielerin und Academy-Award®-Preisträgerin Emma Thompson, die neugierig auf Hopkins wurde und sich schon bald mit ihm traf, um über eine mögliche Zusammenarbeit zu sprechen.

„Sie sagte, dass ihr meine Arbeit sehr gefallen habe, und ich war sowieso ein großer Fan von ihr“, sagt Hopkins. „Ich dachte sofort über mögliche Figuren nach, die sie spielen könnte. So entstand Kate, die perfekte Rolle für Emma.“

Produzentin Nicola Usborne lobt die großartige Zusammenarbeit zwischen den Stars und ihrem Regisseur und hält den Film für eine sehr persönliche Angelegenheit von Hopkins. „Er hatte die Idee, er schrieb das Drehbuch, er tüftelte diese tolle Beziehung zwischen Kate und Harvey aus. Joel wuchs in London auf, aber verbrachte viel Zeit in Amerika. Deshalb ist es kein Zufall, dass der Film von einem Amerikaner in London handelt, sondern eine absichtliche Fusion der beiden Welten, in denen Joel lebt.“

Tim Perell, der gemeinsam mit Usborne auch Hopkins’ Jump Tomorrow produzierte, weiß, dass sich Thompson für den Regisseur interessierte, weil er frei von jeglichem Zynismus ist. „Sie war an einer Love Story interessiert und Joel gehört wirklich zu den Menschen, die die Welt in den wärmsten und rosigsten Farben sehen. Entweder ist er komplett naiv oder ihm fehlt ganz einfach das Ironie-Gen, von dem der Rest der Menschheit befallen ist. Ich glaube, das war es, was Emma gefiel. Diese Wärme, die seine Arbeit ausstrahlt. Die Figur, die er schrieb, war so detailreich ausgearbeitet, dass sie darauf sofort ansprang.“

Dustin Hoffman und Emma Thompson haben bei Stranger Than Fiction (Schräger als Fiktion, 2006) erstmals zusammengearbeitet. „Da hatten wir aber nur ein paar Szenen zusammen“, sagt Hoffman. „Wir sind damals die Straßen heruntergegangen und haben dabei unsere Sätze gelernt, aber so, dass die Leute es für eine echte Unterhaltung hielten und große Ohren bekamen. Wir mochten uns wirklich und hatten dieselbe Arbeitsauffassung. Am Ende der Dreharbeiten hofften wir, mal einen Film zusammen zu machen, bei dem unsere Rollen größer wären. Rund ein Jahr später rief sie mich an. Sie hatte Joel Hopkins getroffen. Wir lasen sein Skript und dachten: wunderbar – jetzt kann’s losgehen.“

„Dustin und ich merkten sofort, dass die Chemie zwischen uns stimmte“, sagt Thompson. „So was passiert manchmal einfach, aber leider viel seltener, als man es gerne hätte. Als Joel mich fragte, ob ich zu LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK noch etwas zu ergänzen hätte, sagte ich, es sei genau Dustins und meine Kragenweite. Wenn es jetzt noch speziell auf Dustin abgestimmt wird, kann es nur funktionieren“.

„Dabei funktioniert so etwas normalerweise nie“, ergänzt die Schauspielerin. „Es klingt alles zauberhaft – jemand hat sein zweites Drehbuch auf zwei ganz bestimmte Schauspieler zugeschnitten. Hört sich nach einem Kinderspiel an, verläuft aber immer im Sande. In diesem Fall hat es auch nur geklappt, weil Dustin zusagte, auf einen Großteil seiner üblichen Gage zu verzichten.“

Das Projekt ist laut Produzent Perell sehr schnell zustande gekommen. „Emma las die erste Drehbuchfassung innerhalb von vierundzwanzig Stunden und schickte eine Email, in der stand: ‚Love it love it love it, let’s do it, darf ich es Dustin schicken?’ Dazu kann man doch gar nicht nein sagen.“ „Offen gestanden habe ich gedacht, das Ding würde im Orbit verschwinden“, sagt Perell. „Aber bereits achtundvierzig Stunden später leitete sie mir eine Email von Dustin weiter, in der er sich sehr positiv äußerte. Damals handelte es sich noch mehr oder weniger um die erste Fassung und alle machten Anmerkungen, die Joel berücksichtigte. Aber da sich Dustin und Emma wirklich für das Projekt einsetzten, kamen wir in Rekordzeit voran.“

Perell zeigte das Skript Robert Kessel von dem frisch gegründeten Studio Overture Films. „Wir empfanden eine gewisse Loyalität Robert gegenüber“, sagt er. „Denn er war seit Jahren ein großer Fan von Joels Arbeit. Tatsächlich war er sogar in der Jury, als Joels NYU-Kurzfilm den großen Preis gewann. Von Overture Films kam eine sehr ermutigende Antwort und die Zusammenarbeit nahm Form an.“

Hopkins fand die Idee einer reifen Liebesgeschichte zwischen zwei völlig verschiedenen Menschen unwiderstehlich. „Etwas ältere Figuren sind viel interessanter“, sagt der Filmemacher. „Sie verfügen über jede Menge Erfahrung und schleppen viel Ballast mit sich herum, was sehr gut ist. So was ist immer interessant.“

Hoffman stimmt dem zu: „Wenn eine Ehe scheitert, passiert meistens eins: man stellt fest, dass man nicht weiß, was man zu wissen glaubte. Du warst sicher, diese Person ist die Einzige für dich – das dachtest du jedenfalls – und das erschüttert dein ganzes Glaubenssystem und du machst komplett dicht. Das Interessante an unserem Film ist, dass er von zwei Menschen handelt, die nicht mehr in der Blüte ihrer Jugend stehen. Beide sind durch schmerzhafte Erfahrungen in der Vergangenheit so sehr verletzt worden, dass sie sich nicht aufeinander einlassen wollen, was den Film spannend macht.“

Thompson ergänzt: „Ich finde, es ist verheerend, sich zu verlieben, wenn man älter ist. Es ist eine gewaltige Sache, besonders wenn man nicht glaubt, dass es einem passieren könnte. Beide Figuren haben sich auf die eine oder andere Weise längst aufgegeben. Sie geben sich durchaus Mühe, wollen beruflich etwas leisten und Gutes tun, ein interessantes Leben führen. Aber irgendwie scheint ihnen alles langsam zu entgleiten. Ich möchte Menschen auf der Leinwand sehen, von denen ich glauben kann, dass sie tatsächlich existieren, die mir vage ähneln“, ergänzt sie. „Menschen, die nicht perfekt sind, die nicht so wunderschön aussehen, dass sich jeder automatisch in sie verliebt. Eine Liebesgeschichte wie unsere sieht man sonst nie. Es geht immer nur um sehr attraktive Menschen, die sich ineinander verlieben, und das langweilt mich zu Tode. Das interessiert mich nicht!“

Thompson sagt, sie habe ihre Rolle an Frauen aus ihrem Bekanntenkreis orientiert, die einfach nie den Richtigen getroffen haben. „Dabei spielt Alter gar keine so große Rolle“, sagt sie. „Es geht vielmehr darum, wie schwierig es ist, diese Art von Bindung aufzubauen – es ist ja nicht so, dass man es nicht versuchen würde. Auch Kate versucht es. Aber erst jemandem wie Harvey gelingt es, ihren Schutzwall einzureißen, indem er einfach in ihr Leben platzt und sie nie aufgibt.“

Bei Thompson, selbst eine Oscar®-preisgekrönte Drehbuchautorin, schrillen normalerweise die Alarmglocken, wenn Autoren ihr eigenes Skript verfilmen. „Aber Joel hat Jump Tomorrow, den ich wirklich liebe, geschrieben und inszeniert und deshalb war mir klar, dass es für ihn kein Problem darstellte, sein eigenes Material umzusetzen. Wobei es für einen jungen Mann, der seinen zweiten Film dreht, etwas Besonderes ist, gleich eine Legende wie Dustin Hoffman vor der Kamera zu haben. Ich glaube nicht, dass Joel jemals einen Schauspieler vor der Kamera hatte, der sich so unvergleichlich in seine Figur einarbeitet.“

Hopkins macht keinen Hehl daraus, dass er beim Dreh täglich etwas dazulernte. „Eine ehrfürchtige Situation, die aber auch viel Spaß gemacht hat. Ich hatte mich schnell daran gewöhnt, die Stars vor mir zu haben. Doch wenn ich sie plötzlich auf dem Monitor sah, schoss es mir durch den Kopf: mein Gott, da sind Dustin Hoffman und Emma Thompson – und ich bin ihr Regisseur!“

„Kate und Harvey befinden sich beide an einem ähnlich brisanten Punkt in ihrem Leben, als sie mehr oder weniger zusammenstoßen“, erklärt Hopkins. „Es kommen nicht mehr viele Gelegenheiten wie diese. Dustins Figur hört schon die Uhr ticken und möchte seinem Leben noch einmal eine neue Wende geben. Er beschließt, das ist es jetzt, und entwickelt diese unglaubliche Energie, weil er das Beste aus der Situation herausholen will.“

Laut Hoffman gehört Hopkins zu den Regisseuren, die jede Szene schon genauestens im Kopf haben, bevor sie überhaupt nur einen Fuß ans Set setzen, und ihren Darstellern dennoch genügend Raum für Improvisationen lassen. „Er spürte die Energie zwischen Emma und mir und hat sie bestens genutzt“, sagt er. „Wir wussten nicht, wie die Szenen laufen würden. Manchmal sagten wir zu ihm, ’Wir glauben nicht, dass diese ganzen Sätze nötig sind, damit die Szene funktioniert’. Ich glaube, das gefiel ihm.“

Hopkins sagt, die Arbeit mit diesen zwei hochbegabten und erfahrenen Schauspielern brachte ihn dazu, den Film gelegentlich neu zu überdenken. „Ich war mir sicherer, was ich aussagen wollte, als ich vorher gedacht hatte. Dadurch konnte ich etwas freier vorgehen, weil ich ein ziemlich gutes Gefühl für den Kern jeder Szene besaß. Andererseits bestand dadurch natürlich die Gefahr, dass ich mich zu wichtig nahm, nach dem Motto: ’So habe ich das aber nicht geschrieben’. Die Kunst bestand darin, für das, was sich spontan entwickelte, offen genug zu sein, um zu merken, wenn eine Szene dadurch tatsächlich besser wurde.“

Tim Perell sagt, es war ein großer Vertrauensvorschuss für Hopkins, dass jeder, der an LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK mitarbeitete – von den Stars bis zum Studio – sich in seine Hände begab, obwohl er erst seinen zweiten Film drehte.

„Joels erster Film kostete eine Million Dollar, hatte zwar großartige Schauspieler, aber keine Stars und nur eine kleine Crew“, sagt der Produzent. „Das war ein gewaltiger Sprung für ihn. Keiner wusste, wie es werden würde. Er hat das wirklich toll gemeistert, obwohl vieles neu für ihn war. Dies ist sein erster Studiofilm, mit einer großen Crew und viel Geld, das auf dem Spiel steht. Er musste zwei Megastars durch den Film führen, sie unterstützen und das Beste aus ihnen herausholen, was ihm auch gelungen ist. Ihr Vertrauen in Joel und ihre Beziehung zu ihm ist auf der Leinwand spürbar.“

Produktion: Die Besetzung

„Es ist schon etwas wahres dran, wenn man sagt, das Wichtigste am Regieführen ist, dass die Besetzung stimmt“, sagt Hopkins. „Bei uns stimmte sie hundertprozentig, deshalb brauchte ich nicht viel zu tun. Ich habe ihnen bloß gesagt, wo sie sich hinstellen sollen.“

Nach Hoffmans und Thompsons Zusage sei es für die Filmemacher einfach gewesen, brillante Nebendarsteller zu interessieren, wie Produzentin Nicola Usborne sagt. „Um mit Dustin und Emma zu spielen, stehen jede Menge fantastische Schauspieler Schlange.“

Hopkins befolgte eine einfache Regel, um die richtige Auswahl zu treffen: „Ich schrieb auf ein Post-it: ’keine schlechten Schauspieler in diesem Film’. Die Rollen sollten alle – mindestens – dreidimensional angelegt sein und nicht karikaturenhaft wirken. Mit Dustin und Emma gelang uns ein großartiger Besetzungscoup, aber auch die Nebenfiguren spielen eine Schlüsselrolle in dem Film. Deshalb war bei ihrer Besetzung dieselbe Qualität sehr wichtig. Schließlich bekamen wir ein unglaublich talentiertes Ensemble zusammen. Tolle Darsteller, die verhindern, dass ihre wichtigen Rollen in simple Schwarzweißmalerei abdriften.“

Perell stimmt zu: „Wir hatten unglaubliches Glück mit unserer Besetzung, so ein Glück! Richard Schiff war als Harveys Chef eine Offenbarung, Kathy Baker ein Traum und James Brolin hatte Joel schon vor Augen, als er das Drehbuch schrieb. Wir waren so glücklich, dass wir ihn überzeugen konnten, für zwei Wochen nach London zu kommen. Und Liane Balaban ist eine riesige Entdeckung.“

„Eileen Atkins spielt Kates Mutter Maggie perfekt“, ergänzt der Produzent. „Emma und sie sehen sich sogar ähnlich und die Chemie zwischen ihnen war phänomenal. Und alles geht auf Joel Hopkins Blick auf die Welt zurück, diese enorme Warmherzigkeit und der Humor, aber auch ein Quäntchen Frustration.“ Die nuancierten Darstellungen waren von unschätzbarem Wert, um die Lebensumstände und die komplizierte Gefühlslage der beiden Hauptfiguren auszudrücken. „Wir hatten nicht gerade viel Zeit für den Background jeder einzelnen Figur. In der Hochzeitsszene beispielsweise mussten wir Harveys Vergangenheit mit sparsamsten Mitteln verdeutlichen. Da ist es eine große Hilfe, wenn einem Schauspieler dieses Kalibers zur Verfügung stehen.“

Hopkins ergänzt zustimmend: „Das Drehbuch spielt natürlich auch eine gewisse Rolle dabei, aber solche kleineren Rollen wirken erst lebendig durch Vollblutschauspielerinnen wie Kathy und Eileen. Sie haben aus den Parts mehr herausgeholt, als ich geschrieben habe. Aus diesem Grund lernte ich jeden Tag etwas Neues über die Figuren, weil sie sie mittlerweile besser kannten als ich.“

Über Hoffman und Thompson sagt er: „Das Beste, was ich tun konnte, war, ihnen alle Freiheiten zu lassen und da zu sein, wenn sie mich brauchten.“ Produzent Perell war besonders von den verschiedenen Schauspieltechniken der Stars fasziniert. „Emma und Dustin könnten gar nicht unterschiedlicher sein, was ihre Herangehensweisen angeht. Sie strahlt eine Ruhe aus und ist so geerdet. Wenn sie ans Set kommt, weiß sie genau, was sie will und ist bestens vorbereitet. Sie wiederholt ihre Szenen so oft wie nötig auf immer andere Art und Weise. Bei ihr sieht alles so mühelos aus.“

„Dustin funktioniert wie eine geölte Maschine, er liefert sich seiner Rolle schutzlos aus“, stellt Perell fest. „Er sprüht vor Einfällen und nichts entgeht ihm. Jedes Detail wird geprüft, infrage gestellt, analysiert, in den Ablauf integriert. Das Faszinierende dabei ist, während man diesem Entstehungsprozess zusieht, merkt man, dass er ihn längst als Harvey durchführt und nicht als Dustin. Das wirkt sehr erhebend auf die Performance und auf uns alle. Man kann dabei aber nicht relaxt zusehen, denn ständig stellt er etwas infrage, und da weiß man besser genau, worum es gerade geht.“

Thompson sagt, die Arbeit mit Hoffman sei ein Kinderspiel. „Wir funktionieren beide gleich in dem Sinne, dass wir absolut echt und spontan wirken möchten. Das funktioniert nur mit wenigen Leuten. Tatsache ist, seine schauspielerische Vorgehensweise ist mir eigentlich herzlich egal, wir kommen einfach ans Set und spielen. Dustin ist so ein vollkommener Künstler, der aus jedem einzelnen Moment das absolut Beste herausholt.“

„Emma und ich haben unser ganzes Leben lang Charakterrollen gespielt“, sagt Hoffman. „Dieses Mal wollten wir etwas spielen, was sehr viel mit uns zu tun hat.“

„In einer Szene sitzt Emma allein für sich im Bus und es wirkt so echt“, ergänzt Hoffman. „Sie lehnt ihren Kopf einfach nur ans Fenster und sofort wird ihre tiefe Verletzlichkeit spürbar. Im Leben gibt es so viele Momente, in denen man einsam ist, ohne zu wollen. Sie kann ihr ganzes Seelenleben entblößen, und es ist etwas ganz besonderes, wie sie es mit uns teilt.“

Usborne findet, dass Hoffman und Thompson ebenso viele Gemeinsamkeiten wie Unterschiede besitzen. „Beiden liegt Komödie und Drama im Blut. Es fällt ihnen überhaupt nicht schwer, dazwischen hin und her zu springen. Der Film hat einige urkomische Momente, doch selbst die sind im Kern aufrichtig, wahrhaftig und sehr gefühlvoll.“

„Am Anfang verhält sich Harvey nicht nur positiv. Und trotzdem gelingt es Dustin Hoffman, das Publikum auf seine Seite zu ziehen, damit es an ihn glaubt und mit ihm mitfiebert“, sagt der Produzent. „Er wird einem nie unsympathisch, auch wenn man mit einigen seiner Entscheidungen vielleicht nicht einverstanden ist. Sobald er auftaucht, ist man völlig auf seiner Seite. Ich weiß nicht, wie er das anstellt. Ob es an seinem Gesicht liegt, oder an seiner Körpersprache, aber man fühlt sich augenblicklich mit ihm verbunden, fast egal, was er treibt.“

James Brolin, der den jetzigen Ehemann von Harveys Ex-Frau spielt, ist „so männlich wie man nur sein kann“, sagt Perell. „Er hat diesen kräftigen weißen Haarschopf, er ist unglaublich groß und unwiderstehlich attraktiv. Eine ausgesprochen bezwingende Erscheinung. Als Harvey beim Probe-Dinner auftaucht und er seine Ex-Frau mit James Brolin sieht, bricht es einem das Herz, denn gegen einen solchen Gegner hat der arme Harvey so gut wie keine Chance.“

Brolin sagt, dass nur wenige romantische Komödien so gut funktionieren wie diese. „Das liegt zu allererst an Joels Drehbuch, weil er aus einer klar umrissenen und sehr herzlichen Warte heraus schreibt. Er glaubt fest daran, dass es immer irgendwie weitergeht, selbst wenn alle Stricke reißen.“ Außerdem war Brolin von Hopkins’ leiser Bestimmtheit als Regisseur beeindruckt. „Du rückst deinen Stuhl näher an ihn heran, um ihn besser zu verstehen, statt abzuwinken und zu sagen: ’okay, okay, okay, ich denke darüber nach’.“

Harveys entfremdete Tochter wird von der kanadischen Newcomerin Liane Balaban gespielt. „Als ich das Drehbuch zum ersten Mal gelesen hatte, wusste ich, dass diese wunderbare, bedächtige Story unbedingt erzählt werden musste. Was mich dabei besonders berührte, waren diese realen, menschlichen Defizite, die alle Figuren haben, besonders Harvey. Er ist aufrichtig, echt und nicht besonders liebenswert. Wie die meisten hat er in seinem Leben viele Fehler gemacht, weshalb man sich mit seinen Problemen identifizieren kann, mit der Entfremdung von seiner Familie, seiner Einsamkeit, den schweren Zeiten, denen er entgegensieht.“

Die Arbeit an dem Film bezeichnet sie als „beste Schauspielschule der Welt“. „Dustin prüft ununterbrochen, ob alles lebensecht wirkt, und verschwindet geradezu in der Figur, die er spielt. Aber er probiert auch gern aus und improvisiert ein bisschen, was aufregend und beängstigend zugleich ist.“

Daniel Lapaine, der Lianes Bräutigam spielt, nahm die Rolle einzig wegen der übrigen Besetzung an, bevor er das vollständige Drehbuch kannte. „Bei diesen Hollywoodfilmen geht es oft sehr geheimniskrämerisch zu, was das Skript angeht, wer es lesen darf“, sagt er. „Ich kannte nur meine Szenen, aber als ich hörte, dass Dustin Hoffman und Emma Thompson dabei waren, konnte ich gar nicht nein sagen.“

Lapaine sagt, er habe seine Entscheidung nie bereut. „Ich arbeite mit Dustin Hoffman, ich meine, viel besser geht’s doch wohl nicht. Er inspiriert einen und macht einen besser. Das ist das größte Kompliment, das ich ihm machen kann.“

Produktion: Paris an der Themse

Das London, welches in LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK gezeigt wird, dürfte alle überraschen, die die Stadt gut kennen – oder gut kennen zu glaubten. Anstatt bekannte Sehenswürdigkeiten wie Big Ben und Buckingham Palace ins Bild zu rücken, entschieden sich die Filmemacher für einen Insiderblick auf die britische Hauptstadt. Harvey und Kate spazieren durch die Stadt, um sich besser kennenzulernen und präsentieren London so als einen Ort, in den – und in dem – man sich verliebt.

„Es ist eine sehr romantische Stadt“, sagt die waschechte Londonerin Emma Thompson. „Sie steckt voller unglaublicher Ecken und Winkel und Ansichten und Aussichten. Ich empfinde schnell Heimweh nach London, deshalb war es ein großes Vergnügen für mich, hier zu drehen. Der Film ist so was wie ein Valentinsgeschenk an die Stadt.“

Die Spaziergänge führen das Paar durch die ganze Stadt, vom morgendlichen Innenhof des Somerset House, einem riesigen Palast aus dem 16. Jahrhundert, bis zur Südseite der Themse in der Sonne des Spätnachmittags. Da man die Stadt durch Harveys Augen sehen soll, für den alles neu aussieht, konnte Hopkins London zeigen, wie man die Stadt noch nie zuvor auf der Leinwand gesehen hat. „Unser London wirkt eleganter als in anderen Filmen“, sagt der Regisseur. „Ich wollte die Stadt so einfangen, wie sie auf einen wirkt, wenn man sie zwar gut kennt, aber lange fort war und sie jetzt mit ganz anderen Augen sieht.“

Diesen frischen Blick auf eine Stadt zu erlangen, die zu den ältesten und meistfotografierten der Welt gehört, sei schwer gewesen, wie Produktionsdesigner Jon Henson sagt, der bereits oft in London gedreht hat. „Wir suchten permanent nach neuen Orten, oder Plätzen, die wir zwar kannten, aber in einem anderen Licht zeigen konnten. Am Ende lief es darauf hinaus, die richtigen Elemente auszuwählen. Joel schwebte ein internationaler London-Look vor, deshalb wollte er weniger die Sehenswürdigkeiten denn Orte in den Vordergrund rücken, die sich genauso gut in Prag oder Paris befinden konnten. Wir fanden die historischen Ecken der Stadt romantischer.“

„Es kommt einem wirklich so vor, als würde man mit den Figuren in Paris die Seine entlang spazieren“, sagt Tim Perell über den Bummel des Paares an der Themse. „Das Southbank Centre und der ganze Weg dort gehören zum modernen London. Und auf der anderen Seite des Flusses sieht man das alte London, St. Paul’s Cathedral und diese anderen großartigen historischen Gebäude. Im Hintergrund wiederum sieht man diese gewaltigen Kräne, die andeuten, wohin sich London entwickeln wird. Ich finde, das ist einer der spektakulärsten Orte der ganzen Stadt.“

Tatsächlich wurde es zur optischen Leitphilosophie des Films, London wie Paris aussehen zu lassen. „Es sollte nicht wie eine Postkarte oder ein Bild aus einem Urlaubsprospekt wirken, aber doch wie ein sehr romantischer Hintergrund, vor dem sich zwei Menschen ineinander verlieben können“, sagt Produzentin Nicola Usborne. „Uns schwebte ein Film über zwei Menschen vor, die sich innerhalb eines Wochenendes kennenlernen und verlieben und das Ganze in einem ikonografischen London.“

„Es gibt eine zauberhafte Szene, in der Harvey vor Kates Abendschule auf sie wartet, und wir stießen auf dieses herbstliche, knapp zwei Meter hohe Gras, das sich sanft im Wind wog“, sagt Hopkins. „Davor platzierten wir Harvey einfach. Er ist ohnehin ziemlich wehmütig und grüblerisch. Ihn also vor diesem Gras sitzen zu sehen, war einfach ein unglaublich wirkungsvolles Bild. Wir waren voll auf die herbstlichen Farben in dieser Szene fixiert und verwendeten sie auch beim Rest des Films.“

Hoffman rechnet es Hopkins und Kameramann John De Borman hoch an, dass sie ihm halfen, London in einem neuen Licht zu sehen. „Sie haben zielsicher die romantischste Seite Londons entdeckt. Die Drehorte wurden sehr sorgfältig von Leuten ausgewählt, die die Stadt kennen wie ihre Westentasche. Ich bin in den letzten dreißig Jahren häufig dort gewesen, aber einige der Locations habe ich vorher noch nie gesehen.“

Perell meint, dass sich der visuelle Umgang mit den Drehorten auch auf die Hauptfiguren übertrug. „Dustin und Emma sollten sehr sexy und schön aussehen. Leute ihres Alters werden im Kino selten in ein schönes und sexy Licht gerückt, weshalb es uns umso wichtiger war. Emma trägt den ganzen Film über eine grüne Uniform, doch wir haben sie so maßschneidern und anpassen lassen, das sie dadurch ausgesprochen sexy wirkt“.

Was die Filmemacher keinesfalls drehen wollten, war eine „zuckrige romantische Komödie“, sagt Perell. „So sehr ich solche Filme auch mag, für unsere Geschichte passte es einfach nicht. Andererseits handelt es sich auch nicht um einen kleinen, britischen Independentfilm. Unser Publikum ist anspruchsvoll, deshalb braucht der Film einen bestimmten Look und eine besondere Schönheit. Er soll ausgesprochen elegant wirken, toll und prächtig, aber auch authentisch aussehen und so echt wirken wie die Performances und gleichzeitig glanzvoll.“

Aus London stammte auch die ’ideale Crew’, wie die Filmemacher sie nennen. „Sie reagierten alle sehr positiv auf das Skript“, sagt Hopkins. „Jeder konnte mit dem Drehbuch sofort etwas anfangen und ich hatte das Gefühl, dass wir alle denselben Film drehen wollten.“

Kameramann John De Borman hat schon alles gedreht, raue Independentfilme wie Hideous Kinky (Marrakesch, 1998) genauso wie Hochglanz-Romanzen à la Shall We Dance (Darf ich bitten?, 2004). Diese Bandbreite prädestinierte ihn geradezu für LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK. „Er war die perfekte Wahl“, so Perell. „Wir wussten, dass Joel voll und ganz mit den Darstellern beschäftigt sein würde und jemanden benötigte, der für ihn ein Fels in der Brandung ist und ihm beim Dreh bestens unterstützt. Außerdem ist John jemand, auf dessen Erfahrung und Klugheit Dustin und Emma vertrauen konnten.“ Hopkins sagt, er wäre vom ersten Tag an auf De Bormans Fachkenntnis angewiesen. „Ich sagte zu John: ’Das ist ein großer Schritt für mich. Ich arbeite zum ersten Mal mit A-Klasse-Schauspielern. Ich bin nervös und brauche dich, damit du Verantwortung für die Bilder übernimmst’.“

Produktionsdesigner Henson sagt, der Film sei in drei Welten aufgeteilt: „Es gibt Harveys Welt, Kates Welt und die Welt von Harveys Tochter. Harvey ist sehr erschöpft, sein Job bietet ihm keinerlei Perspektive mehr. Wir wählten viele beige und staubige Farbtöne, abgewetzte Möbel. Alles, was in seinem Aufnahmestudio steht, ist hoffnungslos veraltet. Seine Welt ist einfach aus der Mode gekommen im Vergleich zu der seiner Tochter, bei der sich alles spiegelt und teuer ist, auf Hochglanz getrimmt. Kates Welt wiederum ist sehr naturverbunden und bodenständig. Dieser Kontrast und diese Gegenüberstellung sorgt hoffentlich für Dynamik.“

„LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK ist sehr romantisch“, sagt Nicola Usborne. „Wir beobachten zwei Menschen, die den Glauben an die Liebe längst verloren haben, und ihn dann plötzlich wiederfinden. Ich denke, sie werden diese neu entdeckte Liebe fortsetzen. Sicher wird es auf ihrem gemeinsamen Weg zu Problemen kommen, aber ich glaube, dass man das Kino nach diesem Film hoffnungsvoll, optimistisch und in romantischer Stimmung verlässt. Wir haben immer Witze darüber gemacht, dass Joel keinen Film mit einem traurigen Ende drehen kann. Er hat eine sehr romantische Ader.“

Thompson sagt, der Standpunkt des Films sei sehr einfach. „Er handelt von Liebe, von menschlicher Bindung, von zwei Personen, die sich zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben für die Liebe entscheiden, in dem es ihnen nicht gerade leicht fällt. Für Harvey ist es die letzte Chance. Und vielleicht – wahrscheinlich sogar – auch für Kate. Klar, sie hat ihr eigenes Leben, zieht ihr Ding durch, kümmert sich um ihre Mutter, und macht das alles ganz hervorragend. Vielleicht wird sie das Buch schreiben und vielleicht, vielleicht, vielleicht… Und dann passiert etwas, das ihr Leben aufhellt.“

Hoffman näherte sich Harvey und seinem Gefühlsdilemma sehr persönlich. „Ich spielte ihn einfach so, wie ich mir mein eigenes Leben vorstelle, hätte ich meine Frau Lisa nicht getroffen, mit der ich seit fast 34 Jahren zusammenlebe“, sagt er. „Diese Herangehensweise war allerdings gar nicht so schwer, denn nach den ersten schmerzhaften Liebeserfahrungen denkt doch jeder, er sei nicht für die Liebe geschaffen.“

Sogar die zwanzigjährige Liane Balaban fand den Film enorm inspirierend. „Das ist eine sehr erwachsene Liebesgeschichte über Menschen mit viel Lebenserfahrung, nicht diese typische Boy-meets-Girl-loses-Girl-Story. Ihre Beziehung ist viel komplexer und interessanter als die in den meisten anderen Filmen. Der Film sagt doch nur, dass man immer eine Chance hat und versuchen sollte, seine Situation zu verbessern, wie aussichtslos sie auch erscheinen mag“, sagt die Schauspielerin. „Selbst wenn man glaubt, das Ende der Fahnenstange erreicht zu haben, geht es noch ein Stückchen weiter.“

„Mich interessieren keine Mittzwanziger, die sich verlieben, denn die sind noch gar nicht so weit“, sagt Joel Hopkins. „Beziehungen, wie die in unserem Film, werden nicht oft gezeigt. Dabei sind sie auf eine Art faszinierend, wie es Mittzwanziger niemals sein könnten. Es dauert einfach seine Zeit, bevor man weiß, wer man ist und wo man steht, und ich vermute, dass die Beiden sehr, sehr lange dafür gebraucht haben. Aber jetzt sind sie endlich so weit, um sich zu verlieben!“

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