Filmhandlung und Hintergrund

Raymond Leys Dokudrama über die Folgen der Finanzkrise für die Kleinanleger hält dem Vergleich mit seinen früheren Arbeiten nicht stand. Ein Film zum Jahrestag einer Bankenpleite: Das ist ungewöhnlich. Aber natürlich war der Zusammenbruch der New Yorker Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, der eine weltweite Finanzkrise auslöste, keine gewöhnliche Insolvenz. Zehn Jahre später ist die Erinnerung...

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Raymond Leys Dokudrama über die Folgen der Finanzkrise für die Kleinanleger hält dem Vergleich mit seinen früheren Arbeiten nicht stand.

    Ein Film zum Jahrestag einer Bankenpleite: Das ist ungewöhnlich. Aber natürlich war der Zusammenbruch der New Yorker Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, der eine weltweite Finanzkrise auslöste, keine gewöhnliche Insolvenz. Zehn Jahre später ist die Erinnerung daran längst verdrängt: durch Eurokrise, Flüchtlingsdebatte und Rechtsruck. Schon deshalb ist es richtig und wichtig, dass die ARD an das Ereignis erinnert, zumal es sich jederzeit wiederholen kann. Damals haben viele deutsche Kleinsparer ihr Geld verloren, und von deren Schicksal handelt dieser Film mit dem schlichten Titel „Lehman“ und dem treffenden Zusatz „Gier frisst Herz“. Korrekt lautet das geflügelte Wort „Gier frisst Hirn“. Es umschreibt das leichte Spiel, das die Investmentberater der Banken dank der versprochenen Rendite bei ihren Kunden hatten. Autor und Regisseur Raymond Ley hat die Redensart paraphrasiert, weil er die Geschichte aus Sicht zweier Mitarbeiter einer Frankfurter Sparkasse erzählt. Die beiden repräsentieren zwei unterschiedliche Verkaufstypen: hier Arno Breuer, mit Joachim Król perfekt besetzt, ein freundlicher Herr von Mitte fünfzig, dem seine Kunden bedingungslos vertrauen, dort Nele Fromm (Mala Emde), eine junge Frau aus der Abteilung für Online-Kunden. Beide sorgen dafür, dass viele Menschen vor dem Ruin stehen, nachdem sie zum Kauf von angeblich sicheren Zertifikaten der Lehman-Bank überredet worden sind.

    Der vielfach ausgezeichnete Ley („Eine mörderische Entscheidung“) setzt sich regelmäßig mit Ereignissen auseinander, die Geschichte geschrieben haben. Sein Stilmittel ist das Dokudrama. Auch in „Lehman“ (nach einem Drehbuch von Dirk Eisfeld) kommen immer wieder Menschen zu Wort, die an den Ereignissen beteiligt waren, sei es als Täter oder als Opfer. Gerade die Aussagen der Betrogenen sind jedoch eher oberflächlicher Natur. Die inszenierten Passagen haben ebenfalls deutliche Schwächen, was einerseits an Auswahl und Führung der Nebendarsteller liegt, andererseits an der Eindimensionalität ihrer Figuren. Fast schon grotesk ist Max Ehrich als Leiter des Telefonmarketings, aber vielleicht hat das ja auch Methode: Der Mann spielt sich auf wie einer der „Masters of the Universe“ aus den „Wall Street“-Filmen von Oliver Stone oder Martin Scorsese, ist aber bloß ein kleines Würstchen.

    Auch die Auswahl der Schauplätze ist nicht immer überzeugend. Breuers Chefin zum Beispiel wird gleich mehrfach beim Squashspiel gezeigt. Die Männer von Lehman führen eins ihrer Krisengespräche auf einem Schießstand. Das mag authentisch sein, wirkt aber allzu sehr nach bemüht originellem Handlungsort. Ein weiteres Gespräch dieser Art findet in einem der Türme im Frankfurter Bankenviertel stand. Hinter den großen Fenstern ist der Abendhimmel zu sehen. Das Bild passt viel besser zur Götterdämmerung, die sich in diesem Moment bereits vollzieht, ändert aber auch nichts daran, dass „Lehman. Gier frisst Herz“ gleich mehreren Vergleichen nicht standhält: weder dem mit Leys eigenen Arbeiten noch mit Werken, die ebenfalls davon erzählt haben, wie die Träume kleiner Leute an großen Klippen zerschellen, allen voran Dieter Wedels Klassiker „Einmal im Leben – Geschichte eines Eigenheims“ (1972). tpg.

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