Leg ihn um - Ein Familienfest

  1. Ø 3
   2012
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Filmhandlung und Hintergrund

Leg ihn um - Ein Familienfest: Schwarze Komödie um einen schwerkranken Patriarchen, der demjenigen seiner Kinder das Erbe verspricht, der ihn umbringt.

Der Patriarch und Unternehmer August Manzl ist todkrank, aber auf ein qualvolles Sterben will er nicht warten. Deshalb entwirft der Zyniker einer perfiden Plan: Wer von seinen Kindern ihn ins Jenseits befördert, erbt Firma und Familienvermögen. Schafft es niemand, geht alles an die Kriegsgräberfürsorge. Die abstrusen Ideen der Jungen, den Alten um die Ecke zu bringen, gehen ins Leere. Wie er dann trotz allem zu Tode kommt, ist eine große Überraschung und dem Zufall zu verdanken.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Nach "Swinger Club" und dem nur auf Festivals gezeigten "Die Glücklichen" präsentiert Schauspieler, Drehbuchautor und Theater-/Hörspiel-/Kinoregisseur Jan Georg Schütte mit "Leg ihn um - Ein Familienfest" seinen dritten Spielfilm. Wie die beiden Vorgänger entstand die schwarze Komödie um einen reichen Unternehmer, der es mit dem Todeswunsch doch nicht so ernst meint, innerhalb einer festgelegten Zeitspanne und mit einer überschaubaren Stammriege. Die eingespielte Darstellerschar aus "Die Glücklichen" mit Susanne Wolff ("Fenster zum Sommer") und Pheline Roggan ("Soul Kitchen", "Russendisko") waren schon an den beiden Vorläufern beteiligt. Auch Regisseur Schütte tritt wieder in einer Minirolle als Baumarktangestellter auf – mal mit, mal ohne verbundene Hand.

    Erneut erhielten die Akteure erst im Verlauf bestimmte Details, was die Geschichte in stets neue Richtungen lenken sollte. Nicht immer lässt die unruhige Handkamera dabei eine ausgefallene Bildgestaltung zu, und mitunter kommt es gar zu unscharfen Aufnahmen. Dagegen sorgt der hektische Schnitt besonders zu Beginn für Komik, wenn das zuvor Gesagte per Jump Cuts in Folge konterkariert wird.

    Vor allem der Einstieg bietet manche böse Pointe im rücksichtslosen Umgang der egoistischen Gemeinschaft mit- und gegeneinander. Leider kann das anfängliche Tempo mangels einer stringenten Story nicht durchgehalten werden. Wenn die vermeidlich tödlichen Pläne geschmiedet werden, verzettelt sich "Leg ihn um" zunehmend in Nebensträngen. Während Karl mit seinem schwulen Freund eine umständliche Falle im Wald legen will, Sylvia einen Giftanschlag plant und Hugo samt Geliebte dem Gedanken an tödlichen Sex verfallen, kommen allmählich unerfüllte Leidenschaften und geheime Sehnsüchte zu Tage. Immer neue Nebencharaktere und ausufernde Diskussionen, auch um Sex, verschleppen das anfängliche Tempo. Figuren wie die besorgte, heimlich in Manzl Senior verliebte Sekretärin oder die in Liebesdingen frustrierte Lieblingstochter Elisabeth verschwinden über Strecken aus der Geschichte.

    In jedem von Schüttes Ensemblefilmen vervollständigt ein Star die Besetzung. Nach Marie Bäumer und Meret Becker konnte nun Hans-Michael Rehberg gewonnen werden, der die böse Farce um Geld und Macht zusammenhält. Als grantiger Zyniker, der niemand traut und jede emotionale Nähe im nächsten Moment von sich weist, was auf seine neurotische Sippe abfärbt, liefert der erfahrene Akteur eine herausragende Leistung. Darüber hinaus muss man sich bis zum Finale gedulden, bevor die mitunter unentschlossene Handlung wieder bösen Witz gewinnt Ein dichter entwickeltes Skript hätte dem teilweise per Crowd Funding finanzierten Film schon geholfen, selbst wenn es dem aufgestellten Konzept widersprochen hätte.

    Fazit: Die improvisierte, schwarze Komödie "Leg ihn um - Ein Familienfest" kann ihren makaberen Humor nicht permanent durchhalten und schlingert unentschieden in stets neue Richtungen.
  • Schwarze Komödie in bester englischer Tradition um einen zynischen Patriarchen, der die eigene Familie zum Kriegsschauplatz macht.

    Adieu, Familienkonventionen! Das sagen nicht nur Junge, sondern inzwischen auch Alte, die nach der Aufzucht der undankbaren Brut die Nase voll haben. Bestes Beispiel ist der Patriarch und Unternehmer August Manzl. Er ist todkrank, aber als Selfmademan will er nicht auf ein qualvolles Sterben warten, sondern die Zügel selbst in die Hand nehmen. Da kommt dem Zyniker ein perfider Plan in den Sinn: Warum nicht die Kinder gegeneinander aufhetzen? Wer ihn ins Jenseits befördert, erbt Firma und Familienvermögen. Schafft es niemand dieser unfähigen Mischpoke, geht alles an die Kriegsgräberfürsorge. Für die möglichen Erben – der koksende Hugo, der heimlich schwule Karl und die verklemmte Alleinerziehende Silvia – ist das natürlich eine furchtbare Vorstellung. Sie finden die Idee, den Vater um die Ecke zu bringen zwar nicht toll, aber der Mammon lockt. Es folgen dilettantische Marderfallen im Wald, vergifteter Kartoffelbrei beim abendlichen Dinner und eine Überdosis Sex, um den Exitus zu beschleunigen. Alles Fehlanzeige. Erst als die harmlose Lieblingstochter auftaucht, die nichts mit dem Auswahlverfahren zu tun haben soll, und Familienzusammenführung betreiben möchte, gerät das Prozedere vollends aus dem Ruder.

    Vatermord ist hier keine Symbolik, sondern Realität. Mit grimmigen und fast englisch anmutendem Humor schickt Jan Georg Schütte die geldgeilen Erben ins letzte Gefecht, in dem sukzessive die bürgerlichen Masken fallen und mit der Vorstellung von heiler Familienwelt abgerechnet wird. Wie so oft in Film und Wirklichkeit ist Familie nur noch ein emotionaler Kriegsschauplatz, auf dem jahrzehntelange Verletzungen und Liebesentzug gerächt werden. Den Mangel an einer wirklichen Sympathiefigur macht Hans-Michael Rehberg als herrliche Inkarnation der Bösartigkeit wieder wett. Wie er als cooler Strippenzieher den Nachwuchs an der Nase herumführt, das macht Spaß, auch wenn nicht alle Dialoge ins Schwarze treffen. Zwar hat der Rest des Ensembles gegen ihn keine Chance, schlägt sich aber dennoch tapfer, vor allem Oliver Sauer mit Angst vorm Outing und Anne Weber, die ihren Chef insgeheim liebt. Wer den Kotzbrocken letztendlich umlegt und mehr zufällig den Erb-Joker zieht, soll nicht verraten werden, die Überraschung ist jedenfalls perfekt. mk.

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