Filmhandlung und Hintergrund

Humanistisches Drama um eine junge Albanerin in Belgien, die durch eine arrangierte Ehe in die Fänge der Unterwelt gerät.

Die junge Albanerin Lorna (Arta Dobroshi) lebt mit ihrem Geliebten Sokol (Alban Ukaj) in Belgien und träumt davon, eine Snackbar zu eröffnen. Dafür willigt sie in den teuflischen Plan von Mafiaboss Fabio (Fabrizio Rongione) ein: Durch eine Scheinhochzeit mit dem Drogensüchtigen Claudy wird sie Staatsbürgerin. Gleich darauf soll sie einen russischen Gangster ehelichen. Doch dafür soll Claudy an einer Überdosis sterben. Lorna bekommt Gewissensbisse.

Menschen am Rande der Gesellschaft sind stets im Fokus der Dardenne-Brüder, die mit „L’enfant“ in Cannes triumphierten. Nun gerät ein Mädchen in die Fänge der Unterwelt, als sie eine arrangierte Ehe eingeht. Der unbestechliche, humanistische Blick entlarvt eine unmenschliche Welt.

Die junge Albanerin Lorna lebt in Belgien. Um sich mit ihrem Geliebten Sokol den Traum von einem eigenen Kiosk zu erfüllen, lässt sie sich mit der Unterweltgröße Fabio ein. Mithilfe einer fingierten Hochzeit mit Claudy soll Lorna die belgische Staatsangehörigkeit erlangen und danach einen Gangster der Russenmafia heiraten, um dessen Einbürgerung zu sichern. Zuerst muss jedoch Claudy aus dem Weg geräumt werden.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Geld ist das Lei(d)tmotiv. Das Durchschnittsmädchen Lorna lässt sich auf einen Deal mit der Mafia ein: Ein Junkie muss sterben, und sie soll dabei helfen. Ihre Entscheidungen sind zweitrangig, und doch trifft sie sie. Lorna ist ein Instrument in einem System, Gefühle sind Ballast für sie - doch sie gewinnen die Überhand. Dieses Drama - in Teilen an Dogma erinnernd - ist äußerst raffiniert erzählt. Die unterkühlte Darstellung wird meisterlich durch sparsam ein-gesetzte Momente voller Emotionalität gebrochen. Die Stille von Lorna ist ein Film von höchster Intensität. Er handelt von Schuldgefühl und Geldgier, von Markt-verhältnissen und Beziehungen. Den Brüdern Dardenne ist wieder ein kompromiss-loser, präzise beobachteter und trotz seiner vermeintlichen Kunstlosigkeit in der Wir-kung fein kalkulierter Film gelungen.

      Jurybegründung:

      „Das Geld“ wäre der perfekte Titel für diesen Film gewesen, aber „L’Argent“ heißt leider schon ein Film von Robert Bresson. Geld ist das Leitmotiv, das diesen Film durchzieht. Ständig wird mit ihm bezahlt, wird es gezählt, versteckt, hervorgeholt, über es geredet, für es gelitten.

      Die Kamera folgt ausschließlich der Protagonistin Lorna, und wenn der Zuschauer ihr durch die Handlung dieses Filmes folgt, wird er dazu eingeladen, ihre Handlungen und moralischen Entscheidungen zu durchdenken und zu bewerten. Die junge Frau ist zu Beginn des Films Komplizin bei einem schmutzigen Geschäft, und dass sie ausgerechnet in einer Reinigung arbeitet, ist nur eine der versteckten Ironien des Films.

      Lorna hat für Geld geheiratet, für Geld soll der Junkie, den sie geheiratet hat, aus dem Weg geschafft werden, und für Geld soll sie dann einen Russen heiraten, der mit ihr auch die belgische Staatsbürgerschaft gekauft hat. Aber Lorna lässt sich nicht auf ihren Preis reduzieren, und so folgt der Film ihrer langsamen moralischen Erweckung, in deren Verlauf sie immer mehr in Schwierigkeiten gerät, denn ihren Komplizen ist sie nur so viel lieb und wert, wie sie einbringt.

      Skrupel, Mitgefühl, Reue und schließlich Liebe, die sie stark macht, auch wenn sie auf einen von ihr nur imaginierten Fötus gerichtet ist, bringen sie in immer bedrohlichere Gefahr, und der Film lässt sie schließlich an einem mythischen Ort zurück, an dem ein neuer Anfang ohne Geld möglich ist.

      Die Gebrüder Dardenne erzählen hier wieder meisterlich von einem armen Sünder, dem nach redlichem Bemühen Gnade gewährt wird. Lorna entwickelt sich auf einem schwierigen und leidvollen Weg von einem Objekt, das gekauft und benutzt wird, zu einem Subjekt, das sich frei entscheiden und wehren kann.

      Mit ihrer sparsamen, spröde wirkenden Inszenierung, bei der Gefühle kaum direkt ausgedrückt, sondern eher unterschwellig spürbar gemacht werden, ist Jean-Pierre und Luc Dardenne wieder ein kompromissloser, präzise beobachteter und (trotz seiner vermeintlichen Kunstlosigkeit) in der Wirkung genau kalkulierter Film gelungen.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
    1. Le silence de Lorna - Lornas Schweigen: Humanistisches Drama um eine junge Albanerin in Belgien, die durch eine arrangierte Ehe in die Fänge der Unterwelt gerät.

      Das belgische Brüderpaar Dardenne empfiehlt sich mit „Le silence de Lorna“ mehr denn je als rechtmäßige Nachfolger des legendären Auteurs Robert Bresson.

      Die Geschichte einer albanischen Einwanderin in Liege, die sich auf einen verbrecherischen Plan einlässt, um zunächst selbst an die belgische Staatsbürgerschaft zu kommen und diese in der Folge einem undurchsichtigen Russen zu verschaffen, trägt Züge von Bressons „Mouchette“ und „Der Esel Benjamin“, ist aber unverkennbar ein Film der Dardennes. Mit ruhigeren Bildern als gewohnt erzählt, beweisen sie doch erneut ein untrügliches Gespür dafür, mit simpelsten Mitteln eine Geschichte zu entwickeln, die die Hauptfigur vor stets absolut nachvollziehbare menschliche und moralische Dilemmas stellt. Die Entscheidungen, die hier getroffen werden müssen, sind von so grundlegender Bedeutung, dass man als Zuschauer gar nicht anders kann, als mitzufiebern. Diesmal gehen Jean-Pierre und Luc Dardenne einen Schritt weiter, hin zu einer ambivalenten, leicht metaphysischen Auflösung, die einen sprachlos und tief berührt zurücklässt. ts.

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