Für Links auf dieser Seite erhält kino.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder blauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
  1. Kino.de
  2. Filme
  3. Le Fil - Spur der Sehnsucht
  4. Fakten und Hintergründe zum Film "Le fil - Die Spur unserer Sehnsucht"

Fakten und Hintergründe zum Film "Le fil - Die Spur unserer Sehnsucht"

Kino.de Redaktion |

Le Fil - Spur der Sehnsucht Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit Claudia Cardinale

Was hat Ihnen Lust darauf gemacht, bei LE FIL mitzuspielen?

Der Prozess ist bei jedem Film der gleiche. Da gibt es zwei essentielle Einflussfaktoren: Das Buch und das Zusammentreffen mit dem Regisseur. Im Fall von LE FIL hat mir die Geschichte von Anfang an gefallen. Ich mochte auch den Mut von Mehdi, sich mit dem Thema in Tunesien auseinander zu setzen – ich kenne das Land gut, ich bin dort geboren und habe meine Kindheit dort verbracht. So konnte ich sofort verstehen, was Mehdi mit dem Film erzählen wollte. Es mag jetzt vielleicht wie ein Klischee wirken, aber ich bin eine hartnäckige Verteidigerin von jeder Art von Freiheit und LE FIL handelt ausschließlich davon.

Wie ist Ihr erstes Treffen mit Mehdi Ben Attia verlaufen?

Mehdi ist ein sehr introvertierter Typ; aber aus der Erfahrung weiß ich, dass man nicht unbedingt viel mit einem Regisseur reden muss, um sich zu verstehen. Es ist der Blick, der zählt. Das, was zwischen uns passiert, wenn man sich das erste Mal sieht oder später am Set zusammen arbeitet. Ich werde eher misstrauisch, wenn einer zuviel redet. Das Gefühl stimmte von Anfang an zwischen Mehdi und mir - es ist ein ideales Arbeitsklima entstanden, das sich über die ganzen Dreharbeiten gehalten hat.

Wie hat es sich angefühlt, in Tunesien zu drehen?

Es hat mich an meine Kindheit erinnert. Ich fahre zwar noch oft dahin, aber seit «Jesus von Nazareth» von Franco Zeffirelli habe ich dort nicht mehr gedreht. Außerdem hatten wir das Glück, in einer wahnsinnig schönen Naturkulisse zu drehen. Es ist großartig gelaufen.

Was hat Ihnen an Ihrer Rolle besonders gut gefallen?

Die Tatsache, dass eine bourgeoise Katholikin in den Sechziger Jahren einen Moslem heiratet, hat seinerzeit schon für einen Skandal gesorgt. Und diese ‘skandalbehaftete’ Frau zu spielen, die nicht sieht, dass ihr Sohn homosexuell ist, war wirklich eine besondere Freude für mich.

Wie haben Sie sich in die Rolle der Mutter eingefühlt?

Wie jedes Mal war es auch hier instinktiv. Ich mag diese Möglichkeit, ein neues Leben zu leben, so wie in LE FIL; das Drehbuch hat mich einfach mitgerissen. Und ab diesem Moment werde ich fast natürlich zu der Anderen. Der Pfad zu der neuen Persönlichkeit ist ein sanfter, dazu gehört ein guter Text, aber auch ‘solide’ Partner. Wenn man keine ebenbürtigen Partner hat, kann man nichts geben. In LE FIL hatten wir, ohne Übertreibung, das Glück, dass sich alle gut verstanden haben und jeder den Anderen mitgerissen hat.

Haben Sie gemeinsam geprobt vor dem Dreh?

Nein, ich mag Proben nicht so. Ich habe immer den Eindruck, ich spiele einen Papagei. Das Wichtigste für mich ist, so natürlich wie möglich zu bleiben. Die Proben sind für mich eher ein Hindernis.

Waren die anderen Schauspieler wie Antonin Stahly oder Salim Kechiouche von Ihnen beeindruckt?

Wissen sie, ich bin ein ganz normaler Mensch. (Lachen). Naja, das war am Anfang vielleicht der Fall, aber das Eis ist sehr schnell geschmolzen. Und die Beziehung zu ihnen wurde schnell zu einer normalen Beziehung zwischen einer Schauspielerin und den anderen Schauspielern. Wie auch immer, so lang ich zurückdenken kann, hatte ich in meiner gesamten Karriere nie Probleme mit meinen Filmpartnern.

Wie können Sie sich diese Leidenschaft fürs Schauspiel bewahren?

Ich mache diesen Beruf seit 51 Jahren. Ich hatte das Glück, grandiose Regisseure zu treffen, die mir alles beigebracht haben und mit einmaligen Partnern zu spielen, von Burt Lancaster bis Alain Delon – und mir ist bewusst, dass ich einmalige Momente erleben durfte. Aber: Ich lebe nicht in der Vergangenheit und ich kann die Hände nicht in den Schoß legen. Ich mag Action und ich setze mich gerne Gefahren aus. In meiner Kindheit war ich ein Mädchen, an dem ein Junge verloren gegangen ist. Die meiste Zeit habe ich damit verbracht, mich mit Jungs zu raufen. Nicht umsonst ist mein wahrer Vorname Claude… Die Sache ist sehr einfach: Wenn mich ein Regisseur beim ersten Treffen langweilt, werde ich den Film nicht machen. Auf der anderen Seite, wenn ich ihn schätze und das mag, was er geschrieben hat, dann bin ich kaum aufzuhalten, weil ich das Risiko liebe – und besonders, wenn es sein erster Spielfilm ist. In allen meinen Filmen habe ich meine Stunts selbst übernommen, da konnte mir noch so schwindlig werden – ich wollte kein Double. Und um die Parallele zu ziehen: Ich erlebe jeden neuen ersten Spielfilm wie einen Sprung ins Ungewisse.

Haben Sie noch Lampenfieber vor einem neuen Dreh?

Ich habe immer Lampenfieber, egal ob im Kino oder im Theater. Ich habe immer den Eindruck, als sei es mein erster Tag. Am Set komme ich aus Prinzip immer zu früh, um mich zu konzentrieren und mich in meine Rolle einzufühlen. Das hilft am besten, das berühmte Lampenfieber zu bekämpfen. Sehen Sie sich gerne auf dem Bildschirm? Ich bin sehr kritisch, wenn ich mich sehe. Aber ich schaffe es ganz gut, mich von mir loszulösen und in die Rolle zu schlüpfen. Aber auch hier ist die Erfahrung viel wert. Ich gestehe es ein: Ab und zu erlaube ich mir die Bemerkung, dass beispielsweise die Kamera zu tief ist. Ohne Kommandoton, aber genau wissend, dass ich Recht habe und dass das dem Film gut tun wird. Meistens hört man mir zu…

Was hoffen Sie, wird LE FIL den Zuschauern bringen?

Dass er hilft, den Menschen die Idee zu vermitteln, dass man die Unterschiede im Leben akzeptieren muss. Ich bin in vielen Organisationen aktiv: für AIDS-Opfer, für Kinder in Kambodscha oder für Frauenrechte bei der UNESCO. Ich kann durchaus behaupten, in einer guten Position zu sein, um sagen zu können, dass man sich die Welt so anschauen muss, wie sie ist, und sie dann zu akzeptieren. Meiner Meinung nach kann das Kino helfen, die Augen zu öffnen. Als Zuschauerin hasse ich es, aus einem banalen Film zu kommen, der mir nicht mehr erzählt hat, als was ich schon auf der Straße sehen kann. Das Kino sollte uns aus unserer eigenen Realität loslösen, und uns in eine andere werfen, damit wir diese sehen können. LE FIL ist dafür das perfekte Beispiel, mit dieser Mischung zwischen Realismus und Traumwelt kann er den Anspruch von Anfang bis Ende erfüllen.

News und Stories