Filmhandlung und Hintergrund

Das seriöse Drama mit Stefanie Stappenbeck als Vergewaltigungsopfer wandelt sich erst gegen Ende zum Thriller. Sat.1 verknüpft die PR-Kampagne zu drei neuen Produktionen mit dem Hashtag „Wir zeigen Haltung“ und lobt sich selbst für sein „nachhaltiges Engagement“, weil es in den entsprechenden Dramen um Themen wie K.o.-Tropfen, Stalking und Zivilcourage geht. Der Sender hat schon früher Geschichten über Frauen erzählt...

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Kritikerrezensionen

  • Das seriöse Drama mit Stefanie Stappenbeck als Vergewaltigungsopfer wandelt sich erst gegen Ende zum Thriller.

    Sat.1 verknüpft die PR-Kampagne zu drei neuen Produktionen mit dem Hashtag „Wir zeigen Haltung“ und lobt sich selbst für sein „nachhaltiges Engagement“, weil es in den entsprechenden Dramen um Themen wie K.o.-Tropfen, Stalking und Zivilcourage geht. Der Sender hat schon früher Geschichten über Frauen erzählt, die sich aus ihrer Opferrolle emanzipieren und zur Wehr setzen, allen voran „Die Ungehorsame“ (2015), ein erschütterndes Drama mit Felicitas Woll über Gewalt in der Ehe. Die Handlung von „Lautlose Tropfen“, dem Auftakt der Trilogie, erinnert an das Drama „Es war einer von uns“ (2011) mit Maria Simon als junge Frau, der jemand während einer Party unter lauter Freunden K.o.-Tropfen ins Glas geschüttet hat; anschließend wird sie vergewaltigt. Lehrerin Franziska (Stefanie Stappenbeck) widerfährt das gleiche beim Klassentreffen in einem Landhotel. Als sie am nächsten Morgen aufwacht, fühlt sie sich wie zerschlagen. Sie hat zwar jede Erinnerung an die Nacht verloren, ahnt aber, dass etwas Schreckliches passiert ist. Aus der Vermutung wird Gewissheit, als sie ein widerwärtiges Video bekommt, das den maskierten Vergewaltiger bei seiner Untat zeigt. Trotzdem hat die Polizei nichts in der Hand, um ermitteln zu können, obwohl sich entsprechende Verbrechen in dieser Gegend zuletzt gehäuft haben. Mit Hilfe von Hypnose versucht Franziska, die verschütteten Erinnerungen frei zu legen, und tatsächlich offenbart sich ein Hinweis auf den Täter.

    Das Drehbuch stammt von Jochen Ketschau und Mirko Schulze, die den Film zudem produziert haben, Regie führte Holger Haase; von ihm war auch „Die Ungehorsame“. In dem Ehedrama hat der Regisseur schonungslos vor Augen geführt, welche schockierenden Ausmaße Beziehungsgewalt annehmen kann; die entsprechenden Szenen waren kaum auszuhalten. Für „Lautlose Tropfen“ wählt er einen anderen Weg. Die eigentliche Tat bleibt ausgespart; der Film konzentriert sich darauf, wie Franziska versucht, zurück in die Normalität zu finden. Trotzdem will sie, dass die Tat gesühnt wird. Deshalb besucht sie auch die Trauerfeier für eine frühere Mitschülerin, an der auch die anderen Teilnehmer des Klassentreffens teilnehmen; einer von ihnen muss der Täter sein.

    Die große Stärke des Films ist nicht zuletzt ein dreifacher Verzicht. Buch und Regie unterlassen es glücklicherweise, die Männer ausnahmslos als Monster darzustellen, im Gegenteil. Franziskas Ehemann (Max von Pufendorf) ist genauso hilflos wie sie selbst und möchte am liebsten jemanden umbringen, und Klassenkamerad Chris (Oliver Wnuk), einst ihre Jugendliebe, erweist sich ausgesprochen mitfühlend. Auf der Trauerfeier macht sich zwar das männliche Mauerblümchen Jens (Steffen Groth) an sie ran, aber Haase bietet den Mann schon während des Klassentreffens, als noch gar nichts passiert ist, als Verdächtigen an. „Lautlose Tropfen“ will ohnehin kein Krimi sein, und das ist ein zweiter Pluspunkt; der Film begnügt sich über weite Strecken damit, das Ausmaß des Traumas zu ergründen, selbst wenn es zwischendurch einige moderat inszenierte Spannungsmomente gibt, als beispielsweise auch Franziskas Tochter in Gefahr zu sein scheint. Dritter und keineswegs selbstverständlicher Punkt: Haase spart etwaige voyeuristische Momente konsequent aus, auch zum Schluss, wenn sich viele Zuschauer fragen werden, warum die Heldin ihren bitteren Erfahrungen zum Trotz erneut so blöd ist, ein Getränk von einem Fremden anzunehmen. Diese Blauäugigkeit ist jedoch die Voraussetzung, um die Wahrheit in ihrem ganzen schockierenden Ausmaß zu offenbaren; und jetzt wird „Lautlose Tropfen“ doch noch zum Thriller. tpg.

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