Filmhandlung und Hintergrund

Indie-Improvisationsfilm und Hommage an Kurt Cobain von Gus Van Sant.

Geradewegs vom Drogenentzug ausgerissen, stapft der benommene Blake (Michael Pitt) nuschelnd durch das Unterholz, bis er das abgelegene, zerfallende Haus seiner Band erreicht. Die anderen Mitglieder nehmen keine Notiz vom Auftauchen ihres geistig umnachteten Frontmanns, der wie ein Wrack durch die Gänge schlurft. Zu sehr sind Luke (Lukas Haas), Asia (Asia Argento), Scott (Scott Green) und Nicole (Nicole Vicius) mit Partys, Schlafen und Sex beschäftigt. Selbst vor einem Privatdetektiv (Ricky Jay) weiß sich der im Endstadium depressive Blake zu verstecken.

Lose auf dem Freitod der heroinabhängigen Grunge-Ikone Curt Cobain basierend, schafft Gus Van Sant („Good Will Hunting„) ein abstrakt-melancholisches Gemälde, das fast ohne Handlung und Dialoge die desolate Stimmungslage einfängt.

Der Rockstar Blake haust mit seinen Bandkollegen auf der Suche nach Inspiration zu neuen Songs in einem entlegenen Haus. Doch weder seine Freundin noch seine Musik scheinen Blake noch zu interessieren. Er lebt jeden Tag vor sich hin, ständig auf Drogen irrt er durch die Wälder, ohne sich wirklich ausdrücken zu können. Immer, wenn der Alltag versucht ihn einzuholen - sei es durch Vertreter an der Haustür oder durch seine Freunde - flüchtet Blake und versteckt sich. Er kapselt sich zunehmend von seiner Außenwelt ab. Bis zum bitteren Ende, als er sich in einem Geräteschuppen das Leben nimmt.

Blake ist ein junger Rockmusiker, der an seinem Leben vorbeilebt. Er vegetiert mit seinen Bandmitgliedern in einem entlegenen Haus vor sich hin, aber er kann weder mit der Musik noch mit seiner Freundin etwas anfangen. Stattdessen flüchtet Blake sich immer wieder hinaus in die Natur oder in exzessiven Drogenkonsum. Als seine Manager ihn zu einer lukrativen Konzerttournee bewegen wollen, macht er komplett dicht, kapselt sich noch mehr von seiner Außenwelt ab und begeht schließlich in einem Geräteschuppen Selbstmord.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Last Days ist nach Gerry und Elephant ein weiterer Film von Gus Van Sant, in dem er sich mit dem Leben junger Männer kurz vor ihrem Tode befasst. Wie schon in seinen früheren Werken, taucht er in die Charaktere durch die Kameraarbeit und die langsame Erzählweise ein, anstatt einer konventionellen narrativen Struktur zu folgen.

      Last Days erzählt das Leben eines Rockstars, dessen Charakter an den von Kurt Cobain angelehnt ist. Während die Geschichte allerdings nicht auf wahren Begebenheiten basiert, lag die ursprüngliche Faszination Van Sants mit dem Thema wohl eher in der Studie eines Menschen, der von seinen Drogenexzessen in die Sinnlosigkeit getrieben wurde.

      Die Kameraarbeit in diesem Film ist auch hier unkonventionell und einzigartig.
      Anstatt in Closeups zu schneiden, verweilt die Kamera in langen weiten Einstellungen. Es kommt nicht von ungefähr, dass der erste Closeup auf Blakes Gesicht, das bis dato von langen Haaren verdeckt war, kurz vor dessen Selbstmord gezeigt wird.

      Gleichzeitig verwendet Van Sant ein Teleobjektiv, wodurch der Schärfenbereich stark eingeschränkt wird. Oft bleiben bestimmte Objekte in der Unschärfe versteckt, während die Kamera höchst eigentümlich auf anderen Dingen verweilt. Manchmal macht dies nicht unbedingt Sinn für die Handlung, sondern verhilft der Kamera zu einem eigenen Charakter.

      In anderen Einstellungen ‚verliert’ die Kamera Blake aus den Augen, verweilt auf Bäumen und Blättern, die im Wind wehen, als ob sie ihr momentanes Interesse an der Handlung verloren hätte. Bei einer solchen Erzählstruktur ist die Gefahr natürlich relativ groß, dass auch das Publikum das Interesse in den Film verliert. Doch Van Sant schafft es durch seine Technik den Zuschauer in eine Art Trance zu versetzen, dem entgegen zu wirken. Gleichzeitig mag der Fakt, dass der Film nur knapp 90 min lang ist, dazu beigetragen haben.

      Das heißt nicht, dass Last Days keine interessanten Momente hat. Vielmehr liegt die Bedeutung oft auf subtilen Symbolismus, mit dem Van Sant den Zuschauer zum Nachdenken anregt. So ist es zum Beispiel ausschlaggebend, dass Blake am Anfang des Filmes vor einer Wegkreuzung verharrt. Er schlägt den Weg zu dem Haus ein und damit auch den Weg in die Akzeptanz des Wahnsinns und trifft damit die Entscheidung, nicht aus seinem Dasein auszubrechen. Der andere Weg hätte ihn vielleicht in eine andere Realität geführt, in der er aus seinem Todeskreislauf ausbrechen hätte können.

      Interessanterweise findet Van Sant ein sehr poetisches Bild für Blakes Tod, obwohl der Film bis dahin eher in bewusst unspektakulären Bildern verharrt hat. Während der Leichnam von Blake noch auf dem Boden liegt, steigt in einer Reflektion im Fenster sein nackter Körper, die Sprossen des Fensters als Stufen benutzend, zum Himmel empor. Das ist so reduziert und doch so effektiv, dass es sich allein dafür schon lohnt den Film anzuschauen.

      Fazit: Ein introvertierter Film, über den es sich Nachzudenken lohnt.
    2. Last Days: Indie-Improvisationsfilm und Hommage an Kurt Cobain von Gus Van Sant.

      Independent-Improvisationsfilm von Gus Van Sant als Hommage an Nirvana-Sänger Kurt Cobain und meditatives Stilexperiment.

      Nach „Gerry“ und „Elephant“ (Goldene Palme Cannes 2003) der dritte Teil einer Trilogie, die Gus Van Sant als Hommage und Meditation an die Teenagerwelt und die Körper junger Männer konzipierte. „Last Days“ ist fiktionale Meditation und vor allem durch stilistische Mittel geprägte Annäherung an den inneren Aufruhr und Mythos des legendären Grunge-Musikers und Nirvana-Sängers Kurt Cobain (1967 - 1994), dem der Film gewidmet ist, dessen letzte Stunden er verfolgt, der Blake genannt und von Michael Pitt (Bernardo Bertoluccis „Die Träumer“) gespielt wird, der den Rock-Musiker als kranken Romantiker deutet.

      Das Motiv wird zu Beginn etabliert, wenn sich Blake aus der schlossartigen Waldvilla schleicht, durch Baum- und Unterholzlandschaften an den Fluss gelangt und ein Bad nimmt. Das uramerikanische Ritual der Reinigung durch die Natur scheitert, weil sich Blake bei der Rückkehr nicht um Freunde, Gäste und in einer urkomischen Szene im Spitzennegligé einen aufdringlichen Anzeigenverkäufer kümmert, sondern bemüht ist, sie sich vom Hals zu halten. Noch ein Mal musiziert er genial vor sich hin, nicht mit Nirvana-Stücken, sondern mit Musik von Michael Pitt, der live spielt und singt. Blake zieht sich in den Geräteschuppen zurück, wo man ihn tot auffindet.

      Blakes Selbstmord ist ereignisloser Höhepunkt ereignislosen Geschehens. Mit Improvisationsspiel und dem Wechsel von distanzierten Totalen und Nahaufnahmen wird Blakes Entfremdung von der Welt verdeutlicht, spielen die Nebenfiguren (darunter Independent-Ikone Asia Argento als sie selbst) keine Rolle mehr. Blakes träger Abschied wird nicht psychologisert, sondern als Endpunkt eines Lebens angesehen, das die Realität um sich herum nicht mehr greifen kann. Interessantes aber anstrengendes Stilexperiment. ger.

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      Kino.de Redaktion  

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