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Fakten und Hintergründe zum Film "Lamento"

Fakten und Hintergründe zum Film "Lamento"
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Erläuterung: Lamento

LAMENTO das; -s, -s; (it.)

1. Gejammer

2. schmerzliches, leidenschaftliches Musikstuck; Klagelied

(Quelle: Der Kleine Duden Fremdwörterbuch, Mannheim; Wien; Zürich: Dudenverl., 1991)

Produktionsnotizen

Die Geschichte

LAMENTO erörtert das Verhältnis zwischen Verbrechen und Vergebung im Hinblick auf die kausalen Zusammenhänge von Unschuld, Schuld und Mitschuld. Simons Tat entwickelt sich zu jenem Impuls, der die ländliche Idylle der kleinen Gemeinde aufbricht und das Leben der Dorfbewohner ins Wanken bringt. Der Tod der jungen Eva löst bei den Bewohnern tiefe Betroffenheit aus, wobei die einzelnen Charaktere diesen Schicksalsschlag sehr unterschiedlich verarbeiten. Angetrieben von der Motivation den Grund für Evas Tod und damit den vermeintlichen Täter der schrecklichen Tat zu entlarven, beginnt eine erbitterte Suche nach Gerechtigkeit und Sühne. Mit der Zeit entspinnt sich ein Netz aus Intrigen und Lügen, wobei einzig Evas beste Freundin Katharina dem wahren Täter auf der Spur ist…

Der Kontext

Sozial- und gesellschaftskritisch beleuchtet dieses Drama die menschlichen Abgründe die ein jeder von uns hinter einer Fassade zu verstecken vermag. In einer Zeit in der ein aufstrebender religiöser Fundamentalismus eine immer größere Rolle spielt, stellt LAMENTO blinde Ergebenheit und Folgsamkeit in Frage. EIne kleine Gemeinde , die sich ein Regelwerk aus vermeintlichen Werten und Normen aus Religion und einer scheinbaren Ethik erschaffen hat, zerbricht eben an diesem und steht sinnbildlich für eine gegenwärtige Gesellschaft, die sich in weiten Teilen durch Doppelmoral und Scheinheiligkeit identifiziert. Die Brisanz des Stoffes, die durchdachten Personenkonstellationen und die dadurch resultierenden raffinierten Verstrickungen der Figuren untereinander verleihen diesem Projekt einen dramatischen Charakter, welcher aber auf die Elemente eines packenden Thrillers nicht verzichten muss.

Visuelles Konzept

So wie das menschliche Leben von den Gegensätzen Gut und Böse bestimmt ist, so fußt auch das visuelle Konzept von LAMENTO auf verschiedenen Gegensätzlich-keiten.Grundsätzlich folgt die Lichtgestaltung einem Realismusanspruch, so dass das Licht nie „gesetzt“ wirken soll. Doch trotzdem erhält die Lichtgestaltung auch symbolischen Charakter.

Im weiteren Verlauf rückt der Realismusanspruch immer weiter nach hinten und weicht einer dramatisierten Lichtgestaltung: LAMENTO erzählt von den Abgründen der Menschen und deren dunklen Seiten und je mehr diese offenbart werden, desto mehr erhöht sich das Verhältnis aus Licht und Schatten und wird somit zu einem extremen Spiel dieser beiden Gegensätze. Auch die Farbgestaltung unterstellt sich dem Realismusanspruch, doch auch hier sind grundsätzliche Kontraste zu erkennen: Im Gegensatz zu der „satten“ ländlichen Idylle, in der LAMENTO angesiedelt ist, wirken die Farben dennoch kühl und besonders bei Innenaufnahmen fahl und monochrom – so erhält diese Idylle einen unangenehmen Beigeschmack und lässt erahnen, dass nicht alles so friedlich ist, wie es scheint.

Somit lässt der Realismusanspruch, der durch die dramatisierenden Elemente zunehmend gebrochen, aber nie verwässert wird, LAMENTO sowohl authentischer als auch intensiver auf den Zuschauer wirken.Im Gegensatz zur Lichtgestaltung unterstellt sich die Bildauflösung keinem Realismusanspruch sondern zieht alle Register der modernen Kameraführung. Die Kamera ist nie ein stiller Beobachter mit dokumentarisch-nüchternem Blick, sondern reiht sich in das dramaturgische Geflecht des Films ein, wird somit ein Teil dessen und ist in ihrer zunehmenden Intensität auch Ausdruck des Inneren der Personen. Im Verlauf des Films verkürzen sich nach und nach die Brennweiten, die Bildausschnitte verengen. Es gibt keine klare Linienführung, keine abgezirkelten Bilder mehr. Somit stellt sich die Kameraführung in Auflösung und Dynamik völlig in den Dienst der Geschichte und unterstützt die Ausweglosigkeit der Erzählung durch eine eigene, schroffe Bildsprache, geprägt von verwinkelten Einstellungen und intimen Nahaufnahmen der Gesichter. Harter Realismus und Intensität durch das nackte Filmen blankgelegter Nerven.

Dazu gehört auch das bewusste Nutzen der neuartigen Kombination aus Mini-DV und 25p, welches den Filmlook kostengünstig nachempfindet und Raum für Experimente lässt.

Das Erfolgsrezept

Der Film LAMENTO basiert auf einer Idee von Daniel Hedfeld und René Sydow. Das eingespielte und motivierte Duo hat sich durch Kompetenz, Innovation und effizientes Arbeiten bereits einen Namen in der Junggeneration der deutschen Filmszene gemacht. Beide zeichnen ebenfalls für das Spielfilmprojekt „Unter Wölfen“, welches seit Ende 2006 auf dem DVD-Markt erhältlich ist, verantwortlich.