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Fakten und Hintergründe zum Film "La vie en rose"

Kino.de Redaktion |

La Vie en Rose Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Wie alles begann

Autor und Regisseur Olivier Dahan erinnert sich: „Ich wollte einen Film darüber drehen, was einen Künstler antreibt. In einer Buchhandlung blätterte ich ein Buch über Edith Piaf durch, als mir plötzlich die Idee kam. Sofort schickte ich Alain Goldman eine SMS, und fünf Minuten später kam grünes Licht von ihm. Er war von Anfang an auf meiner Seite. Er reagierte so prompt, dass ich mich fragte, was ich da wohl angezettelt hätte…“

Produzent Alain Goldman ergriff die Gelegenheit sofort, nach „Die Purpurnen Flüsse 2 – Die Engel Der Apokalypse“ wieder mit Olivier zusammenzuarbeiten. „Wir stehen uns sehr nahe, beruflich und privat, aber ich hatte nichts mit ihm in der Entwicklung. Dann, am 22. Januar 2004 um 15.46h, kam diese SMS von ihm, mit dem Wortlaut: ‚Ein Film über Musik und Liebe. Ein tragischer, romantischer Blockbuster. Es geht um ein französisches Thema mit internationalem Ansatz. Ein Spielfilm über Edith Piaf.’ Das bringt den Film perfekt auf den Punkt. Ich habe diese SMS, diesen ersten Impuls, gespeichert, um mich immer wieder daran zu erinnern. Während der Drehbuchphase und selbst später, wenn wir abzudriften drohten, sind wir immer wieder auf diese Grundvorgabe zurückgekommen.“

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Olivier Dahan fügt hinzu: „Für mich ist die Piaf das perfekte Beispiel für einen Menschen, der keine Grenze zieht zwischen seiner Existenz und seiner Kunst. Die Verbindung von Leben und Arbeit ist die feste Basis eines wahren Künstlers. Wie jeder andere Franzose auch kannte ich einige ihrer Lieder und wusste etwas über ihr Leben, aber mehr auch nicht. Sie war das ideale Medium, um über das reden zu können, was mir wichtig ist.“

Der Funke sprang über, als er ein Foto von ihr sah, als junge Frau auf der Straße, mit ihrer Freundin Momone – Aufnahmen, die selten sind. Das vorherrschende Bild von Edith Piaf stammt aus den 50er und 60er Jahren, die fragile Ikone im schwarzen Kleid. Dieses frühe Foto vermittelte dem Regisseur den Eindruck einer anderen Person, die noch nicht Piaf war. Dahan: „In meiner Vorstellung schuf ich eine Art Brücke zwischen dem bekannten Bild und diesem Foto eines ungeschliffenen Diamanten. Ich wollte ein Porträt malen. Ihre Lebensgeschichte zu erzählen, hat mich nicht per se gereizt. Die Ereignisse, die ich zeige, helfen, das Porträt zu erschaffen. Dabei habe ich immer versucht, ehrlich und respektvoll mit ihr verbunden zu sein, ohne sie zu idealisieren. Sie selbst hat sich oder ihre Kunst nie idealisiert.“

Es sollte also auch kein Abspulen ihrer größten Hits und schon gar nicht das Durchgehen der langen Liste ihrer berühmten Bekanntschaften und Liebhaber werden. Die Geschichte konzentriert sich auf die Menschen, die ihr bei ihrer Entwicklung geholfen haben. Deshalb kommen ihr Manager und ihre Assistentin vor, aber nicht Montand, Aznavour oder andere Größen der Zeit. Die private Piaf interessierte den Regisseur, die Frau hinter der öffentlichen Ikone. Marlene Dietrich ist die einzige Ausnahme von dieser Regel. Dahan: „Ich hatte auch die Szene geschrieben, in der Piaf Chaplin trifft, der ihr sagt, dass sie durch ihr Singen im Leben das erreicht hat, was ihm durch seine Filme gelungen ist. Tatsächlich spielt Marion viele Szenen wie ein Stummfilmstar. Wie Chaplin hat die Piaf eine Figur kreiert. Sie hat bewusst einen Mythos geschaffen und hatte keine Skrupel, Dinge zu erfinden, vor allem Reportern gegenüber, die ihre Geschichten schluckten. Viele davon werden heute noch als wahr gehandelt!“

Alain Goldman ergänzt: „Der Film ist keine Spritztour durch Edith Piafs Leben. Einer von Oliviers Geistesblitzen war, dass er unterschieden hat zwischen denen, für die sie wichtig war, und denen, die ihr wichtig waren. Ihr Herz führt uns. Der Film ist eine emotionale Reise, bei der etwas vermittelt wird – er ist kein Doku-Drama.“

Mehr als eine Geschichte

Alain Goldman, Produzent von „Vatel“ und „1492 – Die Eroberung des Paradieses“ weiß, wie aufwendig es ist, das Leben eines berühmten Menschen zu verfilmen. Es dauerte nahezu ein Jahr, bis die Recherche abgeschlossen und eine interessante Erzählperspektive gefunden war. Zunächst wollte Olivier Dahan, der sehr visuell und intuitiv arbeitet, das Buch nicht selbst schreiben. Doch Goldman überzeugte ihn: „Ich brauchte seine Präzision, sein Wissen um das, was elementar ist. Mir war klar, dass er einige sehr persönliche Dinge in den Film einbringen würde – Dinge, die nur er so ausdrücken kann. Mich interessierte seine ganz eigene Vorstellung von Edith Piafs Leben.“

Zur Vorbereitung las Olivier Dahan zunächst alles, was je über Edith Piaf geschrieben wurde. Gleichzeitig begann er zu schreiben und kombinierte dabei Bemerkenswertes aus der Lektüre mit dem, was ihm selbst wichtig war, über ihr Leben hinaus. „Ich habe, glaube ich, eine ziemlich genaue Vorstellung von dem, was ein Künstler fühlt, sei das jetzt die Piaf oder ein anderer. Besorgnis, Angst, Verlangen…. Ich wollte kein Bio-Pic drehen, alles in dem Film sollte real sein. Ich habe nur an einigen Stellen, vor allem in Zusammenhang mit ihrer Kindheit, über die sie selten sprach, extrapoliert anhand der wenigen mir zur Verfügung stehenden Fakten.“

Während das Drehbuch Form annahm, wurde Dahan immer klarer, dass Piafs Leben sogar noch dramatischer war als ihre Lieder – eine Tragödie, die von allem etwas enthält: Verlassen und aufgewachsen im Bordell; in der Kindheit kurzzeitig erblindet; ein Leben auf der Straße mit ihrem Vater, ehe sie im Pariser Pigalle-Bezirk die Beute eines Zuhälters wird. Und gerade, als ihre Karriere anfängt, wird sie eines Mordes beschuldigt und kann von vorne anfangen. „Der größte Schriftsteller könnte sich keine dramatischere Geschichte ausdenken“, bemerkt Goldman. „Piaf ist eines dieser seltenen Talente mit einer universellen Anziehungskraft – auf Männer, Frauen, junge, nicht so junge … Und nicht etwa, weil sie an niedere Instinkte appelliert. Im Gegenteil, sie erhebt uns. Ihre Stimme fasziniert die Menschen, über alle sozialen und kulturellen Barrieren hinweg. Jeder kann sich mit ihr identifizieren. Piaf ist ein Leuchtfeuer, wir brauchen sie heute mehr denn je. Ihre einzigartige Statur geht weit über unsere Grenzen hinaus. Deshalb stößt der Film in so vielen Ländern auf großes Interesse, auch in englischsprachigen, die sonst oftmals französischen Filmen gegenüber skeptisch sind.“

Während der Recherche trug Dahan eine Unmenge an Fakten zusammen, die ihn in seiner ursprünglichen Vermutung bestätigten: „Die Piaf ist unbestritten so etwas wie der Archetyp eines Künstlers. Normalerweise geht es zu Lasten ihrer Kunst, wenn Künstler anfangen, sich selbst zu zerstören. In dieser Hinsicht bildet sie eine Ausnahme. In dem Maße, wie ihr Körper schwindet, wächst ihre Kunst und wird reiner. Das ist sehr selten. Selbst im Verfall war noch alles da in ihrer Stimme, ihr Wunsch zu singen und aufzutreten stark wie nie zuvor. Sie gab nie auf,“ erläutert er.

„Ich glaube nicht an den gequälten Künstler. Wie jeder andere auch hatte die Piaf glückliche Zeiten, vor allem dann, wenn man es am wenigsten vermutet. Unglücklich zu sein ist meiner Meinung nach keine Voraussetzung dafür, ein großer Künstler zu sein, oder auch nur ein Künstler. Im Gegenteil, man muss daran arbeiten, nicht unglücklich zu sein. In vielen Biografien wird die Kindheit ausgespart. Dabei prägen diese ersten Jahre den ganzen Rest unseres Lebens. Der Schlüssel liegt oft in der Kindheit.“

Fast jede Szene, die gedreht wurde, inklusive der Dialoge, stammt aus der ersten Drehbuchfassung. Dahan ließ Piafs eigene Worte in die Dialoge einfließen: „In ihren Schriften und Reden drückte sie sich sehr gut aus. Sie kommt genau auf den Punkt, ohne Umschweife. Ich habe ihre Korrespondenz gelesen, auch die unveröffentlichte, und war beeindruckt von der Qualität ihres Stils, ihrer Ehrlichkeit und ihres scharfsinnigen Urteils. Aber ich fühlte mich nie von ihrem Format erdrückt.“

Während des Entstehungsprozesses des Buchs wollte Olivier Dahan niemanden treffen, der Piaf persönlich gekannt hatte. Doch eines Tages meldete sich Ginou Richer, die zwanzig Jahre lang ihre beste Freundin war. Dahan: „Ich schickte ihr das Drehbuch und dachte, das ist der Härtetest. Sie rief mich an, um mir zu sagen, dass ich richtig lag mit der Figur. Der ganze Prozess war wie graben, etwas zusammenfügen, ohne zu wissen, wie das Resultat aussehen wird. Dennoch war mein Ansatz nicht der eines Archäologen, sondern, wie ich hoffe, der eines Künstlers, der versucht, Menschen und Ereignisse nicht falsch darzustellen. Ich wollte auf meine eigene Art Dinge über diese Figur aussagen, die wahr und richtig sind, ohne sie zu verraten. Alles, was ich frei ausdrücken wollte, durch sie oder mit ihr, musste aus ihrem Leben kommen.“

Das Casting

„Ich bin intuitiv an die Besetzung herangegangen,“ erzählt Olivier Dahan. „Es gibt viele Figuren, und für jede davon ging meine Wahl über professionelle Überlegungen hinaus. Es war Bauchgefühl. Neben ihrem schauspielerischen Können berühren sie mich alle. Ich kannte Marion Cotillard nicht persönlich, dachte aber sofort an sie als Piaf,“ fügt er hinzu. „Ich habe mehrere Filme mit ihr gesehen, die zeigen, dass sie das dramatische Talent hat, das entscheidend für die Rolle ist und das nur wenige Schauspielerinnen besitzen. Piaf ist eine Ikone. Ihr Gesicht, ihre Stimme und ihre Silhouette erkennt jeder sofort. Damit das Publikum akzeptiert, was ich zu sagen versuche, musste es eine Ähnlichkeit geben zwischen der Darstellerin und der von ihr verkörperten Figur. Marion ist hübscher, aber es gibt eine bestimmte Ähnlichkeit, wenn man ältere Fotos der Piaf anschaut. Ich habe ihr das Drehbuch geschickt und dann haben wir uns getroffen. Wir hatten nicht viel Zeit und haben deshalb keine Probeaufnahmen gemacht, und nur einen halben Tag fürs Make-up verwendet. Ich bat Marion, die Rolle genau so zu studieren, wie ich Bücher gelesen und altes Filmmaterial angeschaut hatte. Ich glaube, sie hat sich der Figur intuitiv genähert, wie ich, und das war sicherlich der beste Weg.“

Auch der Produzent ist voll des Lobes: „Marions Leistung ist bemerkenswert. Sie schlüpfte nicht nur in die Gedanken der Figur, sondern auch in deren Haut. Wie durch ein seltsames Wunder begann sie zu sprechen wie die Piaf, bis in die kleinste Intonation hinein. Sie übernahm ihre Bewegungen, auch die durch die Arthritis bedingte Steifheit in ihren Händen. Marion ging viel weiter als Imitation. Sie brachte eine unglaubliche Kraft und Menschlichkeit in ihre Arbeit ein. Als ich sie zum ersten Mal als Piaf sah, sogar noch ehe Didier Lavergnes hervorragendes Make-up fertig war, stutzte ich – und wusste, es würde funktionieren.“

Dahan fährt fort: „Es war das erste Mal, dass ich eine so starke Verbindung zu einer Schauspielerin hatte. Wir teilten die gleiche Wahrnehmung der Piaf. Wir spielten uns die Stichworte zu. Es ist Marions Stimme, die man manchmal hört, aber meist imitiert sie nur. Piaf zu imitieren ist eine Herausforderung. Sie muss nicht nur die Musik ankurbeln und durchhalten. Marion hat viel geübt, damit Atem und Rhythmus stimmen. Es ist ihr gelungen, den Charakter darzustellen, indem sie sich seiner Seele bemächtigt hat. Sie erweckt Piaf zum Leben.“

Clotilde Courau spielt Anetta, Ediths Mutter, die ihr Kind zugunsten einer Karriere als Sängerin im Stich lässt. Olivier Dahan beschreibt ihre Rolle als „klein, aber zentral. Ein sehr schwieriger Part. Piafs Mutter hat ihre Tochter oft um Geld angebettelt und Edith hat ihr immer geholfen, trotz ihrer Verbitterung. Sie ist die einzige aus der Familie, die nicht mit ihr begraben ist.“

Jean-Paul Rouve ist ihr Vater Louis Gassion, ein fahrender Schausteller. Der Regisseur über seine Besetzung: „Ich kenne Jean-Paul schon sehr lange und wollte gern mit ihm arbeiten. Mir gefällt die Sensibilität, die er physisch in die Rolle einbringt.“

Sylvie Testud ist als Momone, Ediths Freundin am Beginn ihrer Karriere, besetzt. „Ich kannte Sylvie nicht, und sie war eine Offenbarung für mich. Ich habe sie in anderen Filmen gesehen, aber die vermitteln einen falschen Eindruck von ihr. Sie ist sehr lustig. Als Schauspielerin ist sie ebenso gut wie einfach und unprätentiös. Ich mag ihre Art, die Dinge zu sehen,“ konstatiert Dahan.

Über Gérard Depardieu sagt er: „Ich kannte ihn nicht persönlich. Alain hat ihn vorgeschlagen. Er spielt Louis Leplée, der den Umschwung in Ediths Leben bewirkt. Wir haben uns vom ersten Moment an gut verstanden. Gérard ist der Piaf ähnlich. Er unterscheidet nicht zwischen Leben und Kunst – das vermischt sich bei ihm.“ Alain Goldman fügt hinzu: „Ich kenne Gérard von den Dreharbeiten zu ‚1492 – Die Eroberung des Paradieses’. In meiner Laufbahn als Produzent war er der erste Schauspieler, den ich verpflichtet habe. Als wir vom Dreh in Costa Rica zurückkamen, prophezeite er, dass wir die nächsten zwanzig Jahre zusammenarbeiten würden. Seitdem frage ich ihn bei jedem meiner Projekte, auch wenn es nur für ein paar Tage ist. Mit Gérard zu drehen, heißt nicht nur einen Film machen – es bedeutet, eine kleine Seite in der Filmgeschichte zu füllen.“

Pascal Greggory spielt Piafs Manager Louis Barrier. Olivier Dahan erzählt: „Ich hatte schon vorher mit Pascal gearbeitet. Er rief mich an, um mit mir über die Figur zu sprechen, und ich schrieb den Part komplett um für ihn. Auf Ginou Richers Rat hin ist er auch der einzige Charakter, den ich geändert habe. Sie erzählte mir eines seiner Geheimnisse. Louis war total verliebt in Piaf, sie waren wohl irgendwann in den frühen Tagen auch liiert. Das wird in keiner ihrer Biografien erwähnt, lässt die Figur aber in einem anderen Licht erscheinen.“

Die einzige Rolle, für die Dahan eine klassische Audition abhielt, war die des Boxweltmeisters Marcel Cerdan. „Ich brauchte einen Schauspieler, der eine gewisse Ähnlichkeit aufwies und boxen konnte. Jean-Pierre Martins kannte ich schon lange, aber er war mir für den Part nicht in den Sinn gekommen. Er spielte mit einer Band, ‚Les Silmarils’, und ich hatte ein Video für sie inszeniert, ungefähr vor 12 Jahren. Nach einigen Proben hatte er sich die Rolle angeeignet.“

An Emmanuelle Seigner, die die Prostituierte Titine verkörpert, die sehr an Edith hängt, erinnert sich der Regisseur: „Ich traf Emmanuelle, um mit ihr ein anderes Projekt zu besprechen, das aber nie realisiert wurde. Also ergriff ich die Chance, mit ihr zu arbeiten. Piaf wuchs wirklich im Bordell auf, aber ich entwarf die Figur der Titine anhand einiger Fakten. Ich dachte, dass Prostituierte, mit ihrer mütterlichen Seite, sicher gern ein kleines Mädchen um sich herum haben würden.“

Die Dreharbeiten

Die Finanzierung des Films gestaltete sich schwierig. Zunächst schien keiner der potenziellen Geldgeber sehr überzeugt zu sein von dem Projekt. Als die Finanzierung dann endlich stand, blieb nur eine sehr kurze Vorbereitungszeit von drei bis vier Monaten. „Mehr denn je musste ich meiner Intuition vertrauen,“ erinnert sich Dahan. „Es gab keine Lesungen oder Proben, die ich sowieso nicht mag. Am Set, wie beim Schreiben, zählt für mich der erste Entwurf – die Spontaneität, um die es mir geht. Wir hatten einen so engen Zeitplan, dass ich manche Sets an dem Tag zum ersten Mal sah, als wir darin filmten. Das Art Department arbeitete rund um die Uhr. Manchmal war die Farbe noch nicht trocken, wenn wir zu drehen begannen.“

Bedingt durch den enormen Zeitdruck musste das Make-up während des Drehs perfektioniert werden. Der Regisseur unterbrach die Dreharbeiten für einen Tag, um verschiedene Varianten auszuprobieren. „Didier Lavergne hat Großartiges vollbracht. Er meinte, dass man so schweres Make-up nicht in Nahaufnahme filmen kann. Ich drängte ihn, bis er das richtige Ergebnis brachte. Wir haben vereint gekämpft. Ich hatte Marion gesagt, dass ich sie sehen wollte, wie viel Make-up auch immer sie tragen sollte, keine Imitation. Marion sollte auf keinen Fall übertüncht werden.“

Alain Goldman fügt hinzu: „Jede Entscheidung war künstlerisch begründet. Das war die Vorgabe, die wir uns gesetzt hatten, und ich bin froh, dass wir uns daran gehalten haben. Meine Firma hat das ganze Risiko getragen. Wir riskierten ständig, das Budget oder den Zeitplan zu sprengen – und das haben wir auch! Aber der Film war so packend, dass wir es uns selbst schuldeten, ihm jede Chance zu geben, erfolgreich zu werden. Einige Finanziers stiegen aus. Ich bin nicht nachtragend, aber es war manchmal schwierig, weiterzumachen. Zum Glück kam TF1 mit ins Boot. Das Endprodukt ist komplett Oliviers Vision – wir sind froh, dass wir ihm das ermöglicht haben.“

Die Drehzeit dauerte viereinhalb Monate und begann Anfang 2006. Die meisten Aufnahmen entstanden in Studios in Prag, außerdem wurde einige Wochen in Paris und Los Angeles gefilmt. Die New York-Szenen entstanden komplett im Studio. Der Film erforderte viele historische Sets. Einige davon, zum Beispiel ein Flur in einem Hotel mit Blick auf New York, wurden nur für eine einzige Szene oder sogar nur eine einzige Einstellung gebaut. Es gab eine Vielzahl von Sets in allen möglichen Dimensionen. Handkarren kommen ebenso vor wie Limousinen – zur Ära der Piaf gehört das ländliche Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts ebenso wie das städtische in der Jahrhundertmitte. Dahan: „Ich wollte das nicht nachstellen, sondern das Publikum hineinziehen. Die Erzählweise sollte impressionistisch sein, nicht linear. Ich wollte verschiedene Perioden miteinander verknüpfen, von einer in die andere gleiten mit Hilfe von Ideen oder Bildern, so als würden Erinnerungen durch unser Gehirn geistern. Olivier Raoux, der Produktions-Designer, war fantastisch. Dazu kam die Finesse, das Helldunkel von Tetsuo Nagatas Beleuchtung – sie ermöglichte mir eine erstaunliche visuelle Präzision. Ich habe zum ersten Mal mit ihm zusammengearbeitet und war fasziniert von seiner meisterschaftlichen Beherrschung des Lichts.“

Zunächst entstanden die Szenen im Bordell, mit der kleinen Manon Chevallier als fünfjährige Edith. Für die späteren Aufnahmen, Edith im Alter von zehn Jahren, übernahm Pauline Burlet. Alle Szenen, von Ediths Kindheit bis ins Erwachsenenleben, sollten die gleiche Intensität haben – sie war ja ein und dieselbe Person, nur an einem anderen Punkt in ihrem Leben.

Als besonders schwierig zu inszenieren erwies sich einer der dramatischsten Momente in Piafs Leben – wenn sie erfährt, dass Marcel Cerdan, ihre große Liebe, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist, auf dem Weg zu ihr. Dahan schildert den Entstehungsprozess: „Ich habe mir die Szene vorgestellt als eine Folge von Einstellungen, die ihr Leben in gewisser Weise zusammenfasst – glücklich am morgen, vernichtet in der Nacht, aber trotzdem auf der Bühne. Die Szene wurde auf einem speziell ausgestatteten Set gedreht. Wir probten sie und haben sie dann für eine lange Zeit zurückgestellt.“

Zum Soundtrack bemerkt der Regisseur: „Die Liedauswahl habe ich meinem Instinkt und meinen Sinnen überlassen. Einige waren natürlich vorgegeben. Ich wollte die Piaf auch englisch singen hören, um das Bild der französischen Ikone loszuwerden. Als Künstlerin gehört sie keinem allein, sondern allen, die ihr zuhören. Jeder Künstler strebt danach, universell verständlich zu sein.“

Ungefähr drei Jahre lang arbeitete Dahan an LA VIE EN ROSE. Ereignisreiche Jahre, in denen es ihm vor allem darum ging, „… einen Film entstehen zu lassen, der die Person ehrt, deren Geschichte er erzählt, und unseren eigenen Ambitionen gerecht wird. Ich kann mich gut an Abende mit Freunden von der Crew in meiner Wohnung in Prag erinnern. Auf der anderen Seite habe ich nur sehr wenige Erinnerungen an Ereignisse am Set.“ Alain Goldman bemerkt: „Wenn die Grundarbeit geleistet ist und alles nach Plan läuft, ist ein Produzent am Set ziemlich überflüssig. Aber ich kam, aus dem Vergnügen heraus, diesem geballten Talent bei der Arbeit zuzuschauen – Olivier, Marion, der Crew und Gérard Depardieu, den ich als eine Art älteren Bruder beschreiben würde. Wir arbeiteten alle in die gleiche Richtung, inspiriert von Piaf und Olivier. Wenn man den fertigen Film sieht, ist er nicht wie Edith Piafs illustrierte Lebensgeschichte. Seltsamerweise hat man das Gefühl, sie persönlich zu kennen. Es ist mit Sicherheit der bewegendste Film, den ich je produziert habe.“

Olivier Dahan fasst zusammen: „Das ist sicher mein persönlichster Film. Die Geschichte ist für mich immer nur ein Mittel, um Gefühle zu kommunizieren, die ich nur in Bildern und Musik ausdrücken kann. Ich habe an der Kunsthochschule gelernt, nicht der Filmhochschule. Ich habe eher den Ansatz eines Malers, nicht im visuellen Sinn, sondern was den kreativen Prozess angeht. Im Lauf der Zeit versuche ich, die Dinge einfach zu gestalten, besser zu werden, indem ich so tief wie möglich in mein eigenes Selbst vordringe. Dieser Film ist, auch wenn er Piafs Geschichte erzählt, sehr autobiografisch. Wenn mein eigenes Leben verfilmt würde, könnte es nicht wahrhaftiger sein. Es ist offensichtlich, dass Edith Piaf geglaubt hat. Ich persönlich suche noch. Mir fehlt diese innere Stimme, die mich führt. Außer, natürlich, meine Intuition…“

Edith Piaf – Ihr Leben

Edith Piaf (19. Dezember 1915 - 11. Oktober 1963) war eine der meistgeliebten, bis heute tief verehrten Sängerinnen, die das Mutterland des Chansons hervorgebracht hat. In ihrer Musik spiegelte sich ihr tragisches Leben wider, die Art, wie sie die erschütterndsten Balladen mit herzzerreißender Stimme vortrug, wurde zu ihrem Markenzeichen. Zu ihren berühmtesten Liedern zählen „La vie en rose“ (1946), „Milord“ (1959) und „Non, je ne regrette rien“ (1960).

Als Edith Giovanna Gassion wurde sie in Paris geboren. Ihre Mutter verdiente ihr Geld als Sängerin in Straßencafés, ihr Vater war ein umherziehender Akrobat. Von ihrer Mutter verlassen, wuchs sie bei ihrer Großmutter väterlicherseits auf, die in der Normandie ein Bordell betrieb. Im Alter zwischen drei und sieben Jahren war die kleine Edith blind. Die Legende um die Kultfigur Edith Piaf besagt, dass sie angeblich ihr Augenlicht wieder erhielt, nachdem die Prostituierten eine Pilgerreise mit ihr nach Sainte Thérèse de Lisieux unternommen hatten.

Später zog sie eine zeitlang mit ihrem Vater, einem Alkoholiker, über Land. Mit 15 verließ sie ihn, um als Straßensängerin nach Paris zu gehen. 1935 wurde Edith Piaf von dem Nachtclubbesitzer Louis Leplée entdeckt, in dessen Club Menschen aller sozialen Schichten verkehrten. Er überredete Edith zu singen, trotz ihrer riesengroßen Nervosität, und gab ihr den Spitznamen, der ihr für den Rest ihres Lebens erhalten blieb: „La Môme Piaf“, der kleine Spatz. Daraus wurde ihr Künstlername, „Der Spatz von Paris“. Im gleichen Jahr kam bereits ihre erste Platte heraus. Kurz danach wurde ihr Förderer Leplée ermordet. Piaf wurde der Mittäterschaft beschuldigt, jedoch freigesprochen.

1940 schrieb Jean Cocteau das erfolgreiche Stück „Le bel indifferent“ mit ihr als Star. Sie schloss Freundschaften mit berühmten Zeitgenossen wie dem Schauspieler Maurice Chevalier und dem Dichter Jacques Borgeat. Während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg schrieb sie das Lied, das für immer mit ihr verbunden sein sollte: „La vie en rose“. Zu dieser Zeit war sie auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes.

Ihr Auftritt vor hochrangigen deutschen Offizieren im One Two Two Club brachte ihr die Erlaubnis ein, mit französischen Kriegsgefangenen für Fotos zu posieren, angeblich, um die Moral zu heben. Diese Fotos ermöglichten es den Gefangenen, ihre eigenen Bilder auszuschneiden und in gefälschten Ausweispapieren für die Flucht zu nutzen. Heute sind Edith Piafs Verbindungen zur französischen Résistance allgemein bekannt. Viele verdanken ihr das Leben.

Nach dem Krieg tourte Edith Piaf durch Europa, die Vereinigten Staaten und Südamerika und legte damit den Grundstein ihrer internationalen Karriere. Doch sie förderte auch andere: Charles Aznavour ebnete sie den Weg zum Erfolg, als sie ihn auf eine Tournee durch Frankreich und die USA mitnahm.

Piaf hatte eine Tochter mit Louis Dupont, Marcelle, die 1935 im Alter von zwei Jahren starb. Die große Liebe ihres Lebens, der Boxer Marcel Cerdan, starb 1949. Piaf war zwei Mal verheiratet. Ihren ersten Ehemann, den Sänger Jacques Pills, heiratete sie 1952. Die Ehe wurde 1956 geschieden. Ihr zweiter Mann, Theophanis Lamboukas, auch bekannt als Théo Sarapo, war ein zwanzig Jahre jüngerer ehemaliger Friseur, der Sänger und Schauspieler wurde. Sie heirateten 1962.

Das Pariser Olympia ist der Ort, an dem die Piaf ihre größten Erfolge feierte. Dort gab sie, nur wenige Monate vor ihrem Tod und kaum fähig, auf der Bühne zu stehen, eines ihrer unvergessenen Konzerte. 1963 nahm Edith ihr letztes Lied auf, „L’homme de Berlin“.

Am 11. Oktober 1963 erlag sie ihrem Krebsleiden – am gleichen Tag starb auch ihr Freund Jean Cocteau. Ihre letzte Ruhestätte fand der „Spatz von Paris“ im Friedhof Père Lachaise. Zwar versagte der Römisch-Katholische Bischof von Paris ihr wegen ihres Lebensstils eine Totenmesse – ihre Beisetzung wurde trotzdem zu einer gigantischen Prozession. Hunderttausende säumten die Straßen von Paris, der Trauerzeremonie auf dem Friedhof wohnten über 40.000 Fans bei. Charles Aznavour erinnert sich, dass ihr Trauerzug den Pariser Verkehr komplett zum Erliegen brachte, zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Heute ist ihr ein Museum gewidmet, das Musée Edith Piaf in der Rue Crespin du Gast 5 im 11. Arrondissement von Paris. Sie ist unvergessen und wird immer noch verehrt als eine der größten Sängerinnen Frankreichs. Ihr Leben war geprägt von scharfen Gegensätzen: dem Ausmaß ihres Ruhmes und ihrem tragischen persönliches Schicksal, ihrer kleinen zerbrechlichen Gestalt auf der Bühne und der gewaltigen widerhallenden Kraft ihrer Stimme.

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