La nana - Die Perle

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   2009
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Filmhandlung und Hintergrund

La nana - Die Perle: Preisgekröntes Drama um eine Haushälterin, die ihre Stellung bei einer reichen Familie um jeden Preis verteidigt.

Raquel arbeitet seit über 20 Jahren bei derselben, reichen Familie Valdés als Haushälterin und Kindermädchen. Weil sie keine eigene Familie hat, ist deren großes Anwesen auch ihr Zuhause geworden, auch wenn sie sich ständig schlecht gelaunt um ihre Herrschaft und deren ungezogenen Nachwuchs kümmert. Eine Hilfskraft soll Raquel unterstützen. Doch Raquel fürchtet um ihre Stellung und mobbt die Kolleginnen so lange, bis sie wieder gehen. Nur die lebenslustige Lucy lässt sich nicht verjagen. Sie schließt die verhärmte, vereinsamte Frau sogar ins Herz.

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    Das 41jährige Dienstmädchen Raquel hängt nach 23 Jahren Haushaltsarbeit bei einer chilenischen Oberschichtsfamilie an den Kindern. Und doch fristet sie ein Dasein in Einsamkeit, ohne Freunde und weit weg von ihrer eigenen Familie. Nachdem sie aus Angst um ihre Position zwei zusätzliche Haushaltshilfen erbarmungslos vergrault, schafft es die dritte mit viel Humor, die verhärmte Raquel aus der Reserve zu locken und ihr neue Perspektiven zu geben. Dem jungen chilenischen Regisseur Sebastián Silva gelang mit der Wahl der Hauptdarstellerin Catalina Saavedras ein Glücksgriff - ihr Gesicht und die sparsame Mimik erzählen eine ebenso realistische wie berührende Story von Klassenunterschieden, Abhängigkeiten und sozialer Verantwortung. Der authentische Stil der bewegten Handkamera führt zudem dicht in das zeitweise beinahe klaustrophobisch enge Leben im Familienhaushalt. LA NANA mischt in intensiver Form den distanzierten Blick auf eine noch von feudalen Strukturen geprägte Gesellschaft mit der warmherzigen und spannenden Entwicklungsgeschichte einer komplexen Hauptfigur.

    Jurybegründung:

    Raquel begeht ihren 41. Geburtstag. 23 Jahre hat sie als Hausmädchen bei einer Familie der chilenischen Oberschicht verbracht: Den Haushalt geführt, die Kinder großgezogen. Dabei hat sie ihren festen Platz in der Familie erobert, aber ihr eigenes Leben verloren. Es geht ihr nicht gut: Sie wird von Migräne und Schwindelanfällen geplagt. Dennoch widmet sie sich weiter ihren Pflichten und führt ein eisernes Regiment im Hause. Darunter hat vor allem Tochter Camilla zu leiden, mit der sich Raquel einen erbitterten Kleinkrieg liefert. Das ist bald auch für die Hausherrin nicht mehr zu übersehen. Um ihre "Perle" zu entlasten und die allgemeine Stimmung zu verbessern, stellt sie eine zweite Haushaltshilfe ein. Aber Raquel ist keinesfalls bereit, ihr Reich zu teilen - weder mit der hübschen jungen Peruanerin Mercedes noch mit der energischen und kampferprobten Sonia. Sie sperrt ihre Rivalinnen einfach aus und schafft es mit allerhand Schikanen, seelischen Grausamkeiten und handfesten Auseinandersetzungen, sie aus dem Haus zu treiben. Aber Raquels Sieg ist nur von kurzer Dauer. Sie bricht erschöpft zusammen und muss für eine Weile das Bett hüten. Als sie die Arbeit wieder aufnimmt, hat ein neues Hausmädchen ihren Platz eingenommen.

    Die gleichaltrige Lucy ist fröhlich und ausgeglichen und schafft es sogar, nach der Arbeit noch joggen zu gehen. An ihrem Humor und ihrer Widerstandsfähigkeit prallen Raquels Schreckenstaktiken im Haushalt einfach ab. Das beeindruckt selbst Raquel. Allmählich schwindet ihr Missmut und die beiden Frauen freunden sich an. Lucy lädt Raquel über Weihnachten zu ihrer Familie aufs Land ein, wo Raquel als Gleichwertige liebevoll aufgenommen wird und sogar eine kleine Romanze erlebt. Für Lucy ist allerdings klar, dass sie nicht auf Dauer fern ihrer Familie leben kann. Gerade als Raquel eine Überraschungs-Geburtstagsparty für ihre neue Freundin organisiert, verkündet Lucy, dass sie sich entschieden hat, auf die Farm zurückzukehren. Wird Raquel ihre neu gewonnene Leichtigkeit und Sicherheit auch ohne ihre Freundin bewahren können?

    LA NANA - DIE PERLE ist die ungewöhnliche "Geschichte einer Dienerin" jenseits aller Konventionen und Klischees, die in der Thematik angelegt sind. Der chilenische Regisseur Sebastián Silva erzählt eine Geschichte, die er aus seiner eigenen Jugend gut kennt. Auch in seiner Familie gab es Hausmädchen, die im Haushalt lebten und "mehr oder weniger zur Familie gehörten". Um diese Uneindeutigkeit geht es ihm und deshalb konzentriert er sich auf das Innenleben der Protagonistin und das ambivalente Beziehungsgeflecht innerhalb der Familie. Eingerahmt von zwei Geburtstagen - Raquels Geburtstag zu Beginn und Lucys Geburtstag am Ende - erzählt er in drei Akten von Raquels Verlorenheit, ihrem erbitterten Kampf um ihre Stellung und ihrem erwachenden Selbstbewusstsein. Dabei bleibt der Film, der unter häufiger Verwendung der Handkamera bei natürlichem Licht und weitgehendem Verzicht auf traditionelle Filmmusik in Dogma-Manier gestaltet ist, stets ganz nah bei seiner Protagonistin. Es gibt mehr Schwenks als Schnitte und viele Groß- und Detailaufnahmen, denen keine Regung entgeht. Nur in wenigen Szenen (zu Tätigkeiten in Garten, an ihrem freien Tag und ihrem Weihnachtsaufenthalt bei Lucys Familie) geht die Kamera mit Raquel nach außen, sonst bleibt sie in dem großbürgerlichen Haushalt gefangen und schildert mit Akribie die Alltagsabläufe, aus denen sich nach einiger Zeit das ganze Drama erschließt.

    Schon aus diesem Setting wird klar, dass dieser Film von Begrenzungen handelt. Raquel hat ihr eigenes Leben aufgegeben und ist "mehr oder minder" Teil der Oberschicht-Familie geworden. Tagein tagaus trägt sie den Dienstmädchenkittel, der ihr gestellt wird, um die eigene Kleidung zu schonen, für die sie längst jeglichen Maßstab verloren hat. Die Jacke, die sie zum Geburtstag geschenkt bekommt, lehnt sie ab, um sich später die gleiche Jacke zu kaufen, die die Hausherrin trägt und die sie selbst nie anziehen wird.

    Es geht um Zugehörigkeit und Ausgeschlossensein, drinnen oder draußen. Gleich die erste Szene an Raquels Geburtstag zwischen Küche und Salon deutet an, was später offensichtlich wird, als Raquel ihre Konkurrentinnen einfach aussperrt, um sie im wahrsten Sinne "außen vor" zu lassen. Auch in ihrem Zimmer voller Stofftiere fühlt sich Raquel nicht zuhause. Ihr Reich ist die Küche, ihr Herrschaftselement ist der Staubsauger.

    Mit 18 Jahren hat sie ihre Familie (und - das Telefongespräch mit der Mutter am Ende könnte es andeuten - vielleicht auch ihre eigenen Kinder) verlassen, um mit einer fremden Familie zu leben und fremde Kinder großzuziehen. Über die Kinder weiß sie besser Bescheid als deren eigene Mutter. Daraus bezieht sie ihre Stärke, aber daraus entstehen auch immer wieder Ambivalenzen und Grenzüberschreitungen gegenüber den älteren Kindern, die anfangen zu revoltieren und gegenüber der Hausherrin, die sich ihrer "Perle" verpflichtet fühlt und sie nicht missen möchte. Obwohl kein böses Wort fällt, weiß Raquel intuitiv, dass ihr "Glück" nur von der Familie geborgt ist und dass ihre Stellung bedroht ist, wenn sie nicht alle Vorgänge im Hause unter Kontrolle hält. Eine Entlastung käme einer Entlassung nahe. Deshalb kann sie unter keinen Umständen eine zweite Bedienstete neben sich dulden und sabotiert und schikaniert die "andere" mit allen Mitteln. Erst Lucy, die sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit in den "Job" einbringt, schafft es, eine Wandlung einzuleiten.

    LA NANA - DIE PERLE ist ein Ensemblefilm par excellence, der mit Catalina Saavedra eine brillante Hauptdarstellerin hat. Mit großer Eindringlichkeit verkörpert sie die verschlossene Raquel als ebenso verunsicherte wie verstockte Person, in der sich tiefe Abgründe auftun. Ihre Mimik, die nuancenreich zwischen versteinerter Erschöpfung, unerbittlicher Boshaftigkeit und erwachender Neugier wechselt, prägt diesen Film. Indem er sich ganz auf Raquels Blicke und Gesten konzentriert und die Abläufe und Beziehungen innerhalb des Haushalts genau beobachtet, gelingt dem Film zweierlei: Er zeichnet ein eindringliches Psychogramm einer verlorenen Hausangestellten und leistet gleichzeitig Kritik an einer Gesellschaft, in der auch im liberalen, intellektuellen Milieu an überkommenen feudalen Strukturen festgehalten wird.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Der chilenische Film „La Nana – Die Perle“ zeichnet ein feinfühliges Porträt einer Haushälterin, die außerhalb ihres Arbeitsplatzes keine sozialen Kontakte hat. Nach Jahrzehnten im Dienst gehört sie zwar auch zum Teil zur Familie, doch als Mensch bleibt sie einsam und verkümmert seelisch. Für ihre Arbeitgeber wird sie langsam zur Belastung. Doch dann freundet sich Raquel mit einer neuen Haushaltshilfe an und wird wieder neugierig auf das Leben. Das realistische Drama, das auf Kindheitserlebnissen von Regisseur Sebastián Silva mit den Hausmädchen in seiner Familie basiert, bekam auf dem Sundance Film Festival 2009 den großen Preis der Jury in der Kategorie World Cinema und war für den Golden Globe 2010 nominiert.

    Raquel, gespielt von Catalina Saavedra, macht einen sehr unzufriedenen Eindruck. Für die Geschenke, die ihr die Familie Valdez an ihrem 41. Geburtstag macht, hat sie kaum ein Wort des Dankes übrig. Die Gratulationen erträgt sie mit gleichgültiger Miene. Später, in ihrem kleinen Zimmer, enttäuscht sie der geschenkte Umhang, vermutlich auch wegen des Preisschilds, das sie inspiziert. Von dem Moment an, wenn morgens ihr Wecker piept, verfolgt die Kamera minutiös das emotional schwierige Feld, in dem sich Raquel bewegt. Sie weckt die Kinder, wird vom pubertierenden Lucas in kleine Späße einbezogen, von der Hausfrau gerufen, wenn der Hausherr ein Hemd nicht findet. Doch während die Familie sich abends am Esstisch unterhält, sitzt Raquel in Dienstuniform in der Küche vor ihrem Teller.

    Besonders die älteste Tochter der Familie, Camila, bekommt Raquels Macht unangenehm zu spüren: Sie darf ihrer Freundin abends nichts zu essen geben, weil die Küche schon aufgeräumt ist, sie darf morgens nicht ausschlafen, weil Raquel vor dem Zimmer den Staubsauger aufdreht. Die Haushälterin mit dem widerspenstigen krausen Haar scheint die Familie mit Bockigkeit dafür bestrafen zu wollen, dass alle irgendwann aus dem Haus gehen und sie achtlos zurücklassen. Hausfrau Pilar aber fühlt sich Raquel nach all den Jahren verpflichtet und erträgt ihre schlechte Laune geduldig.

    Und doch kann der schwelende Konflikt so einfach nicht gelöst werden. Ganz im Gegenteil, die Fronten verhärten sich noch, und Raquels Feindseligkeit den neuen Haushilfen gegenüber macht sie unbeliebter. Doch dann kommt Lucy, nicht viel jünger als Raquel und völlig unbeschwert. Sie ist die erste, die Raquel in den Arm nimmt und sie sogar zur Weihnachtsfeier bei ihrer Familie einlädt. Raquel verändert sich: Auf einmal kommt es vor, dass ein Lächeln auf ihrem Gesicht erscheint, deutlich und abrupt. Sachte, doch mit großer Aufmerksamkeit, nimmt sie alles auf, was Lucy ihr zeigt: ihren Humor, ihre Gewohnheiten, vor allem aber die persönliche Wertschätzung. Als Raquel, Lucy und die Kinder einmal ausgelassen herumalbern, strahlt Raquel, hitzig erregt und voller Staunen, als würde sie das menschliche Miteinander zum ersten Mal erleben.

    Die Hauptdarstellerin Catalina Saavedra ist in dem insgesamt gut besetzten Film wirklich die Perle, denn ihr gelingt die wundersame Wandlung einer Figur, die in ihrem späten Aufblühen erst richtig verständlich wird. Regisseur Silva, der übrigens in seinem Elternhaus drehte, thematisiert die prekäre Abhängigkeit dieser chilenischen Dienstmädchen, die in der Familie leben, kritisch und blickt gleichzeitig ohne Scheuklappen auf die zwiespältigen Gefühle und Einstellungen beider Seiten. Das Drama erlaubt sich in seiner authentischen Lebhaftigkeit komische Töne und Zuspitzungen und überrascht bis hin zu dem großartigen Schluss mit unvorhersehbarem Verlauf. Erstaunlich, wie es einem solch kleinen Film gelingt, einen Menschen mit seiner Not, seiner Sehnsucht und seinem Potenzial zärtlich und mitreißend zu porträtieren.

    Fazit: Das berührende Porträt eines Hausmädchens in Chile, das in eine Lebenskrise gerät.
  • Zwei Sundance-Preise bürgen für die Qualität der verstörenden Psychostudie um eine Haushälterin mit mentalem Knacks – ein bizarrer Familienfilm.

    Nach über 20 Jahren als Bedienstete und Kindermädchen im selben Haus fragt sich Raquel (phänomenal: Catalina Saavedra) an ihrem 41. Geburtstag, was vom Tage übrig blieb. Mag sie zwar sauertöpfisch die reichen Arbeitgeber und ihre vielköpfige Wohlstandsbrut, die nicht nur den Erzeugern auf der Nase herumtanzt, rundumversorgen müssen, fühlt sie sich doch längst als fester Bestandteil der Familie Valdés, die ihr als Ersatz für die fehlende eigene dient. Ihre Welt ist das großzügige Anwesen, das sie weder physisch noch mental verlässt. Diese Existenz verteidigt sie erbittert, als eine Hilfskraft angestellt wird. Statt dass sich die kopfschmerztablettenabhängige Raquel ihre offensichtlichen Schwächen eingesteht und die Hilfe annimmt, fährt sie ein krasses Mobbing-Programm auf, das – wie der gesamte Film – so realistisch ausfällt, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Selbst Todd Solondz hätte keine gröberen Gemeinheiten erfinden können, als jene, mit denen Raquel erst eine blutjunge, später eine altgediente Konkurrentin herausekelt. Erst die lebenslustige Lucy (Mariana Loyola) kann ihrem verqueren Hass Paroli bieten und schließt sie gar ins Herz – und genau das bricht Raquels verhärmte Schale auf, zumindest ein wenig.

    Sebastian Silva nimmt sich in seiner zweiten Regiearbeit eine kammerspielartige Charakterstudie vor, die er mit leichter Hand und einer sehr dokumentarischen Handkamera inszeniert. Inhaltlich wiegt sein Drama schwerer: Besonders, was Catalina Saavedra als sture, biestige Kammerzofe mit gefährlich schlechter Laune leistet, die wie eine alte Hexe ihren Turf verteidigt, sorgt für verstörende Stimmung. Dass sie psychisch krank ist, unter ausgeprägter Sozialphobie, Einsamkeit und minimalem Selbstwertgefühl leidet, derweil sie ihren misanthropischen Zug voll auslebt und dabei skrupellos lügt und täuscht, entfaltet sich peu à peu im Lauf der Handlung. Silva spart sich Stereotypen und eine Transformation zum Genrefilm. Er findet menschliche Antworten in seiner Studie menschlicher Schwächen, von denen auch die Eltern und die heranwachsenden Kinder nicht ausgenommen sind: Sie wollen gar nicht merken, was in ihren vier Wänden geschieht und verschärfen die Situation mit ihrem gedankenlosen Fehlverhalten. Wie sich Raquel ein Stück vom Glück wünscht und es sich notfalls mit unlauteren Methoden sichert, bald wie ein Vampir am (Familien)Leben der anderen saugt, ist ein beim Sundance Filmfestival mit dem Großen Preis der Jury prämiertes, starkes Lebenszeichen des chilenischen Autorenkinos.

    tk.

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