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Fakten und Hintergründe zum Film "La Misma Luna"

Kino.de Redaktion |

La Misma Luna Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Auf dem Filmfest in Sundance 2007 gab es für LA MISMA LUNA, das Spielfilm-Debüt der Regisseurin Patricia Riggen, stürmischen Beifall. Riggen zeigt in ihrem Film das Leben mexikanischer Migranten auf einer realistischen Basis: Es wird geschätzt, dass 4 Millionen Frauen mindestens ein Kind in Mexiko zurücklassen, um in den USA zu arbeiten. Für dieses Phänomen hat Riggen nur eine Erklärung: „Der Grund dafür ist Liebe. Liebe zu den Eltern, Kindern, Brüdern, der ganzen Familie, der sie helfen wollen. Das macht die mexikanischen Migranten für mich zu Helden, zu großzügigen Menschen, deren Träume, Ängste und Emotionen ich mit meinem Film würdigen will. Der Film ist nicht nur über sie, er ist auch für sie!“

Bisher hat Riggen als Dokumentarfilmerin gearbeitet, mit dem Film FAMILY PORTRAIT (2004) gewann sie bereits Preise. Ligiah Villalobos, die Autorin von LA MISMA LUNA, überzeugte sie von ihrem Drehbuch mit dem Argument: „Eine Geschichte zwischen Mutter und Kind beinhaltet große Emotionen. Das lässt sich im Kino gut transportieren. Obwohl dieser Film also sehr mexikanisch ist, kann sich auch jede andere Nationalität damit identifizieren. Die Liebe zwischen Mutter und Kind ist international.“

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Villalobos begann bereits einige Jahre zuvor mit der Arbeit am Drehbuch zu LA MISMA LUNA. Zu der Zeit war das Thema Immigration in den USA noch nicht so brandheiß wie heute, die Autorin interessierte sich also weniger für die politischen Implikationen als vielmehr dafür, wie Menschen mit einer emotional schwierigen Situation fertig werden. „Es ist die Geschichte eines Jungen, der von seinen Eltern verlassen wurde, weil diese ihm eine bessere Zukunft schaffen wollen“, erklärt sie. „Man muss weder Mexikaner noch illegaler Einwanderer sein, um zu diesem Film einen Bezug zu finden.“

Der Titel, der übersetzt „Derselbe Mond“ heißt, hat für diesen Film eine doppelte Bedeutung. Riggen erklärt, es sei einerseits ganz wörtlich der Mond gemeint, der auf beiden Seiten jeder Grenze scheint: „Bei der aktuellen Debatte über die Immigranten finde ich es nicht verkehrt, daran zu erinnern, dass wir alle unter demselben Mond leben.“ Die andere Bedeutung ist eine persönliche: Bevor die Mutter des kleinen Carlitos in die USA abreist, sagt sie ihm, er solle immer den Mond anschauen, wenn er einsam sei. Sie würde dann auch zum Mond sehen und an ihn denken.

Villalobos und Riggen arbeiteten ein Jahr zusammen an dem Drehbuch. Dies war durchaus kompliziert, denn Villalobos lebte in New York und Riggen in Los Angeles, so dass viel am Telefon ausgemacht wurde. Villalobos, die einen Job als Autorin und Producerin beim Fernsehen hatte, schrieb das Drehbuch nachts, nach einem 12-Stunden-Tag beim Sender. Ihr Interesse galt der Perspektive des Kindes: „Ich wollte wissen, wie es in einem Kind aussieht, dessen Eltern weggehen, um ihm später ein besseres Leben zu ermöglichen. Da stellt sich doch die Frage: Braucht ein Kind die vielversprechende Zukunft, die man ihm mit Geld bieten kann? Oder brauchen Kinder ihre Familie bei sich, und mit der Familie eben auch die Geldsorgen?“

Für die Rolle des Carlitos suchte man einen sehr jungen Schauspieler, der einerseits unschuldig wirkte, andererseits die Zuschauer davon überzeugen konnte, dass er eine gefährliche Reise über die Grenze allein antreten und überstehen würde. Adrián Alonso besaß diese Fähigkeiten. Er konnte die Sehnsucht des kleinen Jungen nach seiner Mutter zeigen und gleichzeitig die Stärke, allen Widrigkeiten bei der Suche nach ihr zu trotzen. Adrián hat in seinen jungen Jahren bereits fünf Filme gemacht und „gilt als einer der vielversprechendsten Nachwuchs-Schauspieler Mexikos“, so die Regisseurin.

Carlitos aufopfernde Mutter Rosario hingegen musste eine Schauspielerin sein, deren Liebe zu ihrem Sohn deutlich wird, ohne dass sie auch nur eine Szene auf der Leinwand mit ihm teilt. Hier fiel die Entscheidung auf Kate del Castillo, einen Liebling des mexikanischen Telenovela Publikums. Zudem hatte Kate del Castillo bereits in den USA gearbeitet. Castillo gibt zu, dass es zwischen ihrem eigenen Leben in Amerika und dem der Figur Rosario große Unterschiede gibt. Trotzdem sieht sie Gemeinsamkeiten: „Auch ich bin in die USA gegangen, um beruflich bessere Möglichkeiten zu haben. Ich habe das Gefühl, mein ganzes Leben war eine Vorbereitung auf diese Rolle.“

Castillo sieht genug Rosarios in Los Angeles: „Diese Frauen ertragen die ganze Demütigung, die illegalen Einwanderern zuteil wird, nur um ihren Kindern Geld schicken zu können. Andererseits denken sie dabei bestimmt: ‚Ich werde das Kind nie sehen, während es zwei Jahre alt ist, ich werde es auch nicht sehen, wenn es drei Jahre alt ist.' Rosario in unserem Film ist dabei, die Liebe ihres Kindes zu verlieren, damit sie ihm genug zu essen und eine bessere Zukunft bieten kann. Erst dann merkt sie, dass es mehr wert ist, wenn ihr Sohn seine Mutter bei sich hat.“

Auch eine Golden-Globe-Gewinnerin konnte die Regisseurin für LA MISMA LUNA gewinnen: America Ferrera, bekannt als Betty Suarez aus der TV-Serie „Ugly Betty“, übernahm die Rolle von Martha, einer Halbmexikanerin, die, wie alle, aus finanziellen Gründen über die Grenze fährt. Sie will sich das Geld für ihr Studium verdienen, indem sie mit ihrem Bruder David, gespielt von Jesse Garcia, Babys über die Grenze schmuggelt.

Diesmal allerdings trifft sie Carlitos, was damit endet, dass sie ihn in die USA mitbringt. Ferrera wurde nicht in einem Latino-Umfeld erzogen. Sie interessierte sich für das Drehbuch, weil es die jeweiligen Immigranten-Subkulturen so nuanciert beschreibt, zu denen die verschiedenen Charaktere gehören: „Latinos werden generell immer in einen Topf geworfen. In diesem Film sieht man zur Abwechslung einmal unterschiedliche Latino-Welten, die aufeinander prallen.“

Der finstere Illegale Enrique, der sich widerwillig mit Carlitos anfreundet, sollte ursprünglich ein junger Mann sein, ein kleiner Gauner, der weder Zeit noch Lust hat, sich mit einem Jungen zu belasten. Aber in der Darstellung von Eugenio Derbez, dem wahrscheinlich bekanntesten Schauspieler für die Spanisch sprechende Bevölkerung Amerikas, wurde er zu einem Mann mittleren Alters, der sich eher lustlos in einer unberechenbaren Welt durchschlägt. „So wie Patricia die Geschichte erzählt, kann man sie sehr amüsant erleben. Oder man kann einen gefühlvollen, einen politischen, einen pädagogischen Film in LA MISMA LUNA sehen. Aber entscheidend ist, dass dieser Film tatsächlich zeigt, wie Mexikaner leben, nachdem sie die Grenze überquert haben“, sagt Derbez. „Hier sieht man, wie viel die Immigranten zu Hause zurücklassen, nur wegen des Geldes. Familie, Liebe, all das verlieren sie manchmal, nur weil sie Geld brauchen.“

Derbez wurde berühmt mit Komödien, eine dramatische Rolle ist für ihn etwas Neues: „Ich habe mein Leben lang Comedy gemacht. Ich kenne den Rhythmus, das Timing. Für diese Rolle musste ich mich von allem lösen, was mir zur Routine geworden ist.“

Zu dieser Besetzung engagierte die Regisseurin bekannte mexikanische Schauspieler-Veteranen aus Fernsehen und Film, darunter Carmen Salinas, Maria Rojo und Angelina Peláez als Carlitos' Großmutter. In Mexiko gilt die Regel, dass man entweder beim Fernsehen arbeitet oder für das Kino. Patricia Riggen hielt sich nicht an diesen Kodex, sie zeigt in LA MISMA LUNA Akteure aus beiden Bereichen.

Das knappe Budget und der strenge Drehplan zwangen die Produktion, mit blitzartiger Geschwindigkeit zu arbeiten. „Wir drehten jeden Tag viereinhalb Drehbuch-Seiten“, erzählt Riggen. „Ein normaler Hollywood-Film schafft täglich eine oder anderthalb Seiten, ein lateinamerikanischer Independent-Film täglich zwei.“

Eine zentrale Rolle kommt in LA MISMA LUNA der Musik zu, ganz in traditioneller mexikanischer Manier. Die 15 Songs repräsentieren ein breites Spektrum populärer musikalischer Stilrichtungen, von Norteño, Ranchera, Romántica über Mariachi zu Tropical, Trío, Balada und Reggaeton. „Eins meiner Ziele war, ein Mosaik mexikanischer Musik zu zeigen, die manchmal bis ins Lateinamerikanische hineinspielt, weil die Immigranten aus dem Süden alle zwangsläufig durch Mexiko kommen“, erklärt Riggen.

Fünf der berühmtesten mexikanischen Bands zeigen ihr Talent auf dem Soundtrack von LA MISMA LUNA: die legendäre, mit einem Grammy preisgekrönte Norteno-Band Los Tigres Del Norte, der Tejano Schwarm Bobby Pulido sowie Miguel Inzunza, Jaime Lopez und die Alternativ-Band Kinky. Mexikanische Musik ist eine lebendige Mischung aus Tradition und Pop, und sie hat einen wichtigen Platz im täglichen Leben, der ihr in LA MISMA LUNA genau so zugestanden wird. Los Tigres Del Norte kann man sogar kurz sehen: Sie nehmen Carlitos und seinen Reisegefährten Enrique ein Stück in ihrem Bandbus mit.

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