Filmhandlung und Hintergrund

Psychologisches düsteres Drama um einen Arzt, der als Neuling auf dem Land in die gefährlichen Rituale einer Jugendgang gerät.

Der junge Arzt François verlässt Freundin, Freunde und sein bisheriges Leben in Paris, um für eine Finanzgruppe die medizinische Versorgung einer Neubausiedlung in der Provinz zu übernehmen. An deren Rand im Wald versammeln sich nachts die Jugendlichen zu ihren Ritualen. Die Jungs treiben als Minimachos die Mädchen zu dubiosen Mutproben an und sind bald eifersüchtig auf den Arzt, den die weiblichen Gangmitglieder anhimmeln. Als bei einem der riskanten Spiele eine Zwölfjährige von einem Auto überfahren wird, konzentrieren sich die Anführer auf den Arzt als Sündenbock.

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Kritikerrezensionen

    1. Mit der französisch-deutschen Coproduktion entwarf Géraldine Bajard eine sterile, aseptische Welt, hinter deren Glätte sich Abgründe aus Begehren, Kontrolle, Verachtung und Grausamkeit auftun. Aus verstecktem Protest gegen die streng reglementierte Ordnung der „Beauval“-Siedlung gehen die gelangweilten Jugendlichen erotischen Ritualen und merkwürdigen Machtspielen nach, denen sich der oder die Erwählte willenlos unterwerfen muss. So treten minderjährige Mädchen als Prostituierte auf und sollen auf unbeleuchteten Waldwegen nächtliche Autofahrer anhalten – ein Wagnis mit tödlichem Ausgang. Doch weder sind die lethargischen Erwachsenen an den nächtlichen Aktivitäten ihres oft auf sich gestellten Nachwuchses noch an einer wirklichen Aufklärung des tragischen Falles interessiert.

      Da bietet sich für die Ganganführer der neu eingestellte Arzt Francois als Sündenbock geradezu an, zumal der Eindringling in das abgeschirmte Reich zunächst eher unbeteiligt auf alle Provokationen reagiert. Zudem wirkt er als Projektionsfläche für die erotischen Fantasien der jungen Mädchen, die ihn abends mit simulierten Krankheiten zu sich nach Hause rufen lassen. Besonders die schüchterne Claire fühlt sich insgeheim schon als Geliebte des gutaussehenden Mediziners, was ihre Clique zu aggressiven Aktionen gegen ihn verleitet. Bereits in drei Sequenzen des Prologs wird der drastische Ausgang des Kräftemessens zwischen den Parteien angedeutet.

      Diesem Prinzips des Anspielens von bedrohlichen Situationen bleibt die Inszenierung in Folge treu, wobei diese jeweils unvermittelt abbrechen, ohne dass sich dem Zuschauer Konsequenz und Auswirkung der verstörenden Aktion erschließt. Letztlich erscheinen die Charaktere in ihren psychologischen Handeln zu rätselhaft. Dadurch zeigt sich Bajards Debüt der Handschrift von Jessica Haussner („Hotel“) und Pia Marais, mit denen sie während ihres Studiums an der dffb zusammen arbeitete, näher als etwa ihrem Coproduzenten Hans-Christian Schmid („Sturm“). Für ihr symbolisch aufgeladenes Drama gewann die Französin eine internationale Besetzung, wobei einige der Figuren für die Handlung ohne wirkliche Bedeutung erscheinen, wie ein von Georg Friedrich (zuletzt in Pia Marais’ „Im Alter von Ellen“) verkörperter Investor.

      Dank der atmosphärisch dichten Kameraarbeit und einem prägnant eingesetzten Soundtrack der Band Ms. Good vermag die Inszenierung durchaus in den Bann zu ziehen. Doch bleibt der minimalistische Stil letztlich zu distanziert, und zu viele Aspekte werden bewusst offen gehalten. Es geht dem Zuschauer ähnlich wie bei David Lynchs überragender Serie „Twin Peaks“: Anfangs zeigt man sich von den mysteriösen Geschehen durchaus fasziniert, doch wenn man begreift, dass ohnehin alles im Nichts verläuft, lässt der soghafte Wirkung nach.

      Fazit: Eine düstere Studie über fatale adoleszente Spiele in einer Scheinidylle mit vielen Leerstellen.
    2. La lisière - Am Waldrand: Psychologisches düsteres Drama um einen Arzt, der als Neuling auf dem Land in die gefährlichen Rituale einer Jugendgang gerät.

      Psychologisches düsteres Drama um einen Arzt, der als Neuling auf dem Land in die gefährlichen Rituale einer Jugendgang gerät.

      Eine eigenartige Atmosphäre herrscht von Anfang an. Da übernimmt der junge Arzt François einen Job in der Provinz und verlässt ungerührt Freundin, Freunde und sein bisheriges Leben in Paris. Für eine Finanzgruppe übernimmt er die medizinische Versorgung einer Neubausiedlung. Am „Hügel von Beauval“ – so der euphemistische Name für einfallslose Architektur – reiht sich ein properes Einfamilienhäuschen neben das andere, im Film untrügliches Zeichen für Unordnung hinter der Fassade. Und genau, auch hier lauert das Böse, das Unerklärliche, das Unheimliche. Eine Jugendclique folgt nächtens seltsamen Ritualen im Wald, die Jungs treiben Mädchen zu dubiosen Mutproben und markieren mit dicker Lippe coole Superhelden, lehren die Erwachsenen das Fürchten. Während die weiblichen Gangmitglieder pubertär den Arzt anhimmeln und mit vorgetäuschten Krankheiten ans Bett locken, sehen die Mini-Machos in ihm Konkurrenz, provozieren und verunsichern ihn. Als bei einem der riskanten Spiele eine Zwölfjährige von einem Auto überfahren wird und der Schuldige unerkannt entkommt, konzentrieren sich die Anführer auf den Arzt als Sündenbock. Dass die Rache nur eine Frage der Zeit ist, kapiert der Zuschauer schnell.

      Bis dahin ziehen die Jugendlichen durchs Gebüsch, blitzen immer wieder Taschenlampen im Dunkeln auf, brettert der Doktor ständig über Landstraßen, steigt ins Auto und dann wieder aus, besucht den Schöpfer der sauberen Siedlung samt undurchschaubarer Gattin und schaut oft ins Leere. Zwischendurch taucht die Freundin aus der Metropole auf und fährt wieder weg. Ein bisschen Lolita-Feeling darf auch nicht fehlen, wenn ein hübsches Ding ihn aus der Reserve locken will.

      Regisseurin Geraldine Bajard spielt hier mit Elementen des Genrefilms, fügt sie aber nicht zu einem stimmigen Ganzen zusammen, sondern nur zu einem fragmentarischen Konstrukt. Jede kleine Einzelheit steckt bedeutungsschwanger voller Interpretationsmöglichkeiten, eine sehr gut inszenierte und fast kaum auszuhaltende permanente Bedrohung liegt über allem, die aber letztendlich nicht eingelöst wird, sondern verpufft. Und auch die psychologische Dimension verschwindet wie eine Fata Morgana.

      Die Charaktere, allen voran Melvil Poupaud, der seine Qualitäten nicht ausspielen kann, bleiben trotz sukzessiver Dramatik holzschnittartig, einzig die Kamera mit oft sehr eigenwilligen Einstellungen und die Musik wecken Emotionen und Interesse. mk.

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