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Fakten und Hintergründe zum Film "K?ss mich bitte!"

Kino.de Redaktion |

Küss mich bitte! Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit Emmanuel Mouret

Seit Ihrem letzten Film CHANGEMENT D’ADRESSE ist erst ein Jahr vergangen – und schon gibt es ein neues Werk von Ihnen. Zählen Sie zu den besonders schnellen Filmemachern oder war das eine Ausnahme?

Ich hatte vor allem Glück, die gewünschten Schauspieler sofort besetzen zu können, und die Finanzierung war auch gesichert. Ich bin ein eher ungeduldiger Mensch und arbeite in der Tat gern schnell. Dadurch fällt es mir leichter, das Wichtige zu erkennen.

Die Situation in der Filmindustrie ist heikel; mehr als in der Musik oder der Literatur hängt viel mehr vom Erfolg eines Filmes ab…

Ja. Der Erfolg von CHANGEMENT D’ADRESSE kam uns zugute bei der zügigen Entstehung von KÜSS MICH BITTE. Zwischen VÉNUS ET FLEUR und CHANGEMENT D’ADRESSE lagen mehr als zwei Jahre und der Produzent und ich waren entschlossen, nicht darauf zu warten, bis wir alle nötigen Mittel für den Film zusammen hatten.

Sie ziehen es also vor, einen Film auch ohne Mittel zu drehen, aber unter Zeitdruck?

Ich ziehe es vor allem vor, einen Film überhaupt zu machen, auch mit sehr geringen Mitteln, als ihn gar nicht machen.

Woher hatten Sie die Idee für KÜSS MICH BITTE? Ist das ein älteres Projekt?

Nein, die Idee ist erst etwa zwei Jahre alt und das Drehbuch hat sich dann ziemlich schnell entwickelt. Meine Leidenschaft für Kino gilt Geschichten, in denen das Verlangen mit den Gefühlen spielt. Es gab einige lustige und zugleich romantische Situationen, aber vor allem hatte ich Lust auf einen Film voller Verlangen und Begehren.

Das klingt etwas trivial, aber so ist es eben. Der Ausgangsgedanke war hier ein Film über die Auswirkung von eigentlich harmlosen Küssen. Anders gesagt: Gibt es überhaupt Küsse, die ohne Folgen sind?

Ich wollte die Geschichte eines jungen Mannes erzählen, der seine beste Freundin trifft. Ihm fehlt Sex und er fragt, ob sie ihm helfen könne. Sie willigt ein – obwohl sie verheiratet ist und ihren Mann liebt. Irgendetwas in den Geschichten, in denen es um Verlangen und Begehren geht, interessiert mich besonders stark. Meistens gibt es zwei Personen, die einander begehren und eine dritte, die abseits steht. Der Film möchte auf etwas utopische Weise darüber nachdenken, wie man sein Verlangen ausleben und gleichzeitig denjenigen schützen kann, der darunter zu leiden hätte. Daraus entwickeln sich Strategien, damit unschuldige Dritte nicht leiden müssen. Mich interessiert vor allem das Dilemma, das dadurch entsteht, der moralische Zwiespalt: Einerseits möchte man ein guter und kultivierter Mensch sein, der selbst für die Erfüllung seiner Sehnsüchte sorgt, was ja auch schließlich zu den beglückendsten Momenten im Leben gehört; andererseits möchte man niemandem weh tun.

Die Geschichte zwischen Nicolas und Julie hätte doch auch gereicht, um den Film zu strukturieren. Wie kam es, dass Sie noch die Erzählung in der Erzählung hinzugefügt haben, quasi als Spiegeleffekt?

Die Idee, dass eine Frau vor einem Kuss zurückschreckt, obwohl sie den Mann begehrt, weil sie sich an eine Geschichte erinnert, die man ihr erzählt hat und die sie nun wiederum dem Mann erzählt, diese Idee gefällt mir sehr aus mehreren Gründen. Erstens glaube ich, dass die Geschichten, die wir hören, lesen oder im Kino sehen, eine große Wirkung auf uns haben. Sie nehmen Einfluss auf unsere Wertvorstellungen und somit unser Verhalten. Es macht mir Spaß, den Einfluss einer Erzählung auf einen Menschen zu filmen. Zweitens finde ich es spannend zu beobachten, wie so ein Bericht die anfängliche Wirkung verändern kann. Und drittens macht es mir Spaß, die einzelnen Erzählungen wie Schubladen zu öffnen und zu schließen und dadurch einen gewissen Rhythmus zu erzielen.

Ihren Kinofilmen liegt ein gleichbleibender Gedanke zugrunde: Die Vorstellung einer perfekten Übereinstimmung. Die Charaktere in Ihren Filmen sind – manchmal sehr versteckt – durch Details verbunden, das kann ein Beruf sein, ein Gegenstand, die Farbe der Kleidung…

Ich glaube, dass uns im Kino eine Vorstellung der Welt und des Menschen gezeigt werden soll. Aber die Welt und der Mensch sind für unser Gehirn so komplexe und endlose Begriffe, dass man einiges vereinfachen sollte. Vereinfachen heißt für mich, Formen zu schaffen, die der Zuschauer wiedererkennen und sich einprägen kann. Die große Kunst besteht dann darin, gleichzeitig einfach und trotzdem vielschichtig zu wirken…

Wenn man Sie als literarischen Filmemacher bezeichnen würde – wäre das schockierend für Sie oder eine Fehleinschätzung?

Literarisch? Ich denke, dass vor allem die Sprache einen Film prägt. Zur Sprache gehören Stimmen, die Art und Weise, wie Dinge gesagt und betont werden und somit auch das, was der Film ausdrücken möchte. Deshalb mag ich auch die klassischen italienischen und amerikanischen Komödien, in denen so viel gesprochen wird. Man erinnert sich zwar nicht immer an die Dialoge, aber an das Vergnügen, das ein mitreißender Wortwechsels hinterlässt. Außerdem entwickelt sich meiner Meinung nach aus Sprache dann auch das Begehren.

In Ihrem Film suchen die Charaktere sehr oft nach dem richtigen Wort…

Ein Mann nähert sich einer attraktiven Frau vor allem mit Hilfe von Sprache. Auf diese Weise möchte er ihr Interesse abschätzen und sein eigenes zum Ausdruck bringen. Das ist verdammt schwierig! In Filmen wird ein großer Teil der Spannung durch Sprache erzeugt. Leider gibt man Drehbuchschreibern oft den Rat, möglichst viel Inhalt in möglichst wenig Worte zu packen. Das ist lächerlich! Je mehr jemand spricht und sich dem Blick und der Kritik des anderen aussetzt, desto mehr kann man auch beeindrucken und sich darstellen. Darin liegt die Herausforderung!

Bei Ihnen erfährt man immer etwas über das wahre Leben Ihrer Figuren, sie verfügen über eine soziale Realität, auch wenn diese nicht direkt in die Geschichte eingreift. Was steckt da dahinter?

Komischerweise kostet es mich beim Schreiben sehr viel Zeit, den geeigneten Beruf für meine Charaktere zu finden. Das ist wirklich ungeheuer schwierig. Ich vermeide durch die Berufszuordnung eine gewisse Vergänglichkeit, von der man nicht zu viel und nicht zu wenig zeigen darf. Und außerdem glaube ich, dass der Beruf eines Menschen auch einiges über ihn selbst aussagt. Dadurch öffnet sich eine Tür.

Warum ist Nicolas ein Mathe-Lehrer?

Oh! Bei ihm hatte ich viele Berufe im Kopf. Am Anfang war er glaube ich Architekt. Erst später kam die Idee mit dem Mathelehrer, um seinen Sinn für abstraktes Denken zu erklären. Er stellt Hypothesen auf und benutzt einzelne Menschen als Variablen. Das treibt ihn zweifellos auch dazu, seine beste Freundin um Unterstützung bei seinem Anliegen zu bitten. Und im Übrigen ist Julie auch Wissenschaftlerin, aber noch viel konkreter, da sie in der Forschung arbeitet.

Sie arbeitet im Labor, was auch sehr gut zu ihrer Rolle passt…

Das stimmt. Sie gehen alle beide eher wissenschaftlich vor. Und bei Julie wollte ich einen sehr sachlichen Charakter. Wenn sie mit Nicolas schläft, so vor allem deshalb, um ihm zu helfen. Sozusagen als Versuchsobjekt, denn sie ist eine sehr nüchterne junge Frau mit einem klaren Verstand und ohne jegliche Extravaganz, die so etwas nicht aus einer Laune heraus macht. Und so ist es ihr ganz peinlich, als sie sich in Nicolas verliebt. Irgendwie funktioniert die Versuchsanordnung nicht. Als Künstlerin würde sie das nicht so sehr durcheinander bringen.

Mozart, Tschaikowski, Schubert, … auch die Musik spielt eine sehr wichtige Rolle. Hatten Sie die Stücke schon im Kopf, als Sie das Drehbuch geschrieben haben?

Nein, aus Erfahrung weiß ich, dass das bei mir nicht klappt. Aber sobald wir beim Schnitt sind, finden Martial Salomon und ich sehr schnell die richtige Musik. Zuerst haben wir Schubert ausprobiert … wegen seines Bezugs zum Drehbuch; dann kam Tschaikowski dazu und das hat sehr schnell gut gepasst. Und Mozart und Dvorak passten schließlich auch noch dazu. Ich folge dabei überhaupt keinem System. Die Musik ist einfach da, so wie die Luft für die Schauspieler. Musik kann eine Handlung unterstreichen oder aber sie kommentieren. Das sollte man nur nicht verwechseln.

Ihre ersten beiden Filme waren irgendwie sommerlich. Bei diesem ist die Stimmung eher herbstlich, melancholischer…

Meine ersten Filme wurden in Marseille gedreht, die beiden letzten vorwiegend in Paris. In LAISSONS LUCIE FAIRE und VÉNUS ET FLEUR gab es vor allem Außenaufnahmen, wo das Licht die Stimmung beeinflusste, in diesem Film überwiegen Innenaufnahmen und andere Jahreszeiten.

In Ihren Filmen findet man immer auch burleske Elemente. Zum Beispiel in der Szene, in der Sie Ihre Unterwäsche ausziehen, bevor Sie mit Julie schlafen. In diesem Moment zeigt sich die ganze Unbeholfenheit und die Gefühlslage der Personen.

Ich glaube, genau diese Unbeholfenheit gefällt mir so am Kino, weil sie viel aussagt. Ich mag die tollpatschigen Helden wie beispielsweise Pierre Richard. Sie versuchen erfolglos, sich in neuen Situationen zurechtzufinden. Sie berühren mich immer sehr stark. Die größten Filmhelden sind für mich nicht Superman & Co sondern Buster Keaton, Charlie Chaplin oder Jacques Tati. Sie fallen hin und stehen wieder auf und wollen dabei niemandem etwas Böses tun. Und sie sind ohne Verbitterung. Ich finde, sie besitzen die Schönheit der großen, dramatischen Helden. Was nun diesen Film betrifft, so wollte ich einen gefühlvollen Film drehen, der zugleich komisch, lustig, überraschend, aber auch romantisch sein sollte.

Die Regiearbeit mit den Schauspielern ist eigentlich eine Verlängerung des Drehbuchschreibens. Man hat das Gefühl, jeder Darsteller wird auf besondere Weise geführt…

Ja, das stimmt, bei einigen musste ich überhaupt nichts sagen, bei anderen dagegen haben wir wochenlang das Drehbuch besprochen.

Es gibt keine allgemein gültige Regel, ich richte mich vor allem nach den Wünschen der einzelnen Schauspieler. Besonders deshalb, weil ich es schätze, wenn sie selbst Vorschläge einbringen … Ich hatte unheimlich Glück, mit diesen Schauspielern in dem Film zusammen zu arbeiten. Denn sie sind es eigentlich, die ihre Ideen und ihre ganze Persönlichkeit einbringen; und ich bin da und höre zu und überlege, was sich davon verwenden lässt.

Spart man eine Gage, wenn Sie in Ihren eigenen Filmen mitspielen oder muss man im Gegenteil zwei ausgeben?

Anfangs habe ich nur in meinen Kurzfilmen mitgespielt, später haben die Produzenten, mit denen ich zusammengearbeitet habe, mich zum Weitermachen animiert. Und, ehrlich gesagt, es macht mir auch einfach Spaß.

Schreiben, Regie führen, spielen … Sie übernehmen eine Menge Verantwortung! Ist das nicht sehr anstrengend?

Als Schauspieler und gleichzeitig Regisseur fällt einem das Spielen leichter, schließlich kennt man die Wünsche des Regisseurs. Und wenn Sie in Ihrem eigenen Film eine Rolle übernehmen, beruhigt das die Schauspielkollegen, denn sie sehen selbst, wie Sie sich abmühen, Fehler machen, ausprobieren. Das entspannt und erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl!

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "K?ss mich bitte!"

    Kino.de Redaktion05.11.2012

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