Fakten und Hintergründe zum Film "K?ss den Frosch"

Kino.de Redaktion |

Küss den Frosch Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktion: Fun Facts zum Film

So ein Quak: Die Trickzeichner und die Künstler des Visual Developments ließen sich eine Kiste echter Frösche ins Studio kommen, um ihr Verhalten und ihre Bewegungen eingehend studieren zu können.

Disneys Neunte: Tiana ist Disneys neueste und insgesamt neunte Prinzessin, die nun in einer Reihe steht mit den klassischen Heldinnen Dornröschen, Cinderella, Belle, Arielle, Pocahontas, Jasmin und Mulan. KÜSS DEN FROSCH ist der erste „Prinzessinnen-Film“ seit MULAN.

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Alles hat seine Zeit: Die Zeichner brauchten etwa 20 Minuten, um eine Zeichnung für KÜSS DEN FROSCH anzufertigen. Ein Animatoren-Team brauchte 20 bis 40 Stunden, um die Layouts für eine einzige Szene zu entwerfen. Bis diese Szene dann filmfertig koloriert und gezeichnet war, dauerte es noch einmal zwei bis drei Monate.

Regen bringt Segen: Ron Clements besuchte gerade das New Orleans Jazz & Heritage Festival, als ihn ein kräftiger Platzregen überraschte und er unter einem Tisch Schutz suchte. Später brachte Clements diesen kleinen Zwischenfall in die Story ein, als Tiana und Prinz Naveen im Bayou ebenfalls vom Regen überrascht werden.

Ins richtige Horn gestoßen: Der Trompeter Terrence Blanchard, der in New Orleans als lebende Jazzlegende gilt, spielt im Film alle Stücke des Alligators Louis.

Bildersturm: Die Filmemacher schossen insgesamt über 50.000 Fotos von lokalen Sehenswürdigkeiten und prägnanten Gebäuden (u. a. im Garden District von New Orleans), um sich für die Zeichnungen der Häuser und Orte im Film inspirieren zu lassen.

Eine Parade!: Die Filmemacher wurden eingeladen, auf einem Festwagen Mardi Gras mitzufeiern. Am Ende des Films sieht man kurz Karikaturen der Regisseure, wie sie während der Hochzeitsparade Konfetti werfen.

Gute Werke: Während ihrer Recherchen in New Orleans arbeiteten die beiden Regisseure Ron Clements und John Musker sowie der Produzent Peter Del Vecho freiwillig bei der Organisation „Habitat for Humanity“ mit, um die noch immer unter den Folgen des Hurrikans leidende Stadt beim Wiederaufbau zu unterstützen.

Es bleibt in der Familie: Einige der Figuren im Hintergrund ähneln nicht zufällig Mitarbeitern aus dem KÜSS DEN FROSCH-Team. Der Mann auf dem Pferd in der allerersten Szene etwa sieht aus wie der Supervising Animator Eric Goldberg. Ein Tänzer mit dem Aussehen von Produzent Peter Del Vecho ist beim Tango in der Maskenball-Szene zu sehen. Die Mädchen, die Prinz Naveen anhimmeln, basieren alle auf weiblichen Teammitgliedern. Marlon West (EFX Supervisor) und Bruce Smith (Supervising Animator) inspirierten das Aussehen von Tianas Freunden im Café und Autor Rob Edwards spielt in der Straßenband.

Talentschuppen: „Trombone Shorty“, ein bekannter Musiker aus New Orleans, durfte bei dem Song „Down in New Orleans“ mitspielen. Die gleiche Ehre widerfuhr Tenrence Simeon, dem mit einem Grammy® ausgezeichneten Musiker, der bei dem Zydeco-Stück „Gonna Take You There“ nicht nur das Akkordeon, sondern auch das Waschbrett und die Triangel beisteuerte.

Melodie in der Stimme: In der US-Originalfassung von KÜSS DEN FROSCH spricht Komponist Randy Newman das Glühwürmchen Ray. Tatsächlich lieh Newman noch verschiedenen anderen Tierfiguren seine Stimme, darunter einem Waschbären und einer Schildkröte – die aber schafften es nicht bis in die endgültige Schnittfassung.

Play it again, Randy: Regisseur Ron Clements wurde die große Ehre zuteil, dass Randy Newman nur für ihn allein spielte. Clements war etwas zu früh zu der Session aufgetaucht, bei der Newman den Filmemachern seine Stücke vorstellen wollte, und so war er der Allererste, der den ersten Song des Films hören durfte.

Wie die Tiere: John Musker und Ron Clements unternahmen mehrere Ausflüge in den Audubon Zoo von New Orleans, um das Aussehen und Verhalten der Tiere zu studieren. Dort sahen sie auch die Alligatoren, zu denen Louis im Film zählt, und die kleinen Vögel, die später bei Mama Odies Gospel-Song auftauchen.

Klingt echt: Tondesigner Oden Benitez baute sein Sound-Equipment mitten auf dem Jackson Square in New Orleans auf, um die Originalklänge der Kirchenglocken und der Trambahn aufzunehmen.

Geschichte atmen: Einer der aufregendsten Arbeitstage für die Regisseure Ron Clements und John Musker war der Tag, an dem sie mit Dr. John und Randy Newman für Musikaufnahmen in das örtliche Studio The Music Shed gingen, das wie ein Wellblechschuppen aussieht. Dort hatten bereits Größen wie Robert Plant, Fats Domino und Norah Jones Songs aufgenommen.

Alle an Bord: Die Filmemacher unternahmen auch Bootstouren mit dem historischen Nanchez Riverboat auf dem Mississippi, um sicherzustellen, dass die Szenen auf dem Schaufelraddampfer authentisch wirken.

Die Figuren des Films - Wer ist Wer

Tiana

Tiana ist mit Sicherheit keine typische Märchenprinzessin. In ihren Träumen geht es nicht um weit entfernte Königreiche oder Wolkenschlösser, sondern um ihren persönlichen Erfolg: ein eigenes Restaurant. Sie ist eine attraktive, unabhängige schwarze Amerikanerin, arbeitet hart und zeigt einen starken Willen – und dennoch ist sie eine liebenswürdige und treue Freundin und hat ein mitfühlendes Wesen. Sie liebt ihre Mutter und ehrt ihren verstorbenen Vater. Und Tiana glaubt, dass jeder seine Träume verwirklichen kann – auch wenn sie weiß, dass es nicht einfach wird.

Während sie selbst alles tut, um ihr eigenes Lebensziel zu erreichen, scheint sie allerdings nicht viel von dem mitzubekommen, was ihr auf dem Weg dorthin alles begegnet. Sie hat nie gelernt, einfach mal innezuhalten und den Moment zu genießen. Sie hat keine Zeit für die Liebe, und das Letzte, woran sie denkt, ist, Zeit damit zu verschwenden, Männer anzuhimmeln – ganz zu schweigen davon, einen Frosch zu küssen.

Prinz Naveen

Prinz Naveen wird von den Partys und den Dixieland-Bands, die New Orleans zu bieten hat, aus seinem Königreich Maldonia nach New Orleans gelockt. Auch wenn er im Grunde ein verwöhnter und pflichtvergessener Bursche ist, verfügt Naveen doch über einen unwiderstehlichen Charme und eine Lebensfreude, die auf alle um ihn herum ansteckend wirkt. Und er ist ein Riesenfan des Jazz, wie ihn Paul Whiteman, Jimmie Noone, Earl Hines, King Oliver, Jelly Roll Morton und Louis Armstrong spielten.

Wie bei den meisten echten Menschen auch sind Naveens Fehler in Wirklichkeit untrennbar mit seinen Stärken verbunden. Schließlich hat die Heldin auch einen Fehler: Sie kann das Leben nicht genießen. Genau das aber bringt Naveen ihr bei. Er zeigt ihr, wie man immer wieder einmal innehält und sich einfach an dem freut, was um einen herum geschieht: Hab ein bisschen Spaß, freu dich, sei glücklich mit dem, was dir im Moment gegeben ist!

Ray

Ray ist ein sehr entspanntes, schwer verliebtes Cajun-Glühwürmchen. Sprühend vor jenem typischen Südstaatencharme, mit gutmütigem Witz und romantischer Leidenschaft hat Ray einer „Glühwürmchen-Dame“ namens Evangeline, dem schönsten Insekt auf Gottes Erden, sein Herz geschenkt. Seine bewundernswerte, selbstaufopfernde Liebe zu diesem unerreichbaren Wesen gibt dem ganzen Film Halt und emotionales Gewicht.

Er ist im Grunde wie Tiana und Naveen, nur dass er seinen Gefühlen freien Lauf lässt und kein Problem damit hat, seiner übergroßen Liebe ganz offen Ausdruck zu verleihen. Er weiß, dass die beiden anderen genauso empfinden wie er, sich dies aber einfach nicht eingestehen können. Mit so einem Typ wie Ray muss man einfach mitfühlen. Er verkörpert den Gedanken der alles durchdringenden Kraft der Liebe – ausgerechnet er, dieser kleine, plumpe, albern aussehende Kerl mit seinen Zahnlücken.“

Dr. Facilier

Dr. Facilier ist ein verschlagener Halunke und eine dunkle, schattenhafte Gestalt, die für etlichen Ärger und Gefahr für Prinz Naveen und Tiana sorgt. Er zieht aalglatt im Hintergrund seine Fäden und wirkt mit seinen Voodoo-Sprüchen auf das Schicksal der beiden ein. Seine Verbindungen zu „Freunden auf der dunklen Seite“ nutzt er dazu, seine eigenen, finsteren Pläne zu verwirklichen.

Mama Odie

Mama Odie ist das gute Gegenstück zu Dr. Facilier: die gewitzte, exzentrische und smarte 197-jährige Königin des Bayou, die Tiana und Naveen dabei hilft, den bösen Zauber von Dr. Facilier zu besiegen. Sie lebt, wie es im Film so schön heißt, „im tiefsten, dunkelsten Teil des Bayou“ in einem alten Krabbenkutter, der kieloben in einen riesigen Baum eingewachsen ist. Dort sind sie und ihre Lieblingsschlange Juju damit beschäftigt, jeden, der bei ihnen Hilfe sucht, mit Zaubersprüchen und Talismanen zu versorgen.

Louis

Louis ist ein musikalischer Sumpfbewohner mit Jazz im Blut, ein liebenswerter und charmanter Alligator mit einer Leidenschaft für das Trompetespielen. Seine „Unterstützung“ ist für Tiana und Naveen zwar nur selten wirklich hilfreich, doch reichert Louis das Bayou-Abenteuer mit einer Menge Spaß und Humor an. Er ist manipulativ und braucht Aufmerksamkeit, steckt voller Neurosen, hat aber auch diese eine große Gabe: Er ist ein begnadeter Jazzer. Wenn er seine Musik spielt, dann ist er wirklich ganz bei sich.

Über die Produktion

Mit KÜSS DEN FROSCH kehren die Walt Disney Animation Studios zurück zur handgezeichneten Animation, zum klassischen Märchen und zum Musical.

John Lasseter, Executive Producer und Kreativ-Chef der Walt Disney Studios, sagt: „Wenn es eine Lehre gibt, die wir von Walt selbst übernehmen können, um die Walt Disney Animation Studios in die Zukunft zu führen, dann die, dass man den Reichtum der alten Filme weiterhin ausschöpft: Jene innig geliebten Erzählformen, die erfolgreichen Figuren, die musikalische Opulenz – all dies sind auch essenzielle Bestandteile unseres neuesten, handgezeichneten Projektes.“

Die Filmemacher merkten, wie viel Leben und Zauber noch immer in der klassischen Trickfilmerei steckt, und erweckten diese ureigene Disney-Kunst mit großem Respekt, Zielorientierung und Feingefühl wieder zum Leben. „Bei jeder Gelegenheit merkten wir, dass das große Disney-Erbe zum Greifen nah war“, erzählt Ron Clements. „Gleichzeitig konnten wir uns auf unserem eigenen kreativen Gebiet frei bewegen und unsere Ideen verfolgen, ohne dass wir uns sklavisch an die bekannten Formeln halten mussten.“

Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, da rückte die klassische Zeichentrick-Animation bei Disney beiseite, um Platz zu machen für eine neue Technik. Was dabei zurückblieb, war jene einzigartige Kunstform, mit der Walt Disney selbst untrennbar verknüpft war – und damit auch all die außergewöhnlichen Qualitäten des „handgemachten“ Trickfilms, die der mit einem Oscar® ausgezeichnete Animator und Filmhistoriker John Canemaker mit liebevollen Worten würdigte: „Seine von innen heraus glühende Wärme, die glücklichen kleinen Zu- und Unfälle und menschlichen Schwächen, das unmittelbare, intuitive Zusammenhängen von Hirn, Hand und Zeichenwerkzeug, die besondere Beweglichkeit und jener einzigartige Stil, der sich so extrem von der Eindimensionalität, Kälte und realistischen Bilderwelt von CGI unterscheidet.“

Als John Lasseter und Ed Catmull 2006 die Leitung der Walt Disney Animation Studios übernahmen, wussten sie, dass der klassische, handgezeichnete Disney-Trickfilm weder als Kunst- noch als Unterhaltungsform an Wert verloren hatte. Und obwohl sich Lasseters Ruhm auf seine Erfolge als Pionier der Computeranimation gründete, hing seine Liebe zum Trickfilm nicht nur an dieser einen Technik. Er war aufgewachsen mit der traditionellen Disney-Animation, die sich über die Jahrzehnte hinweg zu einer eigenständigen Kunstform entwickelte, und hatte dort auch seine Karriere begonnen. Lasseter und Catmull entwickelten neue Trickfilme – und es war ihnen egal, welche Technik dabei verwendet wurde, solange sie nur die jeweils am besten geeignete für die Geschichte war.

„Wir waren gebeten worden, Ideen für handgezeichnete Disney-Spielfilme zu entwerfen“, erinnert sich John Musker. „Was uns dabei am meisten inspirierte, war die Geschichte vom ‚Froschkönig’ von den Brüdern Grimm.“

„Wir kehren zur echten, klassischen Art des Disney-Märchens zurück. Es ist eine Rückkehr zum Musical. Und es ist auch eine Rückkehr zu der Wärme und Pracht der handgezeichneten Animation und der handgemalten Hintergründe. All das fühlt sich an, als kämen wir wieder nach Hause zurück.“ (Peter Del Vecho, Produzent)

Für Produzent Peter Del Vecho war es ein großes persönliches Vergnügen, an der Wiedererweckung der großen klassischen Disney-Animation teilhaben zu dürfen. „Es hat etwas ungemein Gewinnendes, wenn man sieht, was der Zeichner mit Bleistift und Papier entstehen lässt. Wenn man dann später den fertigen Film vor sich hat, vergisst man all die Skizzen – und die Figuren kommen dir so quicklebendig vor, als wollten sie von der Leinwand herunterspringen. Man nimmt sie sozusagen in seinem Kopf mit nach Hause, weil sie ihr eigenes Leben begonnen haben.“

Die Musik war ein weiteres Element der Disney-Tradition, zu dem die Filmemacher zurückkehrten und das sie gleichzeitig in eine ganz neue Richtung lenken wollten. Clements und Musker pitchten den Film als Musical, allerdings nicht in der klassischen Form eines Broadway-Stückes, die Disney erstmals 1937 mit SCHNEEWITTCHEN in einem Zeichentrick-Film auf die Leinwand gebracht und in den 80er Jahren neu definiert hatte. Sie legten dar, dass die Musik in diesem Film eine breite Palette des typisch amerikanischen Sounds abdecken sollte, von Zydeco über Blues und Gospel bis zum Jazz.

Diese Rückbesinnung auf die alte Disney-Tradition gibt den Zuschauern jene schöne Kinogewissheit wieder, dass wahre Liebe siegt, dass am Schluss alle ihr Glück finden, und dass man das Kino mit einem neuen Ohrwurm im Kopf und einem wunderbaren Song auf den Lippen verlässt.

Produktion: Die Figuren des Films

TIANA ist mit Sicherheit keine typische Märchenprinzessin. In ihren Träumen geht es nicht um weit entfernte Königreiche oder Wolkenschlösser, sondern um ihren persönlichen Erfolg: ein eigenes Restaurant. „Sie träumt davon, das beste Restaurant von New Orleans zu eröffnen“, erklärt Drehbuchautor Rob Edwards. „Diesen Traum hatte schon ihr Vater.“ Sie ist eine attraktive, unabhängige schwarze Amerikanerin, arbeitet hart und zeigt einen starken Willen – und dennoch ist sie eine liebenswürdige und treue Freundin und hat ein mitfühlendes Wesen. Sie liebt ihre Mutter und ehrt ihren verstorbenen Vater. Und Tiana glaubt, dass jeder seine Träume verwirklichen kann, wenn er nur hart genug arbeitet – auch wenn sie weiß, dass es nicht einfach wird.

Während sie selbst alles tut, um ihr eigenes Lebensziel zu erreichen, scheint sie allerdings nicht viel von dem mitzubekommen, was ihr auf dem Weg dorthin alles begegnet. Sie hat nie gelernt, einfach mal innezuhalten und den Moment zu genießen. Sie hat keine Zeit für die Liebe, und das Letzte, woran sie denkt, ist, Zeit damit zu verschwenden, Männer anzuhimmeln – ganz zu schweigen davon, einen Frosch zu küssen.

Mark Henn, einer der Supervising Animators, weist auf die freundlichen Seiten von Tiana hin: „Sie ist von Anfang an etwas verletzlich, weshalb es einem leicht fällt, sich mit ihr zu identifizieren oder zu ihr zu halten. Unsere Zeichentrick-Heldinnen haben sich im Laufe der Jahrzehnte weiterentwickelt: von der ‚Prinzessin in Gefahr’ wie Schneewittchen, der die Dinge immer nur zugestoßen sind, hin zu eigenständig handelnden Charakteren, die ihr Schicksal selbst bestimmen und sich Ziele setzen. Tiana war von daher eine dankbare Figur; es war leicht, sie zu mögen und ihr die Daumen zu drücken. Sie wird von einem starken Wunsch angetrieben und fällt dementsprechend ihre Entscheidungen, was sie interessant und sympathisch macht.“

Edwards erzählt, dass seine kleine Nichte es gar nicht erwarten konnte, Tiana auf der Leinwand zu sehen. „Jedes Mal, wenn ich mit ihr geredet habe, drängte sie mich: ‚Oh bitte, erzähl mir von der Prinzessin!’ Ich freue mich schon auf den Moment, in dem sie den Film schließlich sehen wird.“

PRINZ NAVEEN wird von den Partys und den Dixieland-Bands, die New Orleans zu bieten hat, aus seinem Königreich Maldonia nach New Orleans gelockt. Auch wenn er im Grunde ein verwöhnter und pflichtvergessener Bursche ist, verfügt Naveen doch über einen unwiderstehlichen Charme und eine Lebensfreude, die auf alle um ihn herum ansteckend wirkt. Und er ist ein Riesenfan des Jazz, wie ihn Paul Whiteman, Jimmie Noone, Earl Hines, King Oliver, Jelly Roll Morton und Louis Armstrong spielten.

„Zwar hat Disney eine jahrzehntelange Tradition von Prinzen, doch keiner von ihnen schafft es, eine ganz und gar dreidimensionale Figur zu sein“, sagt Randy Haycock, Supervising Animator von Naveen. „Sie sind nur dazu da, dass die Prinzessin jemanden hat, in den sie sich verlieben kann. Wir hatten noch nie einen Prinzen, der die Heldin in ihren Entscheidungen wirklich beeinflusst hat, es war stets Liebe auf den ersten Blick. Hier aber gibt es endlich einmal ein Mädchen, das einen Typen trifft – und die beiden können sich zunächst überhaupt nicht leiden. Das ist ein wunderbares Konzept für die Romantic Comedy, die sich daraus entwickeln kann.“

Wie bei den meisten echten Menschen auch sind Naveens Fehler in Wirklichkeit untrennbar mit seinen Stärken verbunden. Schließlich hat die Heldin auch einen Fehler: Sie kann das Leben nicht genießen. „Genau das aber bringt Naveen ihr bei“, sagt Haycock. „Er zeigt ihr, wie man immer wieder einmal innehält und sich einfach an dem freut, was um einen herum geschieht: Hab ein bisschen Spaß, freu dich, sei glücklich mit dem, was dir im Moment gegeben ist!“

DR. FACILIER ist ein verschlagener Halunke und eine dunkle, schattenhafte Gestalt, die für etlichen Ärger und Gefahr für Prinz Naveen und Tiana sorgt. Er zieht aalglatt im Hintergrund seine Fäden und wirkt mit seinen Voodoo-Sprüchen auf das Schicksal der beiden ein. Seine Verbindungen zu „Freunden auf der dunklen Seite“ nutzt er dazu, seine eigenen, finsteren Pläne zu verwirklichen.

„Er hat Rhythmus und Swing, er ist bedrohlich, er ist groß, hager und sehnig. Er kann sehr liebenswürdig tun. Er ist attraktiv. Er ist geschmeidig. Ich denke, all diese Eigenschaften findet man im modernen Trickfilm sehr selten bei einem Bösewicht“, sagt Bruce Smith, der Supervising Animator von Dr. Facilier. „Für einen Animator ist es immer wunderbar, den Bösewicht zu bekommen, denn der ist immer die Figur, die den Film vorantreibt und für die Spannung sorgt. In diesem Fall hatte ich das Glück, einen wirklich wunderbaren, einzigartigen Bösewicht zu bekommen.“

MAMA ODIE ist das gute Gegenstück zu Dr. Facilier: die gewitzte, exzentrische und smarte 197-jährige Königin des Bayou, die Tiana und Naveen dabei hilft, den bösen Zauber von Dr. Facilier zu besiegen. Sie lebt, wie es im Film so schön heißt, „im tiefsten, dunkelsten Teil des Bayou“ in einem alten Krabbenkutter, der kieloben in einen riesigen Baum eingewachsen ist. Dort sind sie und ihre Lieblingsschlange Juju damit beschäftigt, jeden, der bei ihnen Hilfe sucht, mit Zaubersprüchen und Talismanen zu versorgen.

„Ich weiß noch, dass ich von Mama Odie wie magisch angezogen war“, erinnert sich Andreas Deja, der Supervising Animator der Figur. „Diese blinde, verhutzelte Alte mit ihren Spleens und ihrer hellsichtigen Schlange fand ich einfach nur großartig und ungewöhnlich.“

Die Filmemacher ließen sich bei Mama Odie auch von Coleen Salley inspirieren, einer bekannten Bilderbuchautorin und Geschichtenerzählerin aus New Orleans, die nicht nur eine Professur an der University of New Orleans hat, sondern auch eine erfolgreiche Galionsfigur der Kinderliteratur ist.

RAY ist ein sehr entspanntes, schwer verliebtes Cajun-Glühwürmchen. Sprühend vor jenem typischen Südstaatencharme, mit gutmütigem Witz und romantischer Leidenschaft hat Ray einer „Glühwürmchen-Dame“ namens Evangeline, dem schönsten Insekt auf Gottes Erden, sein Herz geschenkt. Seine bewundernswerte, selbstaufopfernde Liebe zu diesem unerreichbaren Wesen gibt dem ganzen Film Halt und emotionales Gewicht.

„Ray ist der Romantiker“, sagt Supervising Animator Mike Surrey. „Er ist im Grunde wie Tiana und Naveen, nur dass er seinen Gefühlen freien Lauf lässt und kein Problem damit hat, seiner übergroßen Liebe ganz offen Ausdruck zu verleihen. Er weiß, dass die beiden anderen genauso empfinden wie er, sich dies aber einfach nicht eingestehen können. Mit so einem Typ wie Ray muss man einfach mitfühlen. Er verkörpert den Gedanken der alles durchdringenden Kraft der Liebe – ausgerechnet er, dieser kleine, plumpe, albern aussehende Kerl mit seinen Zahnlücken.“

LOUIS ist ein musikalischer Sumpfbewohner mit Jazz im Blut, ein liebenswerter und charmanter Alligator mit einer Leidenschaft für das Trompetespielen. Seine „Unterstützung“ ist für Tiana und Naveen zwar nur selten wirklich hilfreich, doch reichert Louis das Bayou-Abenteuer mit einer Menge Spaß und Humor an. „Er ist manipulativ und braucht Aufmerksamkeit“, erklärt Supervising Animator Eric Goldberg über das Wesen von Louis. „Er steckt voller Neurosen, aber er hat auch diese eine große Gabe: Er ist ein begnadeter Jazzer. Wenn er seine Musik spielt, dann ist er wirklich ganz bei sich.“

„Ein dicker Alligator, der Jazztrompete spielt – wie kann man so jemanden nicht liebhaben?“, lächelt Drehbuchautor Rod Edwards.

BIG DADDY alias Eli La Bouff ist ein großer, stämmiger, witziger Südstaatengentleman von beträchtlichem Reichtum und Einfluss, dem nichts mehr am Herzen liegt, als seiner „kleinen Prinzessin“ Charlotte jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Er organisiert sogar einen Mardi-Gras-Maskenball als Bühne für Charlottes großen Auftritt als „Prinzessin“.

Zugleich ist Big Daddy eine Hommage an eine archetypische Figur aus der amerikanischen Popkultur, etwa aus „Wiegenlied für eine Leiche“ oder „Die Katze auf dem heißen Blechdach“: der reiche und mächtige Patriarch. Während er dort jedoch auf die Zerstörung seiner Kinder hinwirkt, ist Big Daddy hier einzig darauf bedacht, in seiner übergroßen Liebe alles, aber auch alles für seine einzige Tochter zu tun.

CHARLOTTE ist die verwöhnte, unersättliche und großspurige Tochter von Big Daddy, das ultimative „Little Rich Girl“ des frühen 20. Jahrhunderts – und doch erfüllt sie keineswegs das Klischee von der verzogenen kleinen Zicke aus reichem Hause.

Big Daddy verhätschelt seinen blonden, blauäugigen Schatz über alle Maßen, er überschüttet sie mit handgenähten Kleidchen und versucht, ihr jeden Wunschtraum zu erfüllen – selbst den, dass sie einen echten Prinzen heiraten kann (und entsprechend zur Prinzessin wird). Das allerdings kann bisweilen erfordern, dass man eine ganze Reihe von Fröschen küssen muss. Dass Charlotte dennoch einigermaßen mit den Füßen auf der Erde bleibt, verdankt sie vor allem ihrer Freundschaft zu Tiana, der Tochter der besten Schneiderin von New Orleans, mit der sie schon als kleines Mädchen spielte.

JAMES ist Tianas Vater, der auch nach seinem frühen Tod ihre Inspiration und ihr Ansporn bleibt. Er war ihr ein starker, hart arbeitender und liebenswürdiger Vater und hat ihr sein Arbeitsethos zusammen mit seiner Leidenschaft für gutes Essen und seinen Lebenstraum vererbt: ein eigenes Restaurant zu eröffnen. „Weißt du“, sagte James einmal der kleinen Tiana, „Essen bringt die Leute aus allen Winkeln des Lebens zusammen an einen Tisch. Es wärmt ihnen den Bauch und zaubert ein Lächeln auf ihr Gesicht – und wenn ich mein eigenes Lokal aufmache, werden die Menschen meilenweit Schlange stehen, um von meinem Essen kosten zu dürfen.“ – „Von unserem Essen“, korrigiert ihn Tiana sanft.

Supervising Animator Ruben Aquino sagt: „Das Verhältnis zu ihrem Vater bildet den Kern dessen, was Tianas Wesen und ihre Wünsche definiert. Ich muss das Publikum damit gewinnen, dass ich zeige, wie viel Liebe in dieser Familie steckt und wie sehr gerade James seine Tochter liebt. Deshalb ist er stets in ihrem Herzen präsent.“

EUDORA, Tianas Mutter verankert ihre Tochter einerseits in der Realität, andererseits ist sie ihr auch ein großes Vorbild. Tiana sieht in ihr die erfolgreiche und respektable Geschäftsfrau, die sie selbst gerne sein möchte. Zu den glücklichsten Kindheitserinnerungen Tianas gehören jene Momente, als sie mit ihrer Mutter bei einem ihrer reichen Kunden ist und mit dessen Tochter Charlotte spielt. Doch während Tianas Vater ein Romantiker ist, ist Eudora sehr pragmatisch. Sie weiß genau, welch harte Zeiten auf ihre Tochter zukommen.

„Eudoras Persönlichkeit ist sehr speziell“, sagt Supervising Animator Ruben Aquino. „Sie ist in erster Linie die alleinerziehende Mutter, die sich und ihre Tochter durchbringen muss. Erst dann kommt ihre Karriere als Schneiderin. Als solche ist sie allerdings auch sehr gut. Und natürlich liebt sie ihre Tochter und will nur das Beste für sie.“

Produktion: Die Geschichte

KÜSS DEN FROSCH markiert die sechste Zusammenarbeit der Disney-Veteranen Ron Clements und John Musker, deren Liste von Filmerfolgen einer „Hall of Fame“ des Trickfilms gleichkommt: von BASIL, DER GROSSE MÄUSEDETEKTIV (The Great Mouse Detective, 1986) über ARIELLE, DIE MEERJUNGFRAU (The Little Mermaid, 1989), ALADDIN (Aladdin, 1992) und HERCULES (Hercules, 1997) bis zu DER SCHATZPLANET (Treasure Planet, 2002). Wie bei allen anderen Projekten war es auch bei KÜSS DEN FROSCH zuallererst die viel versprechende Story mit ihrem Humorpotenzial, die das Team Clements/Musker überzeugte.

„John Lasseter fand die Grundidee ebenso hinreißend wie den Einfall, die Geschichte in New Orleans spielen zu lassen“, erinnert sich Musker. „Die Stadt bietet großen kulturellen und geschichtlichen Reichtum, visuelle Reize und diese einzigartige magische Atmosphäre. Wir haben uns dann dafür entschieden, in die goldene Ära des Jazz zurückzugehen, um – abgesehen von der fantastischen Musik – ein gewisses Gefühl von Nostalgie zu gewinnen. Gleichzeitig konnten wir in New Orleans auch wunderbar mit unseren Märchenarchetypen spielen.“

Denn natürlich ist KÜSS DEN FROSCH inspiriert von dem Märchen „Der Froschkönig“ der Gebrüder Grimm. Nur ließen sich die Filmemacher eben einen besonderen Clou für die Geschichte einfallen. Drehbuchautor Rob Edwards verweist dabei auf die extrem gute Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Filmabteilungen: „Der größte Teil meiner eigentlichen Schreibarbeit geschieht, während ich über die Flure spaziere und mit den Storyboardern und Animatoren, mit den Regisseuren und Synchronsprechern rede“, sagt er. „Im Grunde muss ich danach nur noch in mein Büro gehen und die Sachen aufschreiben.“

An einer halbmondförmigen Kurve des „Big River“ liegt New Orleans, eine glitzernde Stadt, voll von Abenteuer und Romantik, von Musik und Magie. Dort – umgeben von der „Es war einmal“-Magie der jazzigen 20er Jahre, zwischen den schmiedeeisernen Balkongittern und den verwunschenen Seitengassen des French Quarters – spielt die ungewöhnliche Geschichte des Films.

Tina ist eine attraktive, unabhängige und hart arbeitende junge Frau. Für Romantik oder Tagträumereien bleibt ihr keine Zeit. Ihre Liebe zum Kochen und zu gutem Essen hat sie von ihrem Vater geerbt, ebenso wie den großen Lebensplan, einmal ein erfolgreiches Restaurant zu eröffnen. Doch trotz ihres Fleißes und ihrer Hartnäckigkeit schieben sich immer wieder neue Hindernisse zwischen Tina und ihr großes Ziel.

Gleichzeitig trifft unten am Fluss ein gut aussehender und geselliger Jazzfan ein: Prinz Naveen aus dem weit entfernten Königreich Maldonia, der von seinen Eltern wegen seines lockeren Lebenswandels verbannt wurde. Naveen ist ein wenig verwöhnt und verantwortungslos und kam dank seines Aussehens und seines Charmes bisher recht gut durchs Leben. So jemand weckt natürlich das Interesse des bösen Dr. Facilier, eines schwarzen Magiers, der dem Prinzen die Thronfolge streitig machen will und ihn schließlich in einen Frosch verwandelt.

Naveens Versuch, sich wie im Märchen durch einen Kuss zurückverwandeln zu lassen, führt allerdings nur dazu, dass auch Tina verzaubert wird – und die zwei Frösche wider Willen finden sich alsbald mitten in den Sümpfen Louisianas wieder, verfolgt von Froschjägern und bemüht, ihren Weg zu der 197-jährigen Voodoo-Priesterin Mama Odie zu finden, von der sie sich einen Gegenzauber erhoffen.

Zu den Gefährten, die sie auf dieser abenteuerlichen und aberwitzigen Reise treffen, gehört ein unglücklich verliebtes Glühwürmchen namens Ray und der Jazz-trompete spielende Alligator Louis. Und obwohl ihr Weg voller Gefahren ist und Tina und Naveen vom Wesen her unterschiedlicher nicht sein können, entdecken sie schließlich doch die jeweils guten Seiten des anderen, überwinden ihre Streitigkeiten und stellen fest, dass Träume tatsächlich wahr werden können – allerdings nie genau so, wie man das erwartet.

Am Ende obsiegt die Liebe, und alle Widrigkeiten versinken für immer in den Sümpfen der Bayous.

Edwards erzählt, dass er seine Geschichte auf ein ganz einfaches Ziel ausrichtete: „Ich wollte eine ehrliche Story über zwei Menschen erzählen, die sich treffen und ineinander verlieben. Diese Geschichte habe ich für meine Freunde geschrieben und für deren Kinder – nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Doch hat KÜSS DEN FROSCH auch das Zeug, zu einem modernen Disney-Klassiker zu werden? Edwards stellt die Gegenfrage: „Was macht einen Klassiker aus? Figuren, die einen mitreißen, klare Blickwinkel, smarter Humor, der die Erwachsenen zum Schmunzeln und die Kinder zum Lachen bringt, und tolle Musik. Man will eine aufregende Achterbahnfahrt mit dramatischen Höhen und Tiefen. Man will lachen, man will weinen. Die Geschichte sollte einen berühren – und wenn man das hinbekommt, dann funktioniert alles andere auch.“

Produktion: Mit Stift und Stimme

KÜSS DEN FROSCH zeigt zum 49. Mal in der Geschichte der Disney-Studios, dass für den Erfolg eines Trickfilms die Hand des Zeichners und die Stimme des Schauspielers zusammenwirken und -passen müssen.

Neben den amerikanischen Darstellern und den deutschen Synchronsprechern, die den Trickfiguren ihre Stimme liehen, brachten auch die Animatoren viel eigene Lebenserfahrung beim Entwerfen der Filmcharaktere mit. So gilt der Supervising Animator Mark Henn, der für Tina zuständig war, als „Disneys weiblicher Star“, weil er unter anderem schon die Disney-Prinzessinnen Arielle, Belle, Jasmine, Pocahontas und Mulan animiert hatte.

„Ich fühle mich oft wie ein Schauspieler, der in die verschiedensten Rollen schlüpft“, sagt Henn. „Ob ich nun eine Prinzessin, ein Löwenjunges oder eine Maus zeichne – es gibt immer eine große Übereinstimmung mit grundlegenden menschlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen. Ich denke, es ist besonders bei den weiblichen Hauptfiguren wichtig, dass sie authentisch sind.“

Auch Prinz Naveen bringt dank Supervising Animator Randy Hancock ein großes Maß an Charisma mit. „Ich hatte auf dem College einen Mitbewohner in meinem Zimmer, der ein echter Frauentyp war“, sagt Hancock. „Ich habe ihn sorgfältig beobachtet, weil er es – im Gegensatz zu mir – bei den Mädchen einfach draufhatte. Dabei fiel mir auf, dass er ein ‚Anlehner’ war. Er lehnte sich immer ganz nah zu den Mädchen hin. Wenn ein Mädchen auf einem Stuhl saß, dann hockte er sich neben sie hin und beugte sich zu ihr hinüber, bis er ihr ganz nah war. Wenn sie standen, lehnte er sich an eine Wand und rückte ihnen auf diese Art näher. Deshalb stützt sich auch Naveen immer auf seine Hand oder lehnt sich irgendwo an, weil er dasselbe Selbstvertrauen hat. Er ist alles andere als verklemmt oder steif, im Gegenteil: Er ist sehr locker und cool und weiß genau, wie er ankommt.“

„Das Komische ist“, fährt Hancock fort, „dass Naveen sich als Frosch noch genauso benimmt. Wo er als Mensch sehr charmant und verführerisch wirkt, ist es natürlich extrem witzig, wenn dann dieser kleine grüne Frosch durch die Gegend hopst, als sei er der allergrößte Aufreißer.“

Bruce Smith, Supervising Animator für den bösen Dr. Facilier, war bemüht, sich von seiner Figur nicht allzu sehr einschüchtern zu lassen. Denn bei Disney-Zeichentrick-Filmen fällt dem Bösewicht stets eine zentrale Bedeutung zu, weil er die Geschichte vorantreibt und die anderen Figuren stets zu heldenhaftem Handeln motiviert: sei es, den Schurken in die die Flucht zu treiben, der Kampf mit ihm oder seine Erniedrigung. „Ich habe versucht, mir das nicht ständig vor Augen zu halten“, sagt Smith. „Denn zu viel Druck kann hinderlich sein. Zugleich ist dieser Druck aber natürlich genau der Grund, warum ich bei so einem Film mitmache und mir eine Position aussuche, bei der ich mein Bestes geben kann. Schließlich bin ich wirklich gut darin, Bösewichte böse zu machen und dem Publikum neue, ungekannte Abgründe zu erschließen. Das scheint mir persönlich zu liegen.“

Auch für Eric Goldberg, den Supervising Animator von Louis, dem Jazz-trompete spielenden Alligator, war die Figur zunächst eine Herausforderung. „In seiner äußeren Erscheinung ist nichts, was die Animation besonders flüssig machen würde“, erklärt Goldberg. „Louis hat keine Federn, keine Haare, keine Kleider. Alles, was er hat, ist sein massiger Körper mit all den Muskeln. Damit müssen wir arbeiten, um ihn so lebendig wie möglich zu machen.“ Zudem musste Goldberg bei Louis stets an die Größenverhältnisse zu den anderen Figuren denken. „Wenn du ihn neben das Glühwürmchen Ray stellst, wird es noch komplizierter als bei den beiden kleinen Fröschen“, sagt er. „Zugleich aber gibt ihm seine Größe auch die nötige Präsenz. Er ist ein wirklich gewaltiger Alligator, was den Humor und die Wärme seines Charakters noch verstärkt.“

Dass das Glühwürmchen Ray den anderen beinahe die Show stiehlt, verdankt es nicht zuletzt dem Supervising Animator Mike Surrey, der erzählt, er habe erst bei der Arbeit an dieser Figur gelernt, dass „größer“ beileibe nicht „besser“ bedeutet. „Als ich gebeten wurde, an Ray zu arbeiten, wusste ich erst überhaupt nicht, wer das sein soll“, sagt Surrey. „Dein Ego sagt dir: ‚Ein Glühwürmchen?! Die sind doch winzig, was soll denn das?’ Aber dann war Ray von der allerersten Skizze an eine absolut einzigartige Figur, die den anderen gerne mal die Show stiehlt.“

Drehbuchautor Rob Edwards erinnert sich noch gut daran, dass das schauspielerische Talent von Supervising Animator Andreas Deja beim Schreiben des Scripts viel geholfen hat, als es um die geheimnisvolle Zauberin Mama Odie ging. „Ich war irgendwann in der Geschichte an einen Punkt gelangt, an dem ich das Gefühl hatte, Mama Odie sei eigentlich überflüssig. Aber wir wussten, dass Andreas als Schauspieler und als Animator so außergewöhnlich ist, dass wir ihn unbedingt am Zeichentisch halten wollten. Es ist ein bisschen, als würde man für einen großen Schauspielstar schreiben, man denkt immer: ‚Ich kann’s gar nicht erwarten zu sehen, was er aus der Rolle herausholt!’ Das spornt dich enorm an und treibt dich zu echten Höchstleistungen.“

Tianas Freundin Charlotte lag in den Händen von Animator Nik Ranieri. Für ihn lag die Schwierigkeit vor allem darin, Charlotte glaubwürdig und zugleich leicht durchgedreht zu machen. „Mein Gefühl sagte mir, dass ich bei Charlotte stark übertreiben und sie Dinge tun und sagen lassen musste, die man einem echten Schauspieler nie abgenommen hätte. Gleichzeitig holt man so eine Figur in die Realität zurück, indem man alles, was sie umgibt, so realistisch wie möglich animiert. Charlotte flitzt stets wie ein Gummiball kreuz und quer durch die Szenen, aber dieses übertrieben cartoonhafte Verhalten macht man dadurch wieder glaubwürdig, dass die ‚zweitrangige Animation’ – ihre Kleider, der Faltenwurf, ihr Haar – sehr wirklichkeitsnah gezeichnet ist.“

Charlottes Vater, Big Daddy, lag im Verantwortungsbereich von Supervising Animator Duncan Marjoribanks, der schon so berühmte Disney-Figuren wie die Krabbe Sebastian in ARIELLE, DIE MEERJUNGFRAU, Aladdins Äffchen Abu und die Kuh Mrs. Caloway in DIE KÜHE SIND LOS (Home on the Range, 2004) gezeichnet hatte. „Ich hatte meinen Chefs schon signalisiert, dass ich wahnsinnig gerne mal an einer menschlichen Figur arbeiten würde“, sagt Marjoribanks, „und da war Big Daddy genau die richtige Wahl für mich.“

Auch die Eltern von Tiana sind sehr sorgfältig und „real“ gezeichnet. „Figuren wie James und Eudora sind enorm wichtig für die emotionale Balance in der Story“, erklärt Supervising Animator Ruben Aquino, der für die beiden verantwortlich war.

Produktion: The Animation All-Stars

Als sie begannen, KÜSS DEN FROSCH vorzubereiten, stellte sich für die Filmemacher vor allem die Frage, welche Künstler man für einen neuen Disney-Trickfilm brauchte. „Der Film markiert tatsächlich eine Weggabelung in diesem Medium und ist zugleich eine Gelegenheit für alle hier, etwas zu schaffen, was außer uns niemand auf der Welt schafft – und was auch niemand wirklich schaffen kann,“ sagte Peter Del Vecho. „Jeder Einzelne, der bei diesem Projekt mitgemacht hat, war mit ganzem Herzen bei der Sache.“

Schnell war klar, dass die angesprochenen Animatoren, die alle im Bereich der digitalen Animation erfolgreich waren, nur zu gerne zum Handzeichnen zurückkehren wollten. Zudem saß nun eine neue Generation von Zeichnern in den Studios, die nicht nur die Disney-Klassiker kannten, sondern vor allem mit den Filmen, die Musker und Clements gedreht hatten, aufgewachsen waren. Viele von jenen, die für KÜSS DEN FROSCH engagiert wurden, hatten als Kinder ARIELLE, DIE MEERJUNGFRAU und DIE SCHÖNE UND DAS BIEST gesehen und waren entsprechend begeistert, an einem neuen Disney-Trickfilm mitwirken zu können.

„Wir haben versucht, das alles neu zu erfinden“, sagt Artdirector Ian Gooding (TARZAN, HERCULES, POCAHONTAS). „Es ist wirklich schwer, wieder mit dem klassischen Zeichentrick anzufangen. Es ist ja nicht so, dass diese Kunst einfach in der Tiefkühltruhe war und aufgetaut werden muss. Nein, es gibt eine Menge Herausforderungen, wir müssen viel üben – und erst einmal wieder lernen, wo es Papier zu kaufen gibt.“

„Es war ein sehr spannender Arbeitsprozess“, sagt Peter Del Vecho. „Zum Glück gibt es im Studio viel archiviertes Wissen. Wir wussten also, was wir erreichen und wie wir es erreichen wollten, aber wir mussten trotzdem wieder ganz von vorn anfangen. Vor allem aber mussten wir uns klar darüber werden, wie wir diese traditionelle Technologie fit für die Zukunft machen konnten. Wir sprachen zum Beispiel darüber, wie man ohne Papier auf dem Computer zeichnen könnte. Aber weil dafür noch keine wirklich ausgereifte Technologie bereitsteht, war es für uns zunächst das Beste, einfach auf Papier zu zeichnen. Und ich bin wirklich froh, dass wir uns dafür entschieden haben.“

„Man kann diesen Herstellungsprozess damit vergleichen, dass man das Gleis baut, während der Zug hinter einem näherkommt“, sagt Del Vecho. „Es ist nicht ganz einfach, und man steht unter einem ziemlichen Druck, aber gleichzeitig muss man sich stets nur auf das Wesentliche konzentrieren: darauf, was man auf der Leinwand sehen wird. Für uns stand also über allem stets die Frage: Was sieht der Zuschauer später im Kino?“

„Wir haben für diesen Film wirklich die Besten der Besten zusammengebracht“, sagt Del Vecho. „Wenn man sich ansieht, welche Animatoren wir im Team haben – dann ist das fast so, als hätten wir das moderne Äquivalent zu den ‚Nine Old Men’ geschaffen (so wurde die Gruppe der führenden Disney-Zeichner in den 1940er, 1950er und 1960er Jahren scherzhaft nach den neun Richtern des Obersten Gerichtshofes unter Roosevelt genannt). Sie alle waren auf der Höhe ihrer Kunst und sie alle konnten bei einem Film zusammenarbeiten.“

„Ich finde, dass der Film enorm von dieser Bündelung aller beteiligten Talente profitiert“, sagt Supervising Animator Bruce Smith (DIE KÜHE SIND LOS, TARZAN). Ich erinnere mich nicht daran, dass seit den ‚Nine Old Men’ eine derartige Konzentration von Können und Einfluss bei den Animatoren versammelt war – und das sieht man auch auf der Leinwand. Es ist ein bisschen wie beim Baseball, wo es den Spruch gibt, dass jeder sein Bestes auf dem Platz lässt. Jeder von uns hat bei den Figuren dort auf der Leinwand wirklich alles gegeben, und herausgekommen sind ein paar tolle schauspielerische Leistungen.“

„Eine der Neuerungen, die John Lasseter eingeführt hat, war, dass wir uns offener austauschten“, erklärt Supervising Animator Randy Haycock (DER KÖNIG DER LÖWEN, HERCULES, TARZAN). „Wir können uns richtig leidenschaftlich in eine Idee reinhängen und müssen nicht mehr befürchten, dass sich jemand deswegen auf den Schlips getreten fühlt. Denn diese Leidenschaft entspringt bei uns allen aus demselben Antrieb: Wir wollen einen großartigen Film machen!“

„Was KÜSS DEN FROSCH so einzigartig macht, ist, dass er nicht nur ein Märchen ist – der Film spielt in einer Zeit, die es wirklich gegeben hat, in einer Stadt, die es wirklich gibt. Das hat uns großen Spaß gemacht, denn wir konnten direkt dorthin fahren und vor Ort recherchieren. Viele der Schauplätze im Film kann man auch in Wirklichkeit besichtigen.“ – John Musker, Regisseur

Als Ort, an dem das Fantastische sich mit der Musik und dem Magischen verbindet, schien keiner geeigneter für KÜSS DEN FROSCH als New Orleans.

An einer halbmondförmigen Biegung des Mississippi, etwa 170 Kilometer vor dem Golf von Mexiko liegt eine launische Stadt, voll von Geschichte und Geheimnissen, von Musik und Magie. New Orleans wurde 1718 von den Franzosen gegründet und fiel 1762 an die Spanier. Die Stadt ist geprägt von westindischen und afrikanischen Einflüssen, von Katholizismus und jener kulturellen Melange, die die Lage als einst international bedeutende Hafenstadt mit sich bringt. Zwei verheerende Großbrände (1788 und 1794) und die sumpfige Lage unterhalb des Meeresspiegels verliehen New Orleans im Laufe der Zeit ein unterschwelliges Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit.

Anfang des 20. Jahrhunderts setzte eine Welle der Zuwanderung ein, die die Stadt erneut aufblühen ließ und ihre ohnehin schon vielfältige Kultur erneut um die verschiedensten Einflüsse bereicherte. In dem ausgedehnten Amüsierviertel Storyville entwickelte sich eine lebendige Jazzszene, im Vieux Carré (French Quarter) fanden Künstler ihre Inspiration, und die prächtigen Holzbauten im Kolonialstil sind noch heute zu sehen, dank einer frühen Bewegung, den historischen Kern der Stadt zu erhalten.

„Wir wussten, dass die Stadt eine wichtige Rolle im Film spielen würde – fast wie ein eigenständiger Charakter“, sagt Regisseur Ron Clements. „Da wollten wir dem Spirit von New Orleans treu bleiben und das einfangen, was die Stadt so besonders macht.“

„Die Stadt ist fast erschreckend anders als der Rest von Amerika“, sagt Art Director Ian Gooding. „Ich finde, San Francisco hat seinen ganz eigenen Charakter und natürlich auch New York. Aber wenn man jemandem die Augen verbinden und ihn in New Orleans absetzen würde, wo er noch nie zuvor war – er würde dir sofort glauben, wenn du ihm sagst, dass er in einem fremden Land ist.“

Diese Atmosphäre der Fremdartigkeit in einer ebenso pittoresken wie bekannten amerikanischen Stadt spielte eine große Rolle bei der Entscheidung der Filmemacher, ihre Geschichte dort spielen zu lassen. In und um New Orleans fanden sie alle Schauplätze, die sie brauchten, und die Recherche vor Ort inspirierte sie zu weiteren Details und Feinabstimmungen.

„Dieser Film mit seinen kontrastierenden Schauplätzen war eine echte Herausforderung. Wir haben das French Quarter, die wilden, kunterbunten Mardi-Gras-Paraden, die prächtige Eleganz des Garden Districts – und das Bayou.“ – Maria Gonzales, Color Supervisor

Das herrschaftliche, ein wenig protzige Anwesen der „Königsfamilie“ von Bürgermeister Big Daddy fanden sie im Garden District, einem der ersten Vororte von New Orleans mit prächtigen, luxuriösen Kolonialbauten. Dort entstand zwischen 1832 und 1900 ein Viertel für die Oberschicht der Stadt, für die Zuckerbarone und Baumwollkönige, die ihren Reichtum (und den der Stadt in jener Zeit) mit schlossähnlichen Anwesen zur Schau stellten.

Nachdem sie sich am Baustil innerhalb des Garden Districts orientierten, mussten die Filmemacher zunächst die realen architektonischen Vorbilder so weit modifizieren, dass sie in ihre prachtvolle und ein wenig nostalgische Märchenwelt passten. Zudem mussten solche Orte auch glaubwürdig neben dem wilden, unkultivierten Sumpfgebiet des Bayous existieren können, der in der Geschichte ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Art Director Ian Gooding behalf sich, indem er das architektonische Design mit seinen strengen Linien leicht karikaturistisch abwandelte. Stuckwerk, gedrechselte Ornamente und Pfosten und allerlei anderes Schmuckwerk wurden hervorgehoben, ohne dabei das solide Aussehen der Gebäude abzuschwächen.

Nörderlich der Canal Street liegt das pittoreske French Quarter von New Orleans, heute eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten des amerikanischen Südens. Viele der mehrgeschossigen Bauten dort haben mit Holzschnitzereien oder Schmiedearbeiten reich verzierte Balkone, die meist noch mit Pflanzen und Blumen in Hängetöpfen geschmückt sind. Sie sind erbaut aus Ziegeln oder Lehmziegeln, in bunten Farben gestrichen, und die Fassde ist geprägt von den Fenster- und Türläden, zum Schutz vor den häufigen Tropenstürmen. Nachts tauchen Gaslaternen die holprigen Gassen und Hinterhöfe in ein warmes Licht, und Schatten zucken über die Mauern, die die Fantasie, die Romantik – oder Furcht wecken.

Diese unterschwellige Atmosphäre von Bösartigkeit und schwarzer Magie, diese Präsenz der Sünde im Schatten des Guten, diese lauernde Dunkelheit hinter den zierlichen, sonnenbeschienenen Balkongittern – all dies hilft, das Element des Fantastischen in KÜSS DEN FROSCH zu definieren: die Verzauberung der Hauptfiguren in Frösche. Gleichzeitig hat der Fluch des schwarzen Magiers Dr. Facilier, der die beiden trifft, auch seine angenehmen Seiten – speziell für den heiteren Lebemann Prinz Naveen.

Beim Entwerfen der atmosphärischen Schauplätze schufen die Disney-Zeichner eine Art visuelles Vokabular, mit dem sie gleichzeitig die Orte und die Figuren, die sich dort bewegen, klar bestimmen konnten. In der Kammer des bösen Dr. Facilier herrschen hohe, vertikale und enge Räume vor, die mit mysteriösen Kultobjekten und Masken geschmückt sind. Scharfe Kontraste und ominöse Licht-und-Schatten-Muster lassen Faciliers Altäre mit ihren Kerzen, Flaschen, Statuen, Schriftrollen und religiösen Gegenständen entsprechend unheimlich wirken. Generell also sind vor allem die Elemente des Fantastischen und des Schreckens hervorgehoben und schaffen eine Umgebung, in der die hinreißende Bösartigkeit Dr. Faciliers wirken kann.

Tief im Südosten der Vereingten Staaten, im Mississippi-Delta von Louisiana und New Orleans, winden sich zahllose Seitenarme des „Big River“ durch ein riesiges, sumpfiges Schwemmland, das die Anwohner die „Bayous“ nennen. Die größeren Flächen dieses Sumpfgebietes, etwa das Bayou Lafourche, sind die Überreste des einstigen Flußverlaufs, den der Mississippi einst auf seinem Weg in den Golf von Mexiko nahm. Dort, wo die Alligatoren lautlos unter Palmettenblättern durch das Brackwasser gleiten und wo die Glühwürmchen zwischen den skellettartigen Blattrispen knorriger Eichen und den Wurzeln verkrüppelter Föhren hervorglühen, wo sich über alles der Vorhang feuchter Moosbärte legt – dort fanden die Filmemacher den perfekten Ort für die geheimnisvollen, magischen und romantischen Elemente der Geschichte.

„Ich bin Florida aufgewachsen“, erzählt Visual Development Artist James Aaron Finch. „Deshalb war mir diese Südstaaten-Gegend mit ihren riesigen, alten Eichen und den Sümpfen vertraut. In Kalifornien sieht man keine dort heimischen Pflanzen wie Palmetten und solche Sachen, aber ich kenne die und weiß, wie man sie richtig ins Bild setzt. Mein Job war es, ein wenig vom authentischen Look des Südens und der Bayous einzubringen.“

All diese unterschiedlichen Orte zusammenzufügen, war ein echtes Problem für das Produktionsteam, aber nicht so, wie man es sich zunächst vorstellt. „Die Natur im Bayou ist uns ziemlich leicht gefallen“, sagt Kyle Odermatt. „Die Gebäude hingegen waren viel, viel schwieriger. Die große Herausforderung aber bestand für uns darin, den Übergang von dem einen Schauplatz zum anderen so hinzubekommen, dass es sich ganz natürlich anfühlt.“

Visual Development Artist Susan Nichols ergänzt: „New Orleans verkörpert perfekt das, was wir ‚Americana’ nennen: eine Art kulturelles Sammelbecken der verschiedenen Ethnien, Religionen und Traditionen, was die Stadt in ihrem Gesamtbild bestimmt. Das hat unseren Bildern noch eine ganz eigene, zusätzliche Note verliehen, wie wir sie noch in keinem Zeichentrickfilm hatten. Ich finde das ganz wunderbar.“

Produktion: Der klassische Disney-Look

„Dieser Film ist bis zum Rand voll. Ich glaube, keine andere Disney-Produktion fährt dermaßen viel Schauwert auf, was die Locations betrifft.“ – James Aaron Finch, Produktionsdesigner

Eine glaubwürdige Welt zu erschaffen, in der eine völlig märchenhafte Geschichte spielt, ist eine enorme kreative Herausforderung. Obwohl KÜSS DEN FROSCH an einem klar bestimmbaren, realen Ort spielt, war es doch schwierig, die verschiedenen Locations visuell unter einen Hut zu bekommen. Um zu sehen, wie die Disney-Künstler das in ihren früheren Produktionen geschafft hatten, blickten die Filmemacher in der Filmgeschichte zurück.

„Die Regisseure analysierten SUSI UND STROLCH im Hinblick auf die Art, wie die Architektur einer Stadt aufgelöst wurde, und sie sahen sich BAMBI an, um von den Naturbildern zu lernen“, erzählt Ian Gooding. „Damals nahmen die Disney-Zeichner bei BAMBI etwas ungeheuer Komplexes, nämlich einen ganzen Wald mit all seinen Blättern und Zweigen, seinen Felsbrocken und Baumstümpfen – und reduzierten ihn in den Bildern auf das Wesentliche. Was bleibt, ist das Gefühl eines Waldes. Sie haben in BAMBI keinen Wald gezeichnet, sondern die Bilder so gezeichnet, dass man glaubt, sich in einem Wald zu befinden. Man vermisst die Milliarden von Blättern und Ästen nicht. So, wie die das damals konzipiert haben, funktioniert es perfekt.“

„Wir waren uns immer bewusst, dass wir in gewisser Weise auch an einem Historienfilm arbeiten,“ sagt Produktionsdesigner James Aaron Finch, „und wir wussten, dass das meiste unserer Architektur den Look des Garden Districts widerspiegelte, deshalb haben wir uns intensiv mit SUSI UND STROLCH beschäftigt. Weniger, um zu sehen, welche Farbpalette damals benutzt wurde, sondern vor allem, um die Linienführung der Gebäude und Hintergründe zu studieren sowie die Art, wie räumliche Tiefe suggeriert wurde und wie mit der Lichtsetzung gearbeitet wurde.“

Licht und Farbe

„Was das Licht und die Farbgebung betrifft, glaube ich, dass KÜSS DEN FROSCH etwas komplexer ist als unsere bisherigen Produktionen“, sagt Sunny Apinchapong, Chefzeichnerin für die Hintergründe. „Denn auch wenn wir uns an der Kraft und Schlichtheit der älteren Filme orientiert haben, haben wir natürlich die modernsten Licht- und Farbtechniken genutzt, die uns zur Verfügung standen.“

Beim Farbdesign musste Visual Development Artist Lorelay Bove sehr genau zwischen dem Realismus des Schauplatzes und den Anforderungen der Story abwägen. „Um die Farbpalette des Bayous festzulegen, habe ich mir unzählige Fotos von dort angesehen, habe analysiert, was daran so besonders ist und welche Farben zusammenspielen. Dann habe ich mir die Pflanzen angesehen, die dort wachsen, habe beides zusammengefügt – und dann der jeweiligen Atmosphäre der Szene angepasst. Wenn wir also zum Beispiel einen traurigen Moment haben, dann gehen die Farben eher ins Monochrome oder ins Graue.“

Ian Gooding suchte nach der perfekten Bildkomposition, indem er die Details immer wieder anpasste. „Wir begannen mit dem Hintergrund. Zunächst betonte ich die einzelnen Elemente ganz bewusst zu stark: Ich malte zu organisch, zu ‚malerisch’, zu breit, zu weich. Dann stellten wir unsere Figuren dort hinein und zeigten die Bilder den Regisseuren und John Lasseter. Die gaben dann Feedback – ‘Das funktioniert hier und da, aber dort nicht’ –, und wir arbeiteten uns von diesen Bildern allmählich zurück, bis wir genau das gefunden hatten, was funktionierte. Dieser Prozess war sehr erfolgreich.“

Apinchapong ergänzt: „Obwohl wir heute natürlich nicht mehr mit Farbe und Pinsel arbeiten, sondern mit der entsprechenden Software am Computer, wollten wir auf keinen Fall, dass die Bilder zu digital wirken. Wir haben eigens so gearbeitet, dass die Farbgebung ganz klassisch wirkt, eben wie gemalt.“

„Es ist immer ein Herumprobieren, wie weit man die Bilder abstrahieren kann“, sagt Gooding. „Ich glaube, bei unseren Bayou-Szenen sind wir schon ziemlich weit gegangen – und es hat funktioniert. Bei den Gebäuden muss man sich etwas mehr zurückhalten, aber auch sie sind Teil der gleichen Bilderwelt.“

„Dieser Film ist voll von malerischen Kulissen. Ich glaube, keine andere Disney-Produktion hat so viel zu bieten, was die Kulissen betrifft“, sagt James Aaron Finch. „Es ist ein bisschen, als würde man die Schauplätze von zwei oder drei Filmen wie DER GLÖCKNER VON NOTRE-DAME oder TARZAN nehmen und in einen einzigen Film packen – allerdings ohne dafür mehr Produktionszeit zu haben.“

Aus der Froschperspektive

Dass die Figuren den unterschiedlichsten Lebensformen angehören, war die nächste visuelle Hürde, die die Filmemacher überspringen mussten. Denn dafür musste ein einheitlicher Größenmaßstab gefunden werden, der es erlaubte, unterschiedlich große Figuren wie Alligatoren, Frösche und Glühwürmchen jeweils in der richtigen Relation zu ihrer Umgebung zu zeigen.

„Das muss man stets im Kopf haben“, sagt Supervising Animator Eric Goldberg. „Sonst schummelt man bei jedem Bild, und es fühlt sich für den Zuschauer nicht mehr real an. Klar darf man sich ein paar Freiheiten bei der Inszenierung nehmen, damit sich zwei unterschiedliche Charaktere unterhalten können, aber die Größenverhältnisse innerhalb der Umgebung müssen trotzdem immer genau stimmen.“

Rasoul Azadani erinnert sich noch, wie sehr die Perspektive der Hauptfiguren schon bei der Recherche beachtet wurde: „Wir sind tief in die Bayous gefahren und kamen dabei auch an Stellen, die gerade trockenlagen. Man konnte dort sehr schön sehen, wie der Untergrund des Sumpfes zusammengesetzt war und wo die Wasserkante begann. Ich bin auf dem Bauch herumgekrochen und habe Fotos gemacht, um den Blickwinkel der Frösche einzunehmen.“

Produktion: Die Musik

Eine Entscheidung der Filmemacher fiel absolut einstimmig: Von Anfang an wollten sie, dass Randy Newman die Musik zu KÜSS DEN FROSCH komponierte.

Newman, der schon mehrmals für Disney/Pixar-Filme gearbeitet hatte, war 2002 für seine Musik zu DIE MONSTER AG mit dem Oscar® ausgezeichnet worden und hatte u. a. für DIE MONSTER AG, TOY STORY und DAS GROSSE KRABBELN Grammy®-Awards gewonnen.

Newmans Lied „Louisiana 1927“ war oft gespielt worden, nachdem Hurricane Katrina 2005 solch verheerende Verwüstungen in New Orleans angerichtet hatte, und nicht zuletzt dieser Song machte die Filmemacher darauf aufmerksam, dass Newmans Arbeiten oft ein feines Gespür für die Melodie und die Theatralik des Südens zeigen. Und immerhin hatte er ja auch schon die Musik für Milos Formans RAGTIME (Ragtime, 1981) und Barry Levinsons DER UNBEUGSAME (The Natural, 1984) komponiert.

„Wir kamen immer wieder auf ihn zurück“, erinnert sich John Musker. „Wann immer es um die Musik ging, sagten wir: ‚Wisst ihr, wer wirklich gut wäre? Randy! Seine Musik hat oft diesen ‚Americana’-Aspekt, das würde doch toll passen.’“

Mit dem vagen Gefühl, sie müssten Kühlschränke in die Arktis liefern, sprachen Musker und Clements John Lasseter auf Randy Newman an – der ja bereits fünf Filme mit ihm gemacht hatte. „John verstand natürlich sofort, was Randy für diesen Film auszeichnete, aber er warnte uns: ‚Passt auf, es werden alle sagen, ich hätte euch Randy aufgeschwatzt!’“, lacht Clements.

Ein Teil von Newmans Familie stammt aus New Orleans, und er selbst hat als Kind dort manchen Sommer verbracht – und dabei gelernt, die Musik des Bayou zu lieben. „Ich fühle mich dieser Musik seelenverwandt“, sagt er. „Ich kann nicht genau sagen, woher das kommt. Wer weiß, vielleicht habe ich als Baby mal etwas gehört, und nun verbinde ich das für immer mit angenehmen, vertrauten Gefühlen.“

Newman schrieb für KÜSS DEN FROSCH eine Originalfilmmusik, die eine Reihe verschiedener Musikstile verknüpft – von Jazz und Blues über Gospel bis zu Zydeco. Dafür holte er einige der berühmtesten Musiker der Welt zu sich ins Studio. Das Ergebnis? Reine Magie.

„Wir hatten das Glück, absolut großartige Musiker mit Randy Newman bei KÜSS DEN FROSCH zusammenbringen zu können“, schwärmt Produzent Peter Del Vecho. „Darunter Grammy®-Preisträger wie Dr. John, Terence Blanchard und Terrance Simien, die nicht nur ihr ungeheures Talent, sondern auch ein authentisches New-Orleans-Flair mitbrachten. Es war eine echte Ehre, mit ihnen zu arbeiten.“

Terence Blanchard freute sich seinerseits, dass Disney mit KÜSS DEN FROSCH zurück zum Zeichentrick-Musical fand. „Bei einem Musical mitzuspielen ist eine tolle Sache“, sagt er. „Mein Vater war früher Opernsänger, er liebte Musicals. Einer der ersten Filme, zu dem er mich mitnahm, war ANATEVKA (Fiddler on the Roof, 1971). Schade, dass er KÜSS DEN FROSCH nicht mehr sehen kann. Aber andererseits bin ich auch ganz froh – denn wäre er noch am Leben, würde er mir im Studio ständig Verbesserungsvorschläge machen.“

Blanchard spielt im Film die Trompete von Jazz-Alligator Louis. In der amerikanischen Originalversion leiht Michael Leon Wooley dem Alligator seine Stimme, deshalb scherzt Blanchard: „Ich habe Michael gesagt: ‚Pass auf, dieser Louis ist ein echt komplizierter Typ. Da braucht es uns beide, um aus ihm einen lebendigen Charakter zu machen.“ In der deutschen Fassung spricht und singt Bill Ramsey mit seinem erdigen Bariton den Louis.

Terrance Simien wiederum brachte mit Zydeco einen typischen New-Orleans-Sound in den Film. „Zydeco ist die Musik der Kreolen in Louisiana“, erklärt er. „So etwas wird nicht so oft im Radio gespielt. Nun hoffe ich, dass die Leute nach diesem Film Lust auf mehr bekommen und Zydeco und andere Musikstile ausprobieren.“

Zu den Songs gehört auch die von Randy Newman komponierte Ballade für Tiana, „Almost There“ (dt. „Ganz nah dran“). „Mit dem Lied äußert sie ihre Sehnsucht nach einem eigenen Restaurant“, erklärt Newman. In der deutschen Fassung wird das Lied von Cassandra Steen gesungen.

Einer der markantesten und emotionalsten Charaktere in KÜSS DEN FROSCH ist Ray, das schwer verliebte Glühwürmchen. Dessen Gefühle bringt Newman, wenn man so will, ans Licht – in dem Song „Ma Belle Evangeline“ (dt., „Ich lieb’ Dich, Evangeline“). „Das ist Rays große Ode an ein Glühwürmchen, das für ihn unerreichbar weit weg ist“, sagt Newman. „Das Lied zu schreiben fiel mir recht leicht, weil ich von Anfang an wusste, dass es ein Cajun-Stück sein würde, eine Art Walzer. Und Ray ist beherrscht von einem einzigen, mächtigen Gefühl: Er ist verliebt.“

Für Newman gibt es kaum ein anderes Genre, in dem die Musik eine derart große Rolle spielt, als den Animationsfilm. „Wenn man für einen Trickfilm komponiert, dann spiegelt sich das Verhalten der Figuren unmittelbar in der Musik wider“, sagt er. „Purzelt jemand auf die Nase, macht es ‚Ba-dum-dum!’ Ganz einfach. Gleichzeitig gilt: Macht es nicht ‚Ba-dum-dum’, dann stimmt etwas nicht. Aber natürlich ist die Musik auch so eingesetzt, dass sie Gefühle transportiert.“

Für die große Schlussnummer, „Never Knew I Needed“, gelang es den Filmemachern, den mehrfach Platin-gekrönten, dreifachen Grammy®-Preisträger Ne-Yo zu gewinnen. Der Song, in der deutschen Fassung von Cassandra Steen und Ne-Yo im Duett gesungen, fasst quasi die ganze emotionale Reise von Tiana und Prinz Naveen noch einmal zusammen.

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