Fakten und Hintergründe zum Film "Kreuzzug in Jeans"

Kino.de Redaktion |

Kreuzzug in Jeans Poster

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Über den Film

Regisseur Ben Sombogaarts Vision von KREUZZUG IN JEANS

KREUZZUG IN JEANS ist eine Geschichte voll des Staunens, die durch den Kontrast zweier grundverschiedener Welten lehrreich und spannend zugleich ist. Wir erleben das Mittelalter durch die Augen von Dolf, der verblüfft ist von dieser seltsamen Welt. Aber wir sehen auch Dolf durch die Augen der Menschen des Mittelalters – einen Jungen, der andere Menschen durch den Kuss des Lebens retten kann, der in der Lage ist, mit seinem Daumen Feuer zu machen, um den herum sich Wunder ereignen und für den sogar Engel auf Befehl zu singen anfangen. Ein wesentliches Element des Films ist das immer wiederkehrende Erstaunen, das im Teamwork von Kameramann, Art Director und Kostümbildnern eindrucksvoll visualisiert und transportiert werden soll.

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Der Film

Gemeinhin wird behauptet, dass die Geschichten aus dem Mittelalter die „Western Stories“ Europas seien. Man sollte jedoch vom Gegenteil ausgehen: Unsere Sagen aus dem Mittelalter entsprechen den Western Stories der neuen Welt. Ein Film über das Mittelalter spricht unsere unmittelbare Vorstellungskraft und unsere kulturellen Wurzeln an. Ein solcher Film handelt von unseren Archetypen, unseren Mythen, unserer eigenen Vergangenheit.

Daher hat KREUZZUG IN JEANS, mit einer Länge von ca. 120 Minuten, das Potential, ein einzigartiger Film für ein breites Publikum zu werden. Ein historischer Abenteuerfilm, der eine Vorstellung vermittelt vom Leben und Denken im Mittelalter, der ein Sittenbild jener Zeit zeigt, ein Film so authentisch und wahr wie es die moderne Kinoerzählweise zulässt. Kein Action-Film. Actionelemente dienen hier lediglich dem Zweck, die Welt auf der Leinwand für das Publikum glaubwürdig zu gestalten. Sie werden nur dann eingesetzt, wenn es dramaturgisch sinnvoll erscheint. Denn KREUZZUG IN JEANS ist eine Story, die von den Charakteren vorangetrieben wird – von Dolf, Jenne, Nicolas, Thaddeus und Anselmus – vielschichtige, faszinierende Persönlichkeiten, die das Publikum bewegen, die es den Atem anhalten lassen werden, denen das Publikum folgen wird über die Abgründe der Alpen bis hin zur Meeresküste – für die Kinder des Mittelalters fast das Ende der Welt. Dort werden die Zuschauer Zeuge der unausweichlichen Konfrontation zwischen Dolf und Anselmus.

KREUZZUG IN JEANS wird zuerst und vor allem ein Film sein über wirkliche Menschen, den fast 16jährigen Dolf, seine Freundschaft zu gleichaltrigen Jugendlichen des Mittelalters und seine erste große Liebe mit Jenne. Es ist ein Film über einen Jungen, der darum kämpfen muss, seinen Platz in einer fremden und feindseligen Welt zu finden, über einen Jungen, der nicht nur eine Forschungsexpedition macht, sondern auch an die Grenzen seiner persönlichen Möglichkeiten geht, über einen Jungen, der immer wieder gezwungen ist, sehr schwierige und weit reichende Entscheidungen zu treffen.

Vom Buch zum Film

Während der Entwicklung des Drehbuches mussten zahlreiche Entscheidungen getroffen werden, um diese ungewöhnliche Geschichte verdichten zu können. Drehbuchautoren verschiedener Länder haben seit 1998 daran gearbeitet, die Buchversion der Geschichte von Dolf in eine überzeugende Drehbuchvorlage für einen anspruchsvollen und unterhaltsamen Kinofilm umzuarbeiten. Manchmal mussten ganze Episoden weggelassen werden, während andere Teile erweitert und intensiviert wurden. So wurden die Szenen in der Gegenwart aktualisiert, in der Vergangenheit wurde aus der freundschaftlichen Beziehung zwischen Dolf und Jenne eine bewegende, weil glaubwürdige Liebesgeschichte. Diese Änderungen sind notwendig gewesen, um die Buchvorlage dramaturgisch gestrafft für die Leinwand adaptieren zu können und dabei dennoch dem Kern der Geschichte gerecht zu werden.

Den Drehbuchautoren ist es auf sensible und fachkundige Weise gelungen, eine ergreifende, literarische Geschichte in eine ebenso ergreifende Film-Story zu verwandeln, ohne den originären Charakter des Buches zu verletzen. Dabei ist eine Geschichte entstanden, die auf äußerst filmische Weise erzählt wird mit all den Zutaten, die man benötigt, um einen fesselnden, bewegenden Film drehen zu können.

Fazit

KREUZZUG IN JEANS ist eine mythische, eine zeitlose Story. Angesiedelt in den mythischen Zeiten des Mittelalters, ist dies eine Geschichte über eine unmögliche Reise, die dennoch bewältigt werden muss; eine Geschichte, in der die Götter nie weit weg sind. Dolf ist ein tragischer und verletzbarer Held, der gegen seinen Willen seine eigene Odyssee bestehen muss. Wie Odysseus muss er teuflische Krankheiten, Gebirge und Riesen mit List und Ausdauer besiegen, aber zu seinem größten Feind wird ein Mensch. Dolf hat etwas von Theseus, der Rat und Hilfe von dem Mädchen Ariadne bekommt, die er am Schluss wieder verliert. Er ist wie Ikarus, der die Erfindung seiner Eltern missbraucht und an seinem Stolz zugrunde geht. Er ist wie Christus, der Brot vermehrt, die Kranken heilt und am Schluss dennoch verurteilt wird. Ich denke, da KREUZZUG IN JEANS aus so vielen Geschichten besteht, wird diese Geschichte jeden ansprechen. Was ist schöner, als ins Kino zu gehen und in eine Welt einzutauchen, die nur noch in unseren Träumen, im Unbewussten existiert.

- Ben Sombogaart -

Hintergrund: Buchvorlage

Thea Beckman (1923-2004) ist die Grand Old Lady der niederländischen Jugendliteratur. Seit 1947 schrieb sie kleine Geschichten und journalistische Beiträge für Zeitschriften. Erst 1970 fing sie an, Jugendbücher zu verfassen, die sofort sehr erfolgreich waren und sie zu einer der bekanntesten Autorinnen der Niederlande machten. Im Verlag Urachhaus erschienen neben „Kreuzzug in Jeans“ „Kinder der Mutter Erde“, „Stadt im Sturm“, „Das Geheimnis des Alchemisten“, „Der Goldene Dolch“ und „Unter glücklichem Stern“. Weitere Bücher von ihr sind beim Arena Verlag und beim Bertelsmann Verlag herausgebracht worden, z.B. „Mein Vater in Brasilien“ und „Karen Simonstochter“.

„Kreuzzug in Jeans“ ist das erfolgreichste Buch der holländischen Autorin Thea Beckman. In den Niederlanden wurde das Buch mehr als 340.000-mal verkauft und befindet sich mittlerweile in der 72. Auflage. Im Jahr 1976 wurde „Kreuzzug in Jeans“ in Bologna mit dem europäischen Preis für das beste historische Jugendbuch ausgezeichnet. Nationale Preise folgten. Das Buch ist in 13 Sprachen übersetzt und in über 20 Ländern veröffentlicht worden. So fand der Roman auch in Spanien, Deutschland und Belgien zahlreiche Anhänger, die als „stille ‚Reisebegleiter’ von Dolf“ (Ben Sombogaart) den 15-jährigen Jungen auf seinem Weg durch die Zeit zurück ins Mittelalter begleiten und dort einen unmittelbaren Eindruck von der grausamen aber auch faszinierenden Welt des Mittelalters erhalten.

Die Kinderkreuzzüge von 1212

Im Jahr 1212 brachen Tausende von halbwüchsigen Jungen und Mädchen auf, mit dem Ziel, das Heilige Land von den Sarazenen zu befreien. Diese später in den Geschichtsbüchern als „Kinderkreuzzüge“ bezeichneten Bewegungen nahmen ihren Ausgang in Köln und im Loiregebiet in der Nähe der Stadt Vendome. Zwischen dem französischen und dem deutschen Kinderkreuzzug scheint es keinerlei Verbindung gegeben zu haben, beide entstanden vollkommen unabhängig und wurden nicht voneinander inspiriert. Gemeinsam ist beiden, dass es als Schlüsselerlebnis für die Zusammenkunft und den Zug der Kinder gen Süden ein Erlebnis der jugendlichen Anführer – Nikolaus in Köln und Stephan in Vendome – gab, das nicht anders denn als göttliche Botschaft verstanden wurde:

Im Frühling des Jahres 1212 versetzten eigenartige Lichterscheinungen am nächtlichen Himmel die Bevölkerung Westeuropas in Unruhe. Diese atmosphärischen Phänomene hielt man allgemein für Vorboten des Jüngsten Gerichts. Stephan und Nikolaus sollen nach Angaben verschiedener Quellen außerdem Erscheinungen von Engelen und von Christus selbst in Gestalt eines Fremden, der vom Kreuzzug aus dem Heiligen Land zurückgekehrt war, widerfahren sein. In beiden Fällen wurde ihnen als Mission die gewaltlose Befreiung von Jerusalem aufgetragen. Die Haltung der Geistlichkeit zu diesem Auftrag ist bis heute umstritten. Ein offizieller Kreuzzugaufruf ist nicht vom Papst erteilt worden, konservativen Quellen zufolge lehnte Papst Innozenz III. wie die meisten Geistlichen diesen Kreuzzug ab.

Über den deutschen Kinderkreuzzug liegen die glaubwürdigsten zeitgenössischen Dokumente vor. Initiator des Kreuzzuges war ein Junge namens Nikolaus, der im April 1212 in Köln eine Schar von Kindern im Alter von 6-14 Jahre aber auch Jugendliche und Greise um sich sammelte, mit dem Ziel nach Süden Richtung Genua zu ziehen. Bis 25.000 Anhänger gewann Nikolaus bis Mai 1212. Der Weg der Kinder wird von mehreren Stadtchronisten beschrieben, so berichtete ein Chronist aus Trier von den Kindern, ebenso will ein Mönch aus Speyer am 25. Juli 1212 den Kinderzug gesehen haben. Am 20. August erreichten die Kreuzfahrer dann Piacenza und man sagt, dass sie nach dem Weg zum Mittelmeer gefragt haben.

Der Weg des Kinderheeres führte über die Alpen, die sie in mehreren großen Gruppen überquert haben sollen. Nikolaus nahm nach Überlieferungen den unwegsamen Mont-Saint-Cenis-Pass und führte die durch die lange Reise, bei der sie weitestgehend auf Almosen angewiesen waren, ausgehungerten Kinder über die Berge. Schwierige Wetterbedingungen, Lawinen und Steinschläge dezimierten den Kreuzzug erheblich. Zahlreiche Kinder verloren durch Hunger, Kälte und Erschöpfung ihr Leben, so dass am 25. August 1212 nur etwa 7.000 Kinder unter Führung von Nikolaus die Mittelmeerküste bei Genua erreichten.

Welchem Schicksal die Kinder entgegen zogen, ist bis heute nicht geklärt. Viele von ihnen sollen gleich am folgenden Tag ihrer Ankunft in Genua enttäuscht die Stadt wieder Richtung Heimat verlassen haben, möglicherweise, weil das von Nikolaus erhoffte Wunder nicht eintrat. Nikolaus war sich seines göttlichen Beistandes laut Chronisten so sicher, dass er den Kindern versprach, dass sich das Mittelmeer vor dem Kreuzzug teilen und damit, wie damals den Israeliten aus Ägypten, den Kreuzfahrern eine trockene Überquerung des Meeres schenken würde. Doch das Wunder blieb aus. Nur wenigen Kindern gelang die Rückkehr in die Heimat. Die meisten blieben in Italien und wurden dort als billige Arbeitskräfte zurückgehalten, wenn sie nicht an Krankheiten und Überfällen in der damals sehr unruhigen Gegend ums Leben kamen. Diejenigen, die nach Deutschland zurückkamen, wurden laut den Geschichtsschreibern mit Spott empfangen. Manche von den Kindern zogen mit Nikolaus vermutlich weiter nach Brindisi oder wanderten nach Rom, um von Papst Innozenz III. die Auflösung des Kreuzzuggelübdes zu erhalten, das ihnen offiziell nie erteilt worden war.

Hartnäckig halten sich die Berichte, dass ein Großteil der Kinder von Genua, Brindisi oder auch – beim französischen Kinderkreuzzug – von Marseille aus an Bord von Schiffen gegangen sind. Doch bedeutete dies für sie keine Überfahrt nach Jerusalem, sondern die Kinder fanden sich in Nordafrika wieder und wurden dort in die Sklaverei verkauft. Zwei der vielen Schiffe sind nach Zeugnissen von Zeitzeugen in einem Sturm vor Sardinien gesunken und haben der gesamten Besatzung den Tod gebracht. Papst Gregor IX. ließ auf der Insel St. Pietro eine Kapelle erreichten, um der Ertrunkenen zu gedenken.

Aus den spärlichen historischen Quellen geht hervor, dass die Bevölkerung der betroffenen Gegenden dem Kinderkreuzzug gespalten gegenüberstand. Einerseits gab es fanatische Befürworter, andererseits auch scharfe Gegner der Bewegung, die sich durch die schließlich eintretende Tragödie bestätigt fanden. Auf jeden Fall setzte die Legendbildung sehr früh ein. So wurden die Kinderkreuzzüge mit der Legende des Rattenfängers von Hameln in Verbindung gebracht. Der Rattenfänger von Hameln lockt erst die Ratten aus der Stadt, und, als ihm die ausgemachte Bezahlung verweigert wurde, lockte er zur Strafe die Kinder heraus.

(Quelle: Thomas Ritter. Im Namen des Herrn. Das Phänomen der Kinderkreuzzüge)

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