Krass

Kinostart: 18.01.2007
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Filmhandlung und Hintergrund

Sensible und humorvolle Verfilmung der zum Bestseller avancierten Kindheits- und Jugenderinnerungen von Augusten Burroughs.

Ende der 70er Jahre lebt der 14-jährige Augusten Burroughs (Joseph Cross) bei seiner geistig instabilen Mutter Deirdre (Annette Bening), die von ihrem Durchbruch als Dichterin träumt. Als sie bei Psychiater Dr. Finch (Brian Cox) eine Therapie beginnt, lässt ihr feiger Mann Norman (Alec Baldwin) die Familie im Stich. Während Dr. Finch seine Hausbesuche ausweitet, lernt Augusten dessen reichlich verquere Verwandtschaft kennen: Seine Frau Agnes (Jill Clayburgh), die Töchter Hope (Gwyneth Paltrow) und Natalie (Evan Rachel Wood), sowie Adoptivbruder Neil (Joseph Fiennes).

Keine Miene verzieht das schillernde Starensemble beim episodenhaften Durchspielen von Augusten Burroughs urkomischen Memoiren, die 2002 zum gefeierten Bestseller wurden. „Nip/Tuck„-Regisseur Ryan Murphy hat als Fachmann die Dramedy gut im Griff.

Augustens Kindheit ist eine Herausforderung. Der frustrierte Vater flüchtet in den Alkohol, Mutter Deidre in die Vorstellung, dass die Welt ihre Brillanz als Poetin endlich wahrnehmen müsse. Als Augusten in die Familie von Deidres Therapeuten abgeschoben wird, erscheint die Ansammlung gestörter Psychen als noch größere Strafe. Doch ausgerechnet hier findet Augusten die Zuneigung, die ihm Kraft zum Überleben gibt.

Der sechsjährige Augusten Burroughs hat es wahrlich nicht leicht. Vater Norman, ein Mathematik-Professor, ist dem Alkohol verfallen und seine Mutter Deirdre der irrigen Meinung, ihre poetischen Ergüsse würden alsbald veröffentlicht und sie dadurch weltberühmt werden. Als die Ehe der Burroughs nicht mehr zu retten ist, wird Augusten in die Familie von Deirdres Therapeuten abgeschoben. Und obwohl auch bei den Finchs jedes Mitglied unter massiven psychischen Probleme leidet, scheint sich der Kleine dort so richtig wohl zu fühlen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Krass: Sensible und humorvolle Verfilmung der zum Bestseller avancierten Kindheits- und Jugenderinnerungen von Augusten Burroughs.

    Die unglaubliche, aber wahre Geschichte von Augusten, der in zwei Chaos-Familien aufwuchs und trotzdem weder Verstand noch Humor verlor.

    Große Erwartungen gab es, als dieses Projekt einen Bestseller, Augusten Burroughs Reise in seine Biografie, und Ryan Murphy, Mastermind der TV-Serie „Nip/Tuck“, zusammenbrachte. Doch in den USA war die Resonanz auf „Krass“ eher blass. Zu Unrecht, denn Murphys Mix aus exzentrischer Komik und sensibler Gefühlschronik ist einer der bestbesetzten und interessantesten Filme des Kinojahres 2006. Angesiedelt im Universum von Wes Andersons „Die Royal Tenenbaums“ und verwandter autobiografischer Kindheitsporträts wie etwa Diane Keatons „Entfesselte Helden“, mag „Krass“ die Fans des Buchs durch Veränderungen verstimmen. Doch literarisch unvorbereitete Zuschauer erwarten hier zwei Stunden ungewöhnliche und unterhaltsame Familienforschung.

    Es beginnt 1971, als der kleine Augusten zwischen die Fronten des elterlichen Ehekriegs gerät. Vater Norman (Alec Baldwin) ist Alkoholiker, Mutter Deidre (Annette Bening) vielleicht der Grund dafür: eine narzisstische Persönlichkeit, die ihren Sohn vernachlässigt und von der Kluft zwischen der Selbsteinschätzung als brillante Poetin und der real reduzierten Reaktion der Literaturszene darauf aufgefressen wird. Nach der Scheidung beginnt Deidre Seelenpflege beim exzentrischen Therapeuten Dr. Finch (Brian Cox), verabschiedet sich völlig aus der Verantwortung für den Sohn, der im chaotischen Haushalt der Finch-Familie landet. Dr. Finch wird sein unorthodoxer, mitunter auch gefährlicher Ratgeber. Finchs traumatisch verstörter Adoptivsohn wird sein Lover, Finchs Tochter Natalie seine engste Vertraute, deren Schwester Hope eine beunruhigende Lektion in Selbstaufgabe und Finchs Frau Agnes, so schrullig und in ihrem Selbstwertgefühl degradiert sie auch ist, die Mutter, die er nie hatte.

    Eine größere Versammlung verhaltensgestörter, verzweifelter, deprimierender Figuren gab es lange nicht zu sehen. Doch trotz verkürzter Charakterisierungen wird keine Figur der Lächerlichkeit preisgegeben. Als Zuschauer macht man ähnliche Erfahrungen wie der Protagonist: erst wirken alle Figuren schrill und überlebensgroß, dann lebt man mit ihnen und ihren Eigenheiten, verachtet sie, wie Benings grandios gespieltes Muttermonstrum, oder liebt sie wie Jill Clayburghs geisterhaft aussehenden, aber zutiefst menschlichen Gegenpol. In der Ensembleleistung, zu der auch Cox, Baldwin, Joseph Fiennes und Evan Rachel Wood Bemerkenswertes beitragen, ist „Krass“ im Kinojahr 2006 konkurrenzlos. Auch deshalb lohnt es sich, diesen Film zu entdecken. Ob man sich nun damit als Kontrastprogramm zur eigenen Clanharmonie herausfordern oder sich nach schlimmen Selbsterfahrungen mit einem noch traumatischeren Leben trösten will. kob.

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