Kopf oder Zahl

Kinostart: 23.04.2009
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Filmhandlung und Hintergrund

Gangsterthriller im Stil von Ritchie trifft auf ernsthaftes Crime-Drama, das etwas zu viel will.

In 24 Stunden verändert sich das Leben einiger Menschen nachhaltig: Das Schicksal führt sie zusammen, vielleicht ist es auch eine Menge abhanden gekommenes Heroin: Gangsterboss Richie (Mark Keller) vermisst die Fuhre und fragt sich mit aller Gewalt durch, zunächst bei Ron (Ralf Richter). Das wirbelt nicht nur mehr Staub auf als jede Baustelle, sondern schreckt die schrägsten Typen auf: Phil (Tyron Ricketts), Valerie (Saskia Valencia) und Milos (Heinz Hoenig).

Bis in die kleinste Nebenrolle mit prominenten Namen besetztes Street-Gangster-Movie, das Benjamin Eicher in gewohnt kontrovers-komischer Manier inszeniert. Aus der Perspektive eines 12-Jährigen spinnt er ein unheilvolles Story-Netzwerk, dass sich an Quentin Tarantino und Peter Thorwarth orientiert.

Zwei junge Gauner klauen Stoff, der natürlich schmerzlich vermisst wird. Außer den ehemaligen Besitzern setzen sich auch eine Enthüllungsjournalistin und ein Bad Cop, der einen Reibach wittert, auf ihre Fährte. Ein frisch entlassener Knacki wird indes vom Zuhälter seiner Ex gezwungen, sich noch mal in die tiefsten Tiefen zu begeben. Dort trifft er auf einen ehemaligen Arzt, der Drogen für die Mafia schmuggelt, um Geld zur Tochter zu schicken, die er daheim in Grosny wähnt, und die doch nur ein paar Häuser weiter für die Mafia anschafft.

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Kritikerrezensionen

  • Kopf oder Zahl: Gangsterthriller im Stil von Ritchie trifft auf ernsthaftes Crime-Drama, das etwas zu viel will.

    Ambitionierte deutsche Filmemacher aus dem Seiteneingang scheitern ehrenvoll mit dem Versuch, einen deutschen Gangsterthriller im Stil des jungen britischen oder französischen Genrefilms zu drehen.

    In einer namenlosen deutschen Großstadt (die verdächtig stark Berlin ähnelt) steuert das Schicksal zweier junger Schwörer scheinbar unvermeidlich auf böse Konfrontationen zu. Sie stibitzen Stoff; der wird natürlich andernorts schmerzlich vermisst bzw. nach ihm wird hemmungslos gejagt. Eine sogenannte Enthüllungsjournalistin, die bei jeder passenden wie unpassenden Gelegenheit gern sich selbst enthüllt, ist genauso hinter der Geschichte her wie der Bad Cop den Jungen auf den Fersen, der einen Reibach wittert und seine Beziehungen zu Schrottplatz-Asis und Zigeunerbaronen auch mal zuungunsten des Good Cop spielen lässt. Und dann ist da noch der gerade entlassene Knacki, der eigentlich nur seinen kleinen Hurensohn aus der Schusslinie bringen will, aber vom bösen Zuhälter seiner Ex gezwungen wird, sich noch mal in die tiefsten Tiefen zu begeben. Dort trifft er auf einen anderen Vater, der Arzt gelernt hat und jetzt Drogen für die Mafia schmuggelt, um Geld zur Tochter zu schicken, die er daheim in Grosny wähnt, und die doch nur ein paar Häuser weiter für die Mafia anschafft.

    Die moderne Großstadt glänzt und boomt, doch unter der Decke brodelt ein Vulkan, der jederzeit auszubrechen droht. Denn: Es gibt keine Regeln, der alte Kodex ist tot, jeder ist sich selbst der Nächste. Die Medien lügen, auf die Cops ist kein Verlass, und, ach, der Mensch ist schlecht. So what else is new? Nun, neu ist zum Beispiel, dass aktuelle deutsche Filmemacher sich an einem ernsthaften Crime-Drama versuchen, mit nationalen Stars und episodischer Struktur im Kielwasser von Guy Ritchie oder Luc Besson fahren. Geschichten dafür gibt es schließlich auch bei uns genug - man muss sie nur erzählen wollen. Benjamin Eicher und Timo Meyer tun dergleichen schon länger im förderungsfreien Untergrund, doch jetzt stecken sie den Kopf an die Oberfläche und wollen vielleicht ein bisschen viel auf einmal. Die Gesellschaft als zynisch und rassistisch enttarnen und selbst zynisch mit rassistischen Klischees Wirkungstreffer landen. Kritisch sein und herzhaft unterhalten. Dieses noch erzählen und jenes. Den Charme, die Situationskomik und das verspielte Popkulturzitat vernachlässigend, obwohl dies dem von Tarantino und den Coens begründeten modernen Gangsterkino erst zum Sieg verholfen hat.

    Man spürt die gute Absicht. Ein deutsches Genrekino wäre zu wünschen. Schließlich haben wir die Typen und Möglichkeiten dafür. Eicher und Meyer lassen sie Revue passieren. Ralf Richter, Claude-Oliver Rudolph, Martin Semmelrogge, Heinz Hoenig, Afrob - die Besetzung kann sich sehen lassen. Doch ein paar Seitenstränge weniger hätten nicht geschadet, um anderen mehr Tiefe und Farbe zu geben. So spielt ein Dutzend Leute an allen Ecken ums nackte Leben, ohne dass sich sonderlich Teilnahme für ein Einzelschicksal einstellt Da hilft es auch nicht, alle Brutalitätsregler bis zum Anschlag aufzudrehen, wenn das Entsetzen sofort von ungläubigem Staunen über die x-te fantastische und sehr gewollt wirkende Drehbuchwendung abgelöst wird. Aber man will ja nichts auslassen. Wer weiß, wann solche Möglichkeiten wiederkommen. ab.

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