Kombat Sechzehn

  1. Ø 2.8
   2005

Kombat Sechzehn: Ein Sechzehnjähriger, der sich nach einem unfreiwilligen Umzug von Frankfurt am Main nach Frankfurt an der Oder einen neuen Freundeskreis suchen muss, gerät in eine Neonazi-Clique.

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Filmhandlung und Hintergrund

Kombat Sechzehn: Ein Sechzehnjähriger, der sich nach einem unfreiwilligen Umzug von Frankfurt am Main nach Frankfurt an der Oder einen neuen Freundeskreis suchen muss, gerät in eine Neonazi-Clique.

Der sechzehnjährige Georg (Florian Bartholomäi) ist frisch von Frankfurt am Main nach Frankfurt an der Oder gezogen, weil sein alleinerziehender Architektenvater vor Ort ein Einkaufszentrum hochziehen soll. Als aktiver Tae-Kwon-Do-Kämpfer mit Meisterschaftsambitionen weckt Georg das Interesse von Thomas (Ludwig Trepte), dem Anführer einer rechtsradikalen Clique. Bisher an Politik kaum interessiert, lässt sich Georg nach anfänglichem Zögern auf die Gang ein.

Im Gegensatz zur braunen Vergangenheit wird die aktuelle Naziszene von deutschen Filmschaffenden bislang eher zurückhaltend thematisiert. Umso wichtiger ist dieses als deutsche Antwort auf „American History X“ apostrophierte Drama des Cottbuser Spielfilmdebütanten Mirko Borscht.

Der 16jährige Georg muss mit seinen Eltern von Frankfurt/Main nach Frankfurt/Oder umziehen. Er weckt schnell das Interesse von Thomas, dem Anführer einer rechtsradikalen Clique aus seiner neuen Klasse. Mangels Alternativen lässt sich Georg von Thomas mit dem Angebot eines Taekwondo-Trainingsraums ködern. Nach und nach rutscht Georg immer weiter in die Clique.

Weil sein Vater sich beruflich verändert, muss Georg mit ihm von Frankfurt/Main nach Frankfurt/Oder umziehen. Dabei verliert der 16-Jährige nicht nur seinen Freundeskreis, er kann auch seine Hoffnungen auf den Gewinn des hessischen Landesmeistertitels im Taekwondo begraben. Am neuen Wohnort gerät er an Thomas, den Anführer einer rechtsradikalen Clique, der ihn mit dem Angebot eines Taekwondo-Trainingsraum ködert. Nach und nach lässt sich Georg immer mehr von den Neonazis vereinnahmen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Das Thema Rechtradikalismus in den neuen Bundesländern ist heute durch die oft oberflächliche und polemische Presse zum Klischee geworden. Mirko Borscht schafft es in seinem ersten Langfilm, dem ehrlichen und sachlichen Porträt eines jungen Mannes, der vom guten Jungen zum bösen Buben wird, einen neuen Blick. Ihm geht es nicht darum, mit dem anklagenden Finger auf die Missstände zu zeigen, sondern er macht durch sein Verständnis für die Figuren Ursachen auf eine Weise klar, die nicht relativieren, sondern verstehen helfen.
    Der Zuschauer kann sich identifizieren mit dem verwirrten Teenager Georg auf der Suche nach dem richtigen Weg, dessen Ängste und Wünsche in absurden Tagträumen sichtbar gemacht werden, und kann nachvollziehen, dass er sich im neuen, fremden Umfeld nicht zugehörig fühlt und meint, in alten Werten wie Mut und Kameradschaft, welche die Clique propagiert, Halt zu finden.

    Die neuen Freunde Thomas und Georg, die sich über den Austausch von Kampfweisheiten verständigen, scheinen mehr gemeinsam zu haben als blinde Wut. Immerhin glauben sie beide, dass „das wahre Ziel des Krieges der Frieden ist.“ Es bleibt Hoffnung, dass sie den Widerspruch zwischen der von ihnen gefeierten Kunst des gerechten Kampfes und der erbarmungslosen, blinden Gewalt ihrer Clique erkennen.

    Georgs Familie scheint ihm aber dabei kaum behilflich zu sein. Wenn sein Vater zur Verschönerung der tristen Umgebung Blumen pflanzt, schwingt die Erkenntnis mit, dass hier Flowerpower ebenso wenig ausrichten wird wie der räucherstäbchenrauchende Buddha des Trainers. Der Architekten-Vater und die Künstlerinnen-Schwester können und wollen Georgs plötzliche Tendenz zum Rechtsradikalismus nicht verstehen und empfinden sie als Angriff auf sie selbst, der abgewehrt werden muss. In ihrer Ignoranz findet Georg nur Bestätigung.

    Georgs Abstieg wird, neben der exzellenten Darstellung von Neuentdeckung Florian Bartholomäi, im Bild auf tragische Weise deutlich in dessen krasser äußerlicher Verwandlung vom gut er- und angezogenen, durchtrainierten Sonnyboy zum heruntergekommenen, Kette-rauchenden Kahlkopf, der nicht mal mehr aufrecht gehen kann, weil er ständig betrunken ist. Seinen unschuldig weißen Taekwondo-Anzug sehen wir ihn bald auch nicht mehr tragen.
    Die dreckigen, dunklen Ecken, in denen er und seine Freunde sich herumdrücken, tragen zur Atmosphäre der Verwahrlosung und der Korruption bei. Ein trauriges, aber nicht klischiert wirkendes Bild des Ostens wird hier vom in Cottbus geborenen Regisseur gezeichnet: Teenage-Mütter vor der Schule, überall Baracken und verlassene Gebäude, besprayte Betonwände und dazu die überdimensionierte Deutschlandflagge im Schulzimmer. Das Ost-West-Problem ist zwar präsent, wird aber nicht zum Hauptthema gemacht. Rechtsradikalismus ist eben nicht nur ein Problem der Ostler.

    Ein unbedingtes Plus des Films ist seine, vom deutschen Film oft nicht zu erwartende, hervorragende Kameraführung, die ganz bestimmt ein großes Stück zum Erfolg des Films beiträgt. Es sind eindrucksvolle, emotional aufgeladene Bilder von großer Klarheit, die gut mit dem manchmal etwas aufdringlichen Soundtrack, in welchem sich die aufgewühlte Gefühlswelt der Charaktere spiegelt, zusammenwirken.

    Nichts wirkt lächerlich oder aufgesetzt, die Gefährlichkeit der Gruppe wird immer präsenter. Einen Höhepunkt des Films bildet eine Szene, in der sich die Clique die Köpfe kahl schert, die es dem Zuschauer in ihrer düsteren Inszenierung, unterlegt mit einer Rockversion des von der Clique immer wieder rituell zelebrierten Liedes vom „unsterblichen“, „gefallenen Kameraden“, kalt über den Rücken laufen lässt.

    Wer daher angesichts des etwas irreführenden Titels die leichte Abendunterhaltung eines actionreichen Kampffilms erwartet hatte, sollte sich nicht enttäuscht zur Videothek begeben, sondern die Herausforderung annehmen. Außerdem sind die Kampfszenen, die „Kombat Sechzehn“ bietet, erstaunlich gut gemacht und weder unrealistisch noch lächerliche Kleine-Jungen-Prügeleien.

    Fazit: Ambitioniertes Erstlingswerk über Rechtsradikalismus und die Kunst des Kampfes von überraschender Bildqualität.
  • Rechtsradikalismus in den neuen Bundesländern – Mirko Borscht greift das brisante Thema in seinem Regiedebüt auf, kein langweiliges Zeigefingerelaborat, sondern ganz nah an der Wirklichkeit. Am Beispiel eines Jungen, der von Frankfurt/Main nach Frankfurt/Oder ziehen muss, zeigt er, wie leicht ein Jugendlicher in den Dunstkreis von Gewalt und Indoktrination geraten kann und wie schwer es ist, aus dieser Art von „Kameradschaft“ wieder herauszukommen.

    Der 33jährige in Berlin lebende Regisseur weiß wovon er erzählt. Er stammt aus Cottbus und war zu DDR-Zeiten „in der Punk- und Rockecke unterwegs“. Wenn er in den vergangenen Jahren nach Hause kam, wunderte er sich über die Anziehungskraft von Hooligan-Szene und politischer Rechten auf junge Leute. In Einzelgesprächen erfuhr er viel über die Hintergründe, Basis für „Kombat Sechzehn“.

    Der 16jährige Georg muss mit seiner Schwester wegen Arbeitswechsel des allein erziehenden Vaters nach Frankfurt/Oder ziehen und ist sauer, ihm fehlen die Kumpel und seine Freundin Jasmin, der Traum vom hessischen Landesmeister in Taekwondo platzt. In Brandenbug findet er keinen Verein, wollen ihn die Klassenkameraden fertigmachen, erst durch seine Fähigkeit zur Selbstverteidigung gewinnt er Anerkennung. Auch von Thomas, dem Anführer der Schrecken verbreitenden Gruppe. Als der ihm einen provisorischen Trainingsraum im Cliquenbau einrichtet, beginnt eine zögerliche Freundschaft. Mehr und mehr gerät der Junge aus dem Westen in die rechtsextreme Subkultur.

    Borscht vermeidet Klischees und Vereinfachungen wie die, Arbeitslosigkeit und Armut führten automatisch zu Rechtsradikalismus. Schon lange sind es nicht nur Jugendliche aus sozial schwachen Schichten, die den rechten Rattenfängern folgen. So kämpft Georg mit persönliche Problemen, möchte er einfach „dazugehören“, ein „Mann“ sein. „Kombat 16“ schreckt – wie „American History X“ oder „Oi Warning“ – nicht vor brutalen Szenen zurück, setzt auf die Ästhetik der Jugendkultur, ohne in den Fehler der Über-Ästhetisierung zu verfallen. Der Regisseur arbeitet mit einem Trick. Je verunsicherter Georg wird, um so mehr verwendet er grobkörniges Material, um die innere Wandlung zu unterstreichen. Es wird schnell klar, dass es weniger um Politik geht als darum, sich zu beweisen, wer der coolste, tollste oder härteste Typ ist. Wobei die Grenzen sich nach und nach gefährlich verschieben und die Jungs in den Neofaschismus hineinrutschen. „Kombat Sechzehn“ ist nicht perfekt, manchmal verlieren sich Nebenstränge, der Vater Sohn-Konflikt wirkt plakativ wie auch die Tatsache, dass Georgs Freundin aus dem Westen auch noch farbig sein muss. Dennoch trifft der Film den Nerv eines jungen Publikums, spricht seine Sprache und bietet ihm die Möglichkeit zur Auseinandersetzung. Nicht die genaue Bestandsaufnahme der Gegenwart steht im Vordergrund, sondern das Aufzeigen von Defiziten im Umgang miteinander. mk.

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