Kollaps

Filmhandlung und Hintergrund

Bewegendes Drama um den inneren Gewissenskampf eines Journalisten, der für ein bisschen mehr Authentizität den Tod eines kurdischen Jungen zu verantworten hat.

Der erfolgreiche Hamburger Journalist Konrad Lange recherchiert für eine Reportage über Kriegswaisen in Vorderasien. Um mehr Authentizität für seine Story zu gewinnen, begleitet er mit seinem Fotografen die kurdischen Geschwister Aljasa und Shadi zu ihrem verlassenen Elternhaus - als einziger um die Gefahr durch Heckenschützen wissend. Shadi wird angeschossen, Konrad versucht - erfolglos - ihn zu retten. Zurück in der Hamburger Redaktion wird er als Held stilisiert, da keiner um die wahren Umstände weiß. Erst als Aljasa auftaucht, um in Deutschland ein neues Leben zu beginnen, muss sich Konrad seinem Gewissen stellen. Zunehmend entfremdet er sich von Freunden und Kollegen, bis es zum „Kollaps“ kommt…

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Kollaps: Bewegendes Drama um den inneren Gewissenskampf eines Journalisten, der für ein bisschen mehr Authentizität den Tod eines kurdischen Jungen zu verantworten hat.

    Die Multimedia-Produktion „Kollaps“ vereint das altbewährte Team von „Ein Lied von Liebe und Tod - Gloomy Sunday“: Regisseur und Drehbuchautor Rolf Schübel, Co-Autorin Ruth Toma sowie Sebastian Koch in der Rolle des Journalisten Konrad Lange und Wanja Mues als Fotograf Hannes Straub haben mit „Kollaps“ einen Film geschaffen, bei dem der Gewissenskonflikt des Protagonisten im Vordergrund steht. Zwar kommt die Personenkonstellation nicht immer ohne Klischees aus, dies wird aber durch pointierte Dialoge und eine angenehm unsentimentale Behandlung des Themas aufgewogen.

    So erfüllt jede Person eine bestimmte Funktion: Es gibt den unfreundlichen Beamten der Ausländerbehörde, den nur am Geschäft interessierten Chefredakteur, den Fotografen, der selbst, wenn andere um ihr Leben kämpfen, noch seine Fotos schießt. Auch dass Aljasa keinen Pizza-Service kennt, erscheint etwas konstruiert. Dennoch wirken die Hauptfiguren glaubwürdig, ihre Handlungen größtenteils nachvollziehbar. Überzeugend besetzt ist die Rolle des innerlich zerrissenen Journalisten Konrad Lange mit Sebastian Koch. Hier wird kein eindimensionaler Charakter geschaffen, gerade weil er nicht von Anfang an moralisch integer erscheint, sondern sich erst im Laufe des Films dahin entwickelt. Peinlich berührend sind Konrads naive Versuche, anderen Ausländern mit Geld zu helfen, um sein schlechtes Gewissen wegen des Geschehenem zu kompensieren. Als er endlich sein Geständnis in dem dritten Teil seiner Reportage ablegt, sind die anderen nicht dafür bereit: „Gewissensbisse können nicht Teil der Geschichte sein. Das ist Ihre private Sache.“ (Chefredakteur) Auch die Figur der Aljasa (Dorka Gryllus) entwickelt sich im Laufe des Filmes. Erfüllt sie am Anfang eher die untergebene zurückhaltende Frauenrolle, die Konrad alles recht machen will, agiert sie gegen Ende des Films zunehmend selbstbewusster und nimmt ihr Leben selber in die Hand. Spannung erzielt der Film nicht nur in der komplizierten Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, die sich ineinander verlieben, sondern auch zwischen Konrad und Hannes. Quasi als Gegenpart zu dem innerlich zerrissenen Journalisten agiert der Fotograf offener, unkomplizierter. Er geht mit Aljasa in den Zoo, spielt mit ihr Schiffe versenken und hält Konrad seine Heuchelei vor Augen, wenn er zu dem Zeitpunkt auch noch nicht die wahren Verhältnisse kennt. Dagegen schwankt Konrad zwischen der Angst, sich in Aljasa zu verlieben und dem Wunsch, ihr die wahre Geschichte zu erzählen.

    Seine stärkste Überzeugungskraft erzielt „Kollaps“ in den reduzierten Szenen: Wenn z. B. Konrad vor dem leeren Monitor sitzt, der Cursor blinkt und er sich selbst im Bildschirm spiegelt, sagt es mehr über seine Unfähigkeit aus, das Erlebte in Worte zu fassen, als es jeder Dialog könnte. Besonders authentisch wirkt die erste Sequenz in Aljasas Heimatland: von der langsamen Kamerafahrt über felsiges Gelände bis zu der Szene, in der der angeschossene Konrad den toten Jungen in den Armen hält, die als Schwarz-Weiß-Foto festgehalten wird und nahtlos an den Schauplatz der Hamburger Redaktion überleitet. Beinahe Dokumentarfilmcharakter haben die verwackelten Aufnahmen in Aljasas zerstörtem Elternhaus. Ähnlich wie bei „Gloomy Sunday“ dominiert in „Kollaps“ eine melancholische Grundstimmung; die orientalisch anmutende Musik begleitet - unterbrochen von Dire Straits‘ „Brothers In Arms“ - die innere Entwicklung Konrads, und dramatisiert sich parallel zu seinem Seelenzustand.

    Obwohl „Kollaps“ unterschwellig die oftmals vorherrschende Skrupellosigkeit der Medienwelt thematisiert, stellt der Film nicht die allgemeine moralische Frage, ob Konrads Handeln zu rechtfertigen ist. Stattdessen zeigt er, wie der (Anti-)Held sich mit seinen eigenen Schuldgefühlen auseinander setzt, beinahe daran zerbricht und schließlich die Konsequenz für sein weiteres Leben daraus zieht. Ebenso wird der Zuschauer nicht in die Lage gedrängt, eine Lanze für oder gegen Konrad zu brechen, sondern erlebt dessen innere Entwicklung mit. akl.

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