Filmhandlung und Hintergrund

Im Serbien nach Milosevic gerät ein verzweifelter Vater in ein moralisches Dilemma: Er wird zum Mörder, um seinem todkranken Kind die Operation im Ausland zahlen zu können. Am Startwochenende überrundete Srdan Golubovics harter Psychothriller in Serbien „Babel“ und ließ mit dem zweitbesten Jahresergebnis US-Blockbuster hinter sich und bringt das Filmland Serbien mit der „Balkan-Version“ von Dostojewskijs „Schuld...

Das Belgrader Ehepaar Mladen (Nebojsa Glogovac) und Marija (Natasa Ninkovic) lebt ein bescheidenes Glück mit ihrem Sohn Nemanja (Marko Djurovic). Als der 10-Jährige erkrankt und zum Überleben eine sündteure Herzoperation bei einem ausländischen Spezialisten benötigt, ist guter Rat teuer. Der unterbezahlte Ingenieur Mladen kann das Geld nicht auftreiben und setzt eine Zeitungsannonce auf. Als sich daraufhin ein Gönner meldet und ihm die Erstattung verspricht, ist die Freude nur von kurzer Dauer: Mladen soll dafür einen Menschen töten.

Die Schatten des Krieges hängen über diesem Film Noir, der einen Familienvater dazu zwingt, für das Leben seines Kindes ein anderes auszuschalten. „Schuld und Sühne“ als Psychodrama über einen Mann in der Armuts- und Moralfalle, die seine Ehe zu Grunde richtet.

Lehrerin Marija und der Bauingenieur Mladen schlagen sich mit Mühe durchs Leben in Serbien. Dann stellt der Arzt bei ihrem Sohn eine schwere Herzkrankheit fest. Die Operation in Berlin kostet ungefähr 30.000 Euro. - Geld, das die beiden nicht besitzen. Auf ihren Spendenaufruf in der Zeitung meldet sich ein Mann mit einem mörderischen Angebot. Beseitigt Mladen einen moralisch verrotteten Geschäftsmann, erhält er das nötige Geld. Jede Entscheidung bedeutet Tod - des geliebten Kindes oder des Fremden.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Regisseur Srdan Golubovic lässt eine rechtschaffene Familie im Belgrad der Nachkriegszeit in einen Konflikt um Leben und Tod rasseln. Angeblich geht es um die zeitlose Frage, ob unter bestimmten Umständen ein guter Mensch zum Mörder werden kann. Doch ist „Klopka – Die Falle“ weniger ein fesselndes Psychodrama, sondern ein Porträt einer zerrissenen, von moralischem Verfall bedrohten Gesellschaft. Der Film tourt in diesem Jahr auf zahlreichen Festivals und gewann unter anderem auf dem goEast Festival des mittel- und osteuropäischen Films Wiesbaden den Preis der Internationalen Filmkritik (FIPRESCI-Preis).

      Zwar ist Serbien nicht mehr im Krieg, doch über Belgrad liegt ein Grauschleier, der sowohl Trauer, als auch innere Verwüstung der Menschen anzeigt. Die Straßen, die Häuser, die Kleidung von Mladen und Marija spiegeln diese tiefe Trostlosigkeit. Der allumfassende Grauton, der sich manchmal zu kaltem Blau wandelt, ist das wichtigste optische Stilmittel der Inszenierung. Es suggeriert Verstörung, sowohl durch die nahe Kriegserfahrung, als auch durch die Ohnmacht gegenüber den beängstigenden Auswüchsen der freien Marktwirtschaft.

      Belgrad wird in diesem Film regiert von einer ominösen Mafia. Der Auftraggeber von Mladen erklärt sein Anliegen damit, dass der Mann, der umgebracht werden soll, den Leuten im Weg steht, die das Land aufbauen wollen. Und zu diesen Gutwilligen gehört offenbar auch die Polizei, wie eine spätere Szene andeutet. Mladens Schweigsamkeit gegenüber seiner Frau wird erst in diesem Umfeld nachvollziehbar: Es gibt kein verlässliches Wertegerüst in der Außenwelt. Ein Bekannter, der ein reicher Unternehmer geworden ist, beantwortet Mladens Bitte um Geld mit blankem Zynismus, mit der Verweigerung von elementarem menschlichem Respekt.

      Der Westen kommt nicht gut weg in dieser Fahndung nach den Schuldigen für die moralische Verrohung. Die Bauarbeiter an Mladens Arbeitsplatz fühlen sich geprellt von dem niedrigen Angebot einer ausländischen Firma, die das Unternehmen kaufen will. Und der Mord-Auftraggeber leistet sich Mladen gegenüber einen philosophischen Vortrag über das Schlechte in der Welt – was soll man schließlich machen: Ein Menschenleben sei nun mal nicht so viel wert wie ein anderes, auch die Zahlungen an Opferangehörige des 11. September seien ja nach dem Einkommen ausgefallen.

      Golubovic analysiert diese Mentalität, die einen Minderwertigkeitskomplex nach dem Erwachen im Kapitalismus offenbart, sehr kritisch. Der Mord-Auftraggeber singt das Lied der persönlichen Verantwortungslosigkeit quasi im Duett mit der Weigerung, Mladen endlich das versprochene Geld für die Rettung seines Kindes zu zahlen. Und die Schlüsselszenen des Films spielen sich auf einer Straßenkreuzung ab, auf der stets Kinder herbeieilen, um die Windschutzscheiben zu putzen: gegen eine Münze, oder eine Zigarette.

      Die Larmoyanz der Geschichte ist allerdings so bedrückend wie der Grauton der Bilder. Dass der liebende Vater gar keine andere Wahl hatte, als so zu handeln, ist eine Logik von penetranter Aufdringlichkeit, eine Schlinge, die von außen um unschuldige Menschen gezogen wird. Das der Figur von Mladen aufoktroyierte Dauerschweigen, unterbrochen von hölzernen Monologen ohne Gegenüber, ist wenig geeignet, Anteilnahme zu erzeugen.

      Fazit: Ein Belgrader Bürger tötet, um das Geld für die Operation seines Kindes zu bekommen: Wehleidiges Porträt einer zerrissenen Gesellschaft, die mit ihrem Kriegstrauma hadert.
    2. Im Serbien nach Milosevic gerät ein verzweifelter Vater in ein moralisches Dilemma: Er wird zum Mörder, um seinem todkranken Kind die Operation im Ausland zahlen zu können.

      Am Startwochenende überrundete Srdan Golubovics harter Psychothriller in Serbien „Babel“ und ließ mit dem zweitbesten Jahresergebnis US-Blockbuster hinter sich und bringt das Filmland Serbien mit der „Balkan-Version“ von Dostojewskijs „Schuld und Sühne“ auch in Westeuropa ins Gespräch.

      Die Zweiteilung der Gesellschaft ist Fakt. Die Neureichen leben in Saus und Braus, die Mittelschicht verarmt und schlägt sich durch. Zu diesem vergessenen Bevölkerungsteil gehören auch die Lehrerin Marija und der Bauingenieur Mladen. Mit dem kleinen Salär geht es ihnen nicht ganz schlecht, sie kommen gerade so zurecht. Bis der Arzt bei ihrem Sohn eine schwere Herzkrankheit diagnostiziert. Die Operation in Berlin kostet ungefähr 30.000 Euro, eine Summe, über die weder das Paar noch ihre hilfsbereiten Freunde verfügen. Auf ihren Spendenaufruf in der Zeitung meldet sich ein Mann (Miki Manojlovic aus „Irina Palm“) mit einem mörderischen Angebot. Beseitigt Mladen einen moralisch verrotteten Geschäftsmann, erhält er das nötige Geld. Jede Entscheidung bedeutet Tod - des geliebten Kindes oder des Fremden.

      Es gibt keinen Krieg mehr in dem Land, aber Kampf ums Überleben, in dem die Grenzen zwischen Recht und Unrecht verschwimmen. Belgrad ist eine triste Stadt in grauen Tönen, nur die Ampeln blinken rot. Zeichen für Stillstand, nicht nur im Verkehr. „Klopka“ strahlt ein Klima sozialer Kälte aus, Luxuswagen und Schrottautos fahren neben einander her, Symbol einer Parallelwelt ohne Verbindung zueinander, in der jeder für sich lebt. Golubovic setzt auf Nahaufnahmen und Einsatz von Teleobjektiven sowie einer „dichten Geräuschkulisse und einer Filmmusik“, die für ihn Teil der „Atmosphäre und Geräusche“ ist und zeichnet mit eindrucksvoller Besetzung (Anica Dobra, Nebojsa Glogovac) und großer Spannung eine Tragödie von archaischer Wucht, visualisiert die Einsamkeit des getriebenen Mannes, der zunehmend um sich kreist, gefangen in seelischer Enge in immer kleineren Räumen. Durch die direkte Nähe der Kamera öffnet sich eine alptraumhafte Innenwelt, die für den Zuschauer Sogwirkung entfaltet. mk.
    3. „Wertvoll”

        Wie weit darf man gehen, um das Leben des eigenen Kindes zu retten? Ein lange nachwirkender, schnörkellos intensiver Film aus Serbien mit einer Bildsprache, die eine solche Bezeichnung verdient - mit der Wucht einer klassischen Tragödie. Es braucht nicht unbedingt riesige Budgets, um einen intelligenten, humanen und stimmigen Film zu machen. Bravo für den Verleih, der diesen Film in die Kinos bringt.

        Jurybegründung:

        Ein großer-kleiner Film aus Serbien, ein zutiefst humanes Thema, ein Drama von geradezu klassischer Wucht und eine Bildsprache, die diese Bezeichnung aufs Höchste verdient. Was kann zum größten Problem eines Vaters werden? - Wenn sein Kind tödlich erkrankt und er ihm nicht helfen kann! Diese Tragödie und ihre tragischen Folgen zeigt uns der eindringliche, lange nachwirkende Film von Srdan Golubovic.

        Zunächst fast dokumentarisch im Stil sehen wir als erstes Bild einen Mann, sichtlich erschöpft und verletzt. Er berichtet (scheinbar) in die Kamera, spricht über sich; sein Monolog leitet über in die Handlung des Films, bildet die Klammer und Verbindung zwischen den Akten des geradezu klassisch aufgebauten Dramas.

        Die kleine Familie des Mannes zerbricht fast an der Last, die mit der plötzlich festgestellten tödlichen Erkrankung des achtjährigen Sohnes Nemanja auf die drei Menschen zukommt. Nicht nur emotional, sondern auch materiell sehen sich die beiden Elternteile überfordert. Der lebensbedrohliche Zustand ihres Sohnes lässt sie auf abwegig erscheinende Ideen der Geldbeschaffung verfallen. Der verzweifelte Vater stimmt in seiner Not sogar einem Geschäft zu, das direkt ins Verderben führt. Dieser Weg, der sich für den als Beobachter teilnehmenden Zuschauer zwangsläufig fatal darstellt, scheint dem Verzweifelten der einzige Ausweg aus der finanziellen Hilflosigkeit.

        Das Drehbuch bindet hier die Situation vieler Menschen ein, die wie viele in den früheren sozialistischen Staaten nun - nach dem Wandel der politischen Systeme zum Kapitalismus und den teils chaotischen Folgen - mit einer schweren Gegenwart und einer unsicheren Zukunft zurecht kommen müssen: Die Arbeitsplätze nicht mehr sicher, frühere Kollegen oder Freunde zu Kapitalismusgewinnern gewandelt, die Werte fragwürdig und brüchig, die Gesellschaft zynisch und menschenverachtend geworden.

        Die Wirklichkeit der Protagonisten zeigt sich Grau in Grau, nur selten leuchtet Farbe auf. Der Look des Films bleibt konsequent in dieser Skala der entsättigten Farben. Die Kamera überzeugt durch Bilder, die dem Zuschauer eine klare Analyse ermöglichen und dennoch emotional beeindrucken. Die konsequente und durchdachte filmische Gestaltung unterstreicht die verzweifelte, unausweichlich fatale Entwicklung überzeugend.

        Der meist zärtliche, aber dennoch kommunikationsarme Umgang des Paares spiegelt auch die Perspektivlosigkeit wider, in der sich große Teile der post-kommunistischen Gesellschaft gefangen sehen. Der Film vermittelt Einsicht durch seine Haltung, ohne jemals didaktische Aussagen zu treffen oder belehrend zu wirken. Die Symbolik der Bilder wirkt stets angemessen.

        Der Regisseur findet für seinen Film, der Situationsbeschreibung und Analyse zugleich ist, stimmige Bilder. Die Besetzung ist perfekt gewählt, die Atmosphäre glaubwürdig und überzeugend. Der Film entlässt sein Publikum nicht fröhlich, aber dennoch nicht hoffnungslos. Denn: Der Junge wird gerettet, das Leben geht weiter!

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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