Fakten und Hintergründe zum Film "Kleine wahre L?gen"

Kino.de Redaktion |

Kleine wahre Lügen Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Der Regisseur über den Film

KLEINE WAHRE LÜGEN ist meine dritte Regiearbeit und der persönlichste meiner Filme. Deshalb war es so wichtig, ihn allein zu schreiben – eine Erfahrung, die ich als ungeheuer intensiv beschreiben möchte. Es ist ein sehr persönlicher Film, weil mir das Thema am Herzen liegt. Aber nicht nur mir, sondern grundsätzlich allen Leuten aus meiner Generation. Selbst jüngere und ältere Menschen können vermutlich etwas damit anfangen.

Sich selbst zu betrügen, ist nicht schwer. Man muss sich nur einreden, dass man das Richtige tut, wenn man Probleme totschweigt oder verdrängt, deren Verarbeitung zu schmerzhaft wäre. In solchen Situationen entwickeln wir die unerfreuliche, selbstbetrügerische Angewohnheit, „kleine wahre Lügen“ zu erzählen.

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Mein Film handelt von Menschen, die sich längst mit ihrem Leben, ihrem Beruf oder ihrer Sexualität abgefunden haben und sich nicht mehr fragen, ob sie wirklich das tun, was sie einst vom Leben erwartet haben, oder ob sie in ihrer Beziehung glücklich sind.

Feigheit, Routine oder Angst vor dem Unbekannten führen oft dazu, dass wir durchs Leben gehen, ohne uns diesen Fragen zu stellen, ohne auf unser Bauchgefühl oder unsere tiefsten Überzeugungen zu achten – vor allem aber, ohne auf das zu hören, was unser Herz uns sagt.

Wie wichtig es ist, die Kunst des Zuhörens zu erlernen, wollte ich am Beispiel der Figuren des Films zeigen. Sie alle haben ihre Schwächen und ein paar Leichen im Keller, zu denen sie sich nicht bekennen.

Doch das schreckliche Ereignis, mit dem sie zu Beginn des Films konfrontiert werden, zwingt sie, sich endlich ihren Lebenslügen zu stellen.

Ich wollte, dass dieser Film auf amüsante, aber keineswegs oberflächliche Weise von Freundschaft erzählt. Deshalb war es mir wichtig, dem Film sehr unterschiedliche Stimmungen zu geben, so dass der Beinahe-Slapstick mancher Szenen umschlägt in Momente, die, so hoffe ich jedenfalls, sehr bewegend sind.

Ich bin mit Filmen wie Lawrence Kasdans DER GROSSE FRUST, John Cassavetes' EHEMÄNNER und Yves Roberts WIR KOMMEN ALLE IN DEN HIMMEL groß geworden. Sie inspirieren mich bis heute, nicht nur durch ihren Humor, sondern auch durch die Aufrichtigkeit ihrer Helden. Umso wichtiger war es für mich, dass die Freundschaften in diesem Film so glaubwürdig wie möglich wirken und jede Szene Authentizität besitzt.

Als es um die Besetzung der Rollen ging, entschied ich mich für Schauspieler, die ich mag und bewundere, und die außerdem eine entscheidende Voraussetzung für den Film mitbrachten – sie kannten sich alle schon untereinander.

Ich möchte noch einmal betonen, dass dieser Film eine extrem persönliche Angelegenheit ist, weil er mir sehr am Herzen liegt. Tatsächlich ist es so, dass ich mich in jedem seiner Helden wiedererkenne oder dass ich Menschen begegnet bin, die so sind wie sie.

Über die Produktion

Ein ganz besonderes Gefühl

Es ist merkwürdig, aber was ich bei diesem Film empfand, habe ich zuvor bei keiner meiner Regiearbeiten empfunden. Bislang habe ich zwei Kurz- und drei abendfüllende Spielfilme gedreht, darunter KLEINE WAHRE LÜGEN – kein umfangreiches Werk, aber es genügt, um sagen zu können, dass all das, was ich im Zusammenhang mit diesem Film erlebt habe, für mich absolut einzigartig ist.

Hinter mir liegt eine entscheidende Phase meines Lebens, daran besteht kein Zweifel. Nach KEIN STERBENSWORT musste ich verschiedene Hürden nehmen, schon rein altermäßig. Denn mit 35 Jahren stellt man sich nicht mehr dieselben Fragen, die man sich mit 20 stellte, und einstecken musste man auch schon einiges. Deshalb entschied ich mich zu einer Psychoanalyse. Die war ziemlich anstrengend, aber auch interessanter, als ich es mir je hätte träumen lassen. Danach brauchte ich keine fünf Monate, um dieses Drehbuch zu schreiben! Auch deshalb bedeutet mir dieser Film so viel. Einen persönlicheren Film als KLEINE WAHRE LÜGEN werde ich niemals drehen.

Die Entstehung des Projekts

Nachdem KEIN STERBENSWORT abgeschlossen war, passierte es: Ich bekam gesundheitliche Probleme. Meine Erschöpfung war nach Dreharbeiten und Schnitt so gewaltig, dass ich mir sofort den erstbesten Virus einfing. Das Ergebnis war eine Blutvergiftung, mit der ich einen Monat im Krankenhaus lag. Als ich wieder nach Hause durfte, litt ich unter Depressionen. Mir wurde klar, dass sich mein Leben nicht mehr ausschließlich um die Arbeit drehen konnte, dass ich es auch mal genießen durfte. Und ich erkannte, dass ich mich, was meine ureigensten Wünsche angeht, in der Vergangenheit ständig selbst belogen hatte. Und dass ich mich in die Arbeit stürzte, um nicht nachdenken zu müssen.

Von der Innenschau zum Schreiben

Wenn ich schon behaupte, dass dies ein sehr persönlicher Film ist, muss ich auch offenbaren, dass ich einiges durchgemacht habe. Die Tatsache, dass ich wirklich in mich ging, half mir vieles zu begreifen und das wiederum erlaubte mir, mich auf die Dinge zu konzentrieren, die mir wichtig sind, zu begreifen, wer meine wahren Freunde sind. Ich räumte buchstäblich in meinem Leben auf – und daraus entwickelte sich der Kerngedanke von KLEINE WAHRE LÜGEN.

Im Sommer 2008 fing ich mit dem Schreiben an, obwohl ich bereits an einem anderen Drehbuch arbeitete, das allerdings nichts mit meinem inneren Tumult zu tun hatte. Eine Freundin und ich wohnten ein paar Tage zusammen in einem Haus und plötzlich fing ich an, ihr von den Dingen zu erzählen, die mir durch den Kopf gingen. Unter anderem von meinem langjährigen Wunsch, einen Film über eine Freundesclique zu drehen. Während wir uns noch unterhielten, wurde mir klar, dass er bereits Gestalt annahm. Es folgten fünf Tage, an denen ich die Freundin darum bat, mir als eine Art Geburtshelferin zur Seite zu stehen. Sie hörte mir zu, stellte Fragen, reagierte – während ich mir eifrig Notizen machte. Ich habe ihr sehr viel zu verdanken, denn wenig später stand das grobe Gerüst des Films. Die ersten Szenen schrieb ich am Set von L’AFFAIRE FAREWELL in meinem Wohnwagen, ganz zügig, immer wenn ich Zeit hatte zwischen zwei Aufnahmen. So leicht ist mir das Schreiben noch nie gefallen.

Autobiografische Figuren

Vieles von dem, was im Film gesagt wird, hat mit meinem Leben zu tun. Natürlich habe ich Details verändert und in die klassische Form einer fiktiven Geschichte eingebaut. Dennoch war es sehr schmerzhaft, KLEINE WAHRE LÜGEN zu schreiben. Eben weil der Film so persönlich ist. Und weil dabei viele unterdrückte Gefühle wieder hoch kamen. Ich wollte einen Film machen, der alle Generationen anspricht. Selbst die Kinder im Film erleben das, was ich empfand, als ich fünf oder zehn war und das Treiben der Erwachsenen beobachtete. In jeder Figur steckt eine Menge von mir. Darum habe ich mich beim Schreiben um größtmögliche Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit bemüht. Und deshalb bin ich auch überzeugt, dass man sich mühelos mit ihnen identifizieren kann. Wer eine Geschichte schreibt, sollte immer auch sich selbst einbringen. Denn nur was man selbst für wahrhaftig empfindet, wird vielleicht auch von anderen so empfunden. Jedenfalls ist man in dem Moment wahrhaftig, wenn man offen und persönlich schreibt.

Zwischen Lachen und Weinen

Häufig wird beides ja strikt getrennt. Dabei haben wir alle schon mal erlebt, wie man in den tragischsten Momenten losprusten muss. Das wollte ich zeigen. Emotional befinden sich die Helden in einer Situation, die sie zwingt, die unterschiedlichsten Gefühle und Empfindungen zu durchlaufen. Ich wollte zeigen, dass man den Urlaub häufig nutzt, um Druck abzulassen. Die Reaktionen, die man damit provoziert, können amüsant ausfallen, sind mitunter aber auch ganz schön traurig. Ich wusste, dass mein Plan aufgehen könnte, als François Cluzet nach der ersten Drehbuchlektüre ziemlich gerührt zu mir sagte: „Bei etlichen Szenen weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll.“

Lüge

Der Film beschreibt, wie man sich selbst und andere belügt, wie man die Dinge, von denen man nicht will, dass andere sie sehen, mit kleinen Lügen verschleiert. Die Helden verbringen die meiste Zeit damit, den entscheidenden Fragen auszuweichen, etwas, das wir alle in bestimmten Momenten des Lebens tun: Ist mein Job wirklich der, den ich mir erträumt habe? Lebe ich mit der Frau zusammen, die ich liebe? Ist mein Sexleben so, wie ich es mir immer vorgestellt habe? Alles Fragen, die in jeder Generation von Bedeutung sind.

Cliquen-Film

Natürlich ist KLEINE WAHRE LÜGEN auch ein Film über Freundschaft. Ich gebe zu, dass ich mich von Cliquen-Filmen habe inspirieren lassen, wunderbaren Freundesgeschichten wie DER GROSSE FRUST, der mein größtes Vorbild ist. Aber ich könnte auch Titel wie MES MEILLEURS COPAINS von Jean-Marie Poiré nennen, EIN ELEFANT IRRT SICH GEWALTIG von Yves Robert oder EHEMÄNNER von John Cassavetes. Und dann sind da natürlich noch die Filme von Claude Sautet! Was mir die Arbeit an diesem Film erleichterte, ist die Tatsache, dass ich ihn mit Leuten machte, die im wahren Leben meine Freunde sind: Gilles Lellouche, Marion Cotillard, die Techniker, die ich schon ewig kenne, weil wir seit meinem ersten Kurzfilm zusammenarbeiten, François Cluzet und Benoît Magimel. Nicht zu vergessen Jean Dujardin, mit dem ich zusammen in den Kindergarten und die Grundschule ging.

Klare Vorstellung

Die Dreharbeiten waren sehr intensiv und auch recht schwierig, denn ich wollte, dass die Schauspieler die Dinge genau so empfinden, wie ich sie beim Schreiben empfunden hatte. Ich verhielt mich also bestimmt ziemlich engstirnig, denn ich verlangte von ihnen, dass sie das, was ich geschrieben hatte, buchstabengetreu befolgen. Nie zuvor habe ich einen Film mit mehr Leidenschaft gemacht als diesen. Obwohl ich KEIN STERBENSWORT mag, bin ich überzeugt, dass KLEINE WAHRE LÜGEN ein ungleich persönlicherer Film ist. Einer, auf den ich – ohne überheblich zu klingen – wirklich stolz bin. Besonders die Figuren gehen mir sehr nahe.

Realismus

Beim Casting stellte ich meinen Schauspielern zwei Bedingungen: Zum einen mussten sie für einen Dreh im August zur Verfügung stehen und außerdem im Mai fünf Tage Zeit haben, damit wir uns vorab am Cap Ferret beschnuppern und miteinander warm werden konnten. So konnte ich alle in das Haus mitnehmen, in dem wir später drehen würden. Ich wollte, dass sie dort richtig leben, Schränke öffnen, wissen, wo sich Kaffee und Besteck befinden. Sie sollten alles verinnerlichen. Damit der Eindruck entsteht, Bootsausflüge wären für sie völlig normal und als würden sie das Bistro am Strand schon ewig kennen. Als wir dann im August nach Cap Ferret zurückkehrten, hatten alle das Gefühl, dort schon mal Urlaub gemacht zu haben. Mir lag viel daran, dass sie sich vorab näher kennenlernen, dass die „Paare“ sich herausbilden und dass sie auch die Kleinen beschnuppern, die ihre Kinder spielen würden.

Meine zweite Bedingung war, dass niemand das Set verlassen durfte und während der gesamten Dreharbeiten alle vor Ort blieben. Ich wollte, dass sie 24 Stunden am Tag das Leben einer Clique leben. Und, wenn nötig, jeder jederzeit für spontane Einstellungen verfügbar war. Mir schwebte eine Geschichte vor, die nicht gespielt, sondern absolut authentisch wirkt.

Ich drehte mit zwei Kameras gleichzeitig, damit die Darsteller ganz unbefangen spielen konnten. So konnten sie beispielsweise in Gruppenszenen spontan vom Tisch aufstehen und in der Küche ein Glas holen, ohne zu befürchten, dass es mit den Anschlüssen nicht mehr funktioniert. Als ich mit dem Schnitt begann, stand mir unendlich viel Material zur Verfügung. Und nur deshalb ist es mir gelungen, einen lebendigen, sehr rhythmischen Film zu machen. Meine Schauspieler waren sagenhaft! Deshalb berührt mich der Film jedes Mal wieder, wenn ich ihn sehe. Denn plötzlich sind da wieder all die Gefühle, die ich beim Schreiben des Drehbuchs empfand.

Verpasste Gelegenheiten

Viele Dinge im Leben verpassen wir aus den immer gleichen Gründen: Weil wir entweder überarbeitet sind oder zulassen, dass uns der stressige Alltag vereinnahmt. Wir vernachlässigen die Familie, unsere Freunde, unsere Partner – und tun trotzdem so, als wären wir stets präsent! Man ahnt, dass man dringend eine Pause einlegen und sich Zeit zum Nachdenken nehmen müsste, um sich über seine Prioritäten klar zu werden, um zu formulieren, was man wirklich möchte. Aber diese Zeit nimmt man sich eigentlich nie, und wenn doch, ist es häufig zu spät. Innerhalb einer Clique fürchtet man sich natürlich auch davor, die Stimmung zu verderben, wenn man gewisse Themen anspricht, die etwas heikel sind. Also sagt man lieber nichts und verdirbt die Stimmung erst recht! Aber man ignoriert das und redet sich ein, dass die Dinge sich schon richten werden. Kleine Lebenslügen sind der Teppich, unter den man den ganzen Seelenmüll kehrt, und zwar so lange, bis es nicht mehr zu übersehen ist. Das anschließende Aufräumen kann fürchterlich werden. Wie sehr, ist im Film zu sehen, wenn die einzelnen Figuren plötzlich mit der Wahrheit konfrontiert werden.

Die Entdeckung

Die Figur des Austernzüchters spielt eine zentrale Rolle: Jean-Louis ist das Gewissen der Clique und hat als einziger keine Angst, die Wahrheit zu sagen. Ein aufrechter Mann, der ein bescheidenes Leben führt. Er beobachtet die anderen schon lange. Er mag sie, er hat ein großes Herz, aber er lässt ihnen nichts durchgehen. Er ist es, der sie auf ihre Widersprüche, ihre alltäglichen Feigheiten aufmerksam macht. Die Rolle wird von Joël Dupuch gespielt, der auch im wahren Leben Austernzüchter am Cap Ferret ist. Er ist ein Freund von mir. Er ist großartig und spielt wunderbar authentisch – die Entdeckung des Films!

Reife

Was Inszenierung und Schauspielerführung angeht, ist dies mein gelungenster Film. Und dennoch: Während der Arbeit wurde mir bewusst, wie viel ich noch lernen muss.

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