Filmhandlung und Hintergrund

Coming-of-Age-Geschichte in politisch und moralisch bewegten Zeiten.

Vor 18 Jahren wurde die luxemburgische Kleinstadt Esch-sur-Alzette von den Nazibesatzern befreit. Doch auch 1962 fällt der Schatten der Vergangenheit auf die Stahlstadt, wo der 12-jährige Norbi (Ben Hoscheit) sich damit herumschlägt, weder Kind noch Jugendlicher zu sein. Kalter Krieg, ein konservatives Elternhaus, die autoritäre Schule und erzkatholische Moralität stecken enge Grenzen ab. Also höchste Zeit für Veränderung, findet Norbi.

Nostalgischen Erinnerungen gleich beschreibt Pol Cruchten („Black Dju Dibango„) einige Monate Kindheit in diesem kleinen, aber feinen luxemburgischen Drama um einen schelmischen Jungen, der in einer scheuklappenbesetzten Kleinstadt das Großwerden versucht.

Der zwölfjährige Norbi lebt mit seiner Familie im Süden von Luxemburg, in der Kleinstadt Esch sur Alzette. Die Zeiten sind durch den Kalten Krieg und die Besetzung Luxemburgs durch die Nazis bewegt und auch im privaten Bereich muss Norbi sich gegen seine autoritären Eltern und eine strenge religiöse Erziehung wehren. Doch inmitten aller Grenzen entdeckt der Junge stets seinen eigenen Weg der Rebellion, bis er eines Tages seine Mitmenschen mit einem aus seiner Sicht harmlosen Streich vor den Kopf stößt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Kleine Geheimnisse: Coming-of-Age-Geschichte in politisch und moralisch bewegten Zeiten.

    Der 1998 erschienene autobiografische Roman des luxemburgischen Schriftstellers Jhemp Hoscheit diente nicht nur als Vorlage; er wurde auch an Originalschauplätzen in Esch-sur-Alzette realisiert und mit Hoscheits Sohn Ben besetzt, um die Kindheit des Autors in der Landessprache des Großherzogtums zu erzählen. Damit verhandelt der erfahrene Regisseur Pol Cruchten („Hochzeitsnacht“) Kinderfilm, Coming-of-Age und Vergangenheitsbewältigung, rührt mit letzterem an einem Tabuthema des Kleinstaats, der in Zweiten Weltkrieg von den Deutschen besetzt war und von den Amerikanern befreit wurde.

    Anno 1962 ist Norbi zwölf Jahre und stellt als Ich-Erzähler Leben und Alltag vor: Sein Vater führt ein strenges Regiment, das für Norbi viele Rutenschläge vorsieht, die Mutter bemüht sich um liebevollen Ausgleich, die ältere Schwester versucht dem kontrollsüchtigen und verklemmten Moralapostel zu entkommen und ein wenig den Rock’n’Roll zu leben. Als Bettnässer und Prügelknabe in der Schule kann Norbi nur auf das Verständnis der Mutter hoffen, die ihm die zerrissenen Pullis flickt. Derweil herrscht beim Klassenlehrer Zucht und Ordnung wie in Nazideutschland, er demonstriert wie der Vater die kranken Blüten, die die Pädagogik im Namen des erzkatholischen Glaubens treibt.

    Diese Heuchelei verdammt der Film nicht, nennt die Probleme aber beim Namen, ohne ihnen übermäßig Platz einzuräumen. Die Vergangenheit stiehlt sich durch die Hintertür in die Geschichte: Genervt von den Geheimnissen seines Vaters, beginnt der nach Kriegsende geborene Norbi nachzuforschen und entdeckt durch einen unüberlegten Streich das Ausmaß des Grabens, der die Gesellschaft in Gelbhemden - Kollaborateure - und Antifaschisten trennt. Im Zentrum aber bleibt die sich anbahnende Reifung eines Jungen, der in der angenehm zeitlosen und nie moralisierenden Rückschau immer seine Freiheiten für sich zu nutzen weiß.

    tk.

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