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Über die Produktion

„2006 drehte ich einen Film in Los Angeles“, sagt Til Schweiger. „Meine Co-Autorin Anika Decker war vor Ort und schrieb die von uns diskutierten Szenen, während ich im Studio vor der Kamera stand. Abends setzten wir uns dann wieder zusammen und spannen die Story der ,Keinohrhasen‘ weiter. Geschlafen habe ich wenig in jenen Wochen. Denn das lief wie am Schnürchen – so etwas habe ich selten erlebt. Deshalb drängte ich ständig: Lass uns weitermachen, weil es gerade so gut läuft.

Nach fünf Wochen waren wir fertig – ein Glücksfall, wenn man bedenkt, dass die Entwicklung von ,Barfuß‘ fünf Jahre gedauert hat.“

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„Normalerweise werden romantische Komödien von Frauen geschrieben“, fährt Schweiger fort. „Die Qualität von ,Keinohrhasen‘ besteht meiner Meinung nach darin, dass die Autoren eine Frau und ein Mann sind. Deshalb spricht der Film auch Männer an, weil sowohl Anika als auch ich unsere persönlichen Erfahrungen einbringen. Das meiste haben wir in ähnlicher Form selbst erlebt oder uns als Anekdoten erzählen lassen – was die Komik so authentisch macht. ,Keinohrhasen‘ ist im Grunde die erste echte deutsche romantische Komödie – aber kein Frauenfilm. Die Frauen mögen ihn zwar am liebsten, aber auch die Männer reagieren begeistert.“

Die Qualität eines Film wird immer von seiner Geschichte bestimmt. Das Ende einer romantischen Komödie ist letztlich vorhersehbar: Niemand will eine Liebeskomödie sehen, in der sich das Paar am Ende nicht findet. Dazu Schweiger: „Das Besondere ist also die Story: Was passiert auf dem Weg zu diesem Ende? Die Zutaten sind klassisch: Etwas fürs Herz und etwas für die Lachmuskeln.“

„Die Dialoge sind sehr, sehr wahr und gleichzeitig zum Schniefen komisch!“, kommentiert Gaststar Armin Rohde.

„Til und Anika haben dem Volk aufs Maul geschaut – als ob man echte Unterhaltungen miterleben würde“, sagt Produzent Tom Zickler. „Das ist ganz nah am Zeitgeist, die Geschichte wirkt überhaupt nicht gespielt. Wie Ludo (Til Schweiger) und Anna (Nora Tschirner) sich verhalten, wie sie sprechen, ist sehr wahrhaftig, am wirklichen Leben orientiert, dabei aber auch sehr frech – in Bezug auf Sex, auf Beziehungen allgemein. Die Situationen, die sie laut Skript erleben, sind in ähnlicher Form wirklich passiert und von Til und Anika wunderbar aufgearbeitet worden. Denn es ist gar nicht so einfach, eine Anekdote, bei der man sich totlacht, später sinnvoll in eine Geschiche zu integrieren.“

Die sehr offene Sex-Diskussion im Drehbuch kam bestens an. Viele gerade der männlichen Schauspieler, die zum Casting erschienen, gestanden, dass sie durch die Lektüre „dazugelernt“ hätten nach dem Motto: „Es ist immer schön, wenn man aus einem Film etwas mit nach Hause nehmen kann.“ Schweiger kommentiert: „Der Film regt die Zuschauer durchaus dazu an, über die eigene Einstellung zu Beziehungen, zum Sex nachzudenken.“

„Es geht um menschliche Werte, die plötzlich auf dem Prüfstand des Lebens getestet werden“, sagt Produzent Tom Zickler. „Der Klatschreporter Ludo hat sich in seiner Welt eingerichtet, wird aber plötzlich mit einer ganz ungewohnten Situation konfrontiert.“

Diese Sitution ergibt sich, als er per Gerichtsurteil gezwungen wird, 300 Stunden Sozialarbeit in einem Kinderhort abzuleisten. „Til Schweiger ist selbst Vater – eine Phase im Leben, in der man neu überdenkt, was eigentlich wirklich wichtig ist“, sagt Zickler. „Man setzt andere Prioritäten.“

Kindergärten sind Schweiger also nicht fremd. Der Kinderhort war aber zunächst nur dramaturgisches Mittel zum Zweck, um den rücksichtslosen Ludo aus seinem Alltag herauszuholen und mit einer neuen Aufgabe zu konfrontieren.

„Ludo ist der Jäger der (vermeintlich) guten Zeitungsgeschichten“, sagt Schweiger. „Er denkt nicht nach, was er anderen antut, hat schlechte Erfahrungen mit Beziehungen gemacht und ist an keiner Bindung interessiert – er will frei sein.“

Auch Anna hat Beziehungen hinter sich, die in die Brüche gingen – dennoch sehnt sie sich nach einer festen Partnerschaft. Im Gegensatz zu Ludo hat sie diesen Traum noch nicht aufgegeben. Seit der gemeinsamen Kinderzeit ist sie sauer auf den schon damals ungehobelten Ludo, der ihr heute durch seinen Hauruck-Journalismus durchaus nicht sympathischer geworden ist. Deshalb kostet sie ihre Schadenfreude weidlich aus, als er per Richterspruch gezwungen wird, unter ihrer Leitung im Kinderhort Dienst zu schieben. Allerdings bleibt es nicht bei der Feindschaft: Als sich die beiden besser kennenlernen, stellen sie fest, dass die Kluft zwischen ihnen vielleicht doch nicht unüberbrückbar ist.

Til Schweiger und seine Co-Autorin entwarfen die Rolle des rasenden Reporters Ludo speziell als Comedy-Tour de force für Schweiger, aber auch die Darstellerin der Kindergärtnerin Anna stand von vornherein fest: Nora Tschirner.

„Die Anna ist für Nora geschrieben – und Nora spielt sie hinreißend“, berichtet Til Schweiger.

„Bewusst habe ich sie erstmals in Anno Sauls ,Kebab Connection‘ gesehen und fand sie überragend. Erst später schaute ich mir zusammen mit Matthias Schweighöfer in Prag beim Dreh zu ,Der rote Baron‘ seinen und Noras Film ,Soloalbum‘ an, in dem sie mir ebenfalls fantastisch gefiel. Jetzt, in ,Keinohrhasen‘, übertrifft sie sich selbst, was zum Teil sicher an der schönen Rolle liegt, aber vor allem an ihrem bezaubernden Spiel. Beim Lesen des Drehbuchs könnte man sagen: ,Na ja, das typische Klischee einer Öko-Tussi‘ – aber das war von uns Autoren nie vorgesehen. Nora schafft es eben, trotz unvorteilhafter, unattraktiver Sackklamotten unglaublich sexy und schön auszusehen. Als Schauspielerin ist Nora überhaupt nicht eitel, und sie bringt ein komödiantisches Timing mit, wie es nur wenigen gegeben ist. Daher erlebe ich sie als stärkste, vollkommenste deutsche Schauspielerin ihrer Generation.“

Über das Drehbuchkonzept sagt Til Schweiger: „Wenn ich einen Film schreibe, dann schreibe ich die Hauptrolle für mich. In diesem Fall war aber auch von vornherein klar: Nora Tschirner soll die Anna spielen. Denn Nora und ich waren uns schon länger einig, dass wir eine gemeinsame romantische Komödie machen wollten. Vieles ist einfacher, wenn man die Figuren den Darstellern auf den Leib schreibt. Bei ,Knockin’ on Heaven’s Door‘ schrieb ich die Rolle nicht so bewusst für mich und merkte dann erst beim Dreh, dass mancher Dialog hakte, nicht stimmig war. Jetzt, nach vielen Jahren der Erfahrung, kommt das nicht mehr vor: Die Sprache passt Nora und mir wie angegossen, das haben wir beim Proben gemerkt, und auch beim Drehen kamen uns die Dialoge locker von der Zunge.“

Während die Besetzung von Til Schweiger und Nora Tschirner vorgegeben war, profilierte sich Matthias Schweighöfer als Ludos Sidekick/Fotograf Moritz beim Casting in der Konkurrenz zu zwei Dutzend jungen Kollegen. Die Wahl fiel eindeutig aus: Schweiger und Schweighöfer harmonierten perfekt.

„Ich bin mit Matthias befreundet – hatte ihn aber gar nicht für die Rolle des Moritz im Kopf“, erinnert sich Schweiger. „Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Beim Casting schauten wir uns die gesamte Top-Liga der deutschen Schauspieler an, ohne dass jemand meiner Vorstellung von Moritz genau entsprach. Als Matthias hereinkam, stand seine Besetzung nach drei Minuten fest. Er hat ein ungeheures Starpotenzial, ist sehr lustig, hat das richtige Comedy-Timing und handelt so instinktiv, wie es in keinem Lehrbuch zu finden ist. Das größte Problem war seine lange Matte, die er sich für diese Rolle nur unter Protest abschneiden ließ – inzwischen hat er sich daran gewöhnt. Denn ich konnte nur sagen: ,Hör auf zu heulen – du siehst aus wie der junge Steve McQueen!‘ Matthias ist ein sehr angenehmer Kollege – erst 25 Jahre alt und als Schauspieler bereits sehr gereift – wir werden noch viel von ihm hören!“

Die Newcomerin Alwara Höfels übernimmt die Rolle von Annas bester Freundin und Kinderhort-Kollegin Miriam. Sie zeichnete sich beim Casting dadurch aus, dass die Chemie zwischen den beiden Frauen stimmt, wie Zickler beobachtet: „Sie wirken als Freundinnen glaubwürdig und ehrlich. Wir arbeiten mit einer Casting-Agentur zusammen, die uns neben bekannten Darstellern gern auch neue Gesichter präsentiert – so fanden wir Alwara. Für einen Produzenten ist es viel schöner, einen neuen Star zu entdecken, als mit bekannten Namen auf Nummer sicher zu gehen. Und in Alwara haben wir uns nicht getäuscht. Ihre Natürlichkeit ist grandios.“

„Ich bekam den Text für die Szene erst in der Nacht vor dem Casting-Termin und merkte sofort: Das kann ich sowieso nicht alles auswendig lernen – da muss ich improvisieren“, sagt Alwara Höfels. „Das habe ich gemacht – und es hat geklappt!“

„Alwara hatte gerade die Schauspielschule absolviert und ihr erstes Theaterengagement angetreten, aber noch in keinem Film mitgewirkt“, sagt Til Schweiger. „Falls sie beim Casting nervös war, ließ sie sich das nicht anmerken mit ihrer ,Berliner Schnauze‘. Später erzählte sie, sie hätte sich überhaupt keine Chancen ausgerechnet. Tatsächlich reagierten einige Kollegen im Filmteam nach meiner Entscheidung für Alwara zunächst zögernd, weil sie sich eher bekanntere Namen in dieser Rolle vorgestellt hatten. Inzwischen sind alle von ihr verzaubert und begeistert. Man könnte Alwara mit Cameron Diaz oder Drew Barrymore vergleichen: Sie ist unheimlich hübsch, sehr zart, obwohl sie auf den ersten Blick eher burschikos wirkt. Männer finden sie sexy, Frauen sympathisch – eine seltene Qualität, die sie übrigens mit Nora Tschirner gemein hat. Auch Alwara sage ich eine große Zukunft voraus.“

„Die Miriam entspricht überhaupt nicht meiner eigenen Persönlichkeit – ich muss sie komplett spielen“, berichtet Höfels. „Schon die Dialoge über den Sex habe ich als Hardcore erlebt! ,Cunnilingus‘ – so ein Wort in den Mund zu nehmen ist mir regelrecht peinlich! In der Szene spielt eine Banane eine gewisse Rolle, und als ich mir abends den Riesenhaufen Bananen ansah, den wir dabei ,verbraucht‘ hatten, merkte ich, dass wir ein echtes Stück Arbeit geleistet hatten!“

Cameos - Kleine Rollen, große Stars

Regisseur Schweiger fragte auch bei befreundeten Schauspieler-Kollegen an, ob sie Lust hätten, in seinem neuen Projekt Gastrollen zu übernehmen – ein Konzept, das bereits in „Barfuß“ bestens funktioniert hat.

„Nur aus Freundschaft machen die Kollegen nicht mit – ich muss sie schon mit dem jeweiligen Projekt überzeugen“, sagt Schweiger. „Und das kann man nur mit einem guten Drehbuch. Zumindest meine Kollegen finden, dass ich gute Filme drehe – also machen sie auch mit.“

Bewundernd schaute Produzent Zickler den Profis bei der Arbeit zu: „Oft wird gesagt: ,Na, der ist doch Komiker, das erwartet man doch von ihm.‘ Aber welche Fähigkeiten so jemand mitbringen muss, macht man sich nicht klar. Ich staune immer wieder, was die Schauspieler aus unseren Szenen machen, die im Buch noch gar nicht so witzig wirken. In der Wellness-Sequenz bringt Matthias Schweighöfer die Zuschauer allein durch ein paar lustige Gesten zum Brüllen.“

Jürgen Vogel (Schweigers Partner in „Wo ist Fred?“) liefert in „Keinohrhasen“ eine genüssliche Selbstparodie, die der Regisseur und Autor seinem Kollegen auf den Leib schrieb – und er ließ sich nicht lange bitten: „Wenn Til mich anruft und eine geile Rolle für mich hat, würde ich jederzeit zusagen! Ich schätze sein Spiel, seine Filme – wenn ich ihm irgendwie helfen kann, dann mache ich das. Diesmal darf ich mich selbst spielen – das ist super. Beim Lesen des Drehbuchs habe ich mich totgelacht.“

Dazu Schweiger: „Im Gegensatz zu dem kleinen Gastauftritt damals in ,Barfuß‘ wird Jürgen diesmal regelrecht zelebriert: Wir setzen ihm ein Denkmal! Ihm gefiel das Drehbuch und sein Auftritt, und auch ich bin von seiner Leistung begeistert. Die Rolle schrieb ich speziell für ihn, ohne dass er zuvor seine Bereitschaft erklärt hatte.“

Ludos jähzornigen, kaltschnäuzigen Chefredakteur spielt Bully-Herbig-Spezi Rick Kavanian, Schweigers Partner in „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“. Tom Zickler berichtet: „Beim Casting forderte Til ihn auf: ,Spiel ihn einmal als Stotterer, dann mit einem Lispeln, und dann mit einem Wiener Akzent!‘ Rick ist einfach ein umwerfender Schauspieler, der den cholerischen Österreicher aus dem Stegreif präsentierte und uns sofort überzeugte – selbst wenn Rick einen unausstehlichen Typen darstellt, verbucht er noch Sympathiewerte.“

Dazu Matthias Schweighöfer: „Ich war überrascht, während des Drehs mit einem sehr höflichen und bescheidenen Rick Kavanian privat zu lunchen und mich dabei ganz ernsthaft mit ihm zu unterhalten – was man von einem Comedian gar nicht erwartet.“

Wie in „Barfuß“ absolviert der populäre Armin Rohde („Räuber Hotzenplotz“, „Die Bluthochzeit“) einen Gastauftritt. „Ich habe schon so gelacht, als Til mir von der Rolle erzählt hat“, erinnert er sich. „Ich sagte sofort zu, ohne das Drehbuch zu lesen.“ Und über seine Rolle als Clown Bello sagt er: „Eigentlich möchte Bello Theaterstar sein – mindestens an die Schaubühne in Berlin –, aber wahrscheinlich spielt er nur kleine Rollen in der Provinz. Jedenfalls verdient er sich als Kinderclown etwas dazu. Er ist eigentlich ein trauriger Mensch, und das kann er auch vor den Kindern nicht ganz verbergen, was zu komischen Brüchen führt.“

„Egal wie klein die Rolle ist – Armin bringt immer etwas Besonderes mit ein – das ist auch in ,Keinohrhasen‘ wieder so“, freut sich Tom Zickler.

Für die Rolle des fiesen Taxifahrers, der Ludo und Nora in einer dramatischen Krise im Stich lässt, konnte Schweiger den legendären „Stubbe“-Darsteller Wolfgang Stumph gewinnen. „Ich bewundere Tils Arbeit seit Jahren“, sagt Stumph. „Dann trafen wir uns anlässlich einer Preisverleihung, bei der er ausgezeichnet wurde. Er kam spontan auf mich zu, bat mich mitzumachen, und ebenso spontan habe ich ja gesagt. Ich habe mir immer schon mal eine fiese Rolle gewünscht, weil ich als Stubbe und in meinen anderen Filmen eher liebenswert wirke. Vielleicht ist der Taxifahrer in ,Keinohrhasen‘ der erste Schritt in einen neue Richtung!“

„Wir wollten in den Film eine Promi-Verlobung einbauen und überlegten, wen wir dafür ansprechen konnten“, erzählt Schweiger. „Ich dachte zunächst an Nationalspieler Lukas Podolski, der aber zu sehr ins tägliche Training eingebunden ist. Wladimir Klitschko bereitete sich während unseres Drehs gerade nicht auf einen neuen Kampf vor – als Boxer ist er in dieser Beziehung unabhängiger. Wladimir ist ein äußerst attraktiver, sympathischer Boxweltmeister, der zudem sehr gut Deutsch spricht. Ich kannte ihn bereits und schlug ihm den Gastauftritt vor. Er hat schauspielerisches Talent und macht das fantastisch, wirkt völlig natürlich. Vor der Kamera gelingt das nur sehr wenigen.“

„Aber wer sollte meine Braut sein?“, fragte sich Klitschko. „Bei mir klickte es: Yvonne Catterfeld. In meinem Metier sagt man: Das passt wie die Faust aufs Auge.“

„Als wir Yvonne Catterfeld ansprachen, hatte sie durchaus Lust, Wladimir ,zu heiraten‘“, berichtet Schweiger: „Sie hat sich nicht nur als Sängerin profiliert, sondern ist auch eine bezaubernde Schauspielerin.“

Über seinen Gastauftritt sagt Klitschko: „Die Erfahrung war toll. Ob ich nochmal eine Filmrolle übernehmen würde? Die Rolle als Weltmeister im Schwergewicht passt mir im Augenblick am besten!“

Kinder, Kinder

Wesentliche Szenen des Films spielen in dem Kinderhort, in dem Anna, Miriam und neuerdings auch Ludo arbeiten. Die Filmemacher mussten sich also auf zwei Drehwochen mit einer quirligen Gruppe von Dreikäsehochs in größeren und kleineren Rollen einstellen.

„Kinder kann man eigentlich nicht inszenieren – daher arbeite ich anders mit ihnen“, sagt Til Schweiger. „Wenn man ihnen die Szene zu detailliert vorschreibt, agieren sie unnatürlich. Das erlebe ich in deutschen Filmen sehr oft. Man spürt regelrecht, wie die Kids das nachsprechen, was ihnen der Schauspielcoach vorgebetet hat. In den USA ist das anders, weil die Darsteller dort aus 30.000 Kindern ausgesucht werden – solch ein Aufwand wäre bei uns gar nicht möglich. Ich muss mir also sehr bewusst sein, was ich in der Szene erreichen will. Ich hatte Angst vor diesen Sequenzen, denn in der Branche sagt man: ,Vermeide Filme mit Tieren und Kindern‘, weil die sich kaum inszenieren lassen.“

Der Drehplan wurde so konzipiert, dass man immer auch auf eine Alternativ-Szene nur mit den erwachsenen Darstellern vorbereitet war – für den Fall, dass die Arbeit mit den Kindern aus unterschiedlichen Gründen nicht vorankam. „Wir können es uns natürlich nicht leisten, das gesamte Filmteam Däumchen drehen zu lassen“, sagt Schweiger. „Überraschenderweise lief die Arbeit dann aber sogar noch erheblich besser als in meinen kühnsten Träumen. Das liegt letztlich auch an der Stimmung, die am Set herrscht. Als Produzent und Regisseur bin ich für die nötige lockere Atmosphäre verantwortlich: Intrigen gibt es nicht, und geschrien wird auch nicht.“

Schauplatz Berlin

„Bisher habe ich nur in Nordrhein-Westfalen gedreht – ich wollte endlich mal einen Film in Berlin machen“, sagt Schweiger. „Es gibt dort sehr schöne Schauplätze. Dabei wollten wir aber die üblichen Einstellungen vermeiden und die Stadt aus einem neuen Blickwinkel zeigen.“

In Berlin hat auch Schweigers und Zicklers Produktionsfirma Barefoot Films ihre Büros. „Deshalb waren diese Dreharbeiten erstmals ein Heimspiel“, sagt Zickler. „Den Kinderhort bauten wir selbst im Brandenburger Land in einer alten Villa, die wir für unsere Zwecke einrichteten. Dort gab es zwei Spielplätze – einen, auf dem wir drehten, den anderen, wo die Kinder wirklich spielen konnten. Die Kids haben das wie ein Ferienlager erlebt – sie hatten viel Spaß dabei. Ein echter Kindergarten als Kulisse hätte schon deswegen nicht funktioniert, weil man ihn nicht für zwei Drehwochen komplett mit Beschlag belegen kann.“

Die Sequenzen im Wellness-Bereich und die Feier, auf der Ludo buchstäblich in den Heiratsantrag von Wladimir Klitschko hineinplatzt, entstanden im noblen Hotel de Rome am Bebelplatz. „Der Dreh im Hotel de Rome war wunderbar, weil wir machen durften, was wir wollten. Die Glaskuppel, durch die Ludo laut Drehbuch stürzen soll, ist dort bereits vorhanden – als ob sie für uns geschaffen worden wäre. Wir konnten vor Ort wie in einem regelrechten Studio drehen. Solch eine Kulisse wäre richtig teuer geworden, wenn man sie sich erst hätte einrichten müssen. Für einen Produzenten ist es traumhaft zu erleben, wie zuvorkommend uns das Hotel-Team dort willkommen hieß.“

Die Reporter Ludo und Moritz berichten direkt am roten Teppich von der Verleihung des Deutschen Filmpreises. Der Clou des Films: Die Verleihung war echt – das „Keinohrhasen“-Team drehte am Rande der Lola-Präsentation am 4. Mai 2007 im Palais am Berliner Funkturm.

„Auch beim Deutschen Filmpreis wurden wir sehr intensiv unterstützt“, sagt Tom Zickler. „Ein wunderbarer Tag: Das gesamte Filmteam war im Smoking bzw. Abendkleid im Einsatz! Die Veranstaltung durfte natürlich nicht gestört werden – also mussten wir den Dreh vorher ganz genau planen und absprechen. Diese authentische Atmosphäre unterstützt die Filmstory ungeheuer.“

„Es war gar nicht so einfach, die Genehmigung für den Dreh während der Verleihung zu bekommen – aber es klappte“, berichtet Til Schweiger. „Natürlich mussten wir bestimmte einschränkende Auflagen erfüllen, was sich aber durchaus machen ließ. Der Aufwand hat sich gelohnt, weil sich eine so riesige Veranstaltung für den Film aus Budget-Gründen nicht nachstellen lässt. Und so viele Prominente würde man nie zusammenbekommen. Diese Kulisse passt wunderbar in unseren Film, weil wir die Story ja in unserer realen Umwelt ansiedeln – nur Nora, Matthias und ich spielen fiktive Figuren bei diesem Event.“

„Am roten Teppich bei der Preisverleihung habe ich erstmals wirklich mitbekommen, wie hart der Beruf der Fotoreporter ist, welche Kämpfe unter ihnen stattfinden“, berichtet Matthias Schweighöfer über seine Erfahrungen als Fotograf Moritz. „Ich sehe die Reporter heute mit anderen Augen, merke auch, wie sehr sie von den Launen von uns Schauspielern abhängig sind.“

„Farbig“ ist nicht gleich „bunt“

„Jeder Film hat seinen spezifischen Look – vielleicht lässt sich meine ,Handschrift‘ als Regisseur am ehesten damit beschreiben, dass ich bewusst Fernsehbilder zu vermeiden versuche, denn die verwenden meist – dem menschlichen Auge entsprechend – mittlere Brennweiten. Dagegen drehe ich in ,Keinohrhasen‘ wie schon in ,Barfuß‘ gern mit sehr langen, manchmal auch mit sehr kurzen Brennweiten, denn Kinobilder wirken optisch viel ansprechender, sollen sich vom Üblichen absetzen.“

Doch in Bezug auf das Lichtkonzept setzt sich „Keinohrhasen“ deutlich von „Barfuß“ ab. Der Kinohit von 2005 war stark farbentsättigt, weil er als zeitloses Märchen konzipiert war.

„,Keinohrhasen‘ wirkt dagegen sehr viel realistischer“, sagt Schweiger. „Eine Ausnahme bildet die Kinderhortsequenz: Den Kinderhort haben wir selbst gebaut, er wirkt wie eine Märchenwelt. Ich habe mir bei der Vorbereitung etliche Kindergärten angeschaut – sie sehen alle gleich trostlos aus – für Kinobilder sind sie nicht geeignet. Deshalb bauten wir uns in Brandenburg unseren eigenen Kinderhort, wie man ihn sich idealerweise vorstellt. Jedenfalls bin ich der Meinung, eine Komödie muss nicht per Definition hell und bunt sein, wie das in Hollywood leider üblich ist. Britische Komödien sehen dagegen viel öfter aus wie das, was ich unter Kinofilmen verstehe.“

Sounds für die richtige Stimmung

„Für mich ist die Filmmusik sehr wichtig, und schon zu Beginn eines Projekts sammle ich Titel, die ich für geeignet halte“, berichtet der Regisseur. „Bei romantischen Komödien ist das Ziel einfach: Die Musik soll emotional sein, gute Stimmung verbreiten. Wenn ich jede Menge Tracks gesammelt habe, setze ich mich mit dem Komponisten zusammen: Der fantastische Dirk Reichardt und sein Team haben mit mir auch schon ,Jetzt oder nie‘, ,Barfuß‘, und ,One Way‘ gemacht. Anhand der Tracks erkläre ich ihm, was ich mir vorstelle. Bei ,Barfuß‘ sagte ich zum Beispiel: ,Ich will keine Streicher, nur Klavier und Gitarre.‘ – Diesmal beschlossen wir: viel Gitarre, einige Streicher, weniger Klavier als in ,Barfuß‘. Und dann fängt Dirk schon mit dem Komponieren an, bevor noch der erste Meter Film belichtet ist.“

„Auch die Fremdtitel für den Soundtrack suche ich persönlich aus“, fährt Schweiger fort. „Natürlich kann ich mich nicht in allen Musikrichtungen auskennen. Deshalb lade ich alle Mitarbeiter des Teams – vom Fahrer bis zum Maskenbildner – ein, ihre eigenen Ideen vorzuschlagen: ,Bringt mir die Musik, von der ihr glaubt, dass sie in unseren Film passen könnte.‘ Wenn auf diese Weise 60 Leute mitdenken, bekommt man eine riesige Auswahl zusammen. Außerdem lasse ich mir von den Musik-Labels Muster schicken. Schließlich stapeln sich Hunderte von CDs im Schneideraum – da kann man wirklich aus dem Vollen schöpfen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Soundtrack – er wird noch besser als bei ,Barfuß

Til Schweiger – vor und hinter der Kamera

Als Filmemacher kümmert sich Schweiger um jedes Detail: Als Co-Autor verantwortet er das Drehbuch, er produziert, führt Regie, spielt die Hauptrolle und schneidet den Film. Wie kann man bei dieser Mehrfachbelastung überhaupt kreative Arbeit leisten?

„Bei Drehbeginn war die Arbeit am Buch abgeschlossen, auch um die Produktion brauchte ich mich nicht mehr zu kümmern – der Film war finanziert“, berichtet Schweiger. „Um das tägliche Geschäft des Produktionsablaufs kümmerten sich während des Drehs mein Partner Tom Zickler und Herstellungsleiter Mark Popp. Geschnitten habe ich abends, in der Mittagspause und am Wochenende. Blieb also noch Spielen und Regie: Dass mir diese Kombination gelingt, habe ich bei meinen früheren Filmen schon ausprobiert. Es kostet allerdings mehr Zeit, meine eigene Darstellung – auch in der Interaktion mit den Kollegen – anschließend auf dem Monitor zu überprüfen. Diese Zeit hole ich mir dann woanders. Ich drehe nämlich nicht ,zur Sicherheit‘ pauschal fünf oder sechs Wiederholungen einer Einstellung. Wenn der erste Take sitzt, dann geht es sofort mit der nächsten Szene weiter. Wenn das nicht funktioniert, drehe ich auch schon mal 13 Takes, aber das passiert selten. Alles steht und fällt mit einem guten Drehbuch und guten Darstellern – dann sind die vielen Wiederholungen überflüssig. Es hilft eben, von vornherein hervorragende Kameraleute, Architekten, Maskenbildner und Cutter zu engagieren. Unter solchen Umständen muss man dann nur noch aufpassen, ,dass man nicht im Weg steht‘, wie Billy Wilder sagt.“

Über seinen Produzentenpartner Tom Zickler sagt Til Schweiger: „Er ist der Geschäftsmann, ich der Kreative – wir ergänzen uns durch unsere Fähigkeiten. Wir sind Freunde, ich vertraue ihm – ich kann mir keinen besseren Partner vorstellen.“

Dazu Tom Zickler: „Til hat eine unglaubliche Energie – niemand in Deutschland liebt das Kino so wie er. Wir versuchen ihm so viel wie möglich abzunehmen. Sein Charisma ist in den vergangenen 15 Jahren mit seinen Leistungen gewachsen – er entscheidet am Set, er motiviert die Mitarbeiter. Wenn wir einen anderen Regisseur für eine von Tils und meinen Produktionen engagieren, wird es manchmal schwierig, weil Til so dominant ist.“

„Wenn Til etwas erreichen will, dann kann die Wand noch so dick sein – er rennt mit dem Kopf voran hindurch!“, weiß Matthias Schweighöfer. „Das schätze ich sehr – er ist ein guter Regisseur. Prädikat: sehr, sehr wertvoll!“

Und Wolfgang Stumph fügt hinzu: „Til arbeitet ähnlich wie ich – er macht am liebsten alles selbst, beherrscht sein Handwerk. Ich schaue ihm gern zu, vielleicht kann ich dabei noch etwas lernen!“

„Til ist sehr offen für das, was wir selbst am Set einbringen – er nimmt uns sehr ernst“, ergänzt Rick Kavanian. Und Armin Rohde pflichtet ihm bei: „Ich schätze Til als Kollegen, seit ich ihn vor 13 Jahren bei ,Der bewegte Mann‘ kennenlernte. Inzwischen bewundere ich auch, was er als Kinomacher im deutschen Film leistet. Mir ist das ein Rätsel – ich könnte nicht mal zwei seiner vielen gleichzeitigen Funktionen unter einen Hut bringen.“

Und mit einem direkten Punch bringt es Wladimir Klitschko auf den Punkt: „Til ist der beste Schauspieler und Regisseur in Deutschland! Wenn man Spaß an der Arbeit hat, spürt man die Müdigkeit nicht. Hut ab, dass er die Energie aufbringt, solche Qualität zu liefern – trotz der vielen Funktionen, die er ausfüllt.“

Über die Dreharbeiten sagt Tom Zickler: „Wir hatten viele Mitarbeiter – Kameramann, Cutter, Herstellungsleiter etc. –, mit denen wir in unserer Produktions-,Family‘ immer wieder gern zusammenarbeiten, schon vorsorglich für den März 2007 engagiert, weil wir keinesfalls auf sie verzichten wollten. Das Drehbuch war am 7. Januar fertig – daher musste die Vorbereitung dann sehr schnell gehen, um diesen Termin zu halten. Die Vertragsunterschriften sind dabei nicht so sehr das Problem – es kommt vor allem darauf an, dass die nötigen Gelder rechtzeitig überwiesen werden.

Zum Glück arbeiten wir auch mit unserer Bank sehr gut zusammen. Vom fertigen Drehbuch bis zum ersten Test-Screening dauerte es dann nicht mal fünf Monate – das ist ein Rekord! Ich kann mir vorstellen, dass Til sich an dieses Tempo gewöhnen möchte. Da werden wir in Zukunft wohl Probleme bekommen“, sagt Zickler augenzwinkernd.

„Schon zehn Tage nach Drehschluss konnten wir ein Test-Screening machen, weil wir bereits während des Drehs die Szenen sofort geschnitten haben“, berichtet Schweiger. „Nur drei Tage nach Drehschluss lag der Rohschnitt vor, wobei die meisten Sequenzen schon die endgültige Fassung hatten. Eine Woche lang feilten wir noch am Schnittrhythmus – dann war der Film vorführbereit. Das war sicher das früheste Test-Screening aller Zeiten!“

Das hohe Endfertigungstempo hat dem Resultat keinesfalls geschadet, wie sich sofort herausstellte. Dazu Schweiger: „Das überragende Ergebnis des Screening war nicht nur das beste meiner Karriere (besser als ,Knockin’ on Heaven’s Door‘, besser als ,Barfuß‘), sondern auch in der Geschichte der Warner Bros. in Deutschland. In der Altersgruppe Frauen über 25 Jahren erreichten wir 98 Prozent positive Resonanz – das gibt es eigentlich gar nicht! Es ist ein tolles Gefühl, im Kino zu erleben, wie die Zuschauer an den von uns erhofften Stellen reagieren. In jedem Fall lernt man sehr viel aus der Resonanz des Publikums: Eine Szene funktionierte nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte – die habe ich geschnitten.“

Leichte Irritationen löste anfangs der ungewöhnliche Filmtitel „Keinohrhasen“ aus: „Wir fanden den Titel schwierig“, gesteht Produzent Zickler. „Aber er ist unverwechselbar – er bleibt im Gedächtnis. Man muss ihn erklären, was die Diskussion fördert. Bei den Kindern kommen die Hasen ohne Ohren jedenfalls wunderbar an.“

Ähnlich sieht das auch Jürgen Vogel: „Ein komischer Titel – genau das ist das Gute: Er ist prägnant, man vergisst ihn nicht.“ Und Wolfgang Stumph reagiert so wie wohl alle potenziellen Kinogänger: „Ein Hase ohne Ohren? Das macht die Leute neugierig: Den Film muss ich sehen!“

„,Keinohrhasen‘ ist ein frecher, schneller Film – im Vordergrund steht die romantische Komödie, also eine Rolle für Til, wie die Zuschauer ihn lieben“, sagt Tom Zickler abschließend. „Erst zwischen den Zeilen, zwischen den pausenlos abgefeuerten coolen Sprüchen und Gags wird deutlich, dass diesmal der Schwerpunkt auf dem Gefühl liegt. Durch die Musik, durch die Montage ergeben sich etliche große Gänsehautmomente – auf der emotionalen Ebene ist unser Film also etwa bei ,Barfuß‘ angesiedelt, aber ,Keinohrhasen‘ ist deutlich lustiger.“

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