Kein Herz für Inder

  1. Ø 3.9
   2017
Kein Herz für Inder Poster

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Grandios gespielte Komödie mit Martin Brambach über eine Familie, die mit Hilfe eines Austauschschülers wieder zusammenfindet.

    Der Titel ist brillant und dennoch nur ein Vorgeschmack auf eine Komödie, die von bösen Dialogen nur so strotzt. Sathyan Ramesh und Viviane Andereggen kaschieren erstaunlich lange, dass „Kein Herz für Inder“ dem witzigen Zusammenprall der Kulturen zum Trotz in Wirklichkeit ein Ehedrama ist. Mit dem Autor und der Regisseurin hat sich ein Duo gefunden, dass offenbar einen ganz ähnlichen Sinn für Humor hat. Ihr Film erfreut durch einen völlig neuen Ansatz für das beliebte Culture-Clash-Muster: Weil ihre Lehrerin überzeugt ist, dass die 16jährige Fiona (Lena Urzendowsky) vereinsamt, schlägt sie einen Schüleraustausch vor. Als Beatles-Fan entscheidet sich Vater Erik (Martin Brambach) für Sandy McCartney, aber die vermeintliche Engländerin entpuppt sich als 13jähriger Inder mit dem unaussprechlichen Namen Sacchidananda (Zayn Baig); der kleine Hindu ist eine Intelligenzbestie und hat zwei Klassen übersprungen. Sandy spricht ein lustiges Inderdeutsch, ist etwas besserwisserisch und setzt am ersten Morgen das Haus unter Wasser, weil beim Duschen „zuviel Luft zwischen Tropfen“ ist. Außerdem enden seine Kochversuche regelmäßig mit Explosionen. Davon abgesehen ist der Junge durchaus liebenswert; aber seine Gastfamilie will ihn trotzdem schnell wieder loswerden. Erik und Gattin Charlotte (Aglaia Szyszkowitz) haben ohnehin den Kopf nicht frei: er, weil ihm die Steuerfahndung im Nacken sitzt; sie, weil sie der Ehe schon lange überdrüssig ist. Als sie Sandy überzeugt haben, dass eine Heimkehr nach London das Beste für alle ist, entdeckt ausgerechnet die eigenbrötlerische Fiona ihr Herz für Inder.

    Bei Viviane Andereggen ist Rameshs Drehbuch eindeutig in guten Händen. Die Regisseurin hat mit ihrem Debütfilm „Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut“ (2015) bewiesen, wie gut sie eine dramatische Geschichte heiter verpacken kann; außerdem hat sie ihren jungen Hauptdarsteller damals zu einer vorzüglichen Leistung geführt. Das ist bei „Kein Herz für Inder“ nicht anders. Lena Urzendowsky war schon in „Das weiße Kaninchen“ famos. Hier zeigt die junge Schauspielerin, dass sie auch in einer Komödie gut aufgehoben ist, selbst wenn die verschlossene Fiona im Wesentlichen für die Kontrapunkte zuständig ist; das ist ohnehin die einzige Möglichkeit, neben einem Vollblutkomödianten wie Brambach zu bestehen. Der liefert als Vater erneut eine seiner wunderbaren Studien eines tragikomisch verzweifelten Mannes, der machtlos mit ansehen muss, wie alles, was ihm lieb und teuer ist, zwischen den Fingern zerrinnt. Der Knüller des Films ist jedoch Zayn Baig, ein junger Brite, der überhaupt kein Deutsch konnte. Umso höher ist es den Verantwortlichen anzurechnen, dass sie seine Dialoge nicht synchronisieren ließen; er selbst hat im Anschluss an die Dreharbeiten einige Dialoge der besseren Verständlichkeit wegen noch mal selbst eingesprochen. tpg.

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