Kanak Attack

  1. Ø 4
   2000
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Filmhandlung und Hintergrund

Kanak Attack: Realitätsnaher Blick auf die Migranten-Kids der Jahrtausendwende und spannungsgeladener Krimi nach Feridun Zaimoglus Kultbuch "Abschaum".

Ertan, Kemal und Mehdi sind Freunde und stolz darauf Kanakster, Kanaken und Gangster, zu sein. Sandra und Yonca bitten Ertan darum, ihr neuer Zuhälter zu werden. Ihr alter, Farouk, ist von einem Pfandleiher erschossen worden. Ertan lässt sich überreden, landet aber nach einem blamablen Spielsalon-Überfall mit Kemal auf dem Polizeirevier.

In 13 Episoden wird die Geschichte des 25-jährigen Ertan Ongun erzählt: Geboren und aufgewachsen in Kiel trägt er den Titel Kanakster mit Stolz – und zum Trotz. Sein Leben wie das seiner Freunde Kemal und Mehdi besteht aus Draufgängertum und der Suche nach dem schnellen Geld. So schrecken sie auch vor Dealergeschäften und Überfällen nicht zurück. Das passt aber weder der Polizei noch Konkurrenten auf dem Kiez. Als Ertan sich für zwei Prostituierte mit brutalen Bordellbesitzern anlegt, bringt er nicht nur sich in Lebensgefahr…

Spannungsreicher Krimi von Lars Becker, in dem über die Hauptfigur, Möchtegern-Zuhälter und -Gangster Ertan, einzelne Stories und Schicksale aus Feridun Zaimoglus Kultbuch „Abschaum“ verbunden werden.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Mit Low-Budget-Filmen fürs Kino – wie „Schattenboxer“ oder „Bunte Hunde“ – konnte Lars Becker zwar bei nationalen Kritikern reüssieren, der zahlenmäßige Erfolg fiel indes eher mager aus. Ein breites Publikum erreichte er zuletzt mit dem TV-Film „Das Gelbe vom Ei“, das dem ZDF eine Einschaltquote von acht Millionen Zuschauern bescherte. Mit dem episodisch angelegten Gangster-Drama „Kanak Attack“ hat der Filmemacher nun das ebenso radikale wie provokante Buch „Abschaum – Die wahre Geschichte des Ertan Ongun“ von Kult-Autor Feridun Zaimoglu für die Leinwand adaptiert. Und nicht nur das ZDF, das als Koproduzent fungierte, hofft nun auch im Kino auf vollere Kassen.

    Wie bei seinen beiden Vorgängern hatte Lars Becker auch bei „Kanak Attack“ mit einem viel zu knappen Budget zu kämpfen. Ein hierzulande bekanntes Manko, das viele Kollegen nur mit Qualitätsverlust wettzumachen verstehen. Doch bei dem 46-Jährigen greift einmal mehr das geflügelte Wort von der Not, die erfinderisch macht. Keiner der 83 Minuten Film merkt man an, dass sich ihre Macher mit den Unwägbarkeiten deutscher Filmfinanzierungsmodelle auseinander zu setzen hatten. Im Gegenteil, „Kanak Attack“ ist modernes und hochaktuelles, packendes und rasantes Kino, das formal an Tom Tykwers „Lola rennt“ erinnert, inhaltlich aber weit mehr an Substanz und Zündstoff zu bieten hat. Dies ist vor allem das Verdienst des Drehbuchs, einer Gemeinschaftsaktion von Regisseur Becker, Dr. Bernhard Wutka und Feridun Zaimoglu, dem Autoren der Vorlage. Dem Trio gelang es nicht nur, die 13 verschiedenen Episoden zu einem großen Ganzen zu verweben, sie konnten auch den Tenor des Kultbuches in den Film herüberretten. Und der lautet: Die Grenzen zwischen deutsch und türkisch, zwischen Einheimischen und Ausländern, verwischen zusehends, die Türken, die inzwischen in der zweiten oder gar dritten Generation in Deutschland leben, haben mit Problemen zu kämpfen, mit denen (fast) jeder junge Mensch, egal, woher er stammt, konfrontiert wird.

    Lars Becker ist jedoch in erster Linie Geschichtenerzähler und „Kanak Attack“ somit kein moralinsaures Postulat, das für Völkerverbindung wirbt, sondern zum einen ein realitätsnaher Blick auf die Migranten-Kids der Jahrtausendwende, zum anderen ein spannungsgeladener Krimi, in dem es um Gewalt und Drogen, Prostitution und Verrat, um Erpressung und Mord geht. Dabei fungiert die Hauptfigur Ertan Ongun (Neuentdeckung Luke Piyes überzeugt als rebellisch-sensibler Wilder) als Klammer für die einzelnen Stories und Schicksale. Da wird etwa vom Rausschmeißer und Dealer Kemal (großartig: David Scheller) erzählt oder von der selbstbewussten Prostituierten Yonca (verführerisch: Oezlem Cetin), die Ertan als ihren Zuhälter gewinnen will und sich dabei in ihn verliebt. Auch wenn in „Kanak Attack“ viel geprügelt, getreten und geschossen wird, bietet dieser optisch betörende und mit einigen geschickt gesetzten Stopp-Tricks aufgepeppte Genre-Bastard – Krimi, Thriller, Studie, Biopic… – auch einige, wenn auch makabre, humorvolle Einschübe, die vor allem den geschliffen scharfen, auf den Punkt geschriebenen Dialogen zu verdanken sind.

    Weiterhin geben sich mit Ralph Herforth als Bülent und Benno Fürmann als „der Neue“ in Nebenrollen alte Bekannte aus Beckers Oeuvre ein Stelldichein und werten den darstellerisch ohnehin auf hohem Niveau angesiedelten Film zusätzlich auf. Trotzdem wird Concorde alle Marketing-Hebel in Bewegung setzen müssen, um diesem sehr heutigen, kompromisslosen und unterhaltsamen (Gewalt-)Reigen von seinem Randgruppen-Image zu befreien und zum angemessenen Erfolg zu verhelfen. Denn Beckers Werke haben nun wahrlich mehr Zuschauer verdient als zuletzt die rund 60.000, die sich in dessen „Bunte Hunde“ verirrten. lasso.

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