Justice - Die letzte Instanz bin ich

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   1986
Justice - Die letzte Instanz bin ich Poster

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Für seine regelmäßige Präsenz auf der Croisette von Cannes wollte sich Johnny To offenbar mit einer Hommage an das dortige Gangsterkino bedanken. Nicht umsonst trägt der stoische Protagonist den Nachnamen eines der bekanntesten Charaktere des französischen Film Noir. Anscheinend verspürte Alain Delon jedoch kein Interesse, seine Rolle aus „Der eiskalte Engel“ („Le Samourai“) wieder aufzunehmen. An seine Stelle trat Altrocker Johnny Hallyday, der sicherlich kein schauspielerisches Schwergewicht darstellt, aber mit seinem melancholisch-unterkühlten Auftreten und dem traurigen Blick aus stahlblauen Augen für den Part des einsamen Wolfs prädestiniert wirkt. Zum Frankreich-Start, schon einen Tag nach der Cannes-Premiere, stellten Medienketten sogar dessen alte LPs wieder ins Schaufenster.

    Abgesehen von Costellos Look in Regenmantel und schwarzem Hut erinnert aber kaum etwas an das minimalistische Kino des Jean-Pierre Melville. Vielmehr stellt „Vengeance“ so etwas wie eine Readers Digest-Version von Johnny Tos vergangenen Werken dar. Zusammen gehalten wird die Motivreihung durch zahlreiche Zufälle und konstruierte Wendungen. To arbeitet hier nicht mit seinem Stammautor Yau Nai-hoi, sondern mit Wai Ka-fai, der als Co-Autor und –Regisseur schon bei „Fulltime Killer“, dem esoterisch-absurden „Big Man“ sowie zuletzt bei „Mad Detective“ mit von der Partie war.

    Zur traditionellen Rache-Geschichte fügen sie allerdings noch einen Amnesie-Handlungsstrang im letzten Drittel hinzu, der spannungsfördernd wirken soll, da Costello nicht mehr weiß, wem er überhaupt trauen kann. Abgesehen von einigen humorvollen Szenen wirkt dies eher absurd. Wenn der Racheengel zu Beginn in die Wohnung seiner Tochter einbricht, Polaroidfotos vom Tatort aufnimmt und diese mit dem Wort „Vengeance“ beschriftet, erscheint dies noch reichlich enigmatisch. Ebenso rätselhaft wirkt der Umstand, dass sich die drei angeheuerten Gangster, bestehend aus den To-Veteranen Anthony Wong, Lam Ka Tung und Lam Suet als stets hungriger Chu, umstandslos von ihrem Auftraggeber fotografieren lassen. Erst später erläutert der Franzose, dass ihm eine Kugel im Kopf die Erinnerung raubt. Gewissermaßen wird Costello dadurch wieder zum Kind.

    Das Kindermotiv, im asiatischen Kino gerne zum Schüren von Emotionen verwendet, zieht sich durch den ganzen Film. Es beginnt mit der Ermordung von Costellos Enkeln über das Auftauchen des Nachwuchses der Auftragsmördern, die beim Aufeinandertreffen der feindlichen Parteien der Konfrontation zunächst im Weg stehen, bis zu den Straßenkindern, die ihn beim Showdown als Komplizen unterstützen.

    Weitere wiederkehrende Elemente sind die Signalfarben Blau und Rot als Zeichen des Schmerzes und der Rache - vom vergossenen Blut der Opfer auf dem Teppich bis zum roten Kleid von Costellos Vertrauter, die als Lockvogel für den Drahtzieher dient. Auch Spiegel als Abbild der Seele tauchen wiederholt auf sowie Wasser als Motiv der Reinigung und Wiedergeburt. Das setzt sich fort von Costellos Regenmantel bis zu einem Regenschirm-Ballett, das an das Finale von Tos „Sparrow“ erinnert.

    Zu seinen Lieblingsversatzstücken gehören Kochen und Essen als verbindendes oder trennendes Element. Schon in „Exiled“ und „Breaking News“ unterbrachen die gegnerischen Gruppen ihre Feuergefechte, um erst einmal in Ruhe zu dinieren. Dieses Mal bereitet Restaurantbesitzer Costello erst einmal Spagetti für seine neuen Verbündeten zu, während er später das von seinen Gegnern gereichte Mahl entschieden zurück weist. Schließlich kann keine Speise seinen Zorn besänftigen.

    Wie stets im asiatische Kino wird Männerfreundschaft groß geschrieben. Nicht umsonst lautet der Name von Costellos Restaurant „Les Fréres“. Brüder- und Kameradschaft bindet stärker als jeder finanzielle oder kriminelle Anreiz – selbst wenn am Ende der Tod winkt. Ebenso wenig dürfen die Rituale der Unterwelt wie das Waffenzusammensetzen oder das Zigarettenanzünden fehlen. Diese Männlichkeitsformeln mündet in einigen großartigen Shootouts wie das meisterlich inszenierte Duell auf offenem Feld, bei dem sich die Triadenhandlanger hinter riesigen, rotierenden Zeitungsstapeln verbergen.

    Bedauerlich nur, dass sich die Story mit zu vielen Unwahrscheinlichkeiten, Zufällen und Sprüngen über die Runden helfen muss, an deren Plausibiliät man besser keinen Gedanken verschwendet.

    Fazit: Ein „Best-of“ Johnny To mit einem coolen europäischen Star in elegisch-dynamischer Inszenierung, aber deutlichen Drehbuchschwächen.

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