Filmhandlung und Hintergrund

Packendes Drama über das Schicksal der "Verschwundenen" während der argentinischen Militärdiktatur.

Argentinien zur Zeit der Militärdiktatur: Die 19-jährige Lehrerin Maria (Antonella Costa) lebt und arbeitet in den Slums von Buenos Aires und ist politisch auf Seiten des Widerstands aktiv. Als der junge Felix (Carlos Echeverria) im Haus ihrer Mutter ein Zimmer mietet, freundet sich Maria mit ihm an - bis sie von Polizisten entführt wird und sich herausstellt, dass Felix für die Regierung arbeitet.

Marco Bechis

Am helllichten Tag wird die junge Maria vom argentinischen Militär verschleppt. Während ihre Mutter verzweifelt nach ihr sucht, erlebt die Studentin die Hölle. Systematisch wird sie von Regimetreuen gequält, auch von Felix, der in Maria schon länger verliebt ist. Um zu überleben, lässt sie seine Annäherung zu. Doch Gnade mit ihren Opfern kennt die Junta nicht.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Junta: Packendes Drama über das Schicksal der "Verschwundenen" während der argentinischen Militärdiktatur.

    Obwohl 1999 und 2000 weltweit auf Festivals ausgezeichnet, blieb diese argentinisch-italienische Koproduktion ein Insiderereignis. Jetzt erlebt das erschütternde Drama über die Verbrechen der argentinischen Militärdiktatur seinen verdienten Kinostart. Es ist ein verspätet wahrgenommener, aber zeitlos brisanter Aufschrei: gegen das Verdrängen, Vergessen, vor allem aber gegen das systematische Vertuschen ungeahndet gebliebener Grausamkeiten und Massenmorde.

    Souverän bewegt sich Koautor und Regisseur Marco Bechis, der seine eigene Folterhaft nur mit Glück überlebte, in Costa-Gavras-Territorium. Offiziell gelten 8.960 Opfer als verschwunden, doch die Dunkelziffer liegt bei 30.000 Personen, die nach endlosen Qualen aus Flugzeugen wie Ballast ins Meer gekippt wurden. Wohin der Weg für die Unbequemen führt, die verschleppt und „verhört“ werden, ist für den Zuschauer in der Rückschau klarer, als für die Opfer selbst, die man aus psychologischen Gründen an ein Entkommen aus der Hölle glauben ließ. Deshalb trugen sie Augenbinden, um „später“ ihre Peiniger nicht identifizieren zu können.

    Eine erzählerische Klammer verbindet Anfang und Ende des Films. Eine junge Argentinierin platziert in der schwer bewachten Wohnung ihrer Freundin eine Bombe. Wenn sie später explodiert, versteht man die Hintergründe mit einem Hauch von Genugtuung. Trost ist das keiner, denn obwohl die Details des Schreckens ausgespart werden, bleibt „Junta“ unerbittlich realistisch. Seine zentrale Täter-Opfer-Beziehung variiert die abstraktere Konstellation aus „Closet Land“, einem atemberaubenden Zweipersonenduell, das trotz Madeleine Stowe und Alan Rickman nie in die deutschen Kinos kam. Im unterirdischen Teil einer ehemaligen Garage wird die 18-jährige Maria (bravourös: Antonella Costa) mit Elektroschocks und anderen Grausamkeiten gefügig gemacht. Es gibt eine Liste, wie viel Volt auf wie viel Kilo Körpergewicht zumutbar ist, ohne den Tod zu verursachen. Es gibt eine Stechuhr, gruseliges Symbol für die Bürokratisierung des Terrors, und ein Radio, das den Schrecken im Kopf Gestalt annehmen lässt, wenn es überlaut in Betrieb genommen wird.

    Regisseur Bechis zeigt Opfer, die sich lange wehren oder schnell aufgeben, Sadismus und völlige emotionale Verarmung bei den Tätern. Auf beiden Seiten gibt es keine Fragen nach den Motiven - auch nicht zwischen Maria und dem Mann, der sie auftragsgemäß quält, dann aber vor seinen Kollegen schützt, weil er sie von früher kennt. Es ist eine Beziehung des Benutzens. Er nutzt seine Macht, um der bisher Unerreichbaren näher zu kommen, sie seine Zuneigung, um überleben zu können. Und während unter der Erde die Hölle existiert, sehen wir die trügerische Normalität darüber. Mit Luftbildern, die uns friedlich über dem Verkehr oder einem Freibad von Buenos Aires schweben lassen, bis die Finaleinstellung von oben das Grauen in unsere Köpfe pflanzt. Das kann man verdrängen, vergessen aber nicht. kob.

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