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Fakten und Hintergründe zum Film "John Rabe"

Fakten und Hintergründe zum Film "John Rabe"

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Hintergrund

In Deutschland war John Rabe weitgehend vergessen, als seine Tagebücher vor 10 Jahren wiederentdeckt wurden. Auf Grundlage dieser persönlichen Aufzeichnungen erzählt Drehbuchautor und Regisseur Florian Gallenberger die faszinierende Geschichte John Rabes, des Hamburger Kaufmanns und Leiters der chinesischen Siemens-Niederlassung, der bis heute in China wie ein Heiliger verehrt wird und doch zu Lebzeiten nie für seinen Mut belohnt wurde. Als Rabe nach dem Ende der Massaker nach Deutschland zurückkehrt, wird er von der Gestapo als Kollaborateur der Chinesen verhaftet und stirbt schließlich verarmt und vergessen 1950 in Berlin. - Die New York Times hat Rabe unlängst als den „Schindler Chinas“ gefeiert.

Hintergrund: Errichtung einer Sicherheitszone

John Rabe veranlasst zusammen mit einigen anderen in der Stadt verbliebenen Ausländern während des berüchtigten Massakers von Nanking (auch „Nanjing“) 1937/38 die Errichtung einer knapp vier Quadratkilometer großen Schutzzone, um wenigstens einem Teil der Bevölkerung Schutz vor der japanischen Armee zu bieten. Damit konnte er Tausenden das Leben retten. Ca. 250.000 Zivilisten fanden in der Sicherheitszone Schutz, Nahrung und Kleidung. Allein in seinem Garten campierten etwa 600 Menschen. Rabe sorgte außerdem dafür, dass sie medizinisch versorgt wurden und stellte sich schützend vor Frauen und Kinder, die durch japani-sche Soldaten bedroht wurden. Auf seinem Grundstück ließ Rabe eine Hakenkreuzfahne aufspannen, um die japanischen Piloten von der Bombardierung seines Hauses abzuhalten. Das Gelände blieb vom Bombardement und Übergriffen der japanischen Armee größtenteils verschont.

Im Februar 1938 kehrte John Rabe auf Anweisung von Siemens nach Berlin zurück. Nachdem er in Vorträgen und einem Brief an Adolf Hitler auf die Kriegsverbrechen der Japaner hinwies, wurde er von der Gestapo verhaftet. Dabei wurden seine Fotografien und Filmaufnahmen des Massakers vernichtet. Nach dem Krieg wurde Rabes Gesuch auf Entnazifizierung zunächst von den Briten zurückgewiesen, aufgrund seines humanitären Engagements aber schließlich doch gewährt. Die chinesische Regierung zahlte ihm aus Dankbarkeit bis zu seinem Tode eine kleine Rente. John Rabe starb dennoch verarmt und vergessen am 5. Januar 1950 an einem Schlaganfall in Berlin.

Biografie John Rabe

Der Kaufmann John H. D. Rabe (*23. November 1882 in Hamburg; †5. Januar 1950) ist in China der bekannteste Deutsche neben Marx und Engels. Aufgrund seiner humanitären Verdienste im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg nennt ihn die New York Times den „Oskar Schindler Chinas“, die Chinesen verehren ihn als „ lebenden Buddha“.

John Rabe kam nach Abschluss einer kaufmännischen Lehre und einem mehrjährigen Aufenthalt in Afrika 1908 nach China. Von 1911 bis 1938 arbeitete er dort bei der Siemens China Co., einer Tochtergesellschaft des deutschen Siemens-Konzerns. Ab 1931 war er Repräsentant der Firma in Nanking.

Hintergrund: Japanisch-Chinesischer Krieg

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 hatte auch Japan schwer getroffen, so baute das Land in den 1930er Jahren seine kolonialen Bestrebungen aus. Die Guandong-Armee Japans provozierte China, indem sie Eisenbahnschienen in Japan sprengte und die chinesische Regierung dafür verantwortlich machte. Dies wurde als Vorwand benutzt, um die rohstoffreiche Mandschurei zu besetzen. Dies gelang ohne größere Gegenwehr der Chinesen, denn das Land war durch einen Bürgerkrieg zwi-schen demokratischen und kommunistischen Gruppen geschwächt. Der letzte chinesische Kaiser wurde zwar formal als Machthaber eingesetzt, hatte aber keine Entscheidungsgewalt. Japan errichtete daraufhin in Nordchina Mandschukuo als Marionettenstaat, um die besetzten Gebiete zu verwalten.

China wehrte sich mit einem Handelsboykott gegen Japan, die japanischen Exporte gingen auf ein Sechstel zurück. Ein Zwischenfall, bei dem 1932 in Shanghai fünf japanische Mönche verprügelt wurden (einer der Mönche starb wenig später an den Verletzungen), wurde von den japanischen Medien aufgegriffen und verstärkte den Zorn der japanischen Bevölkerung auf China. Am 29. Januar 1932 bombardierte Japan daraufhin Shanghai, das Handelszentrum in Südchina. China musste den Handelsboykott aufheben, um Shanghai wurde eine demilitarisierte Zone errichtet. Im Mai 1933 wurde ein Waffenstillstand zwischen China und Japan geschlossen.

Hintergrund: Beginn des Krieges

Am 7. Juli 1937 kam es zu einer erneuten Auseinandersetzung zwischen den beiden Ländern. An der Marco-Polo-Brücke beschossen sich japanische und chinesische Soldaten und lösten infolgedessen den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg aus. Die Japaner rechneten mit einem schnellen Sieg über China, da sich das Land noch immer in Bürgerkrieg befand. Doch die zweite Schlacht um Shanghai dauerte unerwartet lange und forderte viele Verluste auf beiden Seiten. Japan konnte die Schlacht erst Mitte November für sich entscheiden, als die japanische 10. Armee in der Hangzhou-Bucht landete und die chinesischen Truppen einkesselte.

Am 8. Dezember erreichten die japanischen Truppen Nanking, die damalige Hauptstadt Südchinas, und belagerten die Stadt. Sie ließen Flugblätter abwerfen, die die Verteidiger zur Übergabe der Stadt aufforderten. Als keine Reaktion erfolgte, begann die Schlacht um Nanking. Die Japaner bombardierten Nanking, am 12. Dezember befahl der chinesische Stadtkommandant den Rückzug der Truppen. Die Soldaten flohen und entledigten sich ihrer Waffen und Uniformen. Zum Teil überfielen sie Zivilisten, um an Kleidung zu gelangen.

Das Massaker von Nanking

Am 13. Dezember 1937 begann das Massaker von Nanking und dauerte etwa acht Wochen. Nach Schätzungen von Historikern wurden 300.000 Zivilisten und Kriegsgefangene von japanischen Soldaten innerhalb kurzer Zeit ermordet, Frauen und Kinder wurden vergewaltigt.

Es kam zu massiven Plünderungen und Brandanschlägen. Die japanischen Soldaten töteten nicht nur Soldaten und Kriegsgefangene, sondern genauso Zivilisten. Die Soldaten suchten besonders nach jungen Männern, die verdächtigt wurden, für die chinesische Armee gekämpft zu haben. Zeugen berichteten, dass Tausende junger Chinesen, sowohl Soldaten wie Zivilisten, an den Rand der Stadt getrieben wurden, mit Maschinengewehren erschossen, geköpft oder mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leibe verbrannt wurden. Die meisten Journalisten, Ausländer und Diplomaten verließen das eingeschlossene Nanking. Einige in der Stadt verbliebene Ausländer, Geschäftsleute und Missionare, gründeten das Internationales Komitee für die Sicherheit von Nanking.

Als Vorsitzender des Komitees wurde der deutsche Geschäftsmann John Rabe gewählt. Vermutlich wurde John Rabe ausgewählt, weil er als Deutscher und NSDAP-Mitglied mehr Einfluss auf die Japaner nehmen konnte, da Japan und Deutschland 1936 den Antikomintern-Pakt unterzeichnet hatten. Es gelang ihm zusammen mit dem Internationalen Komitee, eine Sicherheitszone zu etablieren, die zwischen 250.000 und 300.000 Menschen das Leben rettete. Die in der Stadt gebliebenen Reporter unterlagen einer strengen Zensur durch die japanischen Streitkräfte. So verschwiegen besonders die zahlreichen japanischen Reporter die Gräueltaten, auch wenn viele nach dem Krieg ihr Schweigen brachen.

Das Nanking-Massaker gilt als eines der grauenvollsten Kriegsverbrechen japanischer Soldaten im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg, welches bis heute die Beziehungen zwischen Japan und China belastet.

Die genauen Vorgänge und Opferzahlen sind bis heute umstritten. In den japanischen Kriegsverbrecher-Prozessen wurde von „mehr als 200.000 Opfern“ gesprochen. In nationalistischen Kreisen in Japan wird hingegen von einer deutlich niedrigeren Anzahl an Opfern ausgegangen.

In Japan wurde die Aufarbeitung des Massakers seit den 1970er Jahren zwar begonnen, aber bis heute hat sich die japanische Regierung nicht offiziell zum Massaker von Nanking bekannt. Anfangs bestritten einige Politiker das Auftreten eines Massakers überhaupt und bezeichneten die Berichte darüber als chinesische Propaganda. Aufzeichnungen der japanischen Armee und Augenzeugenberichte japanischer Soldaten bewiesen allerdings zweifelsfrei die Grausamkeiten der japanischen Armee in Nanking.

Die Ereignisse von Nanking gelangten erstmals durch die amerikanische Journalistin Iris Chang ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. 1997 veröffentlichte sie das Buch „The Rape of Nanjing. The Forgotten Holocaust of World War II”, in dem sie sorgfältig die genauen Umstände und den Verlauf der japanischen Gräueltaten beleuchtet.