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Filmhandlung und Hintergrund

In den 1970ern wird Jack Unterweger wegen des Mordes an einem jungen Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis beginnt Unterweger zu schreiben, weckt mit seinen literarischen Ambitionen bald das Interesse der Kulturschickeria, und wird schließlich unter anderem auf Betreiben von Leuten wie Elfriede Jelinek, Erika Pluhar und Günter Grass vorzeitig entlassen. Während er bei seiner Gefängnisbrieffreundin Susanne wohnt und durch die Medien tingelt, sterben in Wien gewaltsam mehrere Huren. Der Verdacht fällt auf Unterweger.

Ein verurteilter Mörder beginnt im Knast zu schreiben und wird vorzeitig entlassen. Bald darauf geschehen neue Morde. Einen bekannten österreichischer Kriminalfall zitiert dieses einfühlsam inszenierte Arthouse-Psychodrama.

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Kritikerrezensionen

  • Serienmörder und Poète maudit – Elisabeth Scharang setzt sich in ihrem differenziertem Psychogramm mit dem „Mythos Unterweger“ auseinander.

    „Vergiss, was du je über Jack Unterweger gehört hast“, heißt’s im Trailer. Um den notorischsten aller österreichischen Serientäter geht’s in „Jack“, dem zweiten Spielfilm von Elisabeth Scharang, in dem sie einem anderen Blick auf den Mann wirft, der vor rund 25 Jahren die Wiener Gesellschaft ebenso beschäftigte wie Polizei und Justiz. Fakt und Fiktion mischen sich zu einem mit viel Stilwillen gestaltetem Porträt, genial weckt Johannes Krisch den Society-Star, „Häfnpoeten“ und brutalen Killer, der 1994 im Grazer Gefängnis Suizid beging, zum Leben.

    Bei der ersten, im Dezember 1974 fast beiläufig begangenen grausamen Tat wird man Zeuge, die elf weiteren, dem unehelichen Sohn eines GIs und einer Prostituierten zur Last gelegten, nie endgültig geklärten Morde bleiben weitgehend außen vor. Spekulative Details sind nicht Sache der Filmemacherin, die gerne die Untiefen der Seele auslotet, siehe ihr Briefbomber-Doku-Drama „Franz Fuchs – Ein Patriot“. Jörg Widmers Kamera bleibt mit kalten, farbsatten Bildern auf Distanz, der pulsierende Soundtrack von Naked Lunch vermittelt eine seltsame Künstlichkeit. Weder Krimi noch Thriller bekommt man geboten, simple Genrezuweisungen greifen nicht.

    Um Beziehungen und Abhängigkeiten kreist das Psychogramm, Scharang spiegelt ihren charismatischen (Anti-)Helden, in dessen gesellschaftlichem Umfeld. Nach 16-jähriger Haft wird Johann Unterweger 1990 bedingt und ohne Auflagen entlassen, Intellektuelle wie Elfriede Jelinek und Günter Grass haben sich für den Mann, der hinter Gittern begann ungelenke Gedichte zu schreiben, eingesetzt. „Jack the Writer“ wird Teil der „Seitenblicke“-Gesellschaft, die Brieffreundin und Geliebte Susanne (Corinna Harfouch) finanziert ihm eine Wohnung, Agentin Marlies, drängend gespielt von Birgit Minichmayr, fordert weitere Publikationen – „Dein Kapital ist deine Vergangenheit.“

    Aus der Zeit gefallen, beinahe nostalgisch wirkt der Film, der eher atmosphärisch als sozialrealistisch funktioniert. Konsequent konzentriert er sich auf den narzisstischen, undurchschaubaren Unterweger, der mit seiner (kriminellen) Vergangenheit kokettiert und immer wieder gerne ins Rotlichtmilieu abtaucht. Zärtlich und brutal ist er, zur Mutter wie zu allen Frauen hat er ein ambivalentes Verhältnis. Er liebt seinen Hund, schnelle Autos und seinen blütenweißen Anzug, unter dem immer wieder seine Knast-Tattoos aufblitzen. Dandy und Dämon – eine höchst stimmige Annäherung. geh.

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