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Fakten und Hintergründe zum Film "J. Edgar"

Kino.de Redaktion |

J. Edgar Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

J. Edgar Hoover war eine komplexe, mitreißende Persönlichkeit, die Amerika in ihrem Bann hielt und deren Vermächtnis auch heute noch in den Fluren jenes FBI-Gebäudes zu spüren ist, das nach ihm benannt wurde. Er beschleunigte die Einführung der modernen Forensik und schuf ein System von Bundesgesetzen, die die USA auf vielfältige Weise veränderten – was bis in die Gegenwart nachwirkt. Er wurde gefürchtet und verehrt, war ein Mann der Gegensätze, dessen öffentliches und privates Leben Gerüchte und Anspielungen provozierte. Doch weil er seine eigenen Geheimnisse eisern zu wahren wusste, sind wir in Bezug auf sein Leben nach wie vor weitgehend auf Spekulationen angewiesen.

Regisseur Clint Eastwood ist unter Hoovers Herrschaft aufgewachsen – ihn reizte es, diese Persönlichkeit zum Thema eines Films zu machen: „Hoover war ein Spitzen-Cop oder ‚G- Man„, wie man sie damals nannte. Aber ich wusste kaum etwas über ihn. Er sonnte sich im Licht der Öffentlichkeit, ließ sich auf Partys mit Filmschauspielern und berühmten Autoren fotografieren, aber viele Aspekte seiner Persönlichkeit bleiben rätselhaft.“

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Als das Drehbuch zu „J. Edgar“ auf Eastwoods Schreibtisch landete, war sein „Interesse daher bereits geweckt – vor allem wollte ich wissen, wie sich Drehbuchautor Dustin Lance Black dem Thema nähert. Tatsächlich handelt es sich um eine Charakterstudie. Mir gefiel die Story sehr.“

Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio stimmt ihm zu: „Lances Skript ist unglaublich – Clint und ich mochten es auf Anhieb. Hoover war zwar immer schon eine mythische Ikone der amerikanischen Geschichte, aber in seinem politischen und privaten Leben irgendwie auch geheimnisumwittert. Die Beschäftigung mit seiner Biografie war eine Herausforderung, und Lance bewältigt diese Aufgabe auf sehr gefühlvolle Weise.“

„Es geht um Beziehungen“, sagt Eastwood, „um intime Interaktionen zwischen Hoover und den Menschen in seinem Umfeld: seine engen Verhältnisse zu Clyde Tolson, Helen Gandy und seiner Mutter – aber auch seine Beziehung zu Robert Kennedy und anderen bekannten Politikern, sogar Präsidenten. Wenn es sich nur um eine filmische Biografie handeln würde, hätte sie mich wohl nicht interessiert. Ich schätze eher Filme, die Beziehungen zeigen, ich lote gern aus, warum Menschen bestimmte Dinge tun.“

Der Regisseur freute sich auch auf seine erste Zusammenarbeit mit DiCaprio. „Leo ist sehr intelligent, er übernimmt gern ausgefallene Rollen, die seine Fantasie anregen“, sagte er. „Mir war klar, dass Hoover ihn mental und auch körperlich sehr fordern würde, aber er bringt sich mit vollem Engagement in seine Aufgabe ein, und das merkt man seiner Darstellung auch deutlich an.“

„Schon beim Lesen merkte ich, dass ich es selten mit einer so schwierigen Rolle zu tun hatte“, sagt DiCaprio über Blacks Drehbuch, das Hoovers gesamte Laufbahn umfasst – ab den bolschewistischen Invasionen 1919, als der Kommunismus auch in Amerika Einzug hielt. „Hoover hielt den Kommunismus fast für eine terroristische Bewegung – sein Leben lang hat er gegen ihn und andere vermeintliche Feinde gekämpft. Lance analysiert den jungen Hoover ebenso wie den alten und beleuchtet dabei jeden nur erdenklichen Aspekt.“ „Nach meinem Drehbuch zu ‚Milk„ (Milk) fand ich es sehr reizvoll, mich mit Hoovers Leben zu beschäftigen“, berichtet Autor Dustin Lance Black. „Auf mich wirkt er wie das genaue Gegenteil von Harvey Milk: Hoover verfügte über ungeheure politische Macht, aber sein Privatleben war total abgeschirmt.“

Der erfahrene Produzent Brian Grazer engagierte Black für dieses Projekt. Grazer hatte mit Eastwood bereits einmal gearbeitet und wollte das gern wiederholen: „Ich wollte einen Film über J. Edgar Hoover machen – keine Dokumentation, sondern einen richtigen Spielfilm. Mich interessierte das Machtgefüge und die Korruption in seiner Welt, die er zum großen Teil selbst verantwortete, obwohl er ein so glühender Patriot war.“

Black und Grazer einigten sich auf einige Schlüsselereignisse, die das Zentrum des Films bilden, darunter die Entführung des Lindbergh-Babys und die Gründung des Federal Bureau of Investigation. „Ich frage mich wirklich, wie dieser Mann, der mit den besten Absichten begonnen hatte, das FBI gründete und einige der berüchtigtsten Gangster zur Strecke brachte, eine derartige Paranoia entwickeln und in mancher Hinsicht diabolische Züge annehmen konnte“, sagt Grazer. Dazu Black: „Bei meinen anfänglichen Recherchen fiel mir auf, dass er in eine von zwei Schubladen gesteckt wurde: Entweder ist er der Held der Nation, dem wir in puncto Schutz und Sicherheit alles verdanken, oder er ist ein hinterlistiger Schurke, der das Land terrorisierte. Das wirkte sehr extrem. Ich ging davon aus, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen muss.“

Grazer sah das ähnlich und begrüßte Blacks Konzept, die Geschichte „von innen her, aus Hoovers eigener Psyche so zu erzählen, wie er sich an sie erinnert“, sagt der Produzent. Produzent Robert Lorenz war vom Thema besonders fasziniert: „Was wir heute über ihn wissen, beruht praktisch auf Hörensagen. Jetzt haben wir die Chance, das in einen Kontext zu stellen, die Motive seiner Handlungsweise zu verstehen, ohne sein Vorgehen zu verteidigen oder zu verurteilen. Wir wollen ihn als sehr komplizierten Menschen zeigen, nicht als eindimensionale Person.“

Black las zunächst praktisch alles, was über Hoover veröffentlicht worden ist. Dann sprach er möglichst alle noch lebenden Zeitgenossen an, die Hoover persönlich gekannt haben, um Kommentare aus erster Hand zu bekommen. Dies ergänzte er mit Informationen anderer, die Hoover zwar nicht persönlich kannten, aber während seiner Amtszeit in Washington/DC lebten – so ergab sich ein abgerundetes Bild mit allen guten und bösen Aspekten.

Wieder einmal erwies sich die These als richtig, dass die Geschichte sich wiederholt, denn die Filmemacher merkten, wie aktuell Blacks Story über J. Edgar Hoover nach wie vor ist, obwohl er vor fast 40 Jahren gestorben ist. „Besonders ansprechend war der Drehbuchaspekt, dass dieser Mann sich sehr darum bemühte, die Medien zu manipulieren, und dabei ging er äußerst raffiniert vor“, stellt Lorenz fest. „Wir sind es heute gewohnt, dass Leute ständig an ihrem öffentlichen Image feilen, was bei der schnellen technischen Entwicklung gar nicht so leicht ist. Umso faszinierender ist der Blick zurück: Wie hat Hoover das gemacht? Wie gelang es ihm, sein Privatleben und auch Aspekte seiner Arbeit derart umfassend geheimzuhalten? Eine solch weitreichende Privatsphäre ist heute kaum noch denkbar oder sogar unmöglich – jedenfalls war dies einer der spannendsten Aspekte bei der Arbeit an unserem Film.“

„J. Edgar“ beginnt Mitte der 1970er-Jahre: Wir erleben Hoover am Ende seines Lebens und seiner Amtszeit als Direktor des FBI. Um sein Werk zu erhalten, beginnt er seine Memoiren zu diktieren, denkt zurück an die Zeit, als er Anfang 20 war und seinen Dienst in der Institution begann, die damals noch einfach Bureau of Investigation hieß. „Offenbar wollte er sich seinen Platz in der Geschichte sichern“, vermutet Eastwood. „Aber er ließ sich wohl zu Übertreibungen hinreißen. Es gibt einige Belege dafür, dass er seine Storys gefälscht hat, um selbst in einem besseren Licht zu erscheinen.“

„Am Anfang seiner Karriere löste er den Lindbergh-Fall und schnappte Gangster wie John Dillinger – so schuf er in den Augen der Öffentlichkeit das Image des G-Man“, fügt DiCaprio hinzu. „Die G-Men erschienen in Comic Heften, auf Cornflakes-Schachteln, und sie begeisterten die amerikanische Jugend. All das war Teil seiner Öffentlichkeitskampagne: Er präsentierte die Regierung als eine Schutzmacht, die Familien unterstützt und die Sicherheit der Kinder garantiert.“

Nach wie vor bleibt die Frage offen, ob Hoover selbst das Gefühl hatte, dass die Sicherheit des Landes gewährleistet war und die Dinge sich positiv entwickelten. „Selbst als alter Mann war J. Edgar Hoover vom Kommunismus immer noch derart besessen, dass er nicht merkte, wie sich die Dinge durch die Bürgerrechtsbewegung zum Besseren entwickelten“, fährt der Schauspieler fort. „Im Gegenteil: Er erlebte das als einen Aufstand – mit dem Potenzial zerstörerischer Dynamik. In diesem Moment verlor er den Bezug zur Realität. Da konnte er die wahre Entwicklung in unserem Land nicht mehr beurteilen.“

Produktion: Der alte Hoover

J. Edgar Hoover engagierte sich total für den Dienst am Vaterland – im Grunde gab er für dieses von ihm selbst so definierte große Ziel alle persönlichen Beziehungen auf, die er möglicherweise hätte eingehen wollen. Er diente, um Autorität zu erlangen, aber gleichzeitig auch die Bewunderung der Öffentlichkeit: Beides wollte er erreichen, indem er sich zum obersten Feldherren im Kampf gegen das Verbrechen stilisierte: als Volksheld.

„Hoover war ein unglaublich ehrgeiziger junger Mann“, sagt Leonardo DiCaprio, der in dieser Rolle die gesamte Lebensspanne zwischen Anfang 20 und 77 Jahren darstellen muss. „Er wollte in Washington unbedingt Erfolg haben, vor allem, weil seine Mutter hohe Erwartungen in ihn setzte. Seinem Vater war es nicht gelungen, ein großer Politiker zu werden. Deshalb forderte Annie unerbittlich, dass Edgar die Familie reich und berühmt machte – ihr war es egal, welche Bedürfnisse er selbst möglicherweise hatte. Er entwickelte sich zu einem Spürhund, zum stoischen Gesetzeshüter, der sein Privatleben total abschirmen musste. Geheimnisse waren sein Alltag.“

Weil über den privaten Hoover kaum etwas bekannt ist, begann DiCaprio umfangreiche Recherchen, um seiner Darstellung auf der Leinwand alle nötigen Dimensionen zu verleihen. „Es war eine schwierige Aufgabe, dieser Person Leben einzuhauchen, weil er von derart vielen Geheimnissen umgeben ist“, sagt er. „Ich erfuhr, dass er sehr charmant war und sehr manipulativ vorging. Er konnte jeden Menschen für sich einnehmen, dem er begegnete, schüchterte sie dabei aber auch ein. Er stand gern im Rampenlicht, konzentrierte sich aber so auf seine Arbeit, dass er sich praktisch über sie definierte – in jeder Phase waren seine Moral, seine Entscheidungen von seinem Amt bestimmt. Ich gebrauche nur ungern den Ausdruck Priester, denn J. Edgar Hoover war kein Priester, aber auf jeden Fall hat er das FBI als seine Kirche angesehen.“

„Leo ist ein Voll-Profi – er bereitet sich umfassend vor“, sagt Eastwood. „Ich merkte sofort, dass er seine Hausaufgaben gemacht und seine Rolle sehr genau analysiert hatte – und er wollte wissen, wie ich die Sache sehe. Mich hat seine Konzentration wirklich beeindruckt, und das kommt der Rolle natürlich zugute.“

Der Schauspieler war über die Zusammenarbeit mit dem legendären Regisseur begeistert: „Clints Arbeitsweise lässt nichts zu wünschen übrig, weil er seinem Instinkt vertraut, er handelt aus dem Bauch heraus. Er geht mit wunderbarer Einfachheit zu Werke, er hat ein klares Ziel vor Augen, was meine Arbeit sehr erleichtert. Im Grunde steht er als Coach in der Ecke, wenn ich in den Ring steige, er unterstützt mich in jeder Hinsicht. Sein Vertrauen und seine Unterstützung übertragen sich ganz offensichtlich auf die Leinwand.“

Auch für J. Edgar Hoover war Vertrauen unabdingbar, obwohl er nur sehr wenigen Menschen in seinem Leben vertraute, und zwar nur, wenn er das Gefühl hatte, dass sie sich unbedingt loyal verhielten. Um alle Aspekte dieses Mannes zu porträtieren, mussten die Filmemacher diese Schlüsselbeziehungen zeigen, die seine Persönlichkeit spiegeln und deutlich machen – in erster Linie seinen Kollegen und Freund Clyde Tolson.

Grazer meint: „Die Beziehung dieser beiden Männer war von Gemeinschaft und Freude, aber auch von Einsamkeit und Isolation geprägt. Denn sie waren beide Kinder ihrer Zeit.“ DiCaprio sagt: „Jeden Tag nahmen sie ihr Mittag- und Abendessen gemeinsam ein, sie fuhren zusammen in den Urlaub. Ob sie auch auf andere Art zusammenlebten … nun, kein lebender Mensch kennt die Wahrheit. Im Film wird das fast als unerwiderte Liebe dargestellt, aber immerhin als eine dauerhafte.“

Die wichtige Rolle des Clyde Tolson übernimmt Armie Hammer. Er sagt: „Egal welcher Art ihre persönliche Beziehung war – Clyde hielt immer getreulich an der Seite des Direktors aus – er war praktisch seine rechte Hand. So haben sie eng zusammengearbeitet.“ „Armie spielt den Tolson ganz hervorragend“, stellt Grazer fest. „Er bietet eine vollendete Darstellung, mit sehr subtiler, aber spürbarer Dynamik, das Zusammenspiel mit Leo wirkt völlig natürlich.“

Über Tolson gibt es nicht annähernd so viele Informationen wie über Hoover – dennoch vertiefte sich Hammer intensiv in diese Figur. „Ich engagierte eine professionelle Rechercheurin, die alle Details über Tolson für mich zusammentrug, sogar das Jahrbuch seiner Mittelstufe“, berichtet er. „Einige der alten Jungs beim FBI beschreiben ihn als guten Beobachter, oft erwies er sich als klügster Kopf in der Gruppe. Er bekam den Spitznamen ‚der menschliche Computer„, weil er ein fotografisches Gedächtnis hatte. Also, egal ob die beiden sich nun attraktiv fanden oder nicht – man versteht sofort, warum sich Hoover so umfassend auf ihn verlassen hat.“

Eine weitere lebenslange Mitstreiterin, auf die Hoover sich hundertprozentig verlassen konnte, war seine Sekretärin Helen Gandy. „In gewisser Weise hat Helen das FBI geleitet“, behauptet Eastwood. „Wenn man die Veteranen befragt, heißt es: Wer etwas wissen wollte, fragte Helen. Sie wusste sehr viel mehr als alle anderen.“ „Helen war Edgar in unverbrüchlicher Treue ergeben“, sagt Naomi Watts, die die Sekretärin im Film darstellt. „Sie war wohl von Anfang an schwer beeindruckt von ihm, erlebte ihn als clever und charismatisch, wollte aber nur beruflich vorankommen – ihr Interesse war rein dienstlich. Sie hat länger als sonst jemand mit ihm zusammengearbeitet, während sich die Welt auf unfassbare Weise wandelte – bis zum Ende hielt sie unerschütterlich und selbstbewusst zu ihm.“

Für die Australierin war es ein Schlüsselerlebnis, eine derart patriotische Amerikanerin in einem Film über eine der umstrittensten Persönlichkeiten der USA zu spielen: „Als ich die Rolle annahm, hatte ich von Helen Gandy noch nie etwas gehört, und über Hoover auch nur sehr wenig. Also war dies eine großartige Lernerfahrung für mich, denn ich bin nicht mit der amerikanischen Geschichte aufgewachsen und habe die Zeit der Handlung nicht selbst miterlebt.“ „Naomi zeigt eine fantastische Leistung“, berichtet Lorenz. „Die Rolle ist zurückhaltend angelegt, aber sehr wichtig für den Film. Naomi holt aus jeder Szene das Optimum heraus und verleiht der Figur erhebliches Gewicht – was genau der Bedeutung entspricht, die Helen Gandy in Hoovers Leben zukommt.“

Doch eine andere Frau gab sich mit einer Nebenrolle im Leben ihres Sohnes nicht zufrieden: Annie Hoover. Sie dominierte ihn, beeinflusste ihn nachhaltig, sie war der Maßstab seiner moralischen Ambitionen. Hoover wohnte mit ihr zusammen und fragte sie in allen Lebenslagen um Rat. Sie starb, als er 43 Jahre alt war.

Die ehrwürdige Judi Dench haucht Annie derart intensives Leben ein, „dass man sie gleichzeitig liebt und fürchtet, ohne dass sie jemals auch nur ihre Stimme erhebt“, sagt Grazer. „Sie war genau die Mutter, die man sich nicht wünscht“, kommentiert Dench. „Sie war sehr starrsinnig, eine unglaubliche Glucke, die Edgar beherrschte, obwohl sie auch noch drei weitere Kinder hatte. Sicher wollte sie nur das Beste für ihn, aber das wirkt so, als ob sie sich in seinen Leistungen sonnte. Sie erinnert mich ein wenig an Lady Macbeth. Wahrscheinlich wünschte sie sich, dass man ihren Namen in einem Atemzug mit dem bedeutendsten Mann im Lande nennt. Edgar hatte wirklich keine Chance.“

Obwohl Eastwood und Dench seit vielen Jahren in der Filmbranche arbeiten, ergab sich jetzt erstmals die Gelegenheit zu einem gemeinsamen Film. Die Schauspielerin reagierte begeistert auf das Angebot. „Er ist eine Legende“, lächelt sie. „Und als er mich anrief, stieg meine Stimme um etliche Oktaven. Mein erster Gedanke war: ‚Darauf habe ich 75 Jahre lang gewartet.„“ Dieses Gefühl war durchaus gegenseitig. „Judi ist eine grandiose Lady – ich bewundere sie seit Langem“, bestätigt Eastwood. „Für mich gab es bei dieser Rolle keine Alternative – deshalb bin ich sehr froh, dass sie nicht abgelehnt hat.“

Die Lindbergh-Entführung wird im Film als einer der Schlüsselfälle in Hoovers Karriere beschrieben, und seine Mutter setzte ihn dabei besonders unter Druck, damit er den Fall möglichst schnell löste. Dieses „Verbrechen des Jahrhunderts“ war deshalb so wichtig für das FBI, weil man daran sehr gut demonstrieren konnte, wie wichtig die Verabschiedung und Anwendung von Bundesgesetzen sein konnte. Außerdem ergab sich daraus ein Raster für die Sicherung und Untersuchung von forensischen Indizien am Tatort. Schließlich spielte dieser Fall auch eine bedeutende Rolle, als Hoover das Parlament davon überzeugen konnte, dass solche Information unbedingt zentral erfasst werden mussten.

In einer Szene weist Hoover einen jungen Agenten darauf hin, dass Charles Lindbergh damals „der berühmteste Mann der Welt“ war. DiCaprio sagt: „Egal wie viel oder wenig Hoover damit zu tun hatte – jedenfalls benutzte er diesen Entführungsfall, um sich selbst und das FBI landesweit berühmt zu machen.“

Den legendären Flugpionier spielt Josh Lucas, der zufällig über eine Vorfahrin mit den frühen Tagen der Luftfahrt verbunden ist. „Die Chance, Lindbergh zu spielen, ließ ich mir nicht entgehen“, bestätigt Lucas. „Denn meine Großmutter war im Zweiten Weltkrieg eine WASP (Women Airforce Service Pilots) und auch eine der ersten Pilotinnen in der zivilenLuftfahrt der USA.“ Lucas ist als Kind mit ihr geflogen und interessierte sich bald selbst leidenschaftlich für die Luftfahrt. „Etwa vor zehn Jahren habe ich eine Lindbergh-Biografie gelesen, ich fühle mich jener Epoche und dieser Persönlichkeit sehr verbunden – aufgrund meines Familienhintergrunds und meines eigenen Interesses am Fliegen – denn ich bin seit Jahren dabei, es zu lernen … langsam, aber sicher.“

Verbunden mit dem Lindbergh-Fall sind auch Dermot Mulroney als Colonel Schwarzkopf von der New Jersey State Police, Stephen Root als Holzexperte Arthur Koehler, Denis O‟Hare als Graphologe Albert Osborne, Zach Grenier als John Condon, der den Kontakt zum Entführer aufnahm, und Damon Herriman als Bruno Hauptmann, den man schließlich wegen dieses Verbrechens verurteilte.

Weitere Schlüsselmomente in Hoovers Karriere werden auf der Leinwand geprägt von Ken Howard als Staatsanwalt Harlan Fiske Stone, Jeffrey Donovan als Robert Kennedy, Jessica Hecht als kommunistische Aktivistin Emma Goldman, Lea Thompson als Ginger Rogers‟ Mutter Lela und Geoff Pierson als Mitchell Palmer, Hoovers erstem Chef im Bureau.

Produktion: Der junge Hoover

J. Edgar Hoover hat sein gesamtes Leben in Washington/DC verbracht. Doch als die Filmemacher auf Motivsuche gingen, „merkten wir, dass wir fast alles in Kalifornien drehen konnten“, sagt Lorenz. „Nur eine Sequenz mussten wir unbedingt vor Ort in Washington filmen: die Library of Congress. Die Bibliothek war mir geläufig, aber ich hatte mich nie näher mit ihr beschäftigt. Als ich das Drehbuch las und ein wenig nachforschte, begriff ich, warum Lance Black diesen Schauplatz für die Szene wählte, in der Hoover Helen Gandy beeindrucken will. Ein überragendes Bauwerk.“ „Die Bibliothek ist derart beeindruckend, dass man am liebsten gleich losfilmen möchte“, bestätigt Eastwood. „Als wir eintraten und nach oben schauten, war sofort klar, dass wir uns um eine Drehgenehmigung bemühen mussten – egal welchen Bereich des Gebäudes man uns zur Verfügung stellen würde.“

Weil die Bibliothek der Öffentlichkeit zugänglich ist, gestalten sich Dreharbeiten in ihren Räumen sehr problematisch. Dennoch wurde dem Team Zugang gewährt, was Produktionsdesigner James J. Murakami angenehm überraschte. „Es handelt sich um ein grandioses, wunderschönes Gebäude von kolossaler historischer Bedeutung, gerade wenn man bedenkt, warum wir dort drehen wollten. Im Zwischengeschoss gibt es noch Akten mit Karten, auf denen man Hoovers handschriftliche Anmerkungen nachlesen kann.“

Den Filmemachern öffneten sich aber auch die Türen des Federal Bureau of Investigation und des Justizministeriums, wo das FBI während Hoovers Amtszeit untergebracht war. Lorenz erinnert sich: „Das FBI und das Justizministerium erwiesen sich als sehr kooperativ und ließen uns all die Schauplätze besichtigen, an denen Hoover seinerzeit tätig war. Wir hätten wahrscheinlich auch die Genehmigung erhalten, in Hoovers Büro zu drehen. Doch das waren sehr viele Szenen. Es wäre für die Behörde eine zu große Belastung gewesen, wenn wir während der gesamten benötigten Drehzeit dort gearbeitet hätten. Doch wir filmten den Blick von seinem Balkon, um mit diesen Einstellungen den Überblick zu bekommen und den Schauplatz vorzustellen.“

Um den Zuschauern Hoovers Blick aus seinem Büro über die Pennsylvania Avenue zu vermitteln, waren der für die visuellen Effekte verantwortliche Michael Owens und sein Team gefragt: Sie schufen die historischen Straßenansichten zu den jeweiligen unterschiedlichen Handlungszeiten, darunter die Auto-Konvois bei der Amtseinführung von zwei Präsidenten: Franklin D. Roosevelt und Richard Nixon. „Bei der Gestaltung des damaligen Looks orientieren wir uns an unseren Recherchen“, berichtet Owens. „Wir haben den Originalschauplatz gefilmt und dann die Aufnahmen überarbeitet. Das Modellieren, die Oberflächengestaltung und die Konstruktion dieser Stadtansichten im Computer ermöglichten uns einen sehr authentischen Look – das war viel einfacher, als ein komplettes Set zu bauen.“

Um Hoovers Arbeitsumgebung zu gestalten, bauten Murakami und sein Team in der riesigen Halle 16 des Warner Bros. Studios auch reale Sets wie den gewaltigen Korridor und etliche Büros des Justizministeriums. „Der große Korridor allein war vier Meter breit, die Decke war 5,50 Meter hoch, und die Länge musste 37 Meter betragen, um den Drehbuchvorgaben gerecht zu werden.“

Doch die größte Herausforderung des Designers war eine andere: „Wir konnten bei der Nachahmung des Terrazzo-Fußbodens im Justizministerium nicht das sehr teure Originalmaterial verwenden – also entschlossen wir uns schließlich, eine neue digitale Methode anzuwenden: Wir fotografierten den realen Fußboden und druckten die Bilder dann auf Hartfaserplatten.“

Murakami informierte sich umfassend, bevor er die Büros in den Studiohallen nachbaute. Sie mussten jeweils den verschiedenen Handlungszeiträumen des Films angepasst werden – von 1919 bis Anfang der 1970er-Jahre. Die Ausstattungsabteilung konzentrierte sich dabei auf Details, die auf ganz normalem Weg im Laufe der Zeit ausgetauscht und modernisiert werden – zum Beispiel machen die Glühbirnen in den Lampen schließlich den Neonröhren Platz. „Wenn es sein musste, haben wir uns ein paar Freiheiten genommen, aber wir bemühten uns stets um einen möglichst authentischen Look“, sagt er. Etliche der von seinem Team gebauten Sets wurden mehrfach verwendet, indem sie neu gestrichen und möbliert wurden, während man auch die Wände neu anordnete und so weiter. Zum Beispiel wurde das Set von Robert Kennedys Büro später in ein kleineres Büro umfunktioniert und dabei als Kriminallabor ausgestattet. Eines der wichtigsten Sets war Hoovers Haus, in dem er sein Leben lang gewohnt hat: Dort spielen viele bedeutende Szenen des Films. Was die Dekoration der verschiedenen Räume angeht, sagt Murakami: „Er sammelte einfach alles. In seinem Haus häufte sich der Schnickschnack: jede Menge chinesische Statuen und Paravents, vieles, was sich seit seiner Jugend im Besitz der Familie befand.“

Als junge und auch als alte Männer besuchen Hoover und Tolson Pferderennen – als Vorbereitung auf diese Szenen sah sich das kreative Team Aufnahmen von der Pimlico- Rennbahn in Baltimore/Maryland und aus Del Mar im südlichen Kalifornien an. Daraufhin baute das Team ein Tribünensegment nach und änderte Details entsprechend der wechselnden Schauplätze. Kameramann Tom Stern verwendete Halbnah- und Nahaufnahmen der Schauspieler, die das Rennen „beobachteten“ und dabei vor einer Greenscreen agierten, sodass anschließend im Computer der entsprechende Hintergrund einkopiert und mit Aufnahmen der verschiedenen Rennen kombiniert werden konnte. Außerhalb des Studiogeländes kamen auch etliche Schauplätze in Los Angeles zum Einsatz, um bestimmte Örtlichkeiten der Story zu illustrieren. Das Cicada Restaurant am Pershing Square in der Innenstadt diente als berühmter Stork Club in New York. In dieser Szenetritt eine Band auf – dafür engagierte der Regisseur seinen Sohn Kyle Eastwood und dessen Musikerfreunde, die die einzige Live-Musik zum Film beitragen. Die Herrenabteilung des Kaufhauses Garfinkels wurde in einem Ballsaal im Erdgeschoss des historischen Park Plaza Hotels nachgebaut. Dort richtete man auch die Räume des US- Senats ein. Das Pico Building in der Olvera Street wurde in den Bahnhof von Kansas City

umfunktioniert.

Die Szenen des Bruno-Hauptmann-Gerichtsverfahrens drehte das Filmteam etwas südlich von Los Angeles: Das alte Gerichtsgebäude des Orange County in Santa Ana entstand Anfang des 20. Jahrhunderts und dient heute als Museum – es entspricht fast vollständig dem Gerichtssaal in New Jersey, wo der Prozess stattfand. Die Außenaufnahmen dieser Sequenz wurden jedoch vor einem malerischen, altertümlichen Gerichtsgebäude in Warrenton gedreht, etwa 60 Kilometer von Washington entfernt. Das Anwesen The Plains vor den Toren der amerikanischen Hauptstadt bot die perfekte Kulisse für den Besitz der Lindberghs, und bestimmte Viertel in Arlington/Virginia sorgten für den Look und die richtige Atmosphäre weiterer Außenschauplätze. „Jede einzelne Szene stellte uns vor neue Herausforderungen – ständig wechseln die Schauplätze und die Handlungszeiten“, erinnert sich Lorenz. „Doch wenn jemand das schaffen kann, dann ist das Jim. Er und sein Team – zusammen mit Michael Owens Crew – wissen wirklich, wie man all diese Puzzle-Teile zusammensetzt.“

Produktion: Look und Design

Die Handlung von „J. Edgar“ erstreckt sich über sechs Jahrzehnte – von Anfang des 20. Jahrhunderts bis 1972. Deshalb musste Kostümdesignerin Deborah Hopper Kostüme gestalten, die den Wandel der Zeiten widerspiegeln. Allein Leonardo DiCaprio trägt fast 80 verschiedene Kostüme – eine echte Herkules-Aufgabe für Hopper und ihr Team. „Hoover war immer wie aus dem Ei gepellt“, berichtet Hopper. „Obwohl er am Anfang seiner Laufbahn nicht viele Anzüge besaß, achtete er stets auf seinen professionellen, akkuraten Look, und das verlangte er auch von seinen Agenten. Er wollte dem FBI ein bestimmtes Imageverpassen.“

Die Kostümierung eines so großen Ensembles und derart vieler Epochen erforderte eine intensive Planung. Fast jedes Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ist zumindest mit einigen Szenen vertreten, die Story entwickelt sich nicht chronologisch, sondern springt hin und her“, berichtet Hopper. „Deshalb bestand meine Aufgabe nicht nur darin, die Darsteller entsprechend der jeweiligen Periode einzukleiden, sondern dem Zuschauer auch subtile Anhaltspunkte zu geben, damit er sofort erkennt, in welchem Lebensabschnitt von Hoover er sich gerade befindet.“

Hopper legte eine Farbpalette fest, um optisch unaufdringliche Hinweise zu geben: „Ich finde, dass es einfacher wird, wenn man den verschiedenen Zeitabschnitten in Hoovers Leben jeweils eine bestimmte Farbpalette zuordnet: Wir fangen an mit braunen, genoppten Stoffen der 1920er-Jahre. Es folgen Grauschattierungen und Marineblau mit Streifen und Gewebe der 30er, dann die glatten, soliden Stoffe der 60er in Marineblau, Grau und Dunkelbraun. So wird die Geschichte auch mithilfe der Kleidung erzählt.“

Während Hoover die Karriereleiter hinaufstieg, änderte sich sein Stil, vor allem, als er den modebewussteren Clyde Tolson kennen lernte. „Als junger Mann trägt Hoover braune Einreiher“, erinnert sich Hopper. „In den 30ern nimmt Tolson Hoover mit zu seinem Schneider ins Kaufhaus Garfinkel‟s. Erstmals trug J. Edgar einen Zweireiher, der extra für ihn angefertigt und von Tolson entworfen wurde.“ Natürlich musste Hopper auch Tolson einen Look verpassen – er war „ein wenig eleganter. Wir verwendeten mehr Nadelstreifen und verpassten ihm jeweils Manschetten, Krawattennadeln, Einstecktücher und Taschenuhren … das komplette Accessoire-Programm. Hoover und Tolson waren von ihrem Image besessen und kleideten sich immer sehr gut.“

Neben den Herrenkostümen musste Hopper auch Naomi Watts‟ Kleidung für die Rolle der Helen Gandy gestalten – und zwar über denselben Zeitraum. Auch ihr Stil lässt Rückschlüsse zu. „In den 20ern, als sie Hoover kennen lernt, geben wir ihr einen koketten, femininen Look, sie trägt Spitze“, sagt Hopper. „Im Laufe der Jahre wirkt sie dann etwas geschäftsmäßiger, und in den 60ern trägt sie nur noch Kostüme.“ „Deborah leistet hervorragende Arbeit“, sagt Eastwood. „Aber das tut sie immer. Sie versteht ihr Handwerk. Sicher hat ihr das Spaß gemacht, denn sie durfte nicht nur eine Menge verschiedener Epochen ausstatten, sondern es handelt sich dabei auch um sehr glamouröse Perioden der amerikanischen Geschichte.“

Bei ihren Recherchen suchte Hopper zunächst nach echten Kostümen der jeweiligen Zeit und orientierte sich an dem, was sie in den verschiedenen Kostümverleihen in Los Angeles fand. Weil es historische Stoffe aus jener Zeit nur in begrenztem Umfang gibt, mussten Hopper und ihr Team auch moderne Gewebe verwenden, die künstlich gealtert wurden, damit sie zu den Originalkostümen passten. „Sie sollten nicht im eigentlichen Sinne abgetragen aussehen. Wir haben sie nur ein wenig weicher gemacht, damit sie so wirken, als ob die Filmfiguren sie schon eine Weile getragen haben.“

So wie die Kleider altern müssen, werden auch die Filmhelden älter. Hopper und das Maskenteam mussten also den Alterungsprozess bestimmter Darsteller in den jeweiligenZeitabschnitten unterstützen. „Armie und Naomi werden in den späteren Jahren durch ausgepolsterte Kostüme dicker gemacht“, sagt Hopper. „Leo bekam Maskenteile aus Latex direkt auf die Haut geklebt, damit es sich wie sein eigener Körper anfühlt. In den 30ern ist die Maske noch sehr zurückhaltend, in den 60ern schon mehr, da kommen Armpartien hinzu. Natürlich müssen wir die Kostüme diesen neuen Körpermaßen angleichen. Das Image war Hoover überaus wichtig – also brauchten wir ein großartiges Team, um J. Edgars Look in jedem Lebensalter zu gestalten.“

„Es ist eine interessante Aufgabe, einen Schauspieler von Mitte 20 bis in seine 70er altern zu lassen“, berichtet Maskenbildnerin Sian Grigg, die Leonardo DiCaprios Make-up verantwortet. „Leo sieht natürlich nie genau wie Hoover aus, weil er ihm überhaupt nicht ähnelt, aber mit seinem Gesicht lässt sich sehr gut arbeiten, und ich war überzeugt, dass wir ihm eine große Ähnlichkeit mit Hoover verpassen konnten, ohne dass dies zu sehr auffällt. Er trägtbraune Kontaktlinsen. Die Friseurin Kathy Blondell färbte sein Haar braun und fügte im Zuge des Alterungsprozesses graue Haarsträhnen hinzu. Sie hat ihm sogar einige Haare am Haaransatz ausgezupft, um seine Frisur eckiger erscheinen zu lassen. In den jungen Jahren trägt er Maskenteile um den Mund, um seinem Gesicht eine andere Form zu geben, und weitere Teile am Hals sorgen für sein Doppelkinn. Außerdem setzten wir ihm einen Nasenvergrößerer ein, um seine Nase etwas zu deformieren – alles dient dazu, dass er Hoover ähnlicher wird. Aber wenn ein junger Mann wie Leo einen 70-Jährigen spielen soll, muss er eine komplette Gesichtsmaske tragen, außerdem eine Glatzenmaske, in die einzelnen Haare eingefädelt sind, die man jeweils nur einmal verwenden konnte. Hinzu kommt ein Toupee, und auch auf den Händen befinden sich Maskenteile.“

Grigg arbeitet seit 15 Jahren mit dem Schauspieler zusammen. Sie berichtet, dass DiCaprio diesmal den Gipsabdruck seines kompletten Gesichts über sich ergehen lassen musste: „Das Verfahren ist alles andere als angenehm, aber um die Maske im Detail gestalten und die Teile exakt anpassen zu können, muss man tatsächlich mit einem aktuellen Gesichtsabdruck des Darstellers arbeiten. Duncan Jarman hat die Gestaltung des Abdrucks wunderbar hinbekommen – die Grundvoraussetzung für unsere weitere Arbeit an der Maske.“

Der Gesamteindruck war dann offenbar noch überzeugender, als Grigg und ihr Team gehofft hatten. Robert Lorenz erinnert sich, wie er mit Eastwood über das Set ging und DiCaprio begegnete, der die komplette Altersmaske, aber dazu noch seine Privatkleidung trug. „Es war der erste Drehtag der Altersszenen, und Clint hatte ihn so noch nicht gesehen“, sagt der Produzent. „Und er ist einfach an ihm vorbeigegangen. Er hat überhaupt nicht gemerkt, dass das Leo war.“ Eastwood weiß zu schätzen, was Grigg und ihr Team geleistet haben: „Leo trägt eine überragende Maske. Bei der Gestaltung seines Gesichts haben sie sich wirklich selbst übertroffen. Man hat wirklich das Gefühl, J. Edgar Hoover persönlich zu begegnen.“

Leonardo DiCaprio sagt: „Dass ich mich wirklich in den von mir dargestellten Menschen hineinversetzen konnte, lag vor allem daran, dass wir seine innere Geschichte erzählen. Über Hoover ist viel berichtet worden, doch ich habe das Gefühl, dass seine Beziehungen zu Clyde Tolson, Helen Gandy und seiner Mutter sein ganzes Leben und seine Laufbahn geprägt haben. Nur deswegen ging er jeden Tag ins Büro. Hoffentlich wird das die Menschen ansprechen, wenn sie sich diesen Film anschauen.“ „Hoover kannte keine Angst, und er konnte sich gut ausdrücken. Diese Qualitäten in Verbindung mit seiner Geheimniskrämerei haben ihm fast ein halbes Jahrhundert lang eine immense Machtposition gesichert“, resümiert Brian Grazer. „Andererseits: Je mehr er sich an die Macht klammerte, desto mehr entglitt sie ihm. Wir können anhand von Hoovers Leben eine Lektion lernen, die an keine Zeit gebunden ist: Sein Schicksal ist heute genauso mitreißend, emotional und vital wie zu seinen Lebzeiten.“

Regisseur Clint Eastwood sagt: „Das Interessante an der Story überträgt sich hoffentlich auch auf den Film: Wir lernen Hoover darin gut genug kennen, um ihn zu verstehen – seine Mutterliebe, das Bedürfnis, sein Land zu schützen, seine Beziehung zu Tolson … alles, was seine Persönlichkeit ausmacht. Er war nicht nur der Direktor des FBI, sondern hatte auch einen sehr komplexen Charakter. Ich hoffe, dass wir die Zuschauer in diese Welt hineinversetzen können, damit sie zwei Stunden lang die historischen Ereignisse aus seiner persönlichen Sicht erleben können.“

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