Ist das Leben nicht schön? Poster

Therapie mit Jack

Ehemalige BEM-Accounts  

Sigmund Freud war kein großer Kinogänger. Das Medium Film war dem Psychoanalytiker eher suspekt, und er wäre wohl kaum auf den Gedanken gekommen, seinen Patienten Filme vorzuführen.

Vorbild für alle Zwangsneurotiker: Jack Nicholson in “Besser geht’s nicht” Bild: Columbia Tristar

Die Zeiten haben sich geändert: Wissenschaftlichen Berichten zufolge haben 90 Prozent der US-Psychotherapeuten mit ihren Patienten schon einmal über Filme gesprochen, und 76 Prozent empfahlen sogar, einen bestimmten Film anzuschauen.

Dass muss man sich ganz praktisch vorstellen: Klienten schauen solche Filme an, in denen ihr jeweiliges Problem Thema der Spielfilmhandlung ist. Für Selbstmordgefährdete eignet sich beispielsweise der Klassiker “Ist das Leben nicht schön?“, in dem sich James Stewart an Heiligabend umbringen will. Das ist kein Witz, und die Befürworter der Filmtherapie sind überzeugt, dass sich Patienten mit ihrem Gefühlsleben intensiver auseinandersetzen, wenn sie mit entsprechenden Handlungselementen konfrontiert werden.

Trügerische Familienidylle: “Kramer gegen Kramer” mit Dustin Hoffman und Meryl Streep Bild: Atlas

Besser geht’s mit Nicholson

Andere Experten halten dies für therapeutischen Hokuspokus, ohne empirisch gesicherte Erfolgsbelege. Wer dem Thema nicht ganz so abgeneigt ist, kann sich auf der Website www.admsep.org/cinema.html informieren. Dort finden sich diverse psychische Probleme und dazu passende Filme:

Wer etwa an posttraumatischen Störungen leidet, sollte sich “The Deer Hunter” zu Gemüte führen. Bei Menschen mit Angstzuständen soll “Geboren am 4. Juli” eine therapeutische Wirkung haben. “Besser geht’s nicht” mit Jack Nicholson eignet sich zur Bekämpfung von – was sonst? – Zwangsneurosen. Bei Familienproblemen eignen sich je nach Situation “Kramer gegen Kramer” oder “Betrug“.

“Thank You for Smoking” – eine herrlich bissige Satire über das US-Zigarettenbusiness Bild: Fox

Thank You for Not Smoking

Für Manisch-Depressive kommt eher “Mr. Jones” mit Richard Gere in Frage. Wer an sich Borderline-Symptome entdeckt, sollte auf “Eine verhängnisvolle Affäre” zurückgreifen. Scorseses “Taxi Driver” könnte bei Schizophrenie heilsam wirken. Narzissten wird “Jerry Maguire – Spiel des Lebens“, “Alfie“, “Ein Mann für gewisse Stunden” oder “Citizen Kane” verschrieben.

Auch anderen Filmklassikern wie “Lawrence von Arabien” und “Vom Winde verweht” wird ein therapeutischer Nutzwert zugeschrieben. Für Cineasten, die gerade das Rauchen aufgeben wollen, empfiehlt sich “The Insider” oder “Thank You for Smoking“. Männer, die von ihren Frauen unterdrückt werden, sollten sich “Norbit” anschauen. So gesehen, könnte die gute alte Unterteilung nach Genres wie Komödie oder Thriller bald ganz anders aussehen.