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Fakten und Hintergründe zum Film "Iron Sky - Wir kommen in Frieden!"

Fakten und Hintergründe zum Film "Iron Sky - Wir kommen in Frieden!"

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Über die Produktion

IRON SKY ist ein ungewöhnlicher Film: Einerseits ein spektakuläres Science-Fiction-Abenteuer mit all den großen Designs, Effekten und Weltraumschlachten, die sich Fans des Genres erwarten; andererseits verbirgt sich hinter der Genrekulisse eine hintergründige Satire über unverbesserliche Nazis, die buchstäblich hinter dem Mond leben, und eine amerikanische Regierung, die sich auch unverhohlen faschistischen Ideen verschreibt, wenn sie sich davon Wählerstimmen und den Erhalt der Macht verspricht. Es ist eine, wie Filmfanslängst wissen, total, total verrückte Welt – und Regisseur Timo Vuorensola erweckt sie in seinem in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Film zu strahlendem Leben.

IRON SKY steht in einer Tradition, die bis in die Sechzigerjahre zurückreicht, als findige amerikanische Filmemacher – die Wegbereiter des Independentkinos – mit bizarren Filmen wie THEY SAVED HITLER’S BRAIN (1968) nicht die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich suchten. Ganz im Sinne des Kinos von Trash Urmeister Ed Wood erkannten sie vielmehr, dass sie mit der Überschreitung der Grenzen des guten Geschmacks und dem Spiel mit dem Tabubruch eine Chance hatten, eine Nische zu schaffen und gegen das übermächtige Hollywood zu bestehen.

Im Zuge von Luchino Viscontis kontrovers aufgenommenen Epos GÖTTERDÄMMERUNG („The Damned“/ „La Caduta Degli Dei“, 1969) über den Niedergang einer Dynastie während des Dritten Reichs entstand in der Folge eine besondere Form des Exploitationfilms, die so genannte Nazi-Ploitation, die ihren kommerziellen Höhepunkt in Tinto Brass’ MADAM KITTY aka DOPPELSPIEL („Salon Kitty“, 1976) mit Helmut Berger und Ingrid Thulin und der enorm einflussreichen kanadischen Produktion ILSA – SHE WOLF OF THESS (1975) mit der beeindruckenden Dyanne Thorne hatte. Nazi-Klischees von gewaltbesessenen arischen Übermenschen und unersättlichen Walküren wurden hier auf die Spitze getrieben.

2007 verbeugten sich Quentin Tarantino und Robert Rodriguez vor dem grotesken Subgenre mit dem von Rob Zombie inszenierten Faketrailer zu WEREWOLF WOMEN OF THE SS, der in der Originalfassung ihres GRINDHOUSE (2007)-Experiments zu sehen war. Zu diesem Zeitpunkt hatte bereits Mainstream-Hollywood seine große Lust an Nazi-Bösewichten entdeckt: Wie Timo Vuorensola in IRON SKY spielen auch Großproduktionen wie HELLBOY („Hellboy“, 2004) – über die Thule-Gesellschaft, die für Hitler die Tore zum unaussprechlich Bösen öffnen soll – oder CAPTAIN AMERICA („Captain America“, 2011) – über die fiktive Organisation Hydra, die sich als noch größenwahnsinniger als der Führer entpuppt – mit der Besessenheit der Nazis, mit dem Okkulten und dem Kontakt zu Außerirdischen. Vuorensola, der selbst überdies Klassiker wie ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT („Alien““, 1979), KRIEG DER STERNE („Star Wars“, 1977) oder die Filme von Jeunet/Caro als unmittelbare Vorbilder nennt, setzt seine Nazis eher satirisch ein.

Unverkennbar atmet IRON SKY nämlich auch den Atem der Filme von Monty Python. Und es ist kein Zufall, dass im Film ein Clip aus DER GROSSE DIKTATOR („The Great Dictator“, 1940), der ersten Filmsatire über das Dritte Reich, zum Einsatz kommt: IRON SKY lässt über die Nazis lachen – und über alle machtbesessenen Politiker, rechtzeitig zum US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf.

Auch bei der Finanzierung ging IRON SKY ungewöhnliche Wege. Natürlich wurde ein Großteil des 7,5-Millionen-Euro-Budgets auf klassische Weise mit diversen Förderungen (in Deutschland von Hessen Invest und der DFFF) und Steuervorteilen durch den Dreh der Innenaufnahmen in Australien gestemmt, aber gleichzeitig versuchten die Filmemacher noch mit Hilfe des relativ neuen Konzepts des Crowd Investment eventuelle Finanzierungslücken zu schließen.

IRON SKY ist eine der ersten Filmproduktionen, die dieses Mittel erfolgreich einsetzte und damit 750.000 Euro einnahm, also 10 % des Produktionsbudgets. Grundlage dafür war die enorm große Community, die sich für Timo Vuorensolas STAR WRECK zusammenfand und schon früh zu verstehen gab, dass sie sich brennend für ein Folgeprojekt interessieren würde. Von Anfang an wurde die Community eng in jede Phase der Produktion von IRON SKY einbezogen. Community-Mitglieder erhielten einen dezidierten Einblick in die Produktion. Timo Vuorensola sprach sie regelmäßig direkt an, schrieb einen Produktionsblog und stellte diverse Detailfragen zur Diskussion.

Die Reaktion war euphorisch und ging so weit, dass Fans eigene Skizzen von Designs zur Verfügung stellten und bei einem Außendreh mehr als 100 Mitglieder der Community aus ganz Europa anreisten, um als Statisten mit dabei zu sein. So entstand schließlich die Idee, die Community gegen eine gleichberechtigte Beteiligung auch um finanzielle Unterstützung zu bitten – erfolgreich!

Wie der deutsche Produzent Oliver Damian betont (siehe Interview), wurde die Produktion durch die Community tatsächlich gerettet. Das Beispiel macht Schule. Zuletzt ist es der Kölner Brainpool gelungen, binnen von nur zwei Wochen eine Million Euro durch Crowd Funding für die Herstellung des geplanten STROMBERG Kinofilms zu sammeln. Eine echte Alternative zur traditionellen Filmfinanzierung – wenn man denn auf ein großes Netzwerk von Fans zurückgreifen kann.