Invasion

  1. Ø 0
   2011
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Filmhandlung und Hintergrund

Invasion: Zwischen Psychodrama, Horror und Thriller siedelt Dito Tsintsadze die Geschichte eines Witwers an, der in einer alten Villa seine Besucher als Invasoren betrachtet.

Vor drei Monaten verlor Josef Sohn und Frau. Seitdem steht die Zeit still, bis der über 60-jährige Witwer an ihrem Grab Nina gegenübersteht, eine ihm unbekannte Cousine der Verstorbenen. Als sie Josef bittet, ihren arbeitslosen, erwachsenen Sohn Simon in seinem riesigen Landhaus zu beherbergen, hilft der gutmütige Mann gerne aus. Doch dann tauchen dessen rumänische Frau, sein Sohn sowie Ninas Geliebter, ein dubioser osteuropäischer Geschäftsmann auf. Sie richten es sich nicht nur bequem ein, sondern wollen Josef aus seinen vier Wänden verdrängen.

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Kritikerrezensionen

  • Vollkommen fremde Menschen, die behaupten, Verwandte seiner verstorbenen Frau zu sein, nisten sich in der Villa eines einsamen Mannes ein. "Invasion" macht aus diesem albtraumhaften Szenario eine gewitzte schwarze Komödie mit bitterer Note. Der aus Georgien stammende Regisseur Dito Tsintsadze ("Schussangst", "Lost Killers"), der in Berlin lebt, zieht den Zuschauer als heimlichen Detektiv in das Geschehen hinein. Schon kleine Gesten könnten wichtige Hinweise geben darüber, was Josefs Dauergäste eigentlich im Schilde führen.

    Die Bedrohung steigert sich Schritt für Schritt mit Überraschungen, die für Josef nicht so lustig sind wie für den Zuschauer. Schon dass die wachsende Verwandtschaft schön der Reihe nach eingeführt wird, sorgt immer wieder für Vergnügen. Jedes Mal müsste Josef erkennen, dass er Leuten vertraut, die seine Hilfsbereitschaft höchstwahrscheinlich systematisch ausnutzen. Aber der schweigsame Mann verrät nur mit ratlosen Blicken, dass ihm die Situation allmählich zu denken gibt – etwa wenn er entdeckt, dass Konstantin das Arbeitszimmer zu seinem Büro umfunktioniert. Der Mann mit dem osteuropäischen Akzent trägt eine Pistole und provoziert Josef mit aggressiven Sprüchen.

    Burghart Klaußner hält Josef in einer interessanten Balance zwischen Naivität und Toleranz. Schöne, unbeschwerte Szenen, in denen er tanzend mitfeiert oder den anderen beim Schwimmen in seinem Hallenbad zuschaut, lassen das Publikum für ihn hoffen. Auch entschädigen ihn die nächtlichen Besuche der schönen Milena lange für die nervenden Begleiterscheinungen in seinem Haus.

    Der Regisseur schürt die Spannung, indem die neuen Bewohner immer mehr persönliche Macken offenbaren. Weil sie trotz wachsender Konflikte untereinander ausharren, scheinen sie auf ihren großen Moment zu warten. De facto noch von Josef abhängig, umkreisen sie ihn wie Raubtiere ihre Beute. Bis zum furiosen Finale steigert sich der schaurige Anteil der Atmosphäre kontinuierlich. Unheimliche Geräusche dringen aus den Rohren des Hallenbads mit seinen bräunlich verfärbten Fliesen. Mitgegangen – mitgehangen: Je mehr man sich mit Josef identifiziert, desto stärker spürt man, wie schwer es wird, die unlauteren Gäste loszuwerden.

    Fazit: Dito Tsintsadzes "Invasion" kombiniert schwarzen Humor und abgründigen Ernst zu einem spannenden Filmvergnügen.
  • Burghart Klaußner erlebt auf dramatisch-groteske Weise, wie zu viel Gastfreundschaft zu Mord und Totschlag führt.

    Wenn sich ungebetene Gäste im abgelegenen Landhaus eines Witwers einnisten, führt das beim georgischstämmigen Dito Tsintsadze („Schussangst“) zu einem Home-Invasion-Thriller, der, statt nach Genre-, nach Arthaus-Sitte angerichtet ist und – stilistisch nicht immer sattelfest – zwischen Psychodrama, finsterer Farce und surrealer Groteske schwankt. Ein minimalistisches Werk über (Mit)Schuld und die Neugründung einer Familie, entfernt angelehnt an Hanekes „Funny Games“, Molls „Harry meint es gut mit dir“ und Hansons „Die Hand an der Wiege“.

    Das sparsame Geschehen gleicht oft einem lähmenden Alptraum, der lange Zeit benötigt, um in die Gänge zu kommen, beginnend mit dem verwelkten Neuwitwer Josef (Burghart Klaußners zweite Zusammenarbeit mit Tsintsadze nach „Der Mann von der Botschaft“), der um Sohn und Frau trauert. Am Grab trifft er ihre ihm unbekannte Cousine Nina (Heike Trinker), eine liederliche Theateraktrice, die vorwiegend Worthülsen absondert und nach einer Bleibe für ihren erwachsenen Sohn Simon fragt, der einen Job sucht. Der gutmütige Josef überlässt ihm ein Zimmer seines riesigen Anwesens und staunt nicht schlecht, als sich nachfolgend immer mehr Gäste ungefragt bei ihm einnisten und den phlegmatischen Trauerkloß langsam aus seinem Haus drängen. Als der Biedermann die osteuropäischen – und mitunter kriminellen – Eindringlinge der Tür verweisen will, geht auch ihm endlich auf, dass sie gar nicht vorhaben zu gehen.

    In der Zwischenzeit sind sexuelles Begehren und Eifersucht zu einer bedrohlichen Gemengelage angewachsen, was sein Ventil schließlich in Mord und Totschlag findet. Dass der in seiner Passivität bis dahin schwer erträgliche Hausherr aktiv mitmischt, überrascht in dem Porträt diffuser Charaktere, die oft nur skizziert werden. Die irritierende Studie von Überfremdung schwenkt bisweilen ins Surreale und lässt sich – unter anderem – als politische Allegorie deuten: wer nur lange genug tolerant ist, läuft Gefahr, zum Fremden im eigenen Haus zu werden. Vorwiegend handelt Tsintsadze aber in Fernsehästhetik dialektisch den Kontrast von dionysischen Tanzgelagen und asketischer Einsamkeit als Überwindung einer Trauerphase ab. Mit einem sardonischen Familienende rückt die augenzwinkernd düstere Psycho-Groteske ihre Schieflage auf hinterlistige Art wieder gerade. tk.

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