Intruders Poster

Fakten und Hintergründe zum Film "Intruders"

Kino.de Redaktion  

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Der Regisseur über den Film

Beklemmung. Vor kurzem habe ich eine sehr gute Definition für jenes bedrückende Gefühl in der Brust gehört, das einem fast den Atem verschlägt. Ich kannte den Mann kaum, der folgenden Satz sagte: „Dieses Gefühl bekommt man, wenn man sein Leben nicht mehr unter Kontrolle hat.“ Dieser weise Fremde verblüffte mich. Ich finde die Definition nicht nur äußerst angemessen für jene Reaktion, die Millionen Menschen vertraut ist, wenn sie sich unsicher fühlen, sondern in diesem Moment hatte ich auch den Aufhänger für das Grauen gefunden, dem die Protagonisten jener Geschichte ausgeliefert sind, an der ich gerade arbeitete: „Intruders“.

Zwei Schauplätze bestimmen die Story: England und Spanien. Verbunden werden sie durch ein dynamisches Phänomen: Die Hauptfiguren spüren, dass sie ihr Leben nicht mehr unter Kontrolle haben, weil etwas oder jemand in sie eindringt, ihren Lebensraum besetzt und damit die denkbar schlimmste Bedrohung darstellen: Es ergreift Besitz von dem, was diese Menschen am meisten lieben.

Der unfreiwillige Held der Geschichte ist John Farrow: Er erlebt die Invasion seiner Privatsphäre, die ihm über alles geht: seine Familie, sein Heim. Vor allem liebt er seine Tochter – und gerade sie wird das Opfer der Attacken. Das Gespenst aus den Albträumen des Mädchens nimmt im Haus Gestalt an, verfolgt die Kleine und raubt ihr allmählich die Unschuld. Eine ähnliche, aber brutalere Invasion erleben gleichzeitig auch Luisa García und ihr Sohn in einem gar nicht weit entfernten Land, das aber von anderen Sitten geprägt ist. In diesem Fall kehrt jemand aus dem Reich des Todes zurück und ergreift Besitz vom Körper des Jungen, um in der Finsternis seine kompromisslose Herrschaft fortzusetzen.

In beiden Fällen sind die Hauptfiguren gezwungen, sich gegen die Eindringlinge zu wehren, die ihren privaten Lebensraum, das unantastbare Allerheiligste, in Besitz nehmen – sei es die Familie oder der Körper eines Kindes. Bald merken sie jedoch, dass die Eindringlinge unüberwindliche Kräfte aufbringen, denen die Familien nichts entgegenzusetzen haben, denn die Wissenschaft oder auch die Religion mögen nützlich sein – eine Lösung bieten sie aber nicht. Unter diesen Umständen bemühen sich die Helden verzweifelt herauszufinden, was es mit den Eindringlingen auf sich hat, um sie zu entlarven und ihre finstere Macht zu brechen. Denn sie treten immer dann auf, wenn man sich eine Blöße gibt, wenn man seinen Lebensraum und seine Gefühle nicht vollständig im Griff hat.

Als wir an den ersten Fassungen des Drehbuchs arbeiteten, stand eine Idee ganz klar im Zentrum: Gerade das Vertraute macht uns am meisten Angst, ohne dass wir das jemals glauben oder annehmen würden. Das wird von Generation zu Generation weitergegeben – ein Vermächtnis, das wächst und an Komplexität zunimmt, wenn uns das nahe, vertraute Monster mit seinen Klauen packt und uns mit einer Urangst erfüllt, die das Versagen mit sich bringt. Denn es ist ein sehr bitteres Gefühl, wenn wir uns eingestehen müssen, dass wir unser Leben und das unserer Lieben durchaus nicht selbst bestimmen können.

Ähnlich wie die oben beschriebene Episode, die sich während der Arbeit am Skript ergab (ein Fremder definiert den Begriff Beklemmung), erlebte ich praktischerweise einen weiteren „glücklichen Zufall“, der mir die Lösung für die optische Umsetzung der Geschichte an die Hand gab – ein Zufall in dem Sinne, dass er unerwartet kam und mir die Antwort auf die Frage lieferte, mit der ich mich unbewusst beschäftigte. Sobald man eine Geschichte zu Papier bringt, beginnt der Verstand unaufhörlich zu arbeiten, um optimale Bilder zu entwerfen, die den Gehalt der Story sichtbar und verständlich machen. Diese Suche läuft unterschwellig ständig weiter und wird mir erst in dem Moment bewusst, wenn ich einen Gegenstand oder einen Ort entdecke, der scheinbar nichts mit dem Projekt zu tun hat, aber formal oder inhaltlich eine Beziehung zu den Elementen der Story herstellt.

Dieser Zufall, an den ich mich erinnere, hat vor allem mit dem Beleuchtungskonzept zu tun, das ich mir für „Intruders“ vorstellte, genauer: wie ich mit dem Licht spielen wollte, um Inszenierungselemente für den generellen Ansatz dieser Story zu entwickeln: Er besteht darin, durch verstörende Bilder einen emotionalen Effekt zu erzielen.

In diesem Fall handelte es sich um einen Baum. Er stand im Garten einer Kirche. Nachts wurde er von einem im Boden verborgenen Scheinwerfer angestrahlt. Ich blieb wie angewurzelt mitten auf der Straße stehen, weil mich die Schatten hypnotisierten, die der Baum warf. Diese Entdeckung löste in mir ein unbehagliches Gefühl aus, das ich erst nach einer Weile verarbeiten konnte. Der Schatten, den der Baum auf die Kirchenmauer warf, sah einem Baum überhaupt nicht ähnlich. Das war nicht sehr offensichtlich, kaum merklich, aber dieser Umstand sorgte dafür, dass ich mich eine Zeit lang unwohl fühlte … bis ich merkte, dass der sich bewegende Schatten von einem anderen Baum stammte … zufällig hatte ich aber den sehr deutlichen Eindruck, dass der Originalbaum diesen Schatten warf.

Ich glaube, dass die Trennung einer Figur von ihrem Schatten (Bewegung und Gestalt können ein wenig variieren) einen Beleuchtungseffekt ergibt, der die Spaltung, den Riss demonstrieren kann, unter dem die Hauptfiguren leiden, wenn sie mit ihren eigenen Ängsten konfrontiert werden. So kann ich in Bildern dieses Eindringen, diesen Verlust erzählen, dem sie selbst oder ihre intimste Umgebung ausgesetzt werden. Wenn ich dieses Mittel unaufdringlich, aber immer wieder einsetze, bekommt der Zuschauer das Gefühl, dass in der Geschichte etwas Übernatürliches vorgeht, das sie berührt, das nicht von ihnen zu trennen ist. Selbst wenn sie sich davon absetzen. Und das bereitet die Auflösung der Geschichte vor, in der selbst die tiefsten Urängste, die in Legenden überliefert werden, ihren Ursprung in den elementaren menschlichen Gefühlen haben … in den Schatten dieser Gefühle. Verlust. Schmerz. Wut.

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