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„Inferno“ – die Kritik

Alexander Jodl |

Inferno Poster

Zum dritten Mal versucht Tom Hanks als Kult-Symbologe Robert Langdon Rätsel der Vergangenheit zu entschlüsseln, um eine Katastrophe der Gegenwart zu verhindern.

Wenn sich in den Romanen von Dan Brown Symbol-Spezialist Robert Langdon hektisch daran macht, verschlungene Rätsel zu lösen, steckt jemand in großen Schwierigkeiten. Ebenso natürlich in den dazugehörigen Verfilmungen: Bislang waren es zwei, in denen Tom Hanks virtuos den genialen Wissenschaftler mimte: „The Da Vinci Code – Sakrileg“ aus dem Jahr 2006 und „Illuminati“ von 2009. Jetzt gesellt sich mit „Inferno“ ein dritter Teil dazu. Und diesmal steckt nicht nur die Kirche knietief in existentiellen Problemen. Diesmal ist es gleich die halbe Menschheit, deren Schicksal von Langdons intellektuellem Geschick und perfektem Gedächtnis abhängt.

Kleines Problem: Das mit dem perfekt, war einmal. Momentan kann sich der Dechiffrier-Spezialist nicht einmal an die letzten paar Tage erinnern. Er weiß lediglich eines: Kaum ist er völlig verwirrt in einer Klink aufgewacht, muss er schon um sein Leben rennen. Wer ihm weshalb ans Leder will – und wie er überhaupt nach Florenz kam  ist ihm völlig unklar. Ebenso, wem er seine Blessuren zu verdanken hat. Doch unterstützt von einer Klinikärztin (Felicity Jones), die ihm überhaupt erst zur Flucht verhilft, wird ihm schnell eines klar: Offenbar hat er wieder mal an einem Rätsel gearbeitet. Etwas extrem Wichtiges. So wichtig, dass Menschen dafür töten – und sogar sterben.

Mehrere Fraktionen scheinen dabei an ihm und seinen Hinweisen interessiert. Nur ohne sein legendäres Gedächtnis kann er nicht Freund noch Feind unterscheiden. Und dieses gibt seine vergrabenen Geheimnisse nur sehr zögerlich frei. Also macht Langdon solange, was er am besten kann: Er tastet sich von Hinweis zu Hinweis. Und kommt so einem Geheimnis immer näher, das ihm mehr Angst macht, als alle vorhergehenden zusammen.

„Langdon rennt“, hätte man das dritte Filmabenteuer des Kult-Symbologen auch nennen können. Denn in dem dritten von Ron Howard inszenierten Rätsel-Marathon gönnt der Regisseur seinem Star keine Atempause beim verzweifelten Sprint von Kunstwerk zu Kunstwerk. Dass die noch immer ziemlich unterhaltsame Hetzjagd sich nicht abnutzt, liegt vor allem an Tom Hanks. Längst komplett verwachsen mit seiner Rolle haucht er dem Protagonisten so viel facettenreiches und glaubhaftes Leben ein, dass man ihn auch beim Zeitungslesen fasziniert beobachten würde – und sich fragen, auf welche Mysterien dieser schillernde Verstand darin wohl als nächstes stößt.

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An der Story liegt’s nämlich leider nicht. Die ist tendenziell zu stark von Logik-Löchern durchsetzt, als dass man die Schnitzeljagd auf hohem Niveau noch stolperfrei genießen könnte. Auch die Vielzahl an beteiligten Interessengruppen und deren Vertretern erschließen sich dem Zuschauer erst, wenn er fast schon das Interesse an ihren Motiven verloren hat. Das wird zwar im letzten Moment durch die starke Präsenz von Ben Foster, Irrfan Khan und Omar Sy verhindert. Und letztlich will man natürlich trotzdem wissen, wie Langdon kraft seines Verstandes des ganzen Schlamassels Herr wird. Doch die drohende Mega-Katastrophe lässt den Zuschauer dabei eigenartig kalt.

Noch immer geht also von Dan Browns Vorzeige-Romanfigur eine starke Faszination aus, die sich auch bei seiner dritten Vorstellung auf der großen Leinwand entfaltet. Doch der Versuch, die filmische Spannung parallel zum Bedrohungs-Potential zu steigern, misslingt: Die besten Szenen hat Tom Hanks immer noch, wenn er – Nerd, der er hier nun mal ist – seinen scharfen Verstand als Waffe einsetzt. Und den Zuschauer teilhaben lässt, an seiner Begeisterung für verschlungene Rätsel und magische Geschichten voller uralter Mysterien. Den Kampf mit Waffe und Faust sollte er in Zukunft doch besser Bond, Bourne & Co überlassen.

Der Trailer zu „Inferno“

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