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Und ein weiteres Mal geht es bei den diesjährigen Filmfestspielen politisch zu. In „Indigènes“ beschreibt Rachid Bouchareb die Erfahrungen nordafrikanischer Kolonialsoldaten im Zweiten Weltkrieg. Paolo Sorrentino übt in „L’Amico di Famiglia“ Zivilisationskritik.

Beiträge zum Nachdenken: "Indigènes" und "L'Amico di Famiglia" Bild: Festival de Cannes

L‘ Amico di Famiglia„, Deutsch: „Der Freund der Familie“, handelt von einem extrem unangenehmen Zeitgenossen, dem Geldverleiher Geremia. Giacomo Rizzo verleiht dem Ekelpaket die nötige Portion Egoismus.

Weil er die bevorstehende Hochzeit seiner Tochter Rosalba nicht bezahlen kann, springt der stolze Saverio über seinen Schatten und bittet um ein Darlehen. Der gierige Geremia nutzt die Situation schamlos aus und verlangt satte hundert Prozent Zinsen. Am Tag der Trauung versucht Rosalba selbst, mit dem Kredithai zu handeln, doch fällt der über die junge Frau her.

Die Braut Rosalba macht an ihrem Hochzeitstag eine schreckliche Erfahrung Bild: Festival de Cannes

Hoher Preis

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Als Geremia in ein scheinbar sicheres Geschäft eine Million Euro investiert und alles verliert, entgleitet dem berechnenden Geizhals langsam die Kontrolle. In dem Moment, in dem Rosalba ihm eröffnet, dass sie von ihm ein Kind erwartet, gerät sein Leben vollkommen aus den Fugen.

Die Story ist originell, aber die emotionslosen Personen wirken zu distanziert. Auch wenn Paolo Sorrentinos Liebe zu Farben beim Festivalpublikum gut ankam, an manchen Stellen ist es zu viel der Affekthascherei.

Soldaten zweiter Klasse

Gebraucht, aber nicht geehrt: nordafrikanische Soldaten in "Indigènes" Bild: Festival de Cannes

Während der italienische Regisseur die Auswüchse des Kapitalismus unter der Lupe nimmt, widmet sich der Franzose Rachid Bouchareb einem dunklen Kapitel der Kolonialgeschichte.

In „Indigènes“ geht es um Soldaten aus den französischen Kolonien in Nordafrika, die für die Freiheit eines Landes kämpften, in dem sie nie gewesen waren, und dafür auch noch wie Menschen zweiter Klasse behandelt wurden. Der Kriegsfilm konzentriert sich mehr auf die einzelnen Charaktere als die Kampfhandlungen.

Die Folgen der Kolonialgeschichte wirken bis heute Bild: Festival de Cannes

In einem fremden Krieg

Im Mittelpunkt steht eine kleine Kompanie. Während Unteroffizier Abdelkader der Ansicht ist, dass in der Armee endlich alle gleich sind, und auf die Grundsätze der französischen Revolution pocht, hegt sein Vorgesetzter Martinez gegenüber den Nordafrikanern gemische Gefühle.

Es ist nur schwer nachzuvollziehen, warum diese Männer sich freiwillig für diesen Kampf gemeldet haben. Der Abspann macht darauf aufmerksam, dass die Regierung keine Kriegsrente mehr an diejenigen aus den ehemaligen Kolonien zahlt, die Frankreich im Zweiten Weltkrieg verteidigt haben.

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    In "Indigènes" kämpfen Nordafrikaner in einem Krieg, der nicht der ihre ist. In "L'Amico di Famiglia" verkauft sich eine Braut an einen Geldverleiher.

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