Filmhandlung und Hintergrund

Michael Winterbottoms authentisches Drama folgt zwei afghanischen Flüchtlingen auf ihrer lebensgefährlichen Odyssee nach England.

Im Februar 2002 machen sich in einem Flüchtlingslager im Nordosten Pakistans die jungen Afghanen Jamal (Jamal Udin Torabi) und Enayat (Enayatullah) auf den ebenso beschwerlichen wie ungewissen Weg ins goldene Europa. Nach einer bewegenden Abschiedsfeier von der Familie führt ihr abenteuerlicher Weg entlang der alten Seidenstraße über den Iran, die Türkei, Italien und Frankreich bis nach Großbritannien.

Halb dokumentarisches, halb fiktives Flüchtlingsdrama von Michael Winterbottom („Welcome to Sarajevo„), komprimiert aus über 200 Stunden digital gedrehtem Filmmaterial nach über einem Jahr Vorbereitung.

Aus einem nordpakistanischen Flüchtlingslager machen sich zwei junge Afghanen auf den illegalen Migrationsweg nach England. Von Menschenschmugglern von Land zu Land weitergereicht, erweist sich ihr Weg als lebensgefährliche Odyssee.

Der afghanische Flüchtlingsjunge Jamal und sein älterer Vetter Enayat träumen von einer besseren Zukunft und machen sich deshalb von einem pakistanischen Lager nach London auf. Von professionellen Fluchthelfern ausgebeutet, von Polizisten und Soldaten verfolgt, trotzt Jamal allen Widrigkeiten und Gefahren. Als er nach langen, beschwerlichen Märschen, eingesperrt in engen, dunklen Containern endlich in Großbritannien angekommen ist, hat er seine jugendliche Unschuld und den Glauben ans Gute im Menschen verloren.

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Kritikerrezensionen

  • In This World: Michael Winterbottoms authentisches Drama folgt zwei afghanischen Flüchtlingen auf ihrer lebensgefährlichen Odyssee nach England.

    Bereits der vierte Berlinale-Beitrag des britischen Ausnahmeregisseurs Michael Winterbottom! Seit seinem Erstling „Butterfly Kiss“ aus dem Jahr 1995 drehte der engagierte Filmemacher bemerkenswerte acht Kinofilme, und nachdem seine schillernde Rockmusikhymne „24 Hour Party People“ erst im Vorjahr in Cannes gezeigt wurde, knüpft er nun thematisch wie formal an das während des Bosnienkriegs gedrehte Dokudrama „Welcome to Sarajevo“ an: „In This World“ nimmt sich - und dies mit höchster Aktualität - der alarmierenden Lage afghanischer Flüchtlinge, der Problematik der wirtschaftlichen Migration und des Menschenschmuggels an.

    Halb Dokumentation, halb Fiktion zeichnet sich Winterbottoms Roadmovie erneut als Bewusstseinsrüttler mit einer klaren humanitären Intention und bemerkenswerten politischen Reife aus, die weniger Worte als Schicksale sprechen lässt - dies aber wie gewohnt mit einem Höchstmaß an realistischer Unmittelbarkeit. Auch in diesem Fall, der der illegalen Odyssee zweier junger afghanischer Flüchtlinge aus Pakistan über den Iran, die Türkei, Italien, Frankreich bis nach England folgt, beginnt und endet Winterbottoms wahrhaftiger Weg mit „authentischen“ Produktionsbedingungen: Nach knapp sechsmonatiger Recherche legte das kleine Team die festgestellte Route durch Zentralasien selbst zurück. Kein durchgängiges Skript mit ausformulierten Figuren und Dialogen - auch bedingt durch die Arbeit mit Laiendarstellern - hatte Autor Tony Grisoni dazu vorgelegt, sondern lediglich ein auf Augenzeugenberichten beruhendes Storygerüst und Charakter-Ideen, die auf der Reise während der Aufnahmen ihre Form annahmen.

    Als Ergebnis dessen fanden über 200 Stunden digital gedrehtes, halbdokumentarisches Material im Schnitt zu einer dramatischen und kinematographischen Form, der Dario Marianellis breiter, ethnischer Score bewusst und durchgängig den Weg bereitet. Hinweise auf Zeit und Ort der auf der Landkarte zu verfolgenden Stationen der viermonatigen Tortour der Flüchtlinge geben die Struktur des Dramas vor, dessen politischer Hintergrund von Paul Popplewells Voice-over erläutert wird: Im Nordosten Pakistans leben im Februar 2002 nach den US-Bombardements Afghanistans nach dem 11. September 53.000 Menschen im No Man’s Land des Shamshatoo Flüchtlingslagers - unter ihnen der 16-jährige Jamal (Jamal Udin Torabi). Als die Familie des älteren Cousins Enayat (Enayatullah) in einer der bewegendsten Szenen des Films beschließt, dem Sohn die Flucht in die Freiheit und in eine bessere Welt zu finanzieren, ist es Jamal, der ein Paar Brocken Englisch spricht und den Kontakt zu einem Menschenschmuggler herstellt, der ihm für ein beachtliches Vermögen gleich die Reise über den gefährlichen Landweg mit ermöglicht.

    Diesen beschreibt Winterbottom im Folgenden mittels einer wahren Flut intensiver Sinneseindrücke, die - einschließlich der blutigen Schächtung eines Bullen anlässlich der Abreise der Cousins - zunächst Land und Leute selbstverständlich und vertraut machen. Deren zeitweise hoffnungsvolle Lebendigkeit weicht dem spürbar körperlichen Leid der Flüchtlinge auf dem Weg gen Westen und lässt sich lediglich in den Kinderaugen und deren Fußballspiel an den jeweiligen Zwischenstationen wieder erahnen. Unterwegs findet der Film seinen schnellen, fesselnden Rhythmus, und die körnig-verschwommenen, schwarzweißen und kälteklirrenden Bilder einer nächtlichen Bergüberwindung zwischen Teheran und der Türkei gehören formal zu seinen beeindruckendsten Momenten. Zwischen offenen LKW-Pritschen und der ungewissen Zeit des Wartens auf immer neue Kontaktmänner wächst das Misstrauen gegenüber den „Händlern“, die im seltensten Fall die gleiche Sprache sprechen. Die stete Angst, entdeckt zu werden, ist treuer Begleiter auf einem Trip, dessen Gefahren mit wachsender Nähe zum Ziel immer größer werden. Gleichzeitig erscheinen die ebenso wachsenden Anzeichen der „westlichen“ Welt mit den Augen der Migranten gesehen immer fremdartiger und absurder - und stellen schon hier die in Aussicht gestellte Freiheit in Frage. Mit einer 40-stündigen Horror-Überseefahrt von Istanbul nach Triest, eingeschlossen im erstickenden Dunkel eines Containers im Bauch der Fähre nach Italien, findet „In This World“ mit einer menschlichen Katastrophe nicht nur einen dramatischen Höhepunkt, sondern dokumentiert gleichzeitig das Schicksal abertausender Flüchtlinge, die auf eben diesem verzweifelten Weg in einer anderen Welt endeten als in der erhofften.

    „Unser Film wird nicht sehr viel mehr bieten, als auch die Zeitungen schon brachten“, erklärt Winterbottom selbst seine Intention, „aber je stärker man den Leuten das in Erinnerung ruft, desto besser.“ Weshalb sein Film gerade zu diesem Zeitpunkt in keiner anderen Welt besser aufgehoben sein dürfte, als im Wettbewerb eines A-Festivals.cm.

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    Kino.de Redaktion  

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